Vergleichstest Mittelklasse-Kombis Drei auf großer Fahrt

23.07.2009
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Caravan war gestern. Mit dem Insignia Sports Tourer wechselt Opel vom zweckorientierten zum schicken Lifestyle-Kombi, der sich gegen den VW Passat Variant und den Mazda 6 Sport Kombi behaupten muss

Der Plan scheint zu funktionieren: Statt des zwar zweckmäßigen, aber etwas konservativen Caravan bietet Opel nun auch was für die eher formverliebte Kombi-Kundschaft. Für den schicken Insignia Sports Tourer verbucht Opel bereits reichlich Vorbestellungen. Doch der Wettbewerb, gerade bei den Mittelklasse-Kombis, ist hart. Denn unangefochtener Favorit aller Familienvorstände und Handelsreisender ist der VW Passat Variant. Dabei gibt es genügend Alternativen, wie den Mazda 6 Sport Kombi. Der Japaner spricht – wie der Name schon sagt – besonders jene an, die Nutzwert gern mit einem Schuss Fahrdynamik verbinden wollen. Welcher der drei Hersteller nun das ausgewogenste Rezept hat, zeigt der Test mit den Benzinern zwischen 160 und 180 PS.

 

Karosserie

Wer in den Opel Insignia einsteigt, fühlt sich komplett in das Cockpit integriert. Der wuchtige, niedrig bauende Instrumententräger umschließt die Insassen, der weit vorn liegende Scheibenansatz verursacht ein nahezu van-artiges Raumgefühl. Nur die nach oben schmaler werdende Karosserie beschränkt das gute Raumangebot. Die konventioneller geschnittenen Karosserien von VW und Mazda mit tiefer angesetzten Instrumenten bieten trotz geringerer Außenbreite ein vergleichbares Raumangebot.

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Gleiches gilt auch für den Fond. Erst beim Laderaum gehen die Philosophien auseinander. Mit 635 Kilo Zuladung markiert der Opel zwar die Spitze, beim maximalen Ladevolumen muss er sich aber hinter beide Konkurrenten stellen. Hier hat der kantige Passat die Nase vorn. Nur bei ihm sind sowohl Fondsitzflächen als auch -lehnen umklappbar. Und: Der Passat offeriert eine umlegbare Beifahrersitzlehne (86 Euro).

VW und Mazda bieten beide einen (mehrstufig: VW) aufstellbaren Boden zur Unterteilung des Volumens. Bei Opel gibt es zwar ein Ladegutsicherungs-System (FlexOrganizer, 150 Euro), jeder Getränkekasten muss aber über die breite Ladekante (46 cm tief) hinweggehoben werden. Zudem verschmutzt die breite Oberkante des Stoßfängers schnell.

Die vielen Tasten und Schalter im Insignia-Cockpit verlangen nach einer kurzen Eingewöhnungszeit, ebenso die feine Rastung des Drehknopfs zur Navi-Steuerung in der Mittelkonsole. Hat man sich daran gewöhnt, gestaltet sich der Umgang mit dem Opel ebenso problemlos wie mit dem VW. Im Mazda stört nur das etwas überladene Infodisplay in der Mitte.

Höchste Punktzahlen für die umfassende Sicherheitsausstattung und die beste Verarbeitungsqualität im Test machen den ersten Kapitelsieg für den VW Passat Variant perfekt. Erwähnenswert: der serienmäßige Spurwechsel-Assistent im Mazda 6. Opel und VW bieten wiederum Seiten-Airbags für den Fond an (Opel: 300 Euro; VW: 335 Euro).

KarosserieMax. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIOpel Insignia Sports Tourer 1.6 TurboMazda 6 Sport Kombi 2.5
Raumangebot vorn100797980
Raumangebot hinten100767576
Übersichtlichkeit70322831
Bedienung/ Funktion100838380
Kofferraumvolumen100655556
Variabilität100484245
Zuladung/ Anhängelast80434740
Sicherheit150999497
Qualität/ Verarbeitung200180175175
Kapitelbewertung1000705678680

 

Fahrkomfort

Der von Opel so genannte Premium-Sportsitz (350 Euro) hat seinen Namen tatsächlich verdient und sorgt mit ausziehbarer Oberschenkelauflage, elektropneumatisch einstellbarer Lendenwirbelstütze und variabler Sitzneigung für optimale Passform. Dem steht der VW-Sportsitz (Serie ab Sportline) aber kaum nach. Die sehr straff gepolsterten, serienmäßig beheizbaren Mazda-Sessel könnten im oberen Lehnenbereich dagegen etwas mehr Schulterabstützung liefern.

Im Fond des Mazda 6 sitzt es sich zwar bequem, die relativ flach angestellte Lehne und die nicht weit genug einstellbaren Kopfstützen stören ein wenig. Am besten reist man hinten im VW, der noch ein wenig mehr Rückenunterstützung bietet als der ebenfalls voll reisetaugliche Opel. Auf großer Fahrt schätzt man den Passat aufgrund seines leisen Motors und der gut gedämmten Abroll- und Windgeräusche. Letzteres gilt zwar auch für den Opel, der zum Teil knurrige Vierzylinder spielt sich jedoch häufig unangenehm in den Vordergrund. Das kann der Mazda-Antrieb ebenfalls, allerdings nur, wenn man ihm hohe Drehzahlen abverlangt. Untenherum läuft der 2,5-Liter sehr leise, dann bekommt man wesentlich mehr von den Abrollgeräuschen mit.

Schon auf den ersten Metern der Komfort-Teststrecken macht der Japaner keinen Hehl aus seiner straffen Abstimmung, die besonders die Fondpassagiere zu spüren bekommen. Unebenheiten aller Art verarbeiten Opel und VW wesentlich geschmeidiger. Beide bleiben selbst bei voller Beladung stets kontrolliert in ihren Karosseriebewegungen, während der Mazda schon mal zum Durchfedern neigt. Hