Vergleichstest Sportcabrios Windspiele

31.07.2007
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Wenn das neue Porsche 911 Turbo Cabrio und der Lamborghini Gallardo Spyder ihre Kräfte messen, wird der Testalltag zum Feiertag und die Teststrecke zum Spielplatz – Dach auf, Sonne und Wind reinlassen und die automobile Leidenschaft genießen. Aber auch die nackten Messwerte zählen

Der eine macht auf Understatement, der andere auf Show. Das neue Porsche 911 Turbo Cabrio gehört zu den Supercabrios wie der Lamborghini Gallardo Spyder, unterscheidet sich in seinem Charakter aber klar von dem italienischen Heißblut. Der Elfer ist viel zurückhaltender konstruiert. Da stellt sich die Frage, ob er den Italiener im Testalltag in die Schranken weisen kann.

 

Karosserie

In diesen Preisregionen – rund 150000 Euro kostet der Porsche, 175000 der Lambo – hat der Kunde einen hohen Qualitätsanspruch und darf deshalb eine perfekte Verarbeitung erwarten. Und die bekommt er auch. Lediglich die leichten Windgeräusche bei geschlossenen Stoffdächern könnten noch minimiert werden. Wenn die Hauben aber per Knopfdruck vollautomatisch und mit viel Show in ihren Kästen verstaut sind, heißt es einfach nur noch: Die warme Sonne und die Boliden genießen. Dass der Lamborghini Züge des nonchalanten italienischen Chaos in sich trägt, stellt der Fahrer bei der zum Teil unlogischen Bedienung fest. Da ist der Porsche einfach viel funktioneller. Er wartet mit keinen unliebsamen Überraschungen auf wie zum Beispiel der beim Gallardo ungewöhnlich komplizierten Prozedur, die Motorhaube zu öffnen, um den Ölstand kontrollieren zu können. Während die Passagiere sich über die vorhandenen Platzverhältnisse nicht beschweren können, sollte man sich genau überlegen, wen man auf dem Beifahrersitz mitnimmt. 110 Liter Kofferraumvolumen beim Lambo und 105 Liter beim Porsche lassen nur geringen Spielraum bei der Kleiderwahl.

KarosserieMax. PunktePorsche 911 Turbo CabrioLamborghini Gallardo Spyder
Raumangebot vorn1006054
Raumangebot hinten10010
Übersichtlichkeit705438
Bedienung/ Funktion1008074
Kofferraumvolumen100
Variabilität1005
Zuladung/ Anhängelast80148
Sicherheit1506155
Qualität/ Verarbeitung200186186
Kapitelbewertung1000470415

 

Fahrkomfort

Man erkennt nicht nur am Vortrieb, in welchen Kraft-Maschinen man sitzt, man spürt es auch am eigenen Leib. Die straff abgestimmten Feder-Dämpfer-Elemente lassen kaum Fragen über die Beschaffenheit des jeweiligen Fahrbahnzustandes aufkommen. Und trotzdem reagieren sie sehr unterschiedlich. Nach dem Motto "Nur die Harten kommen in den Garten" überträgt der Lambo Bodenwellen nahezu ungefiltert von der Straße in die Sitze. Ein klares Bekenntnis zur sportlichen Ausrichtung. Der Porsche, ausgestattet mit PASM-Fahrwerk (adaptive Dämpfer), bügelt Wellen zwar sanfter aus; bei kurz aufeinander folgenden Fahrbahnunebenheiten neigt er aber zum Stuckern. Die tiefe Position in den gut konturierten und ausreichend verstellbaren Sitzen im Lambo gibt den Insassen das Gefühl, sich im Sound-Studio einer Festung aufzuhalten, wenn die zehn Zylinder des Italieners ihre Sinfonie aus den beiden dicken Auspuffrohren herausposaunen. Von leichtem Grummeln über heiseres Trompeten bis hin zum giftigen Schreien mit eingespieltem Bellen sind hier alle nur erdenklichen Töne möglich. Der Porsche ist da zurückhaltender. Bei ihm ist deutlich das Zischen der Turbolader zu vernehmen, während der dumpfe Klang aus den ovalen Endrohren der Auspuffanlage eher als getragen zu bezeichnen ist. Bei den Geräuschmessungen liegt er aber hinter dem Italiener, der demnach ein perfekter Schauspieler ist und sich in einigen Drehzahlbereichen so schüchtern verhält, als könne er kein Wässerchen trüben.

