Vergleichstest: Roadster SIEBEN AUF EINEN STREICH

16.04.2007
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Die neuen Roadster der Saison – Alfa Romeo Spider, Audi TT Roadster und Opel GT – müssen sich mit den Platzhirschen BMW Z4 Roadster, Mercedes SLK 350 , Nissan 350Z Roadster und Porsche Boxster messen. Ein luftiger Siebener-Vergleich mit Kraftpaketen bis 301 PS

Es gab Zeiten, da beschränkte sich das Angebot an offenen Zweisitzern auf den Alfa Spider und den Mercedes SL der Baureihe W107. Dass das heute anders ist, liegt auch an der ersten Generation deutscher Roadster, die vor mehr als zehn Jahren frischen Wind in ein fast vergessenes Marktsegment brachte. Mercedes SLK, BMW Z3, Porsche Boxster und Audi TT räumten mit dem hierzulande sehr verbreiteten Vorurteil gründlich auf, Roadster seien nur etwas für unverbesserliche Nostalgiker und Sonderlinge. Jetzt komplettiert der neue Audi TT Roadster die zweite Generation deutscher Roadster-Herrlichkeit. In diesem Vergleichstest trifft er in seiner schärfsten Variante, dem 3.2 quattro, auf den BMW Z4 3.0si, den Mercedes SLK 350 und den Porsche Boxster. Komplettiert wird das Testfeld durch den ebenfalls brandneuen Opel GT, den Nissan 350Z Roadster und den Alfa Spider 3.2 JTS V6 24V.

 

Karosserie

Wie man sensibel mit einer Stilikone umgeht, beweist Audi mit dem neuen TT. Obwohl er ein vollständig neu entwickeltes Auto ist und frische, moderne Linien zeigt, wirkt er doch so vertraut, als sei er immer schon dagewesen. Was aber noch wichtiger ist als die gelungene Arbeit der Designer: Beim TT stimmt auch die Qualität. Anders als sein Vorgänger baut der neue Roadster auf einem Spaceframe-Chassis (tragende Struktur aus Alu und Blech) auf, das in puncto Verarbeitung und Verwindungssteifigkeit Maßstäbe setzt. Der Audi bleibt selbst auf schlechten südfranzösischen Landstraßen unerschütterlich ruhig. Da der TT zudem noch ein vergleichsweise großzügiges Platzangebot offeriert und dazu eine reichhaltige Sicherheitsausstattung, ist ihm der Sieg im Karosseriekapitel nicht zu nehmen. Nur wenige Punkte dahinter landet der SLK, der durch leise Klappergeräusche andeutet, dass er nicht ganz das Qualitätsniveau des Audi erreicht. Ein Plus des Mercedes ist das Variodach, mit dem er als einziger Roadster im Vergleich uneingeschränkt ganzjahres-laternenparktauglich ist. Knapp hinter TT und SLK landen Z4 und Boxster, die schon deutlich kompromiss- loser sind. Der Nissan bietet ordentliche Qualität, der kleine Kofferraum und die minimale Zuladung kosten ihn jedoch Punkte. Ähnliches gilt auch für den Alfa. Seine Zuladung von 110 Kilogramm ist einfach ein Witz. Immerhin erhält er hier ein paar Punkte, weil er im Gegensatz zu den anderen Roadstern einen Anhänger ziehen darf. Der Alfa ist zudem kein Muster an Verwindungssteifigkeit. Beim Opel wiederum zittert die Motorhaube, das Verdeck ist fummelig, und die billigen Kunststoffe im Innenraum zeigen klar, wie Opel den günstigen Anschaffungspreis ermöglicht. Zudem hat der GT den kleinsten Innenraum, das verfügbare Kofferraumvolumen beschränkt sich bei geöffnetem Verdeck auf nur 60 Liter, und die Sicherheitsausstattung ist dürftig.

