Vier Kompaktklasse-Benziner im Vergleich Kia cee'd, Opel Astra, Peugeot 208 und VW Golf

09.03.2010
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Als Herausforderer bei den Kompakten misst sich der neue Opel Astra mit der Konkurrenz. Wer hat den besten Benziner zwischen 120 und 150 PS?

Bislang hat sich der neue Hoffnungsträger aus Rüsselsheim achtbar geschlagen: Mit einem kräftigen Diesel unter der Haube brachte es der Opel Astra in den beiden zurückliegenden Vergleichstests der AUTO ZEITUNG auf die Plätze zwei und drei. Weil sich aber Selbstzünder nicht für jeden rechnen, ist es an der Zeit, die Qualitäten eines Benziner-Astra auszuloten – hier in Gestalt des 1,4-Liter-Turbos mit 140 PS. Das klingt nach Vernunftmotor, und auch der Preis scheint mit gut 19 000 Euro fair kalkuliert.

Dem Opel stehen ambitionierte Rivalen gegenüber: der Wolfsburger Dauerbrenner VW Golf, ebenfalls als 1,4-Liter-Turbo, aber mit nur 122 PS der schwächste im Testquartett. Da mit Doppelkupplungsgetriebe ausgerüstet, ist er mit 23 465 Euro auch der teuerste. Für fast 2500 Euro weniger gitb es den Peugeot 308, der mit einem 1,6-Liter-Turbo und 150 PS das obere Ende der Leistungsskala markiert.

Und um der Frage nachzugehen, ob es zwingend ein aufgeladenes Aggregat sein muss, steht der Kia cee’d am Start – mit einem 1,6-Liter-Saugmotor, der mit 125 PS leistungsmäßig auf dem Niveau des Golf liegt, aber mit nur 16 715 Euro Schnäppchen-Alarm auslöst.

 

Karosserie

Wegen ihrer großen Fensterflächen vermitteln Opel, Peugeot und VW vorn ein deutlich großzügigeres Raumgefühl als der Kia. Dafür ist dessen Karosse etwas übersichtlicher. Auch bei der Bedienung gibt sich der Kia cee’d keine Blöße – mit Ausnahme der Bedientaste für den Bordcomputer in der unteren Lenkradspeiche.

Nahezu perfekt ist auch der Golf, sieht man von dem nun schwarzen Ölpeilstab ab, der das Erkennen des Ölstands erschwert. Im Peugeot wiederum fällt die zu großzügige Tachoskalierung auf, die das genaue Ablesen der Geschwindigkeit mühselig macht. Die umständliche Bedienung des Bordcomputers im Opel per Drehschalter am linken Lenkstock ist ebenso gewöhnungsbedürftig wie die Bestätigungsfunktion im Navigationssystem per Druck auf den Außenring des Multifunktionsknopfes.

Nach Umklappen der Rücksitzbank bieten Kia und Opel eine vollständig ebene Ladefläche – letzterer aber nur, wenn der „Flex-Floor“-Laderaumboden (90 Euro) in der mittleren von drei möglichen Stufen montiert ist. Dafür verträgt der Astra mit 580 Kilogramm die höchste Zuladung des Quartetts.

KarosserieMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIOpel Astra 1.4 TurboPeugeot 308 150 THPKia cee'd 1.6 CVVT
Raumangebot vorn10070707063
Raumangebot hinten10057555656
Übersichtlichkeit7038353743
Bedienung/ Funktion10090857887
Kofferraumvolumen10030322929
Variabilität10025332535
Zuladung/ Anhängelast8039403934
Sicherheit15094888870
Qualität/ Verarbeitung200185178174172
Kapitelbewertung1000628616596589

 

Fahrkomfort

Im Astra sitzen die Insassen vorn zweifellos am besten – Polster, Kontur und Einstellmöglichkeiten der Sitze schaffen für jeden eine bequeme Position. Davon kann beim Kia keine Rede sein. Im Vergleich sind seine Sitzpolster zu weich, und auch die Schenkelauflage fällt zu knapp aus. Fond-Passagiere fühlen sich im Golf am besten aufgehoben.

Auf schlechten Straßen ist es ebenfalls der VW, der Fahrbahnunebenheiten am souveränsten verarbeitet. Der Opel spricht lediglich auf Querkanten etwas unsensibler an als der VW. Schlusslicht in dieser Disziplin ist der Peugeot. Auf schlechten Straßen hat er die geringsten Dämpfungsreserven und reagiert auf Schlaglöcher reichlich poltrig.

