Vergleichtest: Roadster Sonnenanbeter

08.02.2009
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit dem Zweiliter-TFSI-Motor präsentiert sich der neue Audi TTS Roadster noch dynamischer als bisher. Das Leistungsplus soll helfen, BMW Z4 und Mercedes SLK in Schach zu halten

Der Sommer kommt, und Cabrios sowie Roadster verlassen vermehrt ihre wettersicheren Winterunterkünfte. Was gibt es schließlich Schöneres, als Sonne und Natur bei einer Ausfahrt zu genießen? Unter solchen Bedingungen spielt auch die Verdeckform keine Rolle, denn wenn die Temperaturen stimmen, verschwindet die Schutzhülle einfach.

Im Winter ist es allerdings angenehm, wenn man – wie beim SLK – auf das praktische Variodach bauen kann. Ausgerüstet mit dem neuen, von Mercedes als Sportmotor bezeichneten 350er-Sechszylinder-Triebwerk bietet der Stuttgarter ideale Voraussetzungen für den sportlich ambitionierten und praktisch orientierten Roadster-Piloten.

Deutlich puristischer ist da der BMW-Fahrer, er sucht den unverfälschten Roadster mit typischen Karosseriemerkmalen: lange Schnauze, kurzes Heck, Stoffverdeck, starker Motor. Der neue Audi TTS Roadster setzt im Gegensatz zur Sechszylinder-Konkurrenz auf einen leistungsgesteigerten Zweiliter-Vierzylinder mit Turbolader. Damit soll die Fahrdynamik gegenüber den aktuellen Modellen deutlich verbessert werden. Wie sich die veränderte Leistungs-Charakteristik auswirkt, zeigt unser Test. Ist der Audi am Ende vorn?

 

Karosserie

ln einem Roadster müssen schlicht und ergreifend lediglich zwei Personen Platz finden. Gibt es mehr Sitzplätze, wird aus dem Roadster ein Cabrio. Wenn also bei einem Roadster der Raum etwas knapp ist, stört das nicht weiter.

Trotzdem: Das beste Angebot hat der TTS. Seine Platzverhältnisse sind recht großzügig bemessen, während in BMW und Mercedes die Insassen näher an die Türen rücken. Dafür können sie im SLK die Beine am weitesten ausstrecken, und beim Z4 steht mit geschlossener Kapuze die größte Kopffreiheit zur Verfügung.
Das meiste Reisegepäck lässt sich im Mercedes verstauen – zumindest bei geschlossenem Verdeck.

Wird das Stahldach per Knopfdruck elektrisch im Kofferraum versenkt, verringert sich dessen Ladevolumen von 300 auf 208 Liter. Darüber sollte sich der Mercedes-Pilot vor Fahrtantritt im Klaren sein, will er bei schönem Wetter nicht irgendwo auf der Reise Teile seines Hab und Guts deponieren.

BMW und Audi ermöglichen dagegen selbst mit versenkten Stoffmützen (elektrisch) noch einen uneingeschränkten Zugang zum Gepäckabteil. Dass Mercedes in der Regel auf eine umfangreiche Aufpreisliste baut, ist allgemein bekannt.

Das zeigt sich auch bei der Sicherheitsausstattung. Hier hinkt der Stuttgarter seinen bayerischen Kollegen deutlich hinterher. Das umfangreichste Angebot an Sicherheits-Features hat der Audi. Er liegt außerdem bei der Qualitätsanmutung und bei der Verarbeitung vorn, wenn auch nur knapp vor dem SLK. Hier zeigen sich Unterschiede eher in Nuancen. Beim BMW dagegen fallen unlackierte Flächen im Kofferraum auf, und im Vergleich mit der Alu-Verzierung im Audi und der Holztäfelung im Mercedes wirkt er im Inneren billiger.

KarosserieMax. PunkteAudi TT S RoadsterMercedes SLK 350BMW Z4 3.0 Roadster
Raumangebot vorn100706967
Raumangebot hinten100
Übersichtlichkeit70454841
Bedienung/ Funktion100818177
Kofferraumvolumen100121813
Variabilität1005
Zuladung/ Anhängelast809126
Sicherheit150887382
Qualität/ Verarbeitung200180178172
Kapitelbewertung1000485484458

 

Fahrkomfort

Sechszylinder oder Vierzylinder mit Turbo? Das ist nicht nur eine Frage der Leistung, sondern auch des Komforts. Das seidenweich agierende BMW-Triebwerk begeistert mit seiner Geräuschentwicklung – es ist kaum zu hören. Nur im Mercedes reist man noch unbehelligter, weil das feste Dach die entstehenden Geräusche noch besser dämmt. Der etwas rauer klingende Audi-Vierzylinder sorgt für den höchsten Lärmpegel.

