Vier kompakte Sparer im Vergleichstest Vier günstige, kompakte Spar-Diesel im Vergleich

21.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Als günstige, kompakte Spardiesel sind Hyundai i30, Kia cee’d, Renault Mégane und Skoda Octavia im ganzen Land beliebt. Zu Recht?

Vierspänner wie die berühmte Quadriga auf dem Brandenburger Tor dienten im Altertum zu Wagenrennen und Triumphzügen. Bei den gegenwärtigen Kraftstoffpreisen triumphieren allerdings nur die Ölmultis und die Finanzminister. Höchste Zeit also für einen kompakten Diesel, der mit wenig Kraftstoff möglichst viele Kilometer abspult.

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Am Start stehen Asiaten wie der Hyundai i30 und der technisch nahezu identische Kia cee’d aus dem gleichen südkoreanischen Konzern. Dem Trend zum Downsizing folgend, treibt beide ein nur 1,6 Liter Hubraum großer Turbodiesel mit 116 PS an. Zwei Europäer lassen sich nicht lange bitten: Renault wirft seine gesamte Dieselerfahrung in die Waagschale und kontert mit dem 110 PS starken Mégane 1.5 dCi, der mit einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe (1300 Euro) vorfährt. Und aus dem „nahen Osten“ hält das tschechische Golf-Derivat Skoda Octavia dagegen – ebenfalls mit 1,6-Liter-Motor, aber fünf PS weniger. Das optionale Doppelkupplungsgetriebe (1700 Euro) des Testwagens hat dafür einen Gang mehr, nämlich deren sieben. So gerüstet startet die Spar-Quadriga zum Test-Wagenrennen.

 

Karosserie

Platz für vier und ein brauchbarer Kofferraum – diese Standardanforderung erfüllen alle Testkandidaten, der Genf: Neue Designstudie von Skoda jedoch am besten. Er vermittelt nicht nur das üppigste Raumgefühl, sondern hat auch den größten Kofferraum. Mit 585 Liter Standardvolumen schluckt er einen Satz Winterräder, ohne dass die Rücksitzbank umgelegt werden muss. Da können Hyundai i30 und Kia cee’d nicht mithalten. Dafür bieten nur die beiden Koreaner nach Umklappen von Rückbank und -lehne eine ebene Ladefläche. Bei der Zuladung bleiben sie rund 100 Kilogramm hinter dem Tschechen, der mit 552 Kilogramm die Spitze markiert.

Zwar sind die beiden Asiaten ordentlich verarbeitet, doch lassen die höherwertigen Kunststoffe von Renault und Skoda deren Innenräume schicker und damit wohnlicher wirken. So tragen beide ein Ambiente in die Kompaktklasse, wie es früher nur in gehobenen Fahrzeugsegmenten anzutreffen war. Im alltäglichen Umgang ergeben sich aber keine großen Unterschiede zwischen den Kandidaten, sieht man einmal von der etwas umständlichen Bedienung des Kia-Navis und der langsamen Zielberechnung des Renault-Wegweisers ab.

KarosserieMax. PunkteSkoda Octavia 1.6 TDIRenault Mégane dCi 110 FAP EDCKia cee'd 1.6 CRDi 115Hyundai i30 blue 1.6 CRDi
Raumangebot vorn10070696366
Raumangebot hinten10058535653
Übersichtlichkeit7037364340
Bedienung/ Funktion10090838783
Kofferraumvolumen10060352928
Variabilität10025203535
Zuladung/ Anhängelast8038283232
Sicherheit15095937472
Qualität/ Verarbeitung200183183172172
Kapitelbewertung1000656600591581

 

