BMW X3, Lexus RX und Mercedes GLK im Vergleichstest Steiler Aufstieg

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit dem GLK hat auch Mercedes einen kompakten Alleskönner im Programm. Hat der Nachzügler das Zeug zum Klassenprimus?

Man mag schwäbische Behutsamkeit vermuten oder – deutlich netter gesagt – die seit mehr als 100 Jahren
erfolgreich kultivierte Denke: Wir als Erfinder des Automobils machen nicht alles zugleich, sondern lieber eins nach dem anderen. Das aber richtig.

So ist vielleicht am ehesten zu verstehen, warum Mercedes erst jetzt sein erstes kompaktes SUV vorstellt. BMW X3 und Lexus RX, beide bereits seit 2003 am Markt, zählen da fast schon zum Ältestenrat.

Nachdem der Mercedes als GLK 350 im Vergleich der Benziner gegen den BMW X3 3.0si eine sehr gute Figur abgab, trifft er im aktuellen Vergleichstest als 320 CDI 4MATIC mit 224 PS auf den BMW X3 xDrive30d (218 PS) und den Lexus RX 400h. Dessen Hybridantrieb mit einem V6-Benziner und zwei Elektromotoren kommt auf 272 PS und verspricht Verbräuche auf Diesel-Niveau.

 

Karosserie

Der Mercedes als neuestes Auto lockt naturgemäß bei jedem Tanken neugierige Mitmenschen an. Die überwiegende Mehrzahl findet seine Form bemerkenswert eckig und kantig, nicht zwingend elegant. Doch die sehr senkrecht stehenden Scheiben des Stuttgarters und die wuchtige Motorhaube haben ihr Gutes: Weder der BMW noch der Lexus mit seinen breiten D-Säulen bieten eine derart gute Rundumsicht und sind ähnlich gut für die Parkplatz-Safari geeignet.

Dem Raumgefühl hilft die Quaderform ebenfalls, denn selbst zwei stämmige Figuren in dicken Jacken kommen sich oder den Seitenscheiben nicht zu nahe. Da sich die Vordersitze besonders weit zurückschieben lassen, ist der GLK die erste Wahl für lange Kerle.

Doch das gilt nur, solange hinten niemand sitzen muss. Denn dort spart der Mercedes an Beinraum und erreicht nicht ganz das Niveau des BMW. Der wiederum ist deutlich von jener Großzügigkeit entfernt, die das Leben im Lexus-Fond kennzeichnet. Die Kopffreiheit ist zwar nicht ganz so üppig wie in der deutschen Konkurrenz, doch die Lexus-Rücksitze mit ihren neigungseinstellbaren Lehnen lassen sich um zwölf Zentimeter verschieben. Angenehm ist auch, dass kein hochbauender Mitteltunnel den Fußraum beschneidet, wie es im X3 und im GLK der Fall ist.

Ist die Rücksitzbank ganz hinten arretiert, schluckt der Lexus allerdings nur 430 Liter Gepäck (Mercedes 450, BMW 480 Liter). Die höchste Zuladung (563 kg), eine starke Vorstellung bei der Sicherheitsausstattung, die Verarbeitung ohne Fehl und Tadel und die beste Funktionalität bringen dem GLK indes einen Vorsprung. Im Münchner wiederum stören die zu weit hinten in der Armlehne positionierten Fensterheberschalter, und im Lexus nervt, dass sich das Navigationssystem nur im Stand programmieren lässt.

KarosserieMax. PunkteMercedes GLK 320 CDI 4MaticBMW X3 xDrive30dLexus RX 400h
Raumangebot vorn100757374
Raumangebot hinten100646771
Übersichtlichkeit70565351
Bedienung/ Funktion100908884
Kofferraumvolumen100454943
Variabilität100403543
Zuladung/ Anhängelast80453537
Sicherheit15010610186
Qualität/ Verarbeitung200181178174
Kapitelbewertung1000702679663

 

Fahrkomfort

Getreu dem Firmenimage war und ist der BMW X3 auf Dynamik getrimmt, was sich in einer betont straffen Fahrwerksauslegung zeigt. Auf guten Straßen gibt es daran nicht viel zu meckern. Doch Asphaltflicken und gröbere Fahrbahnunebenheiten kopiert er erheblich deutlicher als der Mercedes, der viel entgegenkommender abgestimmt ist. Im Zwei-Personen-Betrieb wird der Lexus zwar noch ein wenig besser mit den Folgen nachlässigen Straßenbaus fertig, voll beladen wiederum zeigt sich der GLK am ausgewogensten.

