Vergleichstest - Supersportwagen Frage der Ehre

19.09.2007
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit dem neuen M3 Coupé mit 420 PS will BMW in die Gilde der Supersportwagen vordringen. Die technischen Voraussetzungen sind dank des neuen Triebwerks gegeben. Doch lassen sich die reinrassigen Coupés Audi R8 und die Corvette C6 von einem Viersitzer in die Schranken weisen?

Wer sind die Gegner des neuen BMW M3? Klar: Audi RS 4 und das AMG-Modell der Mercedes C-Klasse. Aber die Produktion des neuen A4 läuft demnächst erst an, und deshalb wird das jetzige Modell des RS 4 nicht mehr produziert. Der neue C 63 AMG kommt erst ab dem nächsten Jahr in den Verkauf. Somit fallen also diese beiden als Gegner derzeit einmal aus. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn BMW verkündet vollmundig, dass sich der neue M3 auch vor echten Sportwagen nicht verstecken müsse – das ist eine deutliche Kampfansage. Wir nehmen die Münchner beim Wort und stellen ihn gegen zwei reinrassige Sportcoupés. Der ebenfalls noch neue Audi R8 ist derzeit schlichtweg der Hingucker in der Sportwagen-Szene und aktiviert aus seinem V8-Triebwerk ebenso wie der BMW 420 PS. Auf gleichem Preisniveau wie der Münchner liegt der amerikanische Sportwagen-Klassiker Corvette C6. Der ebenfalls mit einem V8 ausgerüstete Sportler muss sich allerdings mit 404 PS begnügen.

 

Karosserie

Bei der Karosserie setzt Audi mit dem R8 voll auf Aluminium (Audi Space Frame). Dabei bilden hochfeste Alustrang-Pressprofile und Aluminiumgussknoten eine steife Karosseriestruktur. Die Kollegen in München verwenden beim M3 Kunststoff, Kohlefaser, Aluminium und hochfesten Stahl. Seine tragende Kernstruktur besteht aus verschiedenen Stählen, während weniger belastete Karosserieteile aus Aluminium (Motorhaube), Kunststoff (Kotflügel) und Karbonfaser (Dach) gefertigt sind. Die Struktur der Corvette entsteht in Verbundbauweise aus verschiedenen Materialien. Die zentrale Rahmenstruktur aus Stahl wird durch Böden aus Verbundwerkstoffen sowie einen faserverstärkten Mitteltunnel ergänzt. Die Cockpitstruktur besteht aus Aluminium, die nichttragende Karosserie-Außenhaut aus Kunststoff. Während Audi und Corvette nur zwei Sitzplätze im Angebot haben, kann der M3-Pilot drei Passagieren eine Mitfahrgelegenheit in neue Fahrdimensionen bieten. Er stellt auch in der ersten Reihe das großzügigste Platzangebot zur Verfügung. Er hat die größte Innenbreite und die breitesten Sitze. Bei R8 und C6 engen die ausladenden Mitteltunnel zudem die Platzverhältnisse ein. Eingeschränkt ist auch das Kofferraumvolumen des Audi. Unter der vorderen Gepäckraumklappe lassen sich lediglich 100 Liter verstauen. Eine 90 Liter fassende Ablage hinter den beiden Sitzen verbessert die Gepäcksituation auch nicht wesentlich. Immerhin 430 Liter Volumen bietet der BMW, während die Corvette-Reisenden sehr beachtliche 634 Liter für ihre Reiseutensilien zur Verfügung haben. Dafür ist die Bedienung des Audi am einfachsten. Hier ist alles da, wo es hingehört. Dies gilt grundsätzlich auch für den M3. Wer allerdings die einzelnen Stufen für die Fahrdynamik individuell justieren will, muss sich konzentriert in die Tiefen des iDrive-Systems begeben. Wenn man sie allerdings einmal entdeckt hat, kann man sie über eine Voreinstellung abspeichern und per M-Konfigurationsknopf am Lenkrad leicht abrufen. Wer beim Abstellen der Corvette vergisst, den Rückwärtsgang einzulegen, steht am nächsten Morgen mit leerer Batterie da, weil erst durch das Gangeinlegen die elektrischen Verbraucher abgeschaltet werden. Auch bei der Sicherheitsausstattung gerät der Amerikaner ins Hintertreffen, während der BMW-Pilot nahezu alle wichtigen Details serienmäßig oder wenigstens gegen Aufpreis angeboten bekommt. Der R8 glänzt mit Qualitätsanmutung und einer nahezu perfekten Verarbeitung. Dies kann man aber auch erwarten, da er fast 40000 Euro teurer ist als seine Konkurrenten. Mit ebenso viel Liebe zum Detail ist auch der M3 verarbeitet; allerdings kann er bei der Materialwahl nicht mit dem Ingolstädter mithalten. Mangelnde Passgenauigkeit, Knarzgeräusche aus dem Fahrwerk und billigere Materialien kosten die Corvette C6 wichtige Punkte