Fahrkomfort

Dieselfahrzeuge werden gemeinhin für Langstrecken genutzt. Für den Kilometermarathon bringt das Testquartett unterschiedliche Voraussetzungen mit. Die beiden Erlkönige: Neuigkeiten von Hyundai und Kia verfügen vorn über angenehm straff gepolsterte Sitze. Allerdings geriet die Oberschenkelauflage jeweils ein wenig knapp. Frontpassagiere fühlen sich im Renault und im Skoda deutlich besser aufgehoben. Hinten müssen die Renault-Insassen aber die Beine stark anwinkeln. Die Anordnung von Schaltern und Bedienhebeln ist in allen Testkandidaten weitestgehend gelungen, von der Taste für die Bordcomputersteuerung bei den Koreanern abgesehen: Beim Kia ist diese wenig griffgünstig in der unteren Lenkradspeiche platziert, während sie sich im Hyundai vom Lenkrad verdeckt im Armaturenbrett versteckt. Für den Regler der Renault-Sitzheizung gibt es bessere Plätze als außen an der Sitzfläche. Zugegeben, das sind Kleinigkeiten, die im Alltag aber mitunter ebenso störend sein können wie die etwas tief geratenen Kofferraumböden von Mégane und Octavia.

Während der Fahrt sind i30 und Octavia etwas leiser als die Konkurrenz. Was den Geräuscheindruck angeht, reist man aber dank des sonor klingenden Franzosen-Diesels im Mégane am entspanntesten. Der Renault ist es auch, der sich am besten um das Klima an Bord kümmert. Zusammen mit dem Hyundai bringt er eine serienmäßige Klimaanlage mit, die als Automatik sogar eine Regulierung der Luft-Ausströmgeschwindigkeit erlaubt. Gut für besonders zugempfindliche Zeitgenossen.

Man muss keine Langstrecken zurücklegen um festzustellen, dass der Winter im Asphalt hässliche Spuren hinterlassen hat. Frostaufbrüchen und Schlaglöchern widmet sich der Skoda am intensivsten. Obwohl er wie seine Konkurrenten über eine straffe Grundabstimmung verfügt, filtern seine Federelemente Straßenschäden am effektivsten heraus. Lediglich Querkanten kommen recht trocken durch. Unter Beladung gehen seine Dämpfungsreserven jedoch zur Neige.

Der Renault ist keine französische Sänfte. Eine Spur straffer ausgelegt, gerät er bei kurz aufeinander folgenden Wellen etwas aus dem Takt. Mit zunehmendem Tempo federt der Franzose aber besser. An der Zuladungsgrenze zeigt er sich jedoch etwas unkomfortabler als der Skoda.

Dort wo die Fahrbahn uneben ist, bleiben der Kia und der Hyundai ständig in Bewegung. Schlaglöcher regen die Feder-Dämpferelemente der Koreaner mitunter zu deutlichen Unmutsäußerungen in Form von Poltergeräuschen an. Hinzu kommen teils heftige Ausfederbewegungen. Dabei wirkt der Hyundai noch eine Spur nervöser als der Kia.

FahrkomfortMax. PunkteSkoda Octavia 1.6 TDIRenault Mégane dCi 110 FAP EDCKia cee'd 1.6 CRDi 115Hyundai i30 blue 1.6 CRDi
Sitzkomfort vorn150122122110110
Sitzkomfort hinten10068646565
Ergonomie150132115128128
Innengeräusche5026252527
Geräuscheindruck10060625958
Klimatisierung5022332232
Federung leer200136134130128
Federung beladen200130128127124
Kapitelbewertung1000696683666672

 

Motor und Getriebe

Hätten Tankstellen nur Kunden, die Kompaktdiesel vom Schlage unserer Testkandidaten fahren, liefen die Zapfpistolen Gefahr, Spinnweben anzusetzen. Die Ursache hierfür liegt in den erfreulich niedrigen Testverbräuchen, die wir auf der AUTO ZEITUNG-Verbrauchsrunde ermittelt haben. So konsumieren der Hyundai und der Skoda lediglich 5,3 Liter Diesel pro 100 Kilometer, während der Kia mit 5,5 knapp und der Renault mit 5,8 Litern spürbar darüber liegen. Den Koreanern hilft ein Start-Stopp-System beim Sparen (Hyundai: Serie in der gestesteten „blue“-Version, Kia: 300 Euro Aufpreis), dem Skoda das perfekt gestufte Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe.

