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Vergleich Luxusklasse

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Vor der Semper-Oper in Dresden trafen sich der neue 7er BMW und die Mercedes S-Klasse zum ersten Showdown

Zu klobiges Design, zu komplizierte Bedienung – BMW hat sich die Kritik am Vorgängermodell sehr zu Herzen genommen: Wenn am 15. November das neue Flaggschiff der Münchener ins Rampenlicht rollt, wird vieles anders sein als bisher. So formte Chefdesigner Adrian van Hooydonk die fünfte Generation der 7er-Baureihe wesentlich gefälliger. Und das, obwohl das Auto in den Abmessungen mit 5,07 Metern – ein Plus von vier Zentimetern – sogar noch etwas gewachsen ist. Auffällig ist die extrem lange Motorhaube samt überdimensionaler, senkrecht stehender Kühler-Niere. Sie soll vor allem eines bewirken: Präsenz. Dagegen wirkt die zum ersten Vergleich gebetene Mercedes S-Klasse geradezu zierlich, obwohl sie es in Wirklichkeit gar nicht ist. Denn von den Abmessungen her sind beide nahezu identisch.

Weniger klobig, dafür mit eleganten und weichen Linien präsentiert sich der BMW im Innenraum. Die edlen Materialien überzeugen mit hoher Anfassqualität. Der Motor wird weiterhin per Starterknopf zum Leben erweckt. Neu sind die Instrumente, deren Skalen nach dem Start elektronisch eingeblendet werden. Rechts daneben sitzt der hochauflösende, 10,2 Zoll große Monitor des verbesserten iDrive-Systems, das sich über sieben rundherum angeordnete Direktwahltasten (ähnlich dem Audi-MMI-System) nun wesentlich einfacher bedienen lässt. Optional kann man im 7er jetzt auch im Internet surfen. Voraussetzung ist allerdings, dass der Wagen steht.

Zwar verfügt das Comand-System der S-Klasse noch nicht über einen Online-Zugang, doch erfolgt die Menü-Führung über den Dreh-Drück-Regler ebenfalls intuitiv und frei von Kritik. Spürbar verbessert wurde die elektrische Sitzeinstellung des Münchners, deren Bedientasten nun griffgünstig an der Außen­seite der Sitzfläche positioniert sind. Die optionalen Komfort-Sitze für 2130 Euro gewähren einen vorzüglichen Seitenhalt, zwicken aber bei großen Personen im Schulterbereich, während das üppig dimensionierte Mercedes-Mobiliar selbst Sitzriesen eine bequeme Haltung garantiert. Doch könnten sie dem Körper ruhig etwas mehr seitliche Abstützung geben.

Der Wählhebel der Sechsgang­automatik wanderte im BMW wieder auf die Mittelkonsole zurück, während im Mercedes der feuerzeuggroße Wählhebel der Siebengangautomatik weiterhin rechts oben hinter dem Lenkrad kauert. Die S-Klasse verbucht mit ihrem etwas großzügiger geschnittenen Innenraum leichte Vorteile beim Platzangebot im Fond und gewährt großgewachsenen Passagieren etwas mehr Luft über dem Scheitel. Deutlich größer fällt auch das Gepäckabteil aus, das ein Volumen von stolzen 560 Litern bietet. Beim 7er sind es immerhin 500 Liter.

Weitere Unterschiede zeigen sich bei der Verarbeitungsqualität. Die liegt zwar hier wie dort mit kleinen Spaltmaßen auf einem hohen Niveau. Die S-Klasse schmeichelt mit anschmiegsamem Leder und griffsympathischen Kunststoff­oberflächen Hand und Auge und erweist sich als solide. Wer aber dem 730d genauer auf den Zahn fühlt, der entdeckt schnell, dass auch in dieser Fahrzeugklasse der bayerische Rotstift kreiste. Anders als beim Mercedes wurde an der Heckklappeninnenseite und im Motorraum an Klarlack gespart. Ebenso wenig Luxus-like sind die unverkleideten Bowdenzüge der Motorhauben-Entriegelung.

Mehr Leistung bei weniger Verbrauch und Emissionen stand bei der Entwicklung des neuen Reihensechszylinders im BMW im Vordergrund. Der Dreiliter-Turbodiesel mit variabler Turbinengeometrie leistet 245 PS und stellt sein maximales Drehmoment von 540 Nm bereits bei 1750 Umdrehungen zur Verfügung.
Erster Eindruck: Im Vergleich zum Dreiliter-V6 mit 235 PS im S 320 CDI läuft das 7er-Triebwerk kultivierter. Neben der höheren Lauf­ruhe erweist sich der Münchner auch insgesamt als leiser. Der Verbrauch fiel laut Bordcomputer beim BMW mit im Schnitt 9,7 Litern geringer aus als im Mercedes, der sich auf der ersten, überwiegend zügig absolvierten Ausfahrt bei 10,5 Litern bewegte. Genaueres wird ein Vergleichstest klären.

Das komplett neu entwickelte 7er-Fahrwerk verfügt jetzt über ein adaptives Dämpfersystem, das dem Fahrer mittels Schalter die Wahl lässt zwischen Comfort, Normal, Sport und Sport Plus. Darüber hinaus macht die optionale Integral-Aktivlenkung (1750 Euro inklusive Hinterrad-Lenkung) den Bayern spürbar handlicher. So agil, dass man kaum glauben will, mit einem 1,9 Tonnen schweren Luxusliner unterwegs zu sein.

Da muss der trägere Mercedes passen, der ebenfalls mit adaptiven Dämpfern und sogar serienmäßiger Luftfederung mehr fürs komfortable Reisen gemacht ist. Da ein neuer 7er für BMW immer auch ein Technologieträger ist, halten einige Innovationen Einzug. So hat das Nachtsichtsystem Night Vision (2200 Euro) nun eine Personenerkennung, der aktive Tempomat (1880 Euro) eine Stop-and-Go-Funktion. Zudem erhältlich: Side-View-System (840 Euro) und Spurverlassungswarnung (ab 3420 Euro inklusive Navi).

Der neue 7er erweist sich bei der ersten Begegnung als das fahrdynamischere Auto mit dem kultivierteren Motor und dem bes­seren Geräuschkomfort. Die S-Klasse offeriert dagegen bequemere Sitze und ein größeres Raumangebot. Unterm Strich hat der 7er die Nase vorn und scheint somit für kommende Aufgaben in der Luxusklasse gut gerüstet.  Guido Borck

Inhaltsübersicht

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