KarosserieMax. PunkteAudi TT Roadster 3.2 quattroMercedes SLK 350Porsche BoxsterBMW Z4 3.0si RoadsterAlfa Romeo Spider 3.2 JTS V6 24VOpel GTNissan 350Z Roadster
Raumangebot vorn100706968675856
Raumangebot hinten100
Übersichtlichkeit70454835414040
Bedienung/ Funktion100818078777266
Kofferraumvolumen10012181513121
Variabilität10052
Zuladung/ Anhängelast80955787
Sicherheit150777163827129
Qualität/ Verarbeitung200180174176172168153
Kapitelbewertung10004744704404594313520

 

Fahrkomfort

Klar, wer einen Roadster kauft, erwartet keine Sänfte mit Sofakissen. Aber die meisten Roadster-Kunden von heute können ebenso darauf verzichten, bei jeder Ausfahrt von ihren Autos durchgerüttelt zu werden. Auch mit dem optionalen Sportfahrwerk (Aufpreis 244 Euro), das sich nicht ganz so verbindlich gibt wie die Federelemente des Audi, gewinnt der SLK diese Wertung ganz knapp vor dem TT. Eine Klasse für sich ist der Geräuschkomfort im SLK – auch eine Folge des festen Klappdachs. Da geht es im Audi TT schon deutlich lauter zu. Z4 und Boxster erreichen nicht ganz das Niveau von SLK und TT. Der BMW holpert viel deftiger über Unebenheiten, und der Porsche ist vor allem bei hohen Geschwindigkeiten sehr laut. Auch ist das Frischlufterlebnis in BMW und Porsche intensiver. Noch stürmischer geht es übrigens im Opel zu. Vor allem bei zusätzlich geöffneten Seitenscheiben peitscht dem GT-Bändiger der Wind dermaßen heftig und unkontrolliert um die Ohren, als säße er ohne Helm auf einem schnellen Motorrad. Und warum der Opel auch gegen Aufpreis keine Sitzheizung zu bieten hat, bleibt ein Geheimnis. Besser als im GT ergeht es der Besatzung in Nissan und Alfa, die beide nicht ganz so geschmeidig federn wie die Konkurrenz aus Deutschland.

FahrkomfortMax. PunkteAudi TT Roadster 3.2 quattroMercedes SLK 350Porsche BoxsterBMW Z4 3.0si RoadsterAlfa Romeo Spider 3.2 JTS V6 24VOpel GTNissan 350Z Roadster
Sitzkomfort vorn15010810510010290104
Sitzkomfort hinten100
Ergonomie15012412011911710396
Innengeräusche501029316161
Geräuscheindruck100868482797569
Klimatisierung50344131343927
Federung leer2001191151161109594
Federung beladen2001191151161109596
Kapitelbewertung10006006095675685134870

 