Bei aller Sparfreude knausern die vier nicht bei den Fahrleistungen. Der Kia ist der leichteste des Quartetts (1356 Kilogramm Leergewicht) und kann sich hier als Spurtstärkster profilieren. Bei ihm vergehen für den Sprint von null auf 100 km/h lediglich 9,9 Sekunden. Auch bei der Höchstgeschwindigkeit deklassiert er mit 197 km/h seine Mitstreiter deutlich – nicht schlecht für ein Sparmobil. Aber auch die Konkurrenten laufen mit maximal 188 (Hyundai) und 190 km/h (Renault und Skoda) im Alltag keineswegs Gefahr, zum Verkehrshindernis zu werden. Beim Sprint fällt der Skoda hinter die Konkurrenten zurück: Nicht nur das Erreichen der 100-km/h-Marke dauert beim Octavia am längsten (11,6 Sekunden), auch zwischen 100 und 140 km/h verliert er etwa auf den cee’d volle vier Sekunden.

Der Renault-Diesel benötigt zwar im Vergleich zu seinen Rivalen am meisten Kraftstoff, glänzt aber mit der besten Laufruhe. In keinem anderen Auto innerhalb dieses Testfeldes schnurrt der Selbstzünder so vibrationsarm, was insbesondere auf längeren Distanzen sehr nervenschonend für Fahrer und Passagiere ist.

Bei der Kraftübertragung setzen die Koreaner auf Sechsgang-Getriebe, die sich bei schnellen Gangwechseln zuweilen etwas hakelig bedienen lassen. Das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe des Renault Mégane kennt diese Unart systembedingt ebenso wenig wie das Zahnräderwerk des Skoda Octavia, leistet sich aber beim Kickdown zu lange Reaktionszeiten.

Motor und GetriebeMax. PunkteSkoda Octavia 1.6 TDIRenault Mégane dCi 110 FAP EDCKia cee'd 1.6 CRDi 115Hyundai i30 blue 1.6 CRDi
Beschleunigung1509094102101
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15046465144
Getriebeabstufung10085847676
Kraftentfaltung5028293030
Laufkultur10057595757
Verbrauch325281272277281
Reichweite2521211920
Kapitelbewertung1000608605612609

 

Fahrdynamik

Auch wenn die Kandidaten beim Verbrauch knausern, bei der Fahrsicherheit tun sie es nicht. Hier liegen sie alle insgesamt auf einem recht hohen Niveau. Den agilsten Eindruck hinterlässt der Mégane. Diese Erfahrung resultiert einerseits aus seinem spontanen Einlenkverhalten, andererseits aus den Lastwechselreaktionen seines Hecks beim Einlenken in Kurven, die vom ESP recht spät abgefangen werden. Einmal in Aktion, regelt das ESP denn auch länger als nötig. Auf der Sollseite stehen die etwas giftig ansprechende Bremse sowie die Lenkung mit ihrer ein wenig diffus wirkenden Servounterstützung.

Der Skoda Octavia verhält sich insgesamt eine Spur träger, vermittelt aber ein deutlich besseres, weil präziseres Lenkgefühl. Seine Neigung zu Lastwechselreaktionen ist geringer ausgeprägt als beim Renault. An der Reifenhaftgrenze tritt sein ESP besonders feinfühlig auf den Plan und bleibt nicht länger in Aktion als nötig.

Den beiden Koreaner sind ausschwenkende Hecks völlig fremd. Dafür steht es mit ihren Traktionseigenschaften nicht zum Besten. Forsches Herausbeschleunigen aus Kurven führt deutlich früher in den Regelbereich des ESP als bei der Konkurrenz – oder verwandelt sich bei abgeschaltetem Schleuderschutz vorschnell in Reifenrauch. Auch beim Thema Lenkung herrscht Verbesserungsbedarf. Mit zunehmendem Lenkeinschlag verliert sich das Gefühl für die Fahrbahn im Kia wie auch im Hyundai. Auf der Habenseite stehen die geringen Aufbaubewegungen bei Kurvenfahrt.