Roadster-Fahrer sollten naturgemäß nicht aus Zucker sein und sich auch nicht an einer leichten Fahrtbrise im Innenraum stören. Das laue Lüftchen, das durch Mercedes und Audi weht, lässt sich durchaus verkraften. Und wem es doch zu viel wird, der kann ja noch das Windschott hinter den beiden Sitzen nutzen. Beim Mercedes muss der Windstopper, der 303 Euro Aufpreis kostet, manuell installiert werden, beim Audi fährt er elektrisch per Tastendruck aus.

Ganz anders geht der BMW mit seinen Passagieren um. Hier gelangen die Böen deutlich ungehinderter in den Innenraum und bringen die Frisur durcheinander. Auch hier ist der Münchner der puristischste Roadster des Trios. Das ebenfalls zwischen den Kopfstützen montierbare Windschott hilft nicht viel weiter. Also gleich darauf verzichten und für die Freundin einen Friseurtermin am Zielort buchen.

Die straffe Dämpfung des Z4 trägt ihr Übriges dazu bei, dass der BMW in diesem Vergleich den Titel des ursprünglichsten Zweisitzers für sich beansprucht. Unebenheiten dringen deutlich spürbar in die straff gepolsterten Sitze durch. Der Mercedes präsentiert sich da wesentlich komfortabler.

Er schluckt grobe Stöße ohne Murren und hadert nur mit kleinen, kurz aufeinander folgenden Fahrbahnunebenheiten. Dank des adaptiven Dämpfersystems, bei dem der Fahrer selbst zwischen sportlicher oder komfortabler Abstimmung wählen kann, kommt der TTS mit Bodenwellen am besten klar – wenn auch die Unterschiede zum Mercedes nur geringfügig sind.

Die Differenz würde sicherlich noch etwas größer ausfallen, hätte unser TTS nicht die mit starken Seitenwangen bestückten Schalensitze, sondern die Serienstühle, die auch noch genügend Seitenhalt bieten, an Bord gehabt. Den Sieg des SLK in diesem Kapitel hätten aber auch sie nicht verhindern können.

FahrkomfortMax. PunkteAudi TT S RoadsterMercedes SLK 350BMW Z4 3.0 Roadster
Sitzkomfort vorn150110105102
Sitzkomfort hinten100
Ergonomie150124120117
Innengeräusche50233025
Geräuscheindruck100848680
Klimatisierung50344134
Federung leer200116115110
Federung beladen200116115110
Kapitelbewertung1000607612578

 

Motor und Getriebe

Im Gegensatz zu Mercedes und BMW ist der TTS mit einem Zweiliter-Vierzylindermotor mit Turbolader ausgestattet. Wer jetzt glaubt, dieses Triebwerk hat in Sachen Leistungsentfaltung und Durchzug keine Chance, ist auf dem Holzweg. Der 272 PS starke Motor mit 350 Newtonmeter Drehmoment hängt überaus willig am Gas und stellt in allen Fahrsituationen genügend Leistungsreserven zur Verfügung.

Den Spurt von null auf 100 km/h erledigt der Audi in 5,2 Sekunden souverän vor den beiden Sechszylindern. Der BMW mit seinem 265 PS starken Dreiliter und 315 Newtonmetern benötigt für diese Disziplin 5,9 Sekunden, der SLK mit 305 PS, 360 Newtonmetern und 3,5 Liter Hubraum schafft den Sprint in 5,4 Sekunden. Alle drei Triebwerke hängen gierig am Gas und ermuntern die Piloten zu einer forschen Gangart.

Während SLK und Z4 im Test mit manuellen Sechsgang-Schaltboxen ausgerüstet waren, arbeitete in unserem TTS das S-tronic-Doppelkupplungs-Getriebe (2150 Euro Aufpreis). Es schaltet ruckfrei und stets im richtigen Moment. Der optimale Kraftanschluss steht also immer zur Verfügung. BMW und Mercedes befinden sich in puncto Getriebe auf gleichem Niveau. Der Z4 lässt sich knackiger schalten, beim SLK passt die Motor-Getriebe-Abstimmung besser.