Motor und Getriebe

In dieser Frischluft-Klasse setzen die Hersteller nahezu alle auf Sechszylinder- Triebwerke. Lediglich der Opel GT muss sich mit vier Zylindern begnügen, verfügt dafür aber über einen Abgasturbolader. An Leistung mangelt es keinem der Kandidaten. Der stärkste im Feld ist der Nissan mit 301 PS aus 3,5 Liter Hubraum. Ihm folgen: Mercedes SLK mit 272 PS bei 3,5 Liter Hubraum, BMW Z4 mit 265 PS und 3,0 Liter Hubraum, Opel GT mit 264 PS bei nur 2,0 Liter Hubraum, Alfa Spider mit 260 PS und 3,2 Liter Hubraum, Audi TT mit 250 PS bei 3,2 Liter Hubraum und als schwächster der Porsche Boxster mit 245 PS aus 2,7 Liter Hubraum. Auch beim Drehmoment trägt der Zuffenhausener die rote Laterne. Als einziger erreicht er nicht die 300-Newtonmeter-Marke. Seine 273 Newtonmeter liegen zudem erst ab 4600 Umdrehungen an. Dies bedeutet, dass der Porsche in Sachen Drehzahlen immer bei Laune gehalten werden will und der häufige Griff zum Schalthebel zu einer Pflichtübung wird. Dieses bereitet aber ausgesprochen viel Spaß. Die Schaltwege sind kurz und knackig, präziser geht es fast nicht. Wer es darauf anlegt und das Spiel mit Gas und Kupplung beherrscht, beschleunigt den Boxster in 6,5 Sekunden von null auf 100 km/h. Allerdings kein berauschender Wert, denn damit kann er nur den Alfa, der 6,9 Sekunden für die gleiche Disziplin benötigt, auf Distanz halten. Das Getriebe des Spider ist zudem in den Gängen fünf und sechs zu lang übersetzt, wodurch es eine kleine Ewigkeit dauert, bis er seine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h erreicht. Der Boxster schafft 260 km/h, der Rest des Feldes – mit Ausnahme des Opel, der es bei 229 km/h bewenden lässt – wird bei 250 km/h elektronisch abgeregelt. Als Beschleunigungssieger kann sich der BMW mit 6,0 Sekunden von null auf 100 km/h feiern lassen. Ihm folgen mit 6,1 Sekunden der Mercedes, mit jeweils 6,3 Nissan und Opel und mit 6,4 Sekunden der Audi. Obwohl der Mercedes beim Sprint hinter dem BMW liegt, glänzt er mit seiner kraftvollen Leistungsabgabe auch aus dem Drehzahlkeller. Wie der Alfa hat auch der SLK variable Nockenwellen. Auch seine 7G-Tronic-Automatik überzeugt, die dank einer sportlicher programmierten Software als bei der E-Klasse schnell und ruckfrei arbeitet. Kraftvoll ist auch der Drehmomentverlauf des Nissan. Sein Triebwerk spricht allerdings nicht so spontan an wie das des SLK. Die Schaltung hat kurze Wege, die einzelnen Gänge müssen aber mit Nachdruck eingelegt werden. Der Audi wirkt zwar agil, drehfreudig und durchzugsstark, im oberen Geschwindigkeitsbereich lässt sein Vortrieb aber spürbar nach. Dafür ist das Sechsgang-getriebe vorbildlich abgestuft. Der im Verhältnis zur Konkurrenz mit zwei Liter Hubraum kleine Opel-Motor kommt dank Turbolader und dem geringen Leergewicht des GT im Sprintbereich gut klar. Ab Tempo 120 lässt der Vortrieb aber spürbar nach, was mit daran liegt, das der Opel nur ein Fünfganggetriebe hat und dadurch bei der Übersetzung benachteiligt ist. Turbolader und Getriebe sorgen auch dafür, dass der GT beim Verbrauch kräftig zuschlägt. 14 Liter je 100 Kilometer sind eindeutig zu viel. Noch schlimmer trinkt der Alfa: Er genehmigt sich unzeitgemäße 15,2 Liter. Die anderen liegen knapp über zwölf Liter je 100 Kilometer. Positive Ausnahme ist der Z4 mit 10,7 Litern.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi TT Roadster 3.2 quattroMercedes SLK 350Porsche BoxsterBMW Z4 3.0si RoadsterAlfa Romeo Spider 3.2 JTS V6 24VOpel GTNissan 350Z Roadster
Beschleunigung150171174170175166172
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15012012013012011099
Getriebeabstufung100868588857876
Kraftentfaltung50414342423639
Laufkultur100808282828075
Verbrauch32513313413116998113
Reichweite25798974
Kapitelbewertung10006386476516825755780

 

Fahrdynamik

Auf dem Handling-Kurs ist der Porsche erwartungsgemäß in seinem Element. Wieselflink und exakt zu lenken, realisiert er beeindruckende Kurventempi. Und trotz seines Mittelmotor-Konzepts agiert er auch im Grenzbereich überaus neutral. Sogar hektische Reaktionen sind im fremd. Er profitiert von seinem fein abgestimmten PASM-Fahrwerk, dem niedrigen Schwerpunkt und der Mischbereifung. Beeindruckend ist, wie er durch die Pylonengasse beim Slalom prescht, ohne das Heck auch nur ansatzweise nach außen zu schieben. Mercedes und BMW erzielen beim Handling ähnliche Zeiten, sind aber lange nicht so handlich und agil. Der Bayer neigt im Grenzbereich bei abgeschaltetem DSC (ESP) eher zum Ausbrechen des Hecks, der Schwabe schiebt leicht über die Vorderräder. Überzeugen kann auch der Audi. Er ist etwas untersteuernd ausgelegt, lässt sich durch leichte Gaslupfer aber wieder problemlos in die rechte Bahn bringen. Die leichtgängige Lenkung und das sportlich abgestimmte Fahrwerk erlauben in Verbindung mit dem Allradantrieb viel Fahrspaß, wobei sich der TT immer im sicheren Bereich bewegt. Zügig vorwärts geht es auch mit dem 350Z, der sehr leichtfüßig ist. Dank eines Sperrdifferenzials baut er auch aus engen Kehren enorm viel Grip auf. Der etwas untersteuernd ausgelegte Japaner lässt sich selbst bei abgeschaltetem ESP gut beherrschen, da seine Reaktionen gut vorhersehbar sind. Dem Opel fehlt es in Kurven an Grip, und bei zu mutiger Fahrweise bricht das Heck auch schon mal vehement aus. Zudem schaukelt er sich bei welliger Fahrbahn an der Vorderachse auf und versetzt deutlich. Sein indirektes Fahrverhalten spiegelt sich beim Slalom mit der langsamsten Zeit wider. Deutlich untersteuernd unrundet der Alfa mit seinem Allradantrieb den Parcours. Er muss mit Gewalt um die Ecke gezwungen werden, was in Anbetracht der indirekten Lenkung nicht immer einfach ist. Zudem zeigt er bei Lastwechseln deutliche Reaktionen und bricht mit dem Heck aus.

FahrdynamikMax. PunkteAudi TT Roadster 3.2 quattroMercedes SLK 350Porsche BoxsterBMW Z4 3.0si RoadsterAlfa Romeo Spider 3.2 JTS V6 24VOpel GTNissan 350Z Roadster
Handling150869293916885
Slalom100836594666153
Lenkung100838295846379
Geradeauslauf50444240384135
Bremsdosierung30201823211717
Bremsweg kalt150110103101768065
Bremsweg warm150103105108927384
Traktion100864252418032
Fahrsicherheit15012112512111993104
Wendekreis20151716221113
Kapitelbewertung10007516917436505875670

 

Umwelt und Kosten

Dass der Opel diese Wertung einfach gewinnen muss, zeigt schon ein flüchtiger Blick auf die Preislisten. Der GT ist rund 10 000 Euro billiger als der Nissan, der hier Platz zwei markiert. Von Mercedes und Porsche trennen ihn gar satte 15 000 Euro. Da sich zudem der zu erwartende Wertverlust und die Werkstattkosten im Rahmen halten, sammelt der Opel genug Punkte für einen Sieg – der im Übrigen noch deutlicher ausfallen könnte, wenn die Treibstoffkosten für den Zweiliter-Hightechturbo ein wenig günstiger wären. Auch mit BMW und Nissan lässt sich preiswerter Roadster-Spaß genießen, wobei der Z4 mit niedrigen Spritkosten und guten Abgaswerten, der 350Z mit seinem günstigeren Grundpreis überzeugt. Trotz ihrer recht hohen Grundpreise ziehen sich Audi und Mercedes mit sauberen Abgasen, niedrigen Versicherungskosten und großzügigen Garantieangeboten achtbar aus der Affäre. Die wenigsten Punkte sammeln hier der Porsche, was zu erwarten war, und der Alfa, was enttäuschend ist.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi TT Roadster 3.2 quattroMercedes SLK 350Porsche BoxsterBMW Z4 3.0si RoadsterAlfa Romeo Spider 3.2 JTS V6 24VOpel GTNissan 350Z Roadster
Bewerteter Preis675132126128137137184
Wertverlust50151416161420
Ausstattung25191017191920
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5028277201718
Werkstattkosten20151213141313
Steuer10888889
Versicherung40303330312927
Kraftstoff55252726301921
Emissionswerte25828685847985
Kapitelbewertung10003543433303593353970

 

Fazit

Der neue Audi TT Roadster leistet sich kaum Schwächen und sammelt fleißig Punkte. So gewinnt er diesen Test souverän vor dem Mercedes SLK, der sich ebenfalls als guter Allrounder präsentiert, und dem Porsche Boxster, der vor allem mit Dynamik überzeugt. Knapp dahinter liegt der BMW Z4, den der dürftige Komfort und das spartanische Raumangebot Punkte kosten. Der Nissan zeigt ebenfalls vornehmlich dynamische Qualitäten, er ist aber in der Summe seiner Eigenschaften gut genug, um Alfa und Opel zu distanzieren. Der Opel ist ein puristischer Roadster mit einer gehörigen Portion Raubauzigkeit, die zwar nicht unsympathisch ist, aber kaum Punkte bringt. Antrieb und Fahrwerk sind beim Alfa Spider zu weit weg von der Konkurrenz. Wie beim Opel bringt Schönheit allein halt keine Siegeslorbeeren.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi TT Roadster 3.2 quattroMercedes SLK 350Porsche BoxsterBMW Z4 3.0si RoadsterAlfa Romeo Spider 3.2 JTS V6 24VOpel GTNissan 350Z Roadster
Summe50002817276027312718244123810
Platzierung1234567

Tags:

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