KarosserieMax. PunkteBMW M3Audi R8Corvette C6
Raumangebot vorn100696761
Raumangebot hinten10026
Übersichtlichkeit70362528
Bedienung/ Funktion100858870
Kofferraumvolumen1003356
Variabilität1003
Zuladung/ Anhängelast802214
Sicherheit150887159
Qualität/ Verarbeitung200186192165
Kapitelbewertung1000548444443

 

Fahrkomfort

Die Hinterachse mit den Querblattfedern macht der Corvette auf der Komfortstrecke deutlich zu schaffen. Besonders bei kurz aufeinander folgenden starken Schlägen versetzt das Heck und reicht die Unebenheiten nahezu ungefiltert an die Insassen weiter. Die Vorderachse zeigt zudem deutliche Nickbewegungen, und auch die Lenkung kann die Schläge nicht optimal dämpfen. Das Audi-Fahrwerk ist zwar straff abgestimmt, lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen und verschont die Insassen weitestgehend vor harten Schlägen oder Fahrwerksgeräuschen. Der unmittelbar hinter dem Fahrgastraum montierte V8 ist zwar akustisch immer präsent, seine Geräuschentwicklung aber nicht unangenehm. Die Sitze bieten viel Seitenhalt, lassen sich optimal für jede Fahrergröße einstellen und ermöglichen auch auf Langstrecken entspanntes Fahren. Noch besser präsentiert sich der BMW, dem auf unebenem Geläuf anzumerken ist, dass er kein Supersportwagen ist, sondern nur ein Sportcoupé. Wie er Bodenwellen und Schläge verarbeitet, wenn das Fahrwerk auf Komfort gestellt ist, beeindruckt. Im Gegensatz zum Audi bieten die Sportsitze allerdings nicht so viel Seitenhalt.

FahrkomfortMax. PunkteBMW M3Audi R8Corvette C6
Sitzkomfort vorn150138140119
Sitzkomfort hinten10029
Ergonomie150134130108
Innengeräusche50756
Geräuscheindruck100909076
Klimatisierung50353633
Federung leer200139135117
Federung beladen200138135114
Kapitelbewertung1000710671573

 

Motor und Getriebe

Dass V8-Zylinder nicht gleich V8-Zylinder ist und somit die unterschiedlichsten Charaktere entstehen, zeigt dieser Vergleich deutlich. Beim BMW M3 setzen die Ingenieure, wie nicht anders zu erwarten war, auf das Hochdrehzahl-Konzept. So ermöglicht das Triebwerk bis zu 8400 Umdrehungen. Diese Drehzahl wird in einem Tempo erzielt, das kaum vorstellbar ist – dem Sechszylinder des Vorgängermodells weint niemand nach. Dabei spielt es keine große Rolle, welchen Gang man in der manuell zu schaltenden Sechsgangbox gerade eingelegt hat. Bei nahezu allen Drehzahlen nimmt der V8 willig und gierig die Befehle des Gaspedals an. Im Bestfall schafft der M3 den Spurt von null auf 100 km/h in 4,8 Sekunden und ist in 15,7 Sekunden auf Tempo 200. Seine Höchstgeschwindigkeit ist bei 250 km/h elektronisch abgeregelt. Für 2450 Euro kann der Kunde aber das M-Drivers Package ordern, und schon rennt das Coupé 280 km/h. Wie der M3 seine Kraft in Vortrieb umsetzt, ist von den Konkurrenten nicht zu übertreffen, und auch das Getriebe sucht in Sachen Abstufung und Schaltbarkeit seinesgleichen. Die Ausnutzung des vorhandenen Leistungspotenzials fordert natürlich an der Tankstelle Tribut: 14,6 Liter Super Plus laufen im Schnitt pro 100 Kilometer durch die Einspritzdüsen des M-Triebwerks. Aber man kann es auch locker auf 18 bis 20 Liter bringen. Sparsamer ist der Sechsliter-Motor der Corvette. Er begnügt sich im Schnitt mit 13,7 Litern auf 100 Kilometer und verlangt nur Super. Der angesichts der Leistung günstige Verbrauch ist eindeutig eine Folge der Charakteristik des Triebwerks, das nicht auf Drehzahlen, sondern auf Durchzugskraft ausgelegt ist. Den ersten Gang benötigt die Corvette eigentlich nur zum Anfahren. Danach hat man das Gefühl, auch gleich den sechsten Gang des mit etwas Kraftaufwand zu schaltenden Sechsganggetriebes einlegen zu können. Aus tiefsten Drehzahlen – schließlich hat der V8 mit 546 Newtonmeter das deutlich höchste Drehmoment – agiert der Motor ohne Murren. Am liebsten vermeidet er die hohen Drehzahlen und verlangt auch schon bei 6000 Umdrehungen nach dem nächsten Gang. Trotzdem kann sich der Amerikaner, wenn es drauf ankommt, auch beim Sprint gut in Szene versetzen. Wie der M3 benötigt er von null auf 100 km/h 4,8 Sekunden und erreicht die 200-km/h-Marke sogar ein Zehntel früher. Auch bei der Höchstgeschwindigkeit zeigt er dem Münchner seinen breiten Ami-Hintern und schafft glatte 300 km/h. Es wirkt aber alles etwas unwilliger und angestrengter. Sonderlich mühen muss sich der R8 nicht, um in den Fahrleistungen die Bestwerte zu erzielen. In 4,4 Sekunden ist der Mittelmotor-Sportwagen 100 km/h schnell und hält diesen Vorsprung auch bis 200 km/h. In der offenen Schaltkulisse des R8 lassen sich die einzelnen Gänge nicht so gut einlegen wie beim BMW, aber exakter als bei der Corvette. Zwar verlangt der R8 die meiste Schaltarbeit, die Getriebeabstimmung harmoniert aber bestens mit dem Direkteinspritzer. Mit 15,7 Liter Super Plus auf 100 Kilometer hat der R8 neben den höchsten Anschaffungskosten auch den höchsten Verbrauch.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW M3Audi R8Corvette C6
Beschleunigung150187191187
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150135171170
Getriebeabstufung100989682
Kraftentfaltung50474645
Laufkultur100949191
Verbrauch32510591116
Reichweite25688
Kapitelbewertung1000672694699