Zwar bietet die Kia-Federung ein besseres Schluckvermögen, doch ist die Karosserie des Koreaners wie die des Franzosen stets in Bewegung. Für das Wohlbefinden an Bord sorgt im Peugeot wie auch im VW immerhin eine serienmäßige Klimaanlage.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIOpel Astra 1.4 TurboPeugeot 308 150 THPKia cee'd 1.6 CVVT
Sitzkomfort vorn150118135105107
Sitzkomfort hinten10072646865
Ergonomie150132125125128
Innengeräusche5036343836
Geräuscheindruck10069635955
Klimatisierung5033223222
Federung leer200140138118130
Federung beladen200139138115132
Kapitelbewertung1000739719660675

 

Motor und Getriebe

Während Peugeot und VW auf Benzin-Direkteinspritzung setzen, vertrauen Opel und Kia auf die kostengünstigere Saugrohreinspritzung – und sind sparsamer. So zeigt der Opel mit nur 7,6 Liter Super pro 100 km den geringsten Testverbrauch, gefolgt vom Kia, der nur ein Zehntel mehr konsumiert, aber mit Start-Stopp-System und Schaltanzeige (300 Euro) antritt. Diese gibt es für den Golf nicht, und so verfeuert der VW auf unserer Verbrauchsstrecke immerhin 8,3 Liter.

Überhaupt wird bei ihm auf der Autobahn ein Expresszuschlag fällig: Schnelle Etappen gehen rasch in Richtung Zehn-Liter-Grenze. Wer also sparen will, sollte Volllast-Etappen meiden. Das gilt auch für den 308, der auf 8,6 Liter kommt. Unter Volllast scheint auch hier der Turbolader die Trunksucht zu beflügeln.

Demgegenüber gibt es an den Fahrleistungen von Peugeot und VW nichts zu mäkeln: Der Franzose knackt die 100-km/h-Marke nach nur 8,5 Sekunden, der Golf ist, gleichauf mit dem Kia, eine Sekunde langsamer, aber immer noch 0,3 Sekunden schneller als der nominell 18 PS stärkere Opel. Mit 213 km/h Höchstgeschwindigkeit markiert der Peugeot die Spitze.

Das gilt im Übrigen auch für die Kraftentfaltung des Franzosen, der Druck in jeder Lebenslage bereitstellt. Da kann der Golf nicht ganz mithalten, jedoch wirkt er immer noch etwas spritziger als der Opel, der zudem bei hohen Drehzahlen unangenehme Dröhnfrequenzen produziert. Der Kia hängt ebenfalls gut am Gas, ist aber wenig durchzugskräftig und arbeitet unter Last recht rau. An Steigungen muss man öfter zum Schalthebel greifen, und auf Langstrecken vermisst man einen drehzahlsenkenden sechsten Gang.

Den besitzen die Schaltboxen von Opel und Peugeot, wobei sich letztere überraschend präzise schalten lässt. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe des VW (Aufpreis: 1800 Euro) stellt stets die passende Übersetzung parat und unterstützt so den agilen Charakter des Wolfsburgers.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIOpel Astra 1.4 TurboPeugeot 308 150 THPKia cee'd 1.6 CVVT
Beschleunigung150105103113105
Elastizität1000000
Höchstgeschwindigkeit15053576347
Getriebeabstufung10082787976
Kraftentfaltung5029283226
Laufkultur10070607061
Verbrauch325224237218235
Reichweite2512131212
Kapitelbewertung1000575576587562

 

Fahrdynamik

Mit Sportwagen-verdächtigen Bremswegen bestätigen Opel, Peugeot und VW das hohe Sicherheitsniveau, das heute in der Kompaktklasse herrscht, wobei der Golf eindeutig die kürzesten Bremswege realisiert (35,3 Meter Kaltbremswert, 34,3 Meter warm). Am anderen Ende rangiert der Kia, der kalt erst nach 38,4 Metern zum Stehen kommt.

Auf dem Handling-Parcours zeigt der Wolfsburger, ausgerüstet mit adaptiver Fahrwerksregelung ACC (945 Euro), ein tadelloses Fahrverhalten. Nahezu neutral umrundet er den Kurs. Die Seitenneigung fällt deutlich geringer aus als bei den Konkurrenten. Provozierte Fahrfehler beantwortet sein ESP mit feinfühligem, aber keineswegs übervorsichtigem Eingreifen. Positiv: Traktionsprobleme kennt der Golf im Gegensatz zum Astra kaum. Dieser, ebenfalls mit einem adaptiven Fahrwerk bestückt („FlexRide“, 930 Euro), entwickelt in schnellen Wechselkurven selbst im „Sport“-Modus relativ starke Aufbaubewegungen. Seine Lenkung ist zwar präzise, die Rückmeldung von der Fahrbahn könnte aber besser sein.

