VERGLEICHSTEST - Sportcoupés Kurvenfinder

23.10.2007
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Schnell sein können sie alle. Limousinen, Vans, ja sogar SUV. Coupés zelebrieren darüber hinaus auch die Kehren und Ecken zwischen den Geraden – so wie der Audi TT 3.2 quattro und der erstarkte Nissan 350Z

Natürlich halten Coupés keiner betriebswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Abwägung stand. Doch das Leben, gerade das auf Rädern, besteht ja nicht nur aus Vernunft. Da sind Emotionen im Spiel, Eitelkeiten und viele andere Faktoren, die nicht messbar und manchen Menschen auch gleichgültig sind.

Die Lust an Form und Klang, das präzise Einrasten des Schalthebels, das Ansprechen von Bremse und Lenkung; kurz: die Freude am Fahren. Die will Nissan mit der neuesten Überarbeitung des 350Z nochmals erhöht haben. Mit seinem von 301 auf 313 PS erstarkten Sechszylinder und traditionellem Heckantrieb trifft das Nippon-Coupé auf den Senkrechtstarter der Coupé-Liga, den 250 PS starken Audi TT 3.2 quattro.

 

Karosserie

Man mag über die nur für kleine Kinder geeigneten Rücksitze des Audi lächeln, doch allein wenn sie als Ablage für eine größere Tasche dienen, schließt man sie rasch ins Herz. Da sie klappbar sind, erlauben sie eine Vergrößerung des 290 Liter großen Ladevolumens auf 700 Liter. Von solchen Werten kann der Nissan-Pilot nur träumen. Unter der großen Heckklappe finden nur 235 Liter Platz. Aber was sollte man auch mehr mitnehmen? Magere 192 Kilo sind erlaubt. Der Audi verpackt gut zwei Zentner mehr Zuladung und unterstreicht seinen Kapitelsieg auch mit einer höheren Verarbeitungs- und Materialqualität sowie mehr Profil bei der – teils aufpreispflichtigen – Sicherheitsausstattung.

KarosserieMax. PunkteAudi TT 3.2 quattroNissan 350Z
Raumangebot vorn1006362
Raumangebot hinten1005
Übersichtlichkeit703538
Bedienung/ Funktion1008979
Kofferraumvolumen1001610
Variabilität100233
Zuladung/ Anhängelast80113
Sicherheit1509369
Qualität/ Verarbeitung200175158
Kapitelbewertung1000510422

 

Fahrkomfort

Mit beiden kann man also beruhigt ein Abo für die linke Spur buchen, wobei man im Audi allerdings auf Dauer glücklicher wird. Besonders groß gewachsene Menschen wären zwar dankbar für ein wenig mehr Oberschenkelauflage. Doch trotzdem fühlen sie sich besser aufgehoben als im Nissan, dessen Sitze zwar teilelektrisch vielfältiger einstellbar, aber für einen Sportwagen etwas zu hoch montiert sind.

Zudem lässt sich der TT besser auf Maß schneidern mit seiner in Neigung und Tiefe justierbaren Lenksäule, während sich das griffige Lenkrad des 350Z nur in der Höhe verstellen lässt. Nicht zu unterschätzen sind auch die Unterschiede im Federungsverhalten: Beide sind für diese Kategorie Auto zwar unerwartet komfortabel abgestimmt und meistern Kopfsteinpflaster richtig gut. Derbere Stöße absorbiert der TT jedoch spürbar souveräner als der 350Z, der öfters einen unerwünscht exakten Straßenzustandsbericht abliefert. Ein Gute-Laune-Killer sind bei schneller Fahrt auch die lauten Abrollgeräusche, die zusammen mit stärkerem Windrauschen auf Dauer an die Nerven gehen können.