Auch bei der Klimatisierung kann der GLK punkten. Die für rechts und links getrennt regelbare Klimaautomatik, die es bei BMW nicht einmal gegen Aufpreis gibt, hat er wie der Lexus serienmäßig; auf Wunsch lässt sich sogar der Fond separat klimatisieren (696 Euro). Bis zu einem gewissen Punkt schafft BMW hier einen Ausgleich, denn nur im X3 lassen sich auch die Rücksitze (370 Euro) und sogar das Lenkrad (190 Euro) beheizen.

Immer wieder gewöhnungsbedürftig ist das für normal konditionierte Ohren fremde Geräuschbild des Lexus: Während der X3 beim Beschleunigen vernehmlich und der Mercedes nur verhalten nagelnd beim Hochschalten die Drehzahl wechseln, arbeitet der Lexus-Benziner bei energischem Druck aufs Gaspedal mit konstant erhöhter Drehzahl. Das klingt nach rutschender Kupplung, doch dieses – ohne Frage aufwendig gedämmte – Geräusch gehört zur Kraftübertragung per stufenlosem Getriebe wie die Drehzahlsprünge bei konventionellen Automaten.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes GLK 320 CDI 4MaticBMW X3 xDrive30dLexus RX 400h
Sitzkomfort vorn150126130122
Sitzkomfort hinten100727274
Ergonomie150134132126
Innengeräusche50433841
Geräuscheindruck100827878
Klimatisierung50393237
Federung leer200138133140
Federung beladen200134128132
Kapitelbewertung1000768743750

 

Motor und Getriebe

Hier wie da haben die vielen Zahnräder und Wellen gehörig zu tun: Der BMW schiebt 500 Newtonmeter in den Drehmomentwandler, der Mercedes gar 540. Beim Lexus sorgen insgesamt 751 Newtonmeter für Druck im Rücken – 288 vom 3,3-Liter Benziner, 333 vom vorderen Elektromotor und 130 Newtonmeter vom E-Motor an der Hinterachse.

Aus diesem Umstand zieht der RX 400h allerdings eher geringen Vorteil. Er setzt sich von der dieselnden Konkurrenz erst jenseits der 100 km/h leicht ab und läuft schon bei 200 km/h ins selbst verordnete Limit. Der BMW wird serienmäßig bei 210 oder aber 220 eingebremst, wenn beim Kauf 18-Zoll-V-Reifen für mindestens 660 Euro Mehrpreis geordert wurden. 220 km/h schafft der GLK 320 CDI ganz ungehemmt, wobei die in vielen Mercedes-Modellen eingesetzte Siebenstufenautomatik ganz hervorragend funktioniert und sogar die stufenlose Automatik des Lexus in den Schatten stellt.

Das Ergebnis der Verbrauchsrunde wurde natürlich in der Redaktion mit Spannung erwartet; schließlich tobt ja ein wahrer Glaubenskrieg um die Frage, ob ein guter Diesel nicht sparsamer sei als ein Benziner-Hybrid. Nun, der Lexus genehmigte sich 10,1 Liter Super, was angesichts des Fahrzeugformats und des verfügbaren Temperaments nicht schlecht ist.

