Vergleichstest: Sport-Kombis Familien-Sport

29.12.2006
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Sie brauchen mehr Kofferraum als in einer Limousine, wollen aber auf Fahrvergnügen nicht verzichten? Dann nehmen Sie einen dieser drei kräftigen Kombis. Mit den starken Fahrleistungen von Audi S4, BMW 335i und Mercedes C 55 AMG mischen Sie in der Sportwagenliga mit

Glaubt man manchen Soziologen, so steht es schlecht um die Gesellschaft. Die Forscher werden nicht müde, den zunehmenden Verfall familiärer Bindungen zu beklagen. Vielerorts herrsche Sprachlosigkeit zwischen den Generationen. Die nötigen finanziellen Mittel vorausgesetzt, können Eltern und Nachwuchs allerdings schnell wieder zusammenfinden, wenn sich der Haushaltsvorstand für einen dieser drei Sportkombis entscheidet. Audi S4 Avant, BMW 335i Touring und das Mercedes C 55 AMG-T-Modell liefern mit Leistungen von über 300 PS Familiensport vom Feinsten und reichlich Gesprächsstoff über das Fahrerlebnis, auch wenn sich die drei mit ihren Abmessungen eher an die Ein-Kind-Familie wenden.

 

Karosserie

Optisch kann man den BMW bis auf Schriftzug und Zweirohrauspuff nicht von den schwächeren 3er-Touring-Modellen unterscheiden. Beim Audi weisen 18 Zoll große Räder, V8-Schriftzüge und Schwellerleisten auf einen potenten Antrieb hin. Der S4 und die C-Klasse sind mit einer Vierrohrauspuffanlage ausgerüstet. Der Mercedes macht zusätzlich mit einer AMG-Frontschürze und blauer Verglasung auf sich aufmerksam. Beim Raumangebot und insbesondere beim Kofferraumvolumen üben die drei eher Zurückhaltung. Sie bieten den Passagieren zwar ausreichend Platz. Beim Gepäck ist aber ohne umgeklappte Rückbank bei Volumina zwischen 442 (Audi) und 470 Litern (Mercedes) Kompromissbereitschaft gefragt. Die beste Sicherheitsausstattung hat der Audi, der im Dunkeln die Straße als einziger mit serienmäßigem Bi-Xenonlicht ausleuchtet. Beim BMW nervt die etwas umständliche iDrive-Menüführung. Als kleine Entschädigung hält er auf Wunsch für 130 Euro einen Fernlichtassistenten bereit, der das automatische Auf- und Abblenden übernimmt. Qualitativ liegen die Sportkombis auf hohem Niveau, wobei der Audi den solidesten und hochwertigsten Eindruck hinterlässt.

KarosserieMax. PunkteBMW 335 i TouringAudi S4 Avant 4.2 quattroMercedes C 55 AMG T-Modell
Raumangebot vorn100727069
Raumangebot hinten100656461
Übersichtlichkeit70666465
Bedienung/ Funktion100808680
Kofferraumvolumen100626164
Variabilität100434543
Zuladung/ Anhängelast80343422
Sicherheit150106113103
Qualität/ Verarbeitung200187190187
Kapitelbewertung1000715727694

 

Fahrkomfort

Die serienmäßigen Recaro-Sitze des Audi bieten optimalen Seitenhalt und vor allem eine hervorragende Schulterabstützung. Da kann der BMW mit seinen aufpreispflichtigen Sportsitzen (600 Euro) nicht ganz mithalten. Vor allem für beleibtere Zeitgenossen fallen sie zu knapp geschnitten aus. Der Mercedes hat zwar serienmäßig eine Lederpolsterung, lässt aber vor allem auf der Sitzfläche hinreichenden Seitenhalt vermissen. Im Fond reist man im Audi am bequemsten. Außerdem kann der Ingolstädter mit den besten ergonomischen Verhältnissen punkten. Dem BMW fehlt es dagegen an Ablagen, während der Mercedes mit einem funktionsüberladenen Blinkerhebel patzt. Hiermit werden nicht nur Blinker und Fernlicht, sondern auch Front- und Heckscheibenwischer aktiviert. Unterwegs gefällt der BMW nicht nur mit niedrigem Innengeräuschpegel, sondern auch mit dem angenehmsten Geräuscheindruck. Der Audi verwöhnt seine Insassen als einziger mit einer serienmäßigen Zweizonen-Klimaautomatik. Dass BMW mittlerweile die vierte Generation von Runflatreifen verwendet, macht sich auf der Komfortstrecke positiv bemerkbar. Hier harmonieren die verbesserten Pneus deutlich besser mit Federung und Dämpfung als bei früheren Testwagen, was sich in einem sensiblen Ansprech- und einem relativ guten Absorbtionsvermögen zeigt und dem Münchner den mit Abstand besten Federungskomfort beschert. Da können der Mercedes und der Audi nicht mithalten. Beide sind übrigens serienmäßig mit Sportfahrwerken ausgestattet.