Seinen Vorsprung kann der Audi nicht nur durch geringere Bedienkräfte ausbauen, sondern auch durch die bessere Ergonomie. Kein Schalter fragt Was bin ich? Alles ist logisch aufgebaut, gut erreichbar und ablesbar. Der Nissan spielt zwar die historisch korrekte Sportler-Karte konsequenter aus mit seinem mittig angeordneten Drehzahlmesser und traditionsbewussten Zusatzinstrumenten auf der Mittelkonsole. Warum man aber fürs Zappen durchs Bordcomputer-Menü die Hand vom Lenkrad nehmen muss, ist damit ebenso wenig erklärt wie der Mangel an Ablagen im direkten Zugriffsbereich des Fahrers.

FahrkomfortMax. PunkteAudi TT 3.2 quattroNissan 350Z
Sitzkomfort vorn150125100
Sitzkomfort hinten1005
Ergonomie150124105
Innengeräusche501614
Geräuscheindruck1008072
Klimatisierung503432
Federung leer200118100
Federung beladen200119105
Kapitelbewertung1000621528

 

Motor und Getriebe

Schon im ersten und zweiten Gang wachsen am Steuer des Audi Zweifel: Das sollen 250 PS sein? Der leise fauchende V6 packt schon knapp über Standgas so brachial an, dass man eher an 300 PS denkt – und zu wissen glaubt, was jenseits der 5000 Touren passiert: Er wird die vier Antriebswellen herausreißen – oder zumindest zu überdimensionalen Korkenziehern verdrehen. Das passiert nicht, natürlich. Doch die erwartete Explosion bleibt auch jenseits der 6000 Touren aus, stattdessen geht es nur bei bester Laufkultur zügig vorwärts. Die Gänge flutschen mit minimalem Kraftaufwand rein, die Anschlüsse stimmen, und in jedem Gang reagiert der Motor feinnervig aufs Heben und Senken des Gasfußes.

Im Nissan sieht die Welt anders aus. Der kurzhubige Sechszylinder grollt vernehmlich und macht akustisch auf Big-Banger. Das passt zum Testwagen, der nicht nur wegen seiner Lackierung für verdrehte Köpfe sorgt. Der 350Z ist ein Fahrerauto, dessen kurzer Schalthebel an den Händedruck des Dorfschmieds erinnert. Der Pilot muss beim Gangwechsel zupacken können und wollen, Kupplung und Gas sorgsam dosieren und tolerant sein gegenüber Vibrationen. Während die beim Audi mit dem feinen Schleifpapier des Perfektionsstrebens weggeschmirgelt wurden, dürfen sie im Nissan noch wüten.

Im Schalthebel, in den Pedalen, ja sogar in der Sitzfläche – dann zumindest, wenn das etwas träger ansprechende Triebwerk hohe Drehzahlen abliefern soll. 7500 Umdrehungen sind möglich, doch von Leichtfüßigkeit keine Spur. Der Nissan erringt daher bei den Fahrleistungen lediglich einen Arbeitssieg über den unangestrengteren Audi: Bis 100 km/h nimmt er ihm trotz anfänglicher Traktionsprobleme 0,4 Sekunden ab (5,7 zu 6,1 s), bis 180 km/h gar 2,6 Sekunden (15,7 zu 18,3 s). Beim Durchschnittsverbrauch geben beide keinen Anlass zum Meckern: Mit 10,3 Liter Super Plus hat der Audi die Nase nur knapp vor dem Nissan (10,7 Liter). Nicht schlecht für 250-km/h-Autos – keine Frage.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi TT 3.2 quattroNissan 350Z
Beschleunigung150174178
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150120120
Getriebeabstufung1009482
Kraftentfaltung503636
Laufkultur1008074
Verbrauch325159154
Reichweite251014
Kapitelbewertung1000673658

 