Der Älteste im Feld, der BMW-Sechszylinder, glänzt mit dem günstigsten Verbrauch. Im Durchschnitt gönnte sich der Bayer 9,8 Liter pro 100 Kilometer auf unserer Verbrauchsmessstrecke. SLK und Audi unterboten hier die Zehnliter-Marke nicht und gönnten sich 10,3 (SLK) und 10,6 Liter (TTS). Der SLK kommt im Gegensatz zu Z4 und TTS allerdings mit Superbenzin aus, während die anderen das teure Super Plus fordern. Alle drei liegen in diesem Kapitel aber eng zusammen – der Sieg geht nur ganz knapp an den SLK.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi TT S RoadsterMercedes SLK 350BMW Z4 3.0 Roadster
Beschleunigung150183181176
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150120120120
Getriebeabstufung100918585
Kraftentfaltung50454542
Laufkultur100768082
Verbrauch325155159165
Reichweite259129
Kapitelbewertung1000679682679

 

Fahrdynamik

Stärker, agiler, handlicher – der Audi TTS zeigt ganz klar, wozu er bestimmt ist. Ob beim Handling oder beim Slalom, Z4 und SLK haben keine Chance gegen den Ingolstädter. Dabei präsentiert er sich obendrein so sicher und ausgewogen, dass es schon fast langweilig wird.

Zu schnell anvisierte Kurven quittiert der Audi mit einem klaren Untersteuern und lässt sich auch bei Lastwechseln – im Gegensatz zum BMW mit seinem deutlich ausbrechenden Heck – nicht aus der Ruhe bringen. Die direkt agierende Lenkung und die dank Allradantrieb immer vorhandene Traktion lassen keine Zweifel an seinem dynamischen Können aufkommen.

Beim SLK wird eine zu forsche Gangart durch das nicht ganz abschaltbare ESP eingebremst, während der BMW-Pilot auch hier ungehindert seine Roadster-Träume ausleben kann.

FahrdynamikMax. PunkteAudi TT S RoadsterMercedes SLK 350BMW Z4 3.0 Roadster
Handling150939190
Slalom100746667
Lenkung100838384
Geradeauslauf50444238
Bremsdosierung30201921
Bremsweg kalt150969299
Bremsweg warm1501029892
Traktion100864141
Fahrsicherheit150134125119
Wendekreis20131722
Kapitelbewertung1000745674673

 

Umwelt und Kosten

Mit dem TTS hat Audi den Mercedes in puncto Grundpreis überholt, der BMW Z4 ist deutlich günstiger zu haben. Beim Mercedes wird der höhere Preis im Vergleich zum BMW durch die Mehrleistung und das Variodach gerechtfertigt, beim Audi kann man nur den Allradantrieb anführen.

Zudem macht der BMW-Eigner beim Wiederverkauf des Z4 den geringsten Verlust und gibt auch am wenigsten Geld für Benzin aus.
In der Schadstoffwertung liegt der Mercedes vorn, und auch bei den Versicherungstarifen können sich SLK-Besitzer noch am glücklichsten schätzen. Der Audi wiederum kann bei den Werkstattkosten, der Steuer und den Garantien punkten.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi TT S RoadsterMercedes SLK 350BMW Z4 3.0 Roadster
Bewerteter Preis675121123137
Wertverlust50131416
Ausstattung25191819
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282720
Werkstattkosten20151214
Steuer10988
Versicherung40293231
Kraftstoff55303233
Emissionswerte25868784
Kapitelbewertung1000350353362

 

Fazit

Das dynamischer geschnürte Paket hat der Audi TTS Roadster – mit dem neuen Zweiliter-TFSI-Motor vergrößert er den Abstand zur Konkurrenz. Besonders bei der Fahrdynamik kann der Audi Boden gutmachen. Er ist schnellster im Handling und im Slalom und zudem in allen Fahrsituationen absolut einfach und sicher zu beherrschen. Zudem erzielt er den Sieg im Karosserie-Kapitel.

Der Mercedes SLK 350 bleibt ihm aber dicht auf den Fersen. Er überzeugt beim Komfort und begeistert mit seinem Sportmotor. Selbst bei den Kosten kann er sich vor dem Audi positionieren. Und das Varioverdeck ist noch ein weiterer Pluspunkt. Das intensivste Roadster-Feeling genießen die Passagiere im BMW Z4. Die lange Motorhaube und das kurze Heck muten klassisch an, der Reihensechszylinder ist nach wie vor ein Traum und reagiert spontan. Allerdings ist der Z4 in die Jahre gekommen und bedarf einer Auffrischung.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi TT S RoadsterMercedes SLK 350BMW Z4 3.0 Roadster
Summe5000286628052750
Platzierung123

Tags:
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