Vergleichstest Sportwagen: Mercedes SLK | Porsche Cayman Kampf der Kulturen

10.03.2009
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Lässt sich das ewig junge Duell Mercedes gegen Porsche auch bei SLK und Cayman auf die Wahl zwischen Komfort-König und Dynamik-Diva reduzieren?

Vielleicht ist es ja tatsächlich eine Frage, die sich gar nicht stellt. Vielleicht wird man bereits in den ersten Lebensmonaten zum Mercedes- oder Porsche-Fahrer programmiert. Legitim ist sie dennoch: Wer baut den besseren Sportwagen in der sportlichen Mittelklasse? Falls man bei Leistungsdaten von um die 300 PS und Preisen ab rund 50 000 Euro noch von Mittelklasse reden kann. Und womöglich ist die Frage gerade
deswegen so reizvoll, weil bereits ein kurzer Blick zurück zeigt, wie aktuell die Frage vor 50 Jahren war und wie wenig sich die ganz speziellen Produktphilosophien der beiden Stuttgarter Premiumhersteller seither verändert haben.

Damals konnte man, wenn man rund 15 000 Mark zur Verfügung hatte, wählen, ob man lieber einen 105 PS starken Mercedes 190 SL oder einen Porsche 356 1600 S mit 75 PS fahren wollte. Heute liegen PS-Niveau und Preise natürlich um einiges höher. Seit dem Facelift vor einem Jahr kommt der SLK 350 mit 305 PS und optionalen Feinheiten wie Direktlenkung und Siebengang- Automatik. Zusammen mit der 7G-Tronic ist der SLK 350 ab 49 986 Euro zu haben. Woraus man schon erahnen kann, dass der frisch vorgestellte Porsche
Cayman S mit 320 PS wohl zu den besonders üppig kalkulierten Angeboten in diesem Marksegment gehört. Samt PDK kostet er fast 15 000 Euro mehr als der Mercedes: genau 64 438 Euro.

Mit ein wenig Wühlen in den umfangreichen Optionslisten lassen sich beide Kompaktsportler übrigens mühelos auf das Preisniveau ihrer teureren Verwandten SL und 911 hieven. Und wer will bei diesen Autos schon auf Leder, Sitzheizung und Navi verzichten?

 

Karosserie

Eine der netten Seiten des SLK ist ja, dass er Coupé und Roadster zugleich ist. Das Variodach bittet
jederzeit auf Knopfdruck zur Cabrioausfahrt, und – was fast noch schöner ist – es hat für den SLK-Fahrer außer dem etwas höheren Geräuschniveau bei sehr schneller Autobahnfahrt keinerlei Nachteile. Dagegen gibt sich der Cayman zugeknöpft. Wer offen fahren will, kann höchstens die Fenster aufmachen oder einen Boxster kaufen. Er punktet mit anderen Qualitäten.

Die beiden Kofferräume in Bug und Heck reichen auch für die große Urlaubsfahrt zu zweit. Das Raumangebot in den beiden Sportlern ist nicht gerade üppig. Im Mercedes sitzt es sich etwas luftiger, und auch die Sicht ist besser. Schräg  nach hinten sieht man aus dem Porsche nicht sonderlich viel, und das Rückwärts-Einparken ist ohne hilfreiche Parkpiepser ein riskantes Spiel. Die kosten freilich – genau wie bei Mercedes – einen kleinen Extra-Obolus.

Die Material- und Verarbeitungsqualität im Interieur – eine deutliche Spur besser als im SLK – verschafft dem Cayman die entscheidenden Punkte zum knappen Kapitelsieg. Zumal der Mercedes mit einigen nachlässigen Details aufwartet, die man aus Stuttgart in der Form nicht gewohnt ist. So spiegelt sich der Navi-Monitor via transparentem Windschott bei Nachtfahrten penetrant im Rückspiegel. In der eigentlichen Mercedes-Domäne Sicherheitsausstattung hat der SLK ebenfalls knapp das Nachsehen, weil einige der Features, die es in anderen Modellen der Marke ganz selbstverständlich gibt, für den kleinen Roadster nicht verfügbar sind.