Innenbelüftete Scheiben an der Vorderachse sowie Vollscheiben hinten sind bei allen vier Kandidaten Standard. Bei der Bremsprüfung ergeben sich dennoch teils beträchtliche Unterschiede. So differieren die Kaltbremswerte aus 100 km/h bis zum Stillstand um maximal 1,7 Meter (Renault: 37,1 Meter, Hyundai: 38,8 Meter). Mit warmer Bremse liegen zwischen dem Schlechtesten (Hyundai: 39,0 Meter) und dem Besten (Kia: 35,8 Meter) gar über drei Meter.

FahrdynamikMax. PunkteSkoda Octavia 1.6 TDIRenault Mégane dCi 110 FAP EDCKia cee'd 1.6 CRDi 115Hyundai i30 blue 1.6 CRDi
Handling15058585447
Slalom10062595353
Lenkung10079757370
Geradeauslauf5039393838
Bremsdosierung3019171817
Bremsweg kalt15078797063
Bremsweg warm15088919261
Traktion10038383130
Fahrsicherheit150130125129128
Wendekreis2016141311
Kapitelbewertung1000607595571518

 

Umwelt und Kosten

Auf den ersten Blick erscheinen die Koreaner mit Einstiegspreisen deutlich unter 20.000 Euro als besonders günstig. Doch das täuscht nicht darüber hinweg, dass sich Dinge, die andernorts selbstverständlich sind – etwa eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung oder eine Klimaanlage – nicht separat, sondern nur im Paket oder mit der Wahl der nächst höheren Ausstattungsstufe ordern lassen. Damit überschreiten beide dann flugs die 20.000-Euro-Schwelle, sind aber immer noch günstiger als Der Renault Grand Scénic im Dauertest der AUTO ZEITUNG und Skoda.

Insbesondere der Hyundai punktet darüber hinaus bei den Werkstattkosten, denn bei ausgewählten Händlern gibt es fünf Jahre Wartung kostenlos. Damit fallen nur noch die üblichen Verschleißteile an, die bei vierjähriger Haltedauer und 80.000 Kilometern mit 390 Euro pro Jahr zu Buche schlagen.

Auf diese Weise unterbietet Hyundai nicht nur seinen Konzernkonkurrenten Kia, den der ADAC auf 650 Euro pro Jahr schätzt, sondern auch noch den traditionell günstigen Skoda ( 507 Euro pro Jahr). Der Renault trägt die rote Laterne mit 734 Euro.

Dank der niedrigen CO2-Emissionen haben auch die Finanzminister nichts zu lachen: Bei jährlichen Steuern zwischen 28 und 38 Euro kein Wunder. Teurer ist der Wertverlust, bei dem allerdings der Kia am besten abschneidet. Mit sieben Jahren Vollgarantie zieht er weiter nach vorn, aber in diesem Kapitel nicht an dem Hyundai vorbei.

Kosten/UmweltMax. PunkteSkoda Octavia 1.6 TDIRenault Mégane dCi 110 FAP EDCKia cee'd 1.6 CRDi 115Hyundai i30 blue 1.6 CRDi
Bewerteter Preis675250235268274
Wertverlust5027233028
Ausstattung2522004
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5028274540
Werkstattkosten2015131416
Steuer1010101010
Versicherung4033333332
Kraftstoff5546444546
Emissionswerte2590898584
Kapitelbewertung1000501494530534

 

Fazit

Er ist nicht der Billigste, aber der Beste: So gewinnt der Skoda Octavia. Bei Karosserie, Komfort und Fahrdynamik liegt er vorn und ist deshalb sein Geld wert. Zweiter wird der Renault, der mit seinem kultivierten Motor und der reichhaltigen Ausstattung gefällt. Ganz knapp dahinter landet der Kia – dank bester Fahrleistungen und einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis. Noch günstiger ist der Hyundai und somit eine Empfehlung für Sparfüchse, die ihm seine Schwächen verzeihen.

Gesamtbewertung

Max. PunkteSkoda Octavia 1.6 TDIRenault Mégane dCi 110 FAP EDCKia cee'd 1.6 CRDi 115Hyundai i30 blue 1.6 CRDi
Summe50003068297729702914
Platzierung1234

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