Vergleichstest Oberklasse-Kombis Wert-Transport

23.04.2007
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der schnöde Transportgedanke tritt in der edlen Gesellschaft der Premium-Kombis fast in den Hintergrund. Trotzdem müssen der überarbeitete BMW 530i Touring mit neuem 272-PS-Sechszylinder, der Audi A6 Avant und das Mercedes E 350 T-Modell in allen Test-Disziplinen zeigen, was sie können

Großzügige umbaute Räume auf vier Rädern sind gefragt wie nie. Die bekommt man woanders zwar deutlich günstiger als bei den drei deutschen Edelmarken, dafür geht von Audi A6 Avant, BMW 5er Touring und Mercedes E-Klasse T-Modell ein verlockender Reiz aus: Diese Kombis verbinden Praktikabilität mit Luxus und vitalen Fahrleistungen. Das gilt besonders für die Top-Sechszylinder-Modelle wie der BMW 530i Touring. Im Zuge des aktuellen Facelifts erhielt der Münchner Edel-Laster einen komplett neuen Benzindirekteinspritzer, der 272 PS mobilisiert. Kostenpunkt: 49660 Euro für die Automatik-Version. Ein deutlich preiswerteres, aber konkurrenzfähiges Premium-Gefährt findet man ein paar Kilometer weiter nördlich in Ingolstadt. Der Audi A6 Avant 3.2 FSI mit 255 PS verzeichnet 46700 Euro in der Preisliste – inklusive stufenloser Automatik (Multitronic). Die Schwaben langen da schon kräftiger zu. Mit 52062 Euro setzt sich der 272 PS starke Mercedes E 350 als T-Modell an die Spitze des Feldes – zumindest was den Preis angeht.

 

Karosserie

Beim Kofferraumvolumen ist das T-Modell unangefochtener Sieger Touring und Avant – das klingt nicht nur gut, die Kombis sehen auch gut aus. Mit der nüchternen Bezeichnung T-Modell deuten die Stuttgarter dagegen bereits an, dass sie den Transportgedanken ernsthafter verfolgen. In Zahlen bedeutet das maximal 1950 Liter Ladevolumen bei umgeklappten Sitzen, bis zur Fensterunterkante fasst der Kofferraum immer noch üppige 690 Liter. Da kommt die Konkurrenz nicht einmal annähernd heran. Der Audi beschränkt sich auf 565 bis 1660 Liter Stauvolumen, der BMW auf 500 bis 1650 Liter. Das reicht zwar für die meisten Bedürfnisse aus, solche Kapazitäten – und teilweise deutlich mehr – bekommt man aber auch schon in der Mittelklasse geboten. Ebenfalls punkten kann der E 350 bei der Variabilität. Nur hier entsteht nach Wegklappen der asymmetrisch geteilten Rückbank eine durchgängig ebene Ladefläche, da nicht nur die Lehne, sondern auch die Sitzfläche geteilt klappbar ist. Zudem lässt sich für das T-Modell eine zusätzliche Sitzbank ordern (ab 940 Euro), auf der zur Not noch zwei Kinder Platz finden. Fahrer und Beifahrer sowie zwei Gäste in der zweiten Reihe dürfen in allen drei Kombis von stattlicher Größe sein, denn an Bewegungsfreiheit herrscht kein Mangel. Vorn bietet der Audi die opulentesten Räumlichkeiten, hinten reist man in BMW und Audi am besten. Zurück auf den Fahrersitz: Das oft gescholtene iDrive-Bediensystem wurde nun im 5er um acht frei programmierbare Tasten erweitert. Hier lassen sich nicht nur Radiosender abspeichern, sondern auch Navigationsziele oder Telefonnummern. Der Clou: Beim Berühren der Taste zeigt der Multifunktionsbildschirm an, was wo gespeichert ist. Dennoch lässt sich der Umgang mit dem Audi-MMI-System (Multi Media Interface, Steuerung von Audio-, Navi-, Telefon- und anderen Funktionen) etwas leichter erlernen. Das Comand-Bediensystem im Mercedes hat man zwar auch relativ schnell im Griff, jedoch sitzt der Multifunktionsbildschirm zu tief. Ein hoher Sicherheitsstandard und eine gute Verarbeitungsqualität sind in dieser Klasse obligatorisch. Zwar hat der Audi ein paar innovative Sicherheits-Features nicht im Programm, dafür punktet er mit der höherwertigen Innenausstattung. Dennoch holt sich der Mercedes als der wahre Transportprofi den Sieg im Karosserie-Kapitel.