Einen ähnlichen Eindruck hinterlässt der Kia: Seine Lenkung arbeitet zwar zielgenau, wirkt aber etwas synthetisch. Auch sind auf kurvenreicher Strecke starke Karosseriebewegungen zu verzeichnen. Die Achilles-Ferse des Koreaners ist jedoch die Traktion. Bei starkem Herausbeschleunigen aus Kurven ist sofort das ESP zur Stelle. Mit deaktiviertem Schleuderschutz geht ein großer Teil der Vortriebsleistung lediglich in Rauch auf.

Diese Eigenart kennt der Peugeot 308 nicht. Der Franzose wirkt ähnlich agil wie der cee’d. Ein zackiges Einlenken beantwortet er zuweilen aber mit einer Tendenz zum Übersteuern, worauf das ESP korrigierend eingreift. Seine Lenkung ist recht präzise abgestimmt, zeigt jedoch ein hohes Rückstellmoment – ein Umstand, der das Bild des flotten Franzosen ein wenig trübt.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIOpel Astra 1.4 TurboPeugeot 308 150 THPKia cee'd 1.6 CVVT
Handling15065617857
Slalom10073696565
Lenkung10082817874
Geradeauslauf5038383738
Bremsdosierung3020181817
Bremsweg kalt15097939667
Bremsweg warm15010710310190
Traktion10042373829
Fahrsicherheit150130130126128
Wendekreis2017111414
Kapitelbewertung1000671641651579

 

Umwelt und Kosten

Über 6700 Euro Differenz im Grundpreis zwischen Golf und Kia lassen Sparfüchse aufhorchen. Doch muss darauf hingewiesen werden, dass für die Normausstattung des cee’d über 2500 Euro zusätzlich fällig sind. Unabhängig davon verursacht der Koreaner den gerinsten Wertverlust: Laut DAT sind binnen vier Jahren 10 831 Euro abzuschreiben.

Beim VW Golf sind es 13 750 Euro. Da steht der Opel Astra mit 11 483 Euro deutlich besser da. Kaufinteressenten für den Peugeot 308 dürfte die komplette Ausstattung freuen – lediglich für eine Metalliclackierung sind 480 Euro extra zu bezahlen. Für die Werkstatt-Kosten fallen erwartungsgemäß beim VW die niedrigsten Beträge an: 319 Euro pro Jahr. Für Wartung und übliche Verschleißteile müssen Peugeot-Kunden mit 693 Euro hier deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Tröstlich: Der Franzose punktet mit den niedrigsten Tarifen für Haftpflicht und Vollkasko. Hier sparen Peugeot-Fahrer pro Jahr im Vergleich zum Kia 143 Euro. Bei den Unterhaltskosten setzt der Opel mit dem geringsten Verbrauch ein starkes Zeichen. Unterm Strich holt sich aber der Kia cee’d über die Garantieleistungen den Kapitelsieg. Sieben Jahre Vollgarantie bietet sonst keiner der Kompakten.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIOpel Astra 1.4 TurboPeugeot 308 150 THPKia cee'd 1.6 CVVT
Bewerteter Preis675229268249296
Wertverlust5024282529
Ausstattung25185200
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5028182845
Werkstattkosten2017141315
Steuer109999
Versicherung4034353533
Kraftstoff5537393638
Emissionswerte2590888887
Kapitelbewertung1000486504503552

 

Fazit

Die erste Geige im Kompakt-Quartett spielt nach wie vor der VW Golf. Sein Sieg resultiert aus seiner hohen Karosseriequalität und seinem überzeugenden Komfort. In der Fahrdynamik glänzt er mit den besten Bremsen. Bei den Kosten fällt er jedoch ab.

Als Zweiter fährt der Opel Astra ebenfalls vorn mit. Guter Komfort, der sparsamste, aber auch brummigste Motor im Test und wenig Platz im Fond spenden zwar Licht, werfen aber auch Schatten auf den Rüsselsheimer.

Der Peugeot 308 begeistert mit seinem starken und laufruhigen Motor. Der mäßige Federungskomfort verhindert aber eine bessere Platzierung. Trumpfkarten des Kia cee'd sind der niedrigste Preis und die neue siebenjährige Garantie. Antrieb und Komfort sind jedoch verbesserungsfähig.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf 1.4 TSIOpel Astra 1.4 TurboPeugeot 308 150 THPKia cee'd 1.6 CVVT
Summe50003099305629972957
Platzierung1234

Tags:
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