FahrkomfortMax. PunktePorsche 911 Turbo CabrioLamborghini Gallardo Spyder
Sitzkomfort vorn15010091
Sitzkomfort hinten10010
Ergonomie150112102
Innengeräusche502
Geräuscheindruck1007271
Klimatisierung503838
Federung leer2009081
Federung beladen2009081
Kapitelbewertung1000512466

 

Motor und Getriebe

V10-Sauger gegen Sechszylinder-Boxer-Turbo, Mittelmotor gegen Heckmotor, 520 gegen 480 PS, sechs gegen 3,6 Liter Hubraum lautet das technische Duell. Wer dem Turbo richtig auf den Zahn fühlt, durcheilt nach 3,9 Sekunden aus dem Stand die 100-km/h-Marke und ist nach 12,3 Sekunden 200 km/h schnell. Dabei wird man bei einsetzenden Turboladern kräftig in die Sitze gepresst. Im ersten Augenblick ist das erschreckend, danach faszinierend. Als Höchstgeschwindigkeit liegen 310 km/h an. Aber auch wer es nicht so extrem mag, kommt auf seine Kosten. Das maximale Drehmoment von 620 Newtonmetern steht schon ab 1900 Umdrehungen an und bleibt bis 5000 Touren vorhanden. Da ist der Gallardo anders geartet. Er schreit nach Drehzahlen. Aber: Dieses Triebwerk will man auch drehen und brüllen hören. Geschaltet wird am Lenkrad über die Paddel des so genannten E-gear-Getriebes für 9280 Euro, das gegenüber den Vorgängermodellen deutlich an Schaltgeschwindigkeit zugelegt hat. Beim Spurt auf 100 km/h muss sich der Italiener mit 4,2 Sekunden aber ebenso geschlagen geben wie bis Tempo 200. Nur bei der Höchstgeschwindigkeit siegt er. Nicht beim Verbrauch: 17 Liter pro 100 km rauschen durch die Brennräume, und als Gourmet ruft der Lambo nicht nach Billig-Bleifrei, sondern ordert Super Plus. Dies macht auch der Porsche, braucht aber nur 12,3 Liter/100 km.

Motor und GetriebeMax. PunktePorsche 911 Turbo CabrioLamborghini Gallardo Spyder
Beschleunigung150196193
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150180184
Getriebeabstufung1009692
Kraftentfaltung504748
Laufkultur1009086
Verbrauch32513474
Reichweite2597
Kapitelbewertung1000752684

 

Fahrdynamik

Man ist verdammt schnell, wenn man auf abgesperrter Strecke die Möglichkeiten der beiden Sportler auslotet. Fahrten auf öffentlichen Straßen sind eine Sache, Fahrten im Grenzbereich ein anderes Spiel. Beide Cabrios sind mit Allradantrieb ausgerüstet und untersteuern von Natur aus. Aber während der Lambo nur mit Gewalt und abgeschaltetem ESP zu einem Ausbrechen des Hinterteils bewegt werden kann, erweist sich der Turbo als überaus nervös, wird sein PSM (ESP) deaktiviert. Das giftig ausscherende Heck kann dann nur mit schnellen Reaktionen eingefangen werden. Obwohl der Gallardo im Grenzbereich leichter zu bewegen ist als der Porsche, hat er auf dem Handling-Kurs mit einer Sekunde das Nachsehen. Dank der besseren Traktion wedelt er dafür beim Slalom schneller als der Elfer. Zudem verzögert er warm etwas besser.

FahrdynamikMax. PunktePorsche 911 Turbo CabrioLamborghini Gallardo Spyder
Handling150120116
Slalom1008894
Lenkung10010092
Geradeauslauf504442
Bremsdosierung302423
Bremsweg kalt150109108
Bremsweg warm150103110
Traktion1007885
Fahrsicherheit150126135
Wendekreis2013
Kapitelbewertung1000805805

 

Umwelt und Kosten

Hier geht der Sieg klar an den Porsche. Jeden einzelnen Unterpunkt dieses Kapitels kann der Zuffenhausener für sich entscheiden. Allerdings spielt sich auch die Turbo-Wertung auf einem niedrigen Punkte-Niveau ab. Aber wer interessiert sich in diesem Preis- und Fahrzeugsegment wirklich für die Kosten. Eines dieser beiden scharfen Super-Cabrio zu fahren, ist schließlich viel mehr wert als die Kosten, die sie verursachen.

Kosten/UmweltMax. PunktePorsche 911 Turbo CabrioLamborghini Gallardo Spyder
Bewerteter Preis67510
Wertverlust50
Ausstattung252525
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502017
Werkstattkosten205
Steuer1087
Versicherung4016
Kraftstoff552612
Emissionswerte257672
Kapitelbewertung1000186133

 

Fazit

Das neue 911 Turbo Cabrio ist dem Gallardo Spyder in nahezu allen Belangen überlegen – wenn es um die reine Papierform geht. Er vereint nahezu perfekte Sportlichkeit mit deutscher Gründlichkeit. Dafür hat der Kunde mit dem Elfer, auch wenn es ein Turbo ist, ein Auto, nach dem sich kaum jemand umdreht. Die Faszination und das Lebensgefühl, das der Gallardo vermittelt, offeriert er nicht.

Gesamtbewertung

Max. PunktePorsche 911 Turbo CabrioLamborghini Gallardo Spyder
Summe500027252503
Platzierung12

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