KarosserieMax. PunkteMercedes E 350 T-ModellBMW 530 i TouringAudi A6 Avant 3.2 FSi
Raumangebot vorn100807988
Raumangebot hinten100808789
Übersichtlichkeit70444243
Bedienung/ Funktion100768083
Kofferraumvolumen100785260
Variabilität100482828
Zuladung/ Anhängelast80404341
Sicherheit15011111197
Qualität/ Verarbeitung200170170175
Kapitelbewertung1000727692704

 

Fahrkomfort

Was für den Sperrgut-Transport taugt, kann auch komfortabel sein. Obwohl die E-Klasse mit dem Sportpaket (2053 Euro) ausgerüstet war, das unter anderem 18-Zoll-Mischbereifung umfasst, rollt das T-Modell leise ab und gleicht feine wie derbe Unebenheiten am souveränsten aus. Dies ist allerdings auch der adaptiven Luftfederung (Airmatic DC, 1190 Euro) zuzuschreiben, die sich unter anderem perfekt dem Beladungszustand anpasst und zudem über elektronisch regelbare Dämpfer verfügt. Auch im Audi-Testwagen war die optionale, viel Komfort spendende Luftfederung (adaptive air supension, 1950 Euro) installiert, mit der es sich allerdings nicht ganz so gelassen von Schlagloch zu Schlagloch gleiten lässt. Der BMW verfügt hinten serienmäßig über eine Luftfederung, die nicht nur die automatische Niveauregulierung übernimmt. Wie die vordere Stahlfederung verarbeitet auch die hintere Luftfederung besonders heftige Stöße und tiefe Bodenwellen sehr geschmeidig. Die ganz alltäglichen feinen Unebenheiten bringen dagegen eine leichte, ständige Unruhe in die Karosserie. Dieses Verhalten verliert sich allerdings mit steigender Geschwindigkeit. Unter voller Beladung sprechen die Federelement von BMW und Audi etwas sensibler an, extrem wellige Pisten regen die Karosserien dann allerdings zu erheblichen Vertikalschwingungen an, während der E 350 unter gleichen Bedingungen stets die Ruhe selbst bleibt. Großen Anteil am Wohlbefinden der Fahrer und Beifahrer haben die optionalen Komfortsitze, mit denen alle drei Kandidaten ausgerüstet waren. Besonders die Sitze im BMW lassen sich optimal anpassen und geben, wie auch die Pendants im Audi, sehr guten Seitenhalt. Die Mercedes-Sessel dagegen sind zwar sehr großzügig geschnitten, stützen seitlich aber weniger gut ab. Mitreisende im Fond schätzen die bequem ausgeformte BMW-Bank, die mehr Schenkelauflage bietet als die im T-Modell und als die straffe Bank im Audi. Dies ändert aber nichts daran, dass der komfortabel abgestimmte E 350 seinen zweiten Kapitelsieg einfährt – dicht gefolgt vom BMW.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes E 350 T-ModellBMW 530 i TouringAudi A6 Avant 3.2 FSi
Sitzkomfort vorn150132140132
Sitzkomfort hinten100758274
Ergonomie150115113123
Innengeräusche50364129
Geräuscheindruck100827873
Klimatisierung50424239
Federung leer200170162160
Federung beladen200172163163
Kapitelbewertung1000824821793

 

Motor und Getriebe

Von einem neuen BMW-Motor erwartet man immer etwas Besonderes. Diese Erwartungen erfüllt der 530i – so gewinnt der Münchner dieses Kapitel, aber nur knapp vor dem E 350. Der Reihensechszylinder des BMW setzt sich mit hervorragender Laufkultur gegen den etwas kernigen Audi-V6 und den zwar leisen, oben herum aber etwas blechern tönenden Mercedes-V6 durch. In den Fahrleistungen hängt der 530i den durchzugsstarken, bei hohen Drehzahlen aber etwas müden A6 ab. Am hubraumstärkeren Mercedes schiebt sich der drehfreudige Touring erst bei höherem Tempo – ab etwa 140 km/h – vorbei. Im Stadt- und Landstraßenbetrieb gefällt dagegen besonders der Audi mit seiner harmonischen Kraftentfaltung im Teillastbereich. Dazu trägt wesentlich die stufenlos arbeitende Automatik bei, die kontinuierlich stets die optimale Übersetzung einregelt. Aber auch die konventionellen Automaten von Mercedes (sieben Stufen) und BMW (sechs Stufen) erledigen ihre Aufgabe exzellent, wobei die Wandlerautomatik des 530i etwas schneller auf Gaspedalbefehle reagiert. Mit 11,8 Litern auf 100 Kilometern ist der BMW zwar kein Sparwunder, verbraucht im Test aber weniger als seine Kollegen (Audi: 12,7 Liter, Mercedes: 12,2 Liter).