FahrkomfortMax. PunkteBMW 335 i TouringAudi S4 Avant 4.2 quattroMercedes C 55 AMG T-Modell
Sitzkomfort vorn15010012090
Sitzkomfort hinten100727870
Ergonomie150122124120
Innengeräusche50271923
Geräuscheindruck100868585
Klimatisierung50333736
Federung leer200140133135
Federung beladen200140130135
Kapitelbewertung1000720726694

 

Motor und Getriebe

Während Audi und Mercedes auf V8-Motoren setzen, hat sich BMW für einen Reihensechszylinder mit Biturbo-Aufladung entschieden. Mit 306 PS ist das Dreiliter große Triebwerk zwar nominell das schwächste (Audi 344 PS, Mercedes 367 PS), begeistert dafür aber mit einer Drehmomentkurve, die in ihrer Form an den Tafelberg erinnert: 400 Nm maximales Drehmoment liegen schon bei 1300/min und halten bis 5000/min an. Das höchste Drehmoment liefert mit 510 Nm der 5,4 Liter große Dreiventiler des Mercedes, allerdings erst bei 4000/min. Das 4,2-Liter-Aggregat des Audi schafft 410 Nm bei 3500/min und stellt dafür die Nennleistung bei 7000/min zur Verfügung. Im Verkehrsalltag kann so weder der Audi mit seinem satt pulsierenden V8-Stakkato noch der unter Volllast lauthals trompetende Mercedes dem deutlich bissiger am Gas hängenden, seidig hochdrehenden BMW davonfahren. Vor allem bei sportlicher Fahrweise auf kurvigen Straßen beantwortet der Mercedes weiteres Gasgeben je nach Gaspedalstellung und Lenkwinkel zum Teil mit verzögertem Leistungseinsatz. Zwar wechselt die ausschließlich erhältliche Fünfgangautomatik die Fahrstufen im Normalfall komfortorientiert und sehr weich, doch im manuellen Modus werden die per Schaltwippen gegebenen Befehle je nach Gaspedalstellung mitunter gar nicht ausgeführt. Den besten Eindruck hinterlässt die Audi-Schaltbox, während im BMW der Kraftaufwand beim schnellen Schalten vom zweiten in den dritten Gang etwas hoch ausfällt. Mercedes und BMW sprinten in 5,5 Sekunden auf 100 km/h (Audi 5,6 Sekunden). Die 200-km/h-Marke knackt der Mercedes nach 19,1 Sekunden – eine knappe Sekunde früher als der BMW. Gegenüber dem Audi macht der Stuttgarter glatte drei Sekunden gut. Alle drei werden bei 250 km/h elektronisch abgeregelt. Unerreicht bleibt der Münchner beim Testverbrauch: 11,8 Liter Super Plus auf 100 Kilometern wollen mit einem 306 PS starken Auto erst einmal unterbo-ten werden. Die V8-Motoren von Audi und Mercedes brauchen immerhin satte drei Liter mehr.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW 335 i TouringAudi S4 Avant 4.2 quattroMercedes C 55 AMG T-Modell
Beschleunigung150180179180
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150120120120
Getriebeabstufung100868876
Kraftentfaltung50484744
Laufkultur100909090
Verbrauch3251229280
Reichweite25171111
Kapitelbewertung1000663627601

 

