Vier kompakte Diesel-SUV im Vergleichstest BMX X1, Subaru Forester, Toyota RAV4, VW Tiguan

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der neue BMW X1 bringt mit seinem geduckten und dynamischen Auftritt eine neue Farbe in die Riege kompakter SUV. Was er kann, zeigt das Kräftemessen mit drei bekannten Vertretern der Allradler-Zunft

Der BMW-Fahrer an der Tankstelle guckt interessiert und fragt dann freundlich von Marken-Kollege zu Marken-Kollege: „Was ist das denn?“ Der neue X1. „Ist das ein Kombi?“ Irgendwie schon, aber vielleicht auch ein flaches Sports Utility Vehicle. „Also ein tiefergelegter X3?“ Nein, nicht so ganz. Eher ein 1er Kombi mit erhöhter Bodenfreiheit und – auf Wunsch – Allradantrieb.

Man sieht: Der BMW X1 ist kein Selbsterklärer wie ein klassisches Coupé, eine Limousine oder ein Kombi. Denn er spielt wie auch der 5er GT irgendwie zwischen mehreren bekannten Fahrzeugkategorien.

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Ob der X1 beim Betreten dieses konzeptionellen Niemandslandes zwischen allen Stühlen landet, oder ob er sich als überzeugende Alternative zu konventionellen SUV profilieren kann, klärt der Vergleichstest des X1 xDrive20d (177 PS, 34 400 Euro) mit drei gestandenen Kompakt-SUV.

Japan vertreten in diesem Fall der Subaru Forester 2.0D (147 PS, 30 100 Euro) und der Toyota RAV4 2.2 D-CAT 4x4 (177 PS, 34 350 Euro), aus Deutschland komplettiert der VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion mit 170 PS für 31 950 Euro das Quartett.

 

Karosserie

Wie der neue 7er und der 5er GT trägt der X1 seine Kühler-Niere groß und nahezu senkrecht stehend. Der mächtigen Frontpartie folgt bis zum luftig wirkenden Heck eine schlanke Karosserie, die neben der rund zehn Zentimeter höheren Konkurrenz fast zierlich wirkt.

Schon vor dem Einsteigen sind die Verhältnisse dadurch geklärt: Der BMW X1 ist kein Raumwunder, will es auch gar nicht sein. Fahrer und Beifahrer finden genügend Platz mit limousinenhafter Sitzposition und sehr guter Integration ins Auto. Doch in der zweiten Reihe ist schnell Schluss mit lustig mit Kniekontakt zur harten Rückseite der Vordersitzlehnen. Ähnlich beengt geht es nur im Fond des Toyota zu, der auch fürs Platzangebot in der ersten Reihe keine Jubelarien verdient.

Wie es besser geht, zeigen vor allem der Subaru Forester und der VW Tiguan, die vier Erwachsenen ganz komfortabel Raum bieten. Tipp für Tiguan-Käufer: Sitzen hinten öfters große Mitfahrer, sollte man aufs Panoramadach des Testwagens verzichten, denn das schränkt die Kopffreiheit ein. Der Blick in den Kofferraum des X1 erhärtet den Verdacht, dass maximales Platzangebot nicht unter den Top Ten der Entwicklungsziele vertreten war.

420 bis 1350 Liter sind keine Heldentat, wenn man die Volumina der Konkurrenz betrachtet. Immerhin bietet der X1 ordentliche Variabilität mit einer im Verhältnis 40 : 20 : 40 klappbaren Rücksitzlehne und einer nahezu ebenen Ladefläche.

Doch es geht besser – etwa mit zweigeteilten Sitzbänken, die sich getrennt verschieben lassen (Toyota, VW) oder einer klappbaren Beifahrersitzlehne (VW). Am Subaru gefällt der topfebene Ladeboden, wenn die Rücksitzlehnen federgespannt vorklappen, nachdem sie mit einem kleinen Hebel im Kofferraum entriegelt wurden.

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Der erfreulich übersichtliche Forester, das konstruktiv älteste Auto dieser Runde, ist also eine gute Wahl, wenn Platzangebot und Nutzwert im Vordergrund stehen. Ins Hintertreffen gerät er allerdings bei der Sicherheitsausstattung, wo auch der RAV4 (kein Xenonlicht lieferbar) den Anschluss an BMW und VW verliert: Kurvenlicht, Licht- und Regensensor oder Seitenairbags hinten gibt es nicht für den Forester.

Auch die rustikale Einrichtung mit tristem Hartplastik trübt die Punktebilanz des Subaru, wobei die Verarbeitung einen ebenso soliden Eindruck macht wie die des netter eingerichteten Toyota RAV4. Mit Ruhm bekleckert sich der BMW X1 in diesem Punkt aber ebenso wenig.