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes E 350 T-ModellBMW 530 i TouringAudi A6 Avant 3.2 FSi
Beschleunigung150166166160
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150120120120
Getriebeabstufung100889092
Kraftentfaltung50423940
Laufkultur100808278
Verbrauch325135140129
Reichweite2511109
Kapitelbewertung1000642647628

 

Fahrdynamik

Auf dem schnellen Rundkurs zeigt der BMW die erwarteten und der Mercedes überraschende Qualitäten. Am handlichsten fühlt sich der Touring an mit seiner sehr präzisen Lenkung, die genaues Zirkeln um jegliche Radien erlaubt. Unterstützt vom kräftigen Motor, erzielt der BMW die besten Handlingzeiten. Auch den Slalomparcours verlässt er als Sieger, wobei die bissig zupackende Lenkung hier vom Fahrer mehr Konzentration erfordert als der nicht ganz so zackig einlenkende Mercedes. Dieser überzeugt mit einer sehr hohen Kurvenstabilität, die allerdings auch der 18-Zoll-Mischbereifung zuzuschreiben ist. Auf Lastwechsel im Grenzbereich und auf zu beherzten Gaseinsatz reagieren beide Probanden mit Heckschwenks, aber nur, wenn das DSC respektive ESP deaktiviert ist. Auch der Audi bleibt stets sicher auf Kurs und zeigt nur am oberen Ende der Haftgrenze ein zickig ausbrechendes Heck bei Lastwechseln, das vom ESP aber sicher gebändigt wird. Mehr zu schaffen machen im A6 der Mangel an Traktion und die etwas indirektere Lenkung. Hier sind die beiden Hecktriebler klar im Vorteil. Dennoch bremst der Audi sehr gut und landet in diesem Kapitel nur einen Punkt hinter dem E 350 auf Platz drei. Chefdynamiker ist der BMW.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes E 350 T-ModellBMW 530 i TouringAudi A6 Avant 3.2 FSi
Handling150727769
Slalom100505148
Lenkung100818478
Geradeauslauf50404042
Bremsdosierung30151917
Bremsweg kalt15099100110
Bremsweg warm150105104108
Traktion100424135
Fahrsicherheit150122120123
Wendekreis201297
Kapitelbewertung1000638645637

 

Umwelt und Kosten

Machen wir es kurz: Günstiger im Preis, eine umfassende Ausstattung, niedrigere Wartungskosten, moderate Versicherungseinstufungen – all dies bringt dem Audi den ersten Platz im letzten Kapitel. Daran ändern auch die im Vergleich zu 530i und E 350 schlechteren Abgaswerte und die höheren Kraftstoffkosten nichts. Bei Audi muss man für Premiumqualität eben etwas weniger tief in die Tasche greifen als bei BMW oder Mercedes.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes E 350 T-ModellBMW 530 i TouringAudi A6 Avant 3.2 FSi
Bewerteter Preis675110116124
Wertverlust50111212
Ausstattung25151617
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50272028
Werkstattkosten20111415
Steuer10888
Versicherung40283032
Kraftstoff55262726
Emissionswerte25868578
Kapitelbewertung1000322328340

 

Fazit

Die Operation BMW 5er-Facelift ist rundum geglückt, dennoch muss sich der 530i Touring am Ende knapp dem Mercedes E 350 geschlagen geben. Zu groß ist der Vorsprung, den sich das T-Modell mit seinem riesigen Gepäckraum, der besseren Variabilität und dem guten Federungskomfort erarbeitet. Mit seinem spritzigen, relativ sparsamen Motor und dem agilen Fahrverhalten macht der BMW allerdings viel Boden gut und ist für den sportlichen Fahrer die erste Wahl. Der Audi empfiehlt sich nach wie vor als preiswertere, qualitativ zum Teil sogar bessere Alternative.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes E 350 T-ModellBMW 530 i TouringAudi A6 Avant 3.2 FSi
Summe5000315331333102
Platzierung123

Tags:
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