Fahrdynamik

In dieser Disziplin schaltet das Trio vom Familienprogramm auf die Sportschau um. Das fahrdynamische Potenzial liegt auf einem Niveau, das sich nur auf abgesperrten Strecken ausloten und empfindliche Naturen die Gesichtsfarbe verlieren lässt. Hier sticht vor allem der BMW positiv heraus. Die zielgenaue Lenkung, das spontane Einlenkverhalten, das nahezu neutrale Eigenlenkverhalten und die geringen Karosseriebewegungen verleihen dem BMW beim Kurvenräubern die Präzision eines Laserskalpells. Seine mögliche Querbeschleunigung endet für jene, die im Kurvengrenzbereich unerschrocken auf dem Gas bleiben, in sanftem Übersteuern, dem dann das zweistufige DSC Einhalt gebietet. Beim Herausbeschleunigen aus engen Biegungen kommt der Hecktriebler rasch an die Traktionsgrenze. Hier würden breitere Pneus statt der 225/45er-Serienreifen deutlich weiterhelfen. An dieser Stelle schlägt die Stunde des Audi, der mit seinem Allradantrieb zeigt, wie Motorkraft nahezu schlupffrei in Vortrieb umgewandelt werden kann. Dafür untersteuert er an der Reifenhaftgrenze deutlich. Das ist kein Wunder, lasten doch auf seiner Vorderachse über 200 Kilogramm mehr als beim BMW. Auf Kurs halten lässt sich der S4 mit gezieltem Gaslupfen, was das Heck zum Eindrehen bringt. Seine Lenkpräzision bleibt hinter der des BMW zurück. Zudem neigt die Lenkung des Audi im Slalom relativ früh zum Verhärten. Wer mit dem Mercedes schnell sein will, muss kräftig arbeiten. So stellt sein träges Einlenkverhalten, die um die Mittellage ziemlich gefühllose Lenkung und auch das teigige Pedalgefühl der Bremse höhere Anforderungen an die Sensorik des Fahrers als beim Umgang mit den Konkurrenten. Ähnlich wie den BMW kann der Fahrer den Stuttgarter zum Übersteuern bringen, das dann bei deaktiviertem ESP wegen des stellenweise abrupten Leistungseinsatzes schnelles Gegenlenken erfordert. Beim Bremsen aus Tempo 100 braucht der Mercedes fast 2,7 Meter (kalt) mehr bis zum Stillstand als die Konkurrenten.

FahrdynamikMax. PunkteBMW 335 i TouringAudi S4 Avant 4.2 quattroMercedes C 55 AMG T-Modell
Handling150128127127
Slalom100707166
Lenkung100907066
Geradeauslauf50334643
Bremsdosierung30211715
Bremsweg kalt150124138111
Bremsweg warm150135140119
Traktion100558539
Fahrsicherheit150128134115
Wendekreis20131115
Kapitelbewertung1000797839716

 

Umwelt und Kosten

Autos dieser Leistungsklasse verlangen nach einem üppigen Budget – der Mercedes belastet es am meisten. Im Grundpreis liegt er mit 65714 Euro fast 25000 Euro über dem BMW. Addiert man beim Münchner die beim Mercedes serienmäßigen Dinge wie etwa Sportsitze, Schiebedach, Lederausstattung, Klimaautomatik und die Mischbereifung hinzu, bleiben immer noch fast 18800 Euro Differenz. Der Audi kostet 14800 Euro mehr als der BMW, hat aber dafür zumindest einen aufwändigen Allradantrieb serienmäßig. Bei den Werkstattkosten für Wartung und übliche Verschleißteile liegen Audi und BMW gleichauf, während der ADAC dem Mercedes die höchsten Kosten bescheinigt. Auch bei den Versicherungstarifen sind für den Mercedes fast 1000 Euro pro Jahr mehr als für den BMW und immer noch über 300 Euro mehr als für den Audi fällig. Sowohl bei der Kfz-Steuer, den Kraftstoffkosten und auch beim von der DAT ermittelten Wertverlust lautet die Reihenfolge ebenfalls BMW, Audi und Mercedes. Insofern hat der Münchner den Kapitelsieg mehr als verdient.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW 335 i TouringAudi S4 Avant 4.2 quattroMercedes C 55 AMG T-Modell
Bewerteter Preis675311269241
Wertverlust504215
Ausstattung25484746
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50142827
Werkstattkosten20414135
Steuer10373023
Versicherung40393330
Kraftstoff55241616
Emissionswerte25775979
Kapitelbewertung1000633538497

 

Fazit

Obwohl der Schwächste des Trios, gewinnt der BMW 335i Touring diesen Vergleich souverän. Der famose Motor, das hervorragende Handling und der gute Federungskomfort tragen dazu bei. Dass der Bayer, gemessen an der Konkurrenz, im Unterhalt relativ günstig ist, rundet das positive Bild ab. Der Audi S4 Avant 4.2 quattro gefällt mit kräftigen Bremsen und seiner überragenden Traktion dank des Allradantriebs. Dafür ist gegenüber dem BMW ein kräftiger Preisaufschlag fällig. Der Mercedes ist mit seinem bärenstarken V8 eher für schnelle Autobahnetappen gemacht als für sportliche Einlagen auf kurvigen Pisten. Man merkt ihm an, dass er in die Jahre gekommen ist. Umso mehr verwundert es, dass die Stuttgarter bei der Preisgestaltung die Konkurrenz offenbar aus dem Blick verloren haben. Auch hier zeigt der BMW: Weniger ist manchmal mehr.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW 335 i TouringAudi S4 Avant 4.2 quattroMercedes C 55 AMG T-Modell
Summe5000352834573202
Platzierung123

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