Wackelige Cockpiteinsätze und Dachsäulenverkleidungen, kratzempfindliches Billig-Plastik ohne Anflug von Aufschäumung im Griff- und Sichtbereich, eine scharfkantige Heckklappenoder eine halbherzig ausgeführte Lenksäulenverkleidung trüben den Qualitätseindruck nachhaltig und korrespondieren nicht im Geringsten mit dem Premium-Anspruch der weiß-blauen Marke.

Mag sein, dass sich die Verarbeitungsmängel mit zunehmender Fertigungsroutine legen. Doch bis zum durchgängig hohen Niveau des VW Tiguan ist es für den jüngsten kleinen BMW noch ein weiter Weg.

KarosserieMax. PunkteBMW X1 xDrive20dVW Tiguan 2.0 TDI 4MOTIONToyota RAV4 2.2 D-CAT 4x4Subaru Forester 2.0D
Raumangebot vorn10070736872
Raumangebot hinten10062676269
Übersichtlichkeit7047534855
Bedienung/ Funktion10089908585
Kofferraumvolumen10039474846
Variabilität10040454840
Zuladung/ Anhängelast8038454236
Sicherheit15094948873
Qualität/ Verarbeitung200161176161158
Kapitelbewertung1000640690650634

 

Fahrkomfort

Wer den Zweiliter-Diesel aus dem BMW 3er oder gar 5er kennt, wird bass erstaunt sein, wie deutlich seine an sich kultivierten Arbeitsgeräusche im X1 zu hören sind. Offenbar wurde Dämmmaterial nicht im Übermaß eingesetzt, was auch für den Subaru Forester gilt. Unter Last laut nagelnd, macht er kein Geheimnis aus seinem dieselnden Arbeitsprinzip.

Schlecht gedämmte Fahrwerks- und Windgeräusche kommen erschwerend hinzu. Weniger von sich hören lassen der Tiguan und der RAV4, wobei der Toyota-2,2-Liter in manchen Drehzahlbereichen präsenter ist und daher für höhere Geräuschmesswerte im Innenraum sorgt.

Wie der Subaru verfügt der Toyota über plüschig-weiche Sitze, die sich schon nach kurzer Fahrt als nicht so komfortabel entpuppen wie die der deutschen Konkurrenz. Die geizt nicht mit Seitenführung und ist ausreichend dimensioniert, wobei die ohne elektrische Einstellung 580 Euro teuren Sportsitze des X1 besonders gelungen sind.

Im Tiguan spielt auch die Federung in vollem Umfang mit. Schluckfreudig und sensibel ansprechend, bügelt der VW so ziemlich alles glatt, was ihm auf öffentlichen Straßen unter die Räder kommt. Dabei ist die adaptive Stoßdämpferregelung (1045 Euro extra) nur die Sahne auf der Torte, will heißen: Das normale Fahrwerk ist, das bewiesen frühere Testwagen, nur marginal unkomfortabler.

Der BMW X1 gibt sich weniger ausgewogen: Das feine Ansprechen beherrscht er nicht so gut, wenn – wie beim Testwagen – breite 18-Zöller mit Notlaufeigenschaften montiert sind. Danach zeigen sich Vorder- und Hinterachse schluckfreudig, bis die Hinterhand bei voller Beladung auf ganz derben Wellen durchschlägt.

Dieses Zeichen der Überforderung sendet auch der Toyota aus, wenn er maximal beladen ist. Bis dahin bleibt er aber ebenso manierlich wie der Subaru, der im Zwei-Personen- Betrieb allerdings wegen der schwachen Dämpfung gelegentlich schaukelig wirkt.

In ergonomischer Hinsicht liegen alle vier auf einem guten Niveau mit leichten Vorteilen für BMW und VW. Unpraktisch ist allerdings die rechts angeschlagene Hecktür des Toyota, denn sie versperrt im deutschen Rechtsverkehr die kurze Strecke zum Gehweg.

FahrkomfortMax. PunkteBMW X1 xDrive20dVW Tiguan 2.0 TDI 4MOTIONToyota RAV4 2.2 D-CAT 4x4Subaru Forester 2.0D
Sitzkomfort vorn1501231209895
Sitzkomfort hinten10070736668
Ergonomie150132132125129
Innengeräusche5032393133
Geräuscheindruck10066706860
Klimatisierung5032323631
Federung leer200137149134130
Federung beladen200131146131135
Kapitelbewertung1000723761689681

 

Motor und Getriebe

Der Vierzylinder-Boxer des Subaru ist der Technik-Exot dieses Vergleichstests. Mit 147 PS hinkt er der Konkurrenz zwar um bis zu 30 PS hinterher, doch die Fahrleistungen des Forester liegen – die Höchstgeschwindigkeit einmal außer Acht gelassen – auf Augenhöhe mit denen des 170-PS-Tiguan.