Fahrdynamik

Nahezu alle diese Mäkeleien sind vergessen, wenn in den breiten Windschutzscheiben nicht endlos lange Geraden auftauchen – wo der Nissan etwas empfindlicher auf Seitenwind reagiert als der Audi –, sondern Kurven. Plötzlich empfindet der Fahrer die Lenkung des 350Z nicht mehr als desinteressiert, sondern als hochpräzise und rundum erfreulich. Ganz exakt lässt sich die lange Schnauze auf Linie bringen. Ohne große Seitenneigung und bis in den Grenzbereich sehr neutral liegend, pfeilt der Nissan durch die Kurve und lässt sich bei deaktiviertem ESP lange mit dem Gaspedal lenken. Mit kleinen Drifteinlagen singt er das Loblied auf den reinen Heckantrieb und unterstreicht den Spaß-Faktor mit kurzem Pedalweg und sehr gut dosierbaren Bremsen. Auf dem Handlingkurs legt er mit 1:44,9 Minuten eine leicht bessere Zeit hin als der Audi. Dessen 1:45,4 Minuten sind jedoch durchaus respektabel, wenn man seine 63 PS Minderleistung in Betracht zieht. Dank Allradantrieb bringt der TT seine Kraft jedoch besser auf die Piste und lässt sich mit geringerem Aufwand ebenfalls sehr schnell bewegen.

Mit 901 zu 611 Kilo verteilt er das Gewicht allerdings erheblich ungünstiger zwischen Bug und Heck als der Nissan, bei dem 871 Kilo auf den Vorder- und 757 Kilogramm auf den Hinterrädern lasten. Der TT gerät daher auf der letzten Rille früher ins Untersteuern. Audi hält dafür mit dem 1230 Euro teuren magnetic ride-System mit verstellbarer Dämpfercharakteristik zwar ein wirkungsvolles Gegenmittel bereit. Ganz so willig wie der Nissan geht der TT allerdings auch so gerüstet nicht ums Eck.

FahrdynamikMax. PunkteAudi TT 3.2 quattroNissan 350Z
Handling1509294
Slalom1007871
Lenkung1008589
Geradeauslauf504745
Bremsdosierung301821
Bremsweg kalt1509388
Bremsweg warm15010094
Traktion1008646
Fahrsicherheit150138115
Wendekreis201513
Kapitelbewertung1000752676

 

Umwelt und Kosten

Bei der Serienausstattung liegen die zwei Coupés dagegen gar nicht einmal so weit auseinander. Punkte sammelt der Audi fleißig bei den Versicherungs- und den Werkstattkosten, während der Nissan mit den längeren Garantiefristen und einer freundlicheren Wertverlustprognose wirkungsvoll kontert. Die Überraschung folgt bei den Preisen: Mit 40950 Euro zu 38190 Euro ist der TT nicht so viel teurer, wie man angesichts seines Premium-Anspruchs erwartet hätte. Versprach Ferdinand Piëch nicht vor ungefähr 25 Jahren, den Allradantrieb quattro einmal zum Preis eines Satzes Winterräder anzubieten? Na das passt doch schon fast.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi TT 3.2 quattroNissan 350Z
Bewerteter Preis675141151
Wertverlust501517
Ausstattung251919
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502833
Werkstattkosten201512
Steuer1088
Versicherung403019
Kraftstoff553130
Emissionswerte258283
Kapitelbewertung1000369372

 

Fazit

Wer gedacht hat, der Nissan führe dem Audi allein wegen seiner Mehrleistung um die Ohren, hat sich gründlich getäuscht. Die zwei liegen sehr dicht beieinander, wenn es auf abgesperrter Strecke zur Sache geht. Im Alltag ist der Audi jedoch in allen Disziplinen klar vorn. Wichtig für viele Coupé-Käufer dürfte auch sein, dass er leichter zu fahren ist, wenn man einfach nur von A nach B kommen möchte. Der 350Z dagegen ist vom Charakter eher das klassische Sportscar aus früheren Jahren – rau, fordernd, hier und da ungeschliffen und weniger kompromissbereit. Man kann ihn genau deswegen mögen.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi TT 3.2 quattroNissan 350Z
Summe500029252656
Platzierung12

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