Mit 9,1 Litern pro 100 Kilometer zeigte sich der BMW aber erheblich sparsamer, und auch der Mercedes unterbietet den Hybrid mit einem Testverbrauch von 9,6 Litern. Bei einem größeren Stadtverkehrsanteil würde sich das Ergebnis allerdings drehen, denn im Stand schaltet der Lexus konsequent ab und steht mit 0,0 Liter Momentanverbrauch.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes GLK 320 CDI 4MaticBMW X3 xDrive30dLexus RX 400h
Beschleunigung150119120119
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150686453
Getriebeabstufung100908287
Kraftentfaltung50383542
Laufkultur100767173
Verbrauch325199209190
Reichweite25121311
Kapitelbewertung1000602594575

 

Fahrdynamik

SUV müssen keine Ausnahme-Sportler sein. Haben sie trotzdem fahrdynamisches Talent, nimmt man das als Käufer natürlich gern mit. Am meisten davon bietet der Mercedes GLK, der zum Test mit 19-Zoll-Mischbereifung (235/50 vorn, 255/45 hinten, Aufpreise ab 116 Euro) antrat. Er lässt sich ungemein frech und dabei überwiegend neutral liegend in die Ecken werfen und düpiert so auf der Handlingstrecke sogar den X3. Chancenlos fährt der Lexus RX hinterher, der unter seiner unpräzisen Lenkung, starkem Karosseriewanken und bremsendem Untersteuern leidet.

Auch die Brems-Performance des Hybrid-SUV ist schlecht – mit eindeutigem Fading bei starker Beanspruchung. Nach einigen schnellen Runden auf der Teststrecke in Mendig ging die Bremse sogar mit abrupt verhärtendem Pedal und minimaler Restwirkung in den Streik – zum Glück ohne schlimme Folgen. Wie es besser geht, zeigen der BMW und der Mercedes, die sowohl mit kalter als auch mit warmer Bremse ungleich besser verzögern.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes GLK 320 CDI 4MaticBMW X3 xDrive30dLexus RX 400h
Handling150756444
Slalom100554827
Lenkung100858766
Geradeauslauf50424242
Bremsdosierung3018188
Bremsweg kalt150879363
Bremsweg warm1501039658
Traktion100858580
Fahrsicherheit150138138125
Wendekreis201095
Kapitelbewertung1000698680518

 

Umwelt und Kosten

Mit einem Grundpreis von 51500 Euro ist der Lexus RX 400h das teuerste Auto dieser Runde. Der Preisnachteil gegenüber dem X3 (47560 Euro) und dem GLK (46053 Euro) ist enorm, wobei es beliebte Extras nur in Paketen gibt. Hinzu kommt, dass Gebrauchtwagenkäufer der Hybrid-Technologie wohl mit Skepsis begegnen. Denn der prognostizierte Wertverlust von knapp 55 Prozent ist erheblich höher als der des BMW und des Merce­des, der als jüngstes Auto dieses Trios am wertstabilsten ist.

Der GLK verliert gegenüber dem X3 bei Werkstatt- und Versicherungskosten an Boden, kann das aber durch die besseren Garantien kompensieren. Und beide überflügeln den mit besonders guten Abgaswerten gesegneten Lexus bei den Kraftstoffkosten. Diesel ist zurzeit billiger als Super.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes GLK 320 CDI 4MaticBMW X3 xDrive30dLexus RX 400h
Bewerteter Preis675126121112
Wertverlust50151412
Ausstattung25161717
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50272025
Werkstattkosten20121515
Steuer10558
Versicherung40253025
Kraftstoff55343532
Emissionswerte25788188
Kapitelbewertung1000338338334

 

Fazit

Spät kommt es, das kompakte SUV von Mercedes. Doch die Schwaben haben alles richtig gemacht. Der GLK ist komfortabel, dynamisch und praktisch. So kann er sich vor den BMW X3 setzen, der vor allem im Komfortbereich Federn lassen muss und bei der Fahrdynamik an Glanz verliert. Der Lexus RX 400h spielt die Rolle als sanfter Gleiter überzeugend und punktet mit geringem Verbrauch. Die schwache Bremse kostet ihn aber Sympathien.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes GLK 320 CDI 4MaticBMW X3 xDrive30dLexus RX 400h
Summe5000310830342840
Platzierung123

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