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Vorstellung Opel-Kombis

Chefsache: Opel-Kombis


Der Opel Insignia ist gut gestartet. Mit dem Sports Tourer könnte die Baureihe zum echten Volltreffer werden.
Opel-Chef Hans H. Demant stellt den neuen Designer-Kombi vor und bringt zwei wunderbare Caravan-Oldies mit

Wenn man Opel-Chef  und Vize-Präsident der Entwicklung von General Motors Europa ist, dann hat man gut zu tun. Hans H. Demant ist all das in Personalunion und kümmert sich um den technischen Fortschritt der Marke Saab ebenso wie um die Zukunft von Opel. Hans H. Demant, den sie in Rüsselsheim kurz „HHD“ nennen, hat einen rappelvollen Terminkalender. Sein neues Topmodell aber stellt er am liebsten persönlich vor.

Treffpunkt Adam Opel-Haus, Rugbyring, Rüsselsheim. Drei Generationen aus der langen Geschichte großer Opel-Kombis warten in der Lobby auf HHD. Ein Olympia Rekord P1 von 1958 im Farbton Opel-Corall mit weißem Dach, ein grauer Rekord C Caravan Baujahr 1970 und der neue Insignia Sports Tourer in höchstmöglicher Dosierung – als 260 PS starker 2.8 V6 Turbo. „Ich habe mit unseren Händlern gesprochen. Sie sagen, wir sollen mehr Autos bauen, und zwar schnell“, freut sich Demant. Hintergrund ist die Abwrackprämie, die auch bei Opel besonders im Kleinwagenbereich Früchte trägt. Alles andere als klein ist der 4,90 Meter lange Sports Tourer, der am 14. März zu den Händlern rollt. Die Motorvarianten:

• 1.6 (115 PS)
• 1.8 (140 PS)
• 1.6 Turbo (180 PS)
• 2.0 Turbo (220 PS)
• 2.8 V6 Turbo (260 PS).
• 2.0 CDTI (110/130/160 PS)
• 2.0 BiTurbo CDTI (190 PS)

Die beiden stärksten Benziner und der Top-Diesel sind auch mit Allradantrieb zu haben. Die Preisspanne reicht von 23.990 Euro beim 1,6-Liter-Benziner bis zu 43360 Euro beim 2.8 V6 Turbo mit Allradantrieb, Sechsstufenautomatik und Cosmo-Ausstattung. Kurz nach der Markteinführung der Limousine gibt es eine erste Käufer-Tendenz: Ein Viertel aller Kunden bestellt eines der vier Premium-Pakete, die mit 850 bis 1960 Euro zu Buche schlagen.

Stilistisch reduziert der neue Insignia Sports Tourer seinen praktischen, aber betont eckigen Vorgänger Vectra Caravan zum Kastenwagen. „Mit dem Insignia gehen wir einen anderen Weg als mit dem Vectra, der stark nutzorientiert war, aber letztlich nicht ganz den erhofften Erfolg hatte. Der neue Name Sports Tourer macht den stärkeren Lifestyle-Bezug deutlich“, sagt Demant.

Die Abkehr vom Kastenheck kostet indes Ladevolumen. Während der normale Stauraum des Sports Tourer im Vergleich zu dem des Vectra Caravan um zehn auf 540 Liter stieg, beträgt das maximale Ladevolumen noch 1530 Liter. Beim Vectra waren es stramme 1850. „Das ist kein Problem“, ist sich Demant sicher. „Die Kunden von heute wollen einen attraktiven Kombi, der sie bei ihren Freizeitaktivitäten unterstützt. Das reine Ladevolumen spielt nicht mehr die entscheidende Rolle. Wer häufiger mit ein paar Kubikmeter Torf unterwegs ist, findet andere Angebote in unserem Portfolio.“ 

Dass die Abkehr vom Box-Design das Opel-Spitzenmodell ästhetisch in eine höhere Umlaufbahn katapultiert hat, wird deutlich, wenn man es auf der Straße sieht. Das Heck wirkt muskulös, fast bullig. Die stämmigen hinteren Dachsäulen stützen sich auf eine breite Schulterpartie und münden unmittelbar vor den riesigen, mit einer breiten Chromspange verbundenen Rückleuchten. 