 

Fahrdynamik

Die Performance, die der Audi und der BMW auf der Handling-Strecke an den Tag legen, ist einfach beeindruckend. Die möglichen Kurventempi liegen mit beiden Fahrzeugen jenseits der normalen Vorstellungskraft, wobei man erwähnen muss, dass der M3 in der 19-Zoll-Option mit Sportreifen ausgestattet ist, die eine bessere Haftung ermöglichen. Mit seinem Hinterradantrieb zeigt er dem Allradler R8 in schnellen Kurven das Heck. Sein bis zu 100 Prozent sperrendes Differenzial erlaubt, bevor es reagiert, so viel Schlupf, dass das Heck sanft nach außen drängt. Mit der leichtgängigen und messerscharf agierenden Lenkung lassen sich Richtungswechsel und Korrekturen einfach und schnell ausführen. Dies zeigt sich besonders beim Slalom, wo der M3 mit 70,4 km/h durch die Pylonen wieselt. Da kann selbst der R8 nicht mithalten, der nur 66,8 km/h schnell ist, dafür aber auf dem Handling-Parcours knapp die Bestzeit erzielt. Wer ihn am Limit bewegt, sollte bei ausgeschaltetem ESP aber auf heftige Reaktionen des Hecks bei Lastwechseln gefasst sein. Die Corvette fällt mit ihrer nicht so direkten Lenkung, den bei Beanspruchung nachlassenden Bremsen und der ohne elektronische Kontrolle mangelnden Traktion ab.

FahrdynamikMax. PunkteBMW M3Audi R8Corvette C6
Handling15011211397
Slalom1001028462
Lenkung100959076
Geradeauslauf50394136
Bremsdosierung30242319
Bremsweg kalt1509410091
Bremsweg warm1501019890
Traktion100567848
Fahrsicherheit150120115109
Wendekreis20784
Kapitelbewertung1000750750632

 

Umwelt und Kosten

Mit fünf Bestwerten (Preis, Wertverlust, Versicherung, Kraftstoff) sichert sich die C6 den Kapitelsieg vor dem auf gleichem Preisniveau liegenden BMW, der die besten Emissionswerte aufweist. Der hohe Grundpreis wirft den Audi zurück. Bei Garantie und Normausstattung liegt er aber vorne.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW M3Audi R8Corvette C6
Bewerteter Preis675823983
Wertverlust50838
Ausstattung25172518
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50232820
Werkstattkosten20121012
Steuer10776
Versicherung40162020
Kraftstoff55191623
Emissionswerte25787377
Kapitelbewertung1000262221267

 

Fazit

Der neue BMW M3 sichert sich den Sieg, weil er neben seiner Performance mit dem Sahnemotor auch noch den höchsten Alltagswert bietet. Die Münchner haben ihr Vorhaben, ein Familienauto als Supersportwagen zu entwickeln, umgesetzt. Der hohe Preis und das eingeschränkte Platzangebot lassen für den R8 nur den zweiten Platz übrig. Er begeistert fahrdynamisch, und optisch ist er sicherlich das Highlight in diesem Vergleich. Auch die Corvette hält sich wacker, kann aber in Sachen Fahrdynamik nicht mithalten. Leistungsentfaltung und Preis sind aber gute Kaufgründe.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW M3Audi R8Corvette C6
Summe5000294227802614
Platzierung123

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