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Verbrauchsvergleich: Mittelklasse

Sparsamer atmen

Audi, BMW und Mercedes setzen nicht nur bei der Beatmung auf verschiedene Konzepte. Der 320i mit Saugmotor hat – wie der C 180 K mit Kompressor – Spritspartechnik an Bord. Kann der turbogeladene A4 1.8 TFSI da mithalten?

Wie wir testen: Der AZ-Normverbrauch wird für jedes Auto ermittelt, das in der AUTO ZEITUNG einen Test oder Vergleichstest durchläuft. Er spiegelt das wahre Leben aus Stadtverkehr, Landstraßen- und Autobahnfahrt recht realistisch wider. Doch wie sieht es mit dem Verbrauch im reinen Stadtverkehr aus? Und wie, wenn sich der Fahrer auf der Autobahn mit Lkw-Tempo begnügt? Welches Auto, welche Marke liegt dann wie weit im grünen Bereich zeitgemäßer Sparsamkeit?

Diesen Fragen ging die Redaktion mit 18 Autos von Audi, BMW und Mercedes nach – vom Kompaktwagen bis zum großen SUV. Auf dem Test-Programm standen die normale AUTO ZEITUNG-Verbrauchsrunde, 100 Kilometer reiner Stadtverkehr und ein besonders ökonomisch absolvierter Mix aus etwa 40 Kilometer Stadtfahrt und 100 Kilometer Autobahn mit 80 bis 90 km/h.


Was haben diese drei Limousinen gemein? Vier Zylinder, fünf Sitzplätze und sechs Gänge. Das war’s dann aber auch schon. Denn beim Ringen um den geringsten Verbrauch gehen die deutschen Premiumhersteller verschiedene Wege. Besonders BMW und Mercedes tragen dick auf und sorgen mit einem Bündel von Sparmaßnahmen dafür, dass übermäßigen Trinksitten Einhalt geboten wird.

Auf den ersten Blick bekam der C 180 Kompressor nur einen neuen Beinamen. BlueEFFICIENCY. Hinter der viel versprechenden Bezeichnung stehen Leichtlaufreifen, um 1,8 Kilo pro Rad leichtere Felgen, eine Frontscheibe aus speziellem Verbundglas (1,2 Kilo weniger) und eine verbesserte Windschlüpfigkeit, die den cW-Wert von 0,27 auf 0,25 drückt.
 


Modell Audi A4 1.8 TFSI
BMW 320i
Mercedes C180 K
BlueEfficiency


Etwas versteckt zeigt der A4 dem Fahrer die optimale Fahrstufe an (u. links)
Per Knopfdruck kann die Start-Stopp-Automatik im BMW deaktiviert werden
Die aerodynamisch optimierten Außenspiegel senken den cW-Wert
EU-Verbrauch 7,1 l S / 100 km 6,1 l SP / 100 km 6,7 l S / 100 km

     
AUTO ZEITUNG -
Normrunde
8,6 l / 100 km 8,0 l / 100 km 8,5 l / 100 km
Stadtverbrauch 9,2 l / 100 km 7,5 l / 100 km 9,1 l / 100 km
Mnimalverbrauch 6,2 l / 100 km 5,4 l / 100 km 6,4 l / 100 km
DURCHSCHNITT 8,0 l / 100 km 7,0 l / 100 km 8,0 l / 100 km
       
PLATZ 2 1 2

Außerdem sind die Gänge im C 180 K länger übersetzt, und die Lenkhilfpumpe der Servolenkung arbeitet nur, wenn gelenkt wird. Die größte Veränderung in der C-Klasse aber ist der kleinere Motor. Anders als die Modellbezeichnung suggeriert, hat das Triebwerk statt 1,8 nur noch 1,6 Liter Hubraum – Leistung und Drehmoment bleiben mit 156 PS und 230 Nm aber unverändert.

Noch tiefer in die Trickkiste greift BMW und installiert im 320i eine Start-Stopp-Automatik. Kommt das Fahrzeug zum Stehen und ist kein Gang eingelegt, schaltet sich der Motor automatisch ab. Wird die Kupplung getreten, springt er sofort wieder an – schneller als bei einem manuellen Start. Diese Technik haben alle 3er mit Vierzylindermotor und Schaltgetriebe serienmäßig an Bord. Für ein paar weitere Zehntelliter Ersparnis lädt der 320i seine Batterie nur in Schub- oder Bremsphasen. So wird der Motor beim Beschleunigen nicht unnötig belastet. Wie beim Mercedes schaltet auch der 3er die Lenkunterstützung nur dann ein, wenn sie gebraucht wird, genauso wie Kühlmittelpumpe und Klimakompressor. Eine Besonderheit des 3er sind Luftklappen, die sich hinter der BMW-Niere verstecken und den Kühlergrill verschließen, wenn der Motor gerade keinen Kühlbedarf hat. Das verbessert die Aerodynamik und senkt den Verbrauch.

Bei so viel technischer Innovation sieht der Audi A4 mit seinem 1,8 Liter großen Turbomotor auf den ersten Blick blass aus. Keine automatisch abschaltenden Aggregate, keine Unterbodenverkleidung wie beim Mercedes, keine Start-Stopp-Technik wie im BMW. Dafür wird der Kraftstoff beim A4 – wie auch beim 3er – direkt eingespritzt, die C-Klasse muss mit einer Saugrohreinspritzung auskommen.

Kleine Schaltanzeigen lenken beim Fahren ab
Die einzig gemeinsame Sprit-sparhilfe der drei Limousinen sitzt im Zentraldisplay. Dort wird der eingelegte und der unter Verbrauchsaspekten optimale Gang eingeblendet. Wer Benzin sparen und sich trotzdem auf den Verkehr konzentrieren will, sollte aber eher nach Gefühl fahren und bei rund 2000 Umdrehungen den nächsthöheren Gang wählen, anstatt auf die etwas klein geratenen Anzeigen zu schielen.

A4, 3er und C-Klasse lassen sich ohne zu murren untertourig bewegen. Die Leistungsentfaltung des Audi ist die harmonischste in diesem Trio, der Turbo arbeitet über das gesamte Drehzahlband gleichmäßig. Ähnlich verhält sich die C-Klasse, die, wie der A4, dank Aufladung schon bei niedrigen Drehzahlen ausreichend Durchzug hat. Der BMW 320i kompensiert die fehlende Aufladung mit etwas mehr Hubraum. Seine Spritspartechnik zahlt sich aus, wie unsere Verbrauchswerte zeigen. Audi A4 und Mercedes C-Klasse verbrauchen im Durchschnitt einen Liter mehr und teilen sich den zweiten Platz.

Fazit

Der Sieg ist eindeutig: Dem 320i genügt dank Feintuning im Schnitt ein Liter weniger Sprit pro 100 Kilometer als den Rivalen von Audi und Mercedes. Die ebenfalls optimierte C-Klasse kann ihr Potenzial gegenüber dem ohne besondere Spritspartechnik ausgerüsteten Audi A4 nicht ausschöpfen.

Paul Englert

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Audi A4 1.8 TFSI

PS/KW 160/118

0-100 km/h in 8.60s

Vorderrad, 6 Gang manuell

Spitze 225 km/h

Preis 29.200,00 €

BMW 320i

PS/KW 170/125

0-100 km/h in 8.20s

Hinterrad, 6 Gang manuell

Spitze 228 km/h

Preis 30.200,00 €

Mercedes C180 Kompressor

PS/KW 156/115

0-100 km/h in 9.50s

Heckantrieb, 6 Gang manuell

Spitze 230 km/h

Preis 31.803,00 €