Ein Kritikpunkt der coupé-ähnlich geschnittenen Limousine ist die geringe Kopffreiheit auf den Rücksitzen. Beim Sports Tourer fällt sie um vier Zentimeter größer aus – der Unterschied ist spürbar. Fast schon aufsehenerregend arbeitet die elektrisch bedienbare Heckklappe, die es für 500 Extra-Euro in der Ausstattungslinie Sport und in der Cosmo serienmäßig gibt. Auf Knopfdruck schwingt beinahe die gesamte Heckpartie nach oben. Das Bugvisier einer Autofähre öffnet nur unwesentlich spektakulärer. Da das Laderaumportal stark dreidimensional geformt ist und im aufgestellten Zustand entsprechend viel Luftraum beansprucht, bietet die elektrische Variante eine Höhenjustierung. Ein sinnvolles Detail etwa in niedrigen Garagen.

Auf einer ersten Ausfahrt zeigt der Top-Insignia seine sportlichen Qualitäten. Selbst fahren dürfen wir noch nicht, deshalb tritt der Chef aufs Gas. Der aufgeladene 2,8-Liter-V6 schiebt den 4,90 Meter langen Allrad-Kombi mühe- und fast geräuschlos an. Gegen dieses 260-PS-Paket hat das begleitende Fotografen-Auto – ein Zafira – keine Chance. Den Standardsprint von null auf 100 km/h erledigt der kräftigste Insignia in 7,3 Sekunden. Im Höchstfall wären 248 km/h möglich – ein Wert, der sich auf regennasser Straße im Stadtverkehr von Rüsselsheim nicht ausloten lässt. Wegen der aerodynamisch ausgefeilten Karosserie sind störende Windgeräusche kein Thema. „Wir haben bereits über 60.000 Bestellungen vorliegen. Dabei ist der Insignia in wichtigen Märkten wie Frankreich, Großbritannien und Spanien noch gar nicht eingeführt,“ sagt der Opel-Lenker, für dessen Marke ein Erfolg des neuen Flaggschiffs enorm wichtig ist.

Obwohl mit optionaler 20-Zoll-Bereifung (1200 Euro) bestückt, rollt der Sports Tourer komfortabel ab. Im Topmodell ist das adaptive Fahrwerkssystem FlexRide serienmäßig, das den Spagat zwischen agilem Fahrverhalten und hohem Federungskomfort schaffen soll. Kernstück ist das DMC (Driving Mode Control) genannte Steuergerät, das die Informationen der verschiedenen Fahrdynamiksensoren erfasst und die jeweils optimale Kennlinie von Stoßdämpfern, Lenkung, Gaspedal und ESP ansteuert. Optimalen Grip stellt der adaptive Allradantrieb sicher. Wie sich der neue Kombi in extremen Fahrmanövern verhält, klärt der erste Test in der AUTO ZEITUNG.

###PIC[276137]###Neben so viel geballter Fortschrittlichkeit wirken die Oldies wie aus einer anderen Welt. Demant mustert den geöffneten Laderaum des wegen seiner charakteristischen Panorama-Frontscheibe P1 genannten Rekord und schmunzelt: „Den haben die Leute natürlich als Lastesel gekauft.“ Waren es Ende der 50er Jahre meist Landwirte und Handwerker, die den sprichwörtlich zuverlässigen Opel-Kombi steuerten, griffen beim Rekord C zehn Jahre später vor allem Handwerker und Landwirte zu – die Kundschaft war also dieselbe und ihre Intention klar: Ein Kombinationskraftwagen hatte Mensch und Material zu bewegen. Punkt. Die Frachtraten jener in der Autowerbung so gern bemühten Golfbags, mit denen wir heute angeblich ständig unterwegs sind, lagen in Wirtschaftswunder-Zeiten bei null. Lifestyle machte sich fest am weiß eingedeckten Tisch, auf dem sonntags ein Schmorbraten mit Pellkartoffeln und Rotkohl stehen musste. Dazu Rinderkraftbrühe mit Eierstich, Schokopudding und für Vaddern ein Gläschen Asbach hinterher.