Außer Konkurrenz: der BMW X1, der nur in der Elastizitätswertung im bärig antretenden Toyota RAV4 einen ernsthaften Mitstreiter hat. Der BMW-Zweiliter hängt nochmals spritziger am Gas als die Konkurrenz, dreht freudvoller hoch und sorgt für jenen Extra-Schuss Fahrvergnügen, um dessenwillen viele einen BMW kaufen. Gepaart ist diese Glanzvorstellung mit dem niedrigsten Testverbrauch: 7,5 Liter sind zwar weit entfernt vom Normverbrauch (5,8 Liter).

Doch Tiguan (8,3 Liter) und RAV4 (8,7 Liter) lassen noch mehr durch die Einspritzdüsen rauschen. Der Forester, dessen hakelige Schaltung ein Dauer-Ärgernis darstellt, ist mit 9,3 Litern nochmals eine Klasse durstiger.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW X1 xDrive20dVW Tiguan 2.0 TDI 4MOTIONToyota RAV4 2.2 D-CAT 4x4Subaru Forester 2.0D
Beschleunigung150114107109107
Elastizität10077727772
Höchstgeschwindigkeit15063545343
Getriebeabstufung10084858170
Kraftentfaltung5036353433
Laufkultur10069686762
Verbrauch325239224216205
Reichweite2515141212
Kapitelbewertung1000697659649604

 

Fahrdynamik

Zum Motorvergnügen gesellt sich beim BMW X1 auch Fahrdynamik der Extraklasse. Er lässt sich noch exakter auf den Punkt lenken als der Toyota RAV4 und der VW Tiguan und bremst am besten. Die beachtliche Handlingzeit und das trotz der um die Mittellage leicht verhärtenden Lenkung frappierende Tempo in der Slalomgasse sind daher keine Überraschung.

Die rote Laterne geht in diesem Kapitel an den Subaru Forester, der mit seiner gefühllosen Lenkung und starken Karosseriebewegungen am wenigsten Fahrspaß vermittelt. Bedenklich lang waren auch die ermittelten Bremswege: Mehr als 40 Meter aus 100 km/h sind schlicht nicht mehr zeitgemäß.

FahrdynamikMax. PunkteBMW X1 xDrive20dVW Tiguan 2.0 TDI 4MOTIONToyota RAV4 2.2 D-CAT 4x4Subaru Forester 2.0D
Handling15076665855
Slalom10074546050
Lenkung10085858073
Geradeauslauf5042424237
Bremsdosierung3018171313
Bremsweg kalt15095808028
Bremsweg warm150104847246
Traktion10090907085
Fahrsicherheit150138138135129
Wendekreis2078914
Kapitelbewertung1000729664619530

 

Umwelt und Kosten

Mit seinem niedrigen Grundpreis macht der Subaru die hohen Werkstatt- und Kraftstoffkosten wett und setzt sich mit knappem Vorsprung vor den VW, der bei Wertverlust und Garantien punktet.

Der Toyota versöhnt für seinen hohen Preis mit reichhaltiger Ausstattung, der ähnlich teure, schlechter ausgestattete BMW landet trotz der niedrigen Kraftstoffkosten nur auf dem vierten Platz.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW X1 xDrive20dVW Tiguan 2.0 TDI 4MOTIONToyota RAV4 2.2 D-CAT 4x4Subaru Forester 2.0D
Bewerteter Preis675166177166187
Wertverlust5018191718
Ausstattung2518202520
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5020282525
Werkstattkosten2016161514
Steuer107777
Versicherung4031313130
Kraftstoff5540373635
Emissionswerte2586828782
Kapitelbewertung1000402417409418

 

Fazit

Der BMW X1 landet mit seinem spritzigen und dazu auch sparsamen Motor sowie der bestechenden Fahrdynamik auf dem ersten Platz. Da ist er allerdings nicht allein, denn der VW Tiguan punktet ebenso stark. Komfortabel ist er, geräumig und variabel. Dazu gut verarbeitet, flott und auf der Höhe der Zeit in Sachen Sicherheit. Hier bricht der Subaru Forester ein. Gefährlich lange Bremswege und Lücken in der Sicherheitsausstattung werfen Schatten auf ein Auto, das mit seinem attraktiven Preis und seinem geradlinigen Charakter durchaus Sympathien weckt. Der Toyota RAV4 kann dem X1 und dem Tiguan nicht gefährlich werden. Er hat keine großen Schwächen, setzt aber auch nirgendwo Maßstäbe.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW X1 xDrive20dVW Tiguan 2.0 TDI 4MOTIONToyota RAV4 2.2 D-CAT 4x4Subaru Forester 2.0D
Summe50003191319130162867
Platzierung1234

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