Wer übrigens seinen Nachwuchs schon frühzeitig in Richtung künftiger Mercedes- oder Porsche-Fahrer indoktrinieren will: Für den SLK gibt es spezielle Kindersitze samt Transponder zur Erkennung und Airbag-Abschaltung, der Cayman S bietet eine serienmäßige Isofix-Vorrüstung.

KarosserieMax. PunktePorsche Cayman SMercedes SLK 350
Raumangebot vorn1006869
Raumangebot hinten10000
Übersichtlichkeit704148
Bedienung/ Funktion1007881
Kofferraumvolumen1003018
Variabilität10025
Zuladung/ Anhängelast801011
Sicherheit1508078
Qualität/ Verarbeitung200184178
Kapitelbewertung1000493488

 

Fahrkomfort

Die Stunde des kleinen Mercedes-Sportlers schlägt im Komfortkapitel. Zwar ist der SLK keine Sänfte, doch er federt deutlich besser als der Porsche, dessen Abrollkomfort zudem unter den optionalen 19-Zöllern leidet. Selbst in der Normalstellung des adaptiven Dämpfersystems (PASM, 1547 Euro) holpert der Cayman viel unbeholfener über Unebenheiten. Die Sportposition des aktiven Fahrwerks ist so straff, dass sie für normale Straßen kaum tauglich ist. Derbe Stöße und permanente Karosseriebewegungen verleiden dann den Spaß am Porsche. In beiden Sportlern leidet der Sitzkomfort unter dem eher knapp bemessen Gestühl. Vor allem im Porsche fühlen sich großgewachsene Fahrer ein wenig eingeengt.

Dafür bieten dessen – natürlich aufpreispflichtigen – Leder-Sport-Sessel deutlich mehr Seitenhalt. Weitere Punkte büßt der Cayman S bei der Geräuschbewertung ein. Die richtet sich strikt nach dem im Innenraum gemessenen Schalldruck. Eine B-Note für den künstlerischen Wert gibt es nicht. Speziell bei Volllast ab 4000 Umdrehungen trompetet der Boxer lustvoll und wohltönend, was aber wenig daran ändert, dass die Geräuschkulisse auf Dauer auch durchaus als lästig empfunden werden kann. Da gibt sich der SLK 350 etwas zurückhaltender, auch wenn der V6 kein ausgesprochener Leisetreter ist. Windgeräusche von der Dachkonstruktion drängen sich erst ab hohem Autobahntempo in den Vordergrund.

FahrkomfortMax. PunktePorsche Cayman SMercedes SLK 350
Sitzkomfort vorn150102105
Sitzkomfort hinten10000
Ergonomie150118120
Innengeräusche501225
Geräuscheindruck1008684
Klimatisierung503842
Federung leer200102115
Federung beladen200102115
Kapitelbewertung1000560606

 

Motor und Getriebe

Das Herz eines Sportwagens ist natürlich der Motor, und in kaum einem Konkurrenten schlägt es so präsent wie im Cayman. Der neue 3,4-Liter-Boxer mit Direkteinspritzung ist in Kombination mit dem Doppelkupplungsgetriebe (PDK) ein fast perfekter Sportwagenantrieb. Er liefert Fahrleistungen, die die Frage aufwerfen, wozu man noch einen 911 braucht, ist bissig, drehfreudig und zudem vergleichsweise sparsam. Die Launch Control des „Sport Chrono Plus“-Pakets schießt ihn in 4,7 Sekunden auf 100 km/h, erst bei 275 km/h ist Schluss. Wobei übrigens die Tachonadel tapfer in Richtung 300 marschiert. Der SLK, selbst kein Kind von Traurigkeit – Tempo 100 erreicht er in 5,5 Sekunden –, ist eine gefühlte Klasse langsamer.

