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Jaguar XF SV8 vs. Maserati Quattroporte

Nachtschwärmer

Der neue Jaguar XF SV8 wirft einige Fragen auf: Wo steht die Marke mit dem Katzenkopf wirklich? Und ist der XF cooler als ein Maserati? Ein Vergleich der nackten technischen Daten hilft hier nicht weiter. Um der neuen Jaguar-Limousine gerecht zu werden, müssen andere Wertungskategorien her.

Der XF positioniert die Marke mit dem Katzenkopf neu – und ganz weit weg von der altenglischen Betulichkeit seines Vorgängers S-Type oder dem historisierenden Retrolook der anderen Jaguar-Modelle. Der XF ist ein cooler Hund, der seine stämmigen 20-Zöller so selbstverständlich und lässig über den nassen, neonglitzernden Asphalt bewegt wie kaum ein anderer Viertürer.

Haben sich also intellektuelle Trendsetter wie U2-Frontmann Bono und Bestseller-Autor Ken Follett, beide bekennende Quattroporte-Fahrer, möglicherweise für die falsche Limousine entschieden? Ist man im Parkhaus am Düsseldorfer Medienhafen mit einem Maserati morgen so out wie heute mit einer S-Klasse der Baureihe W140? Nein – der Viertürer aus Modena hat immer noch einen Vorteil: Er ist die schönste Limousine auf diesem Planeten. Jede Linie stimmt, die Proportionen so ausgefeilt harmonisch wie die eines Renaissancebaus in der Innenstadt von Verona. Und das Grau-Metallic verstärkt den Eindruck zurückhaltender Noblesse so vollkommen, dass man sich fragt, wieso eigentlich manche Leute den Quattroporte in anderen Farben kaufen.
Der XF daneben wirkt etwas gedrungener, kompakter, was ein Blick auf die Zahlen bestätigt: Er ist kürzer und höher als der Maserati. Und was sich auf den ersten Fotos wie ein Kulturschock ausnahm, ist beim Licht einer angesagten Nachttankstelle betrachtet der längst fällige Schritt in eine neue Designsprache bei Jaguar. Keine zum x-ten Mal wiedergekäuten XJ- oder Mk2-Anspielungen, einfach ein geradliniges, modernes Auto.

Wobei man sich, im Innenraum angekommen, vielleicht ein wenig mehr Traditionsverbundenheit gewünscht hätte. Nein, wir wollen nicht wieder zu den schwarz-weißen Kaminuhren von Lucas oder poliertem Wurzelholzfurnier zurück. Aber der XF wird ohne Schlüssel und Schalthebel nur durch Drücken eines kleinen und Drehen eines dicken Knopfes in Funktion gesetzt, die so unpersönlich distanziert sind, dass simple Schlüssel und U-förmige Schaltkulissen klar besser gepasst hätten.

Wobei sich der Gerechtigkeit halber einwerfen ließe, dass einige Redaktionsmitglieder den automatisch ausfahrenden Schaltdrehknopf als originell und durchaus bedienerfreundlich lobten. Der Maserati hat da weniger Extravaganz zu bieten. Er besitzt einen normalen Schlüssel, der trotz glänzender Plastikhaut etwa so hochwertig wirkt wie der eines Fiat Scudo. Ein sympathischer Hauch Normalität in einem Auto, dessen Preisliste bei 112060 Euro beginnt.

Den Preis für das ergonomischste Cockpit des Jahres werden weder Quattroporte noch XF gewinnen, wobei der Jaguar hier mit stimmigen Details und der kühlen Ambientebeleuchtung Sympathiepunkte sammelt, während der Maserati mit seinem Materialmix aus Leder, Holz und Plastik in unterschiedlichen Farben zunächst etwas Verwirrung stiftet. Und wenn wir schon bei der Bewertung uncooler Eigenschaften sind: Sonderlich bequem sitzt man in beiden Fonds nicht, trotz der jeweils rund fünf Meter Außenlänge. Die Kofferraumwertung geht an den Jaguar, er hat nicht nur mehr Stauraum zu bieten, sondern sogar umklappbare Rücksitzlehnen und eine Durchreiche.

Bei aller Innovation in puncto Karosserie, Interieur und Bedienkonzept wurden beim XF dennoch nicht alle alten Zöpfe abgeschnitten. Unter der Haube hämmert der bekannte 4,8-Liter-V8 mit Kompressoraufladung und 416 PS. Der Maserati-Motor, ein ferner Abkömmling des Ferrari 360-Antriebs, holt seine 400 PS aus der Drehzahl.
Das ist auf jedem Meter Fahrt zu merken. Der Jaguar-Motor ist präsenter, immer zum Sprung bereit, geschmeidig am Gas hängend. Beim Maserati wirkt die Gasannahme etwas zögerlicher, und erst wenn der Drehzahlmesser über die 5000 hinausschießt, scheint richtig Schub einzusetzen, besonders in der Automatik-Version.

Davonfahren kann der XF-Pilot dem Quattro–porte-Fahrer damit freilich nicht. Nur zwei Zehntel trennen die beiden Power-Limousinen beim Sprint bis 100 km/h. Auf der Autobahn hat der kräftigere Brite dagegen das Nachsehen: Er ist auf 250 km/h limitiert, der Viertürer aus Modena kann und darf 270 km/h schnell rennen.

Bei der anschließenden Landstraßenfahrt hat ihn der Jaguar jedoch schnell wieder eingeholt. Der lässt sich auf kurvigem Terrain dank seiner feinfühligeren Lenkung und der etwas heftiger zubeißenden Bremsen eleganter und flüssiger bewegen, was aber den meisten Interessenten fast egal sein dürfte. Das gilt auch für den Verbrauch, der im Maserati ein paar Literchen höher liegt. Für Bono und Follett wird das keine Rolle spielen, ebenso wenig wie der Preis. Für alle anderen: Der Jaguar XF ist rund 30000 Euro billiger. Auch das ist eine Ansage.

Karosserie


KarosserieMax. PunkteJaguar XF SV8Maserati Quattroporte S
Raumangebot vorn1007883
Raumangebot hinten1007180
Übersichtlichkeit703533
Bedienung/ Funktion1006867
Kofferraumvolumen1004135
Variabilität100150
Zuladung/ Anhängelast802711
Sicherheit1509796
Qualität/ Verarbeitung200180170
Kapitelbewertung1000612575
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Inhaltsübersicht

Autos im Test

Jaguar XF SV8

PS/KW 416/306

0-100 km/h in 5.50s

Hinterrad, 6 Gang Automatik

Spitze 250 km/h

Preis 80.820,00 €

Maserati Quattroporte S

PS/KW 431/317

0-100 km/h in 5.40s

Hinterrad, 6-Stufen-Automatik

Spitze 280 km/h

Preis 123.350,00 €