Die Geschichte der geräumigen Alltagshelden im Zeichen des Blitzes ist lang: Der Name Rekord tauchte erstmals 1953 auf, als der Olympia Rekord den Olympia beerbte. Vier Jahre später kam der Rekord P1, dem 1963 der technisch eng verwandte P2 folgte. Die Panoramascheibe hatte allerdings zugunsten breiterer Türen und des bequemeren Einstiegs ausgedient. Das Design war dem Zeitgeschmack folgend sachlicher. Vom P2 stammt übrigens jene drollige Coupé-Variante, die wegen ihrer eigenwilligen Proportionen im Volksmund „rasender Kofferraum“ genannt wurde. Es folgten der von 1963 bis 1965 gebaute Rekord A und – ab jetzt ist die Ahnengalerie anständig durchnummeriert – der B, der sage und schreibe elf Monate lang im Programm war, bevor Kollege C die Rolle der gutbürgerlichen Opel-Mittelklasse übernahm. Immerhin: Im B-Rekord hielt eine hochmoderne Motorengeneration Einzug, denn die bislang verbauten Stößelstangen-Aggregate aus der Vorkriegszeit waren beim besten Willen nicht mehr weiterzuentwickeln. Der CIH war da. Sein Kürzel steht für „Camshaft in Head“, also obenliegende Nockenwelle, und er war während zweier Jahrzehnte in verschiedenen Hubraum- und Leistungsstufen quasi der Brot-Motor der Marke. Wohl dem, der damals einen Neunzehnhunderter sein eigen nennen konnte!

Vom C-Rekord wurden von 1966 bis Ende 1971 exakt 1.253.161 Einheiten gebaut. Mit Produktionsende der E-Generation im Jahr 1986 verschwand der Name Rekord. Die Zukunft sollte dem Omega gehören, dessen Kombiversion aber weiterhin Caravan hieß. Die Bezeichnung leitet sich übrigens ab aus „Car-and-Van“, vereint also die Gattungsbegriffe Auto und Lieferwagen. „Ich habe sie alle gemocht“, sagt Hans H. Demant, als er auf den dicken Schließzylinder drückt und die Heckklappe des grauen C-Rekord nach oben schwingen lässt. „Am meisten die Omega Caravan.“

###PIC[276135]###Der Opel-Chef nimmt auf der Ladekante des hübsch lackierten P1 Platz. „Eigentlich sind wir hier falsch“, meint der Autor. „Wir sollten ins Rheingau fahren, eine rotweiß karierte Decke mitnehmen und zeitgenössisch pick-
nicken.“ Demant lacht: „Genau, und zwar zünftig. Mit allem, was dazugehört – Handkäs mit Musik und Äppelwoi.“ Da ist es wieder, das verschmitze Lächeln mit den neugierig funkelnden Augen. Man versteht, warum die Opelaner ihren Boss so schätzen. HHD ist kein Rambo-Manager, dem die Folgen seiner Entscheidungen egal sind, weil er bis dahin längst in sicherer Entfernung auf dem nächsten Posten sitzt. Er ist die zentrale Figur in der Opel-Welt. Darin dreht sich bald alles um den neuen Astra. Auf der IAA im September ist es soweit. Opel-Kombi-Puristen können beruhigt sein – auch vom nächsten Astra gibt es einen echten Caravan. Er wird sogar noch etwas größer.   Stefan Miete

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Opel Insignia Sports Tourer 2.8

PS/KW 260/191

0-100 km/h in k.A.

k.A., k.A.

Spitze 248 km/h

Preis 39.055,00 €

Opel Olympia Rekord P1

PS/KW 45/33

0-100 km/h in k.A.

k.A., k.A.

Spitze 125 km/h

Preis k.A.

Opel Rekord C

PS/KW 65/48

0-100 km/h in k.A.

k.A., k.A.

Spitze 141 km/h

Preis k.A.