Allerdings harmoniert die 7GTronic perfekt mit dem V6, während sich der Cayman-Fahrer mit dem – sagen wir mal unorthodoxen – Schaltschema herumärgern muss. Lästig ist auch, dass das PDK in vielen Situationen die unteren Gänge zu lange hält. Und das Herumrollen im ellenlangen siebten Gang bei Stadttempo wird ebenfalls nicht jedem gefallen. Erfreulicher ist da schon das Konsumverhalten der Porsche- Antriebseinheit. 10,7 Liter Super Plus pro 100 Kilometer für einen 320-PS-Sportler sind aller Ehren wert. So viel schlechter (11,2 Liter Super) schneidet der SLK jedoch auch nicht ab.

Motor und GetriebeMax. PunktePorsche Cayman SMercedes SLK 350
Beschleunigung150141135
Elastizität10000
Höchstgeschwindigkeit15010990
Getriebeabstufung1008892
Kraftentfaltung504642
Laufkultur1009284
Verbrauch325178169
Reichweite251011
Kapitelbewertung1000664623

 

Fahrdynamik

Fabelwerte beim Standardslalom und auf der Handlingstrecke deuten es an: Gegen die Dynamik des Cayman S kann der SLK 350 nicht viel ausrichten. Vier Sekunden beim Handling und vier km/h beim Slalom sind eine Welt. Dabei sagen die Zahlen nur die halbe Wahrheit. So leichtfüßig, punktgenau und spielerisch, wie sich der Mittelmotor-Porsche um die Ecken werfen lässt, das macht ihm so schnell keiner nach.

Der Mercedes fühlt sich statt der gemessenen 100 Kilogramm eine halbe Tonne schwerer an, er untersteuert in schnellen Kurven, und wenn man es mal wirklich darauf ankommen lässt, bremst das nicht komplett deaktivierbare ESP den SLK aus. Dass der Porsche auch noch deutlich besser und feinfühliger bremst, macht den Cayman-Sieg im Dynamikkapitel noch klarer.

FahrdynamikMax. PunktePorsche Cayman SMercedes SLK 350
Handling15011095
Slalom1009779
Lenkung1009583
Geradeauslauf504042
Bremsdosierung302521
Bremsweg kalt15010388
Bremsweg warm15011291
Traktion1006041
Fahrsicherheit150119125
Wendekreis201418
Kapitelbewertung1000775683

 

Umwelt und Kosten

Der Grundpreis, die spärlichen Garantieleistungen und die höheren Fixkosten lassen dem Porsche keine Chance gegen den ebenfalls nicht gerade billigen Mercedes. Zu dessen schönen Seite zählen die sauberen Abgase und der geringere Wertverlust. Der Porsche-Pilot muss nach vier Jahren mehr als 30 000 Euro abschreiben, beim preiswerteren SLK käme er ein paar Tausender günstiger weg.

Kosten/UmweltMax. PunktePorsche Cayman SMercedes SLK 350
Bewerteter Preis67586115
Wertverlust501013
Ausstattung251618
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung501727
Werkstattkosten201211
Steuer1088
Versicherung402531
Kraftstoff552828
Emissionswerte258687
Kapitelbewertung1000288338

 

Fazit

Fabelwerte beim Standardslalom und auf der Handlingstrecke deuten es an: Gegen die Dynamik des Cayman S kann der SLK 350 nicht viel ausrichten. Vier Sekunden beim Handling und vier km/h beim Slalom sind eine Welt. Dabei sagen die Zahlen nur die halbe Wahrheit. So leichtfüßig, punktgenau und spielerisch, wie sich der Mittelmotor-Porsche um die Ecken werfen lässt, das macht ihm so schnell keiner nach. Der Mercedes fühlt sich statt der gemessenen 100 Kilogramm eine halbe Tonne schwerer an, er untersteuert in schnellen Kurven, und wenn man es mal wirklich darauf ankommen lässt, bremst das nicht komplett deaktivierbare ESP den SLK aus. Dass der Porsche auch noch deutlich besser und feinfühliger bremst, macht den Cayman-Sieg im Dynamikkapitel noch klarer.

Gesamtbewertung

Max. PunktePorsche Cayman SMercedes SLK 350
Summe500027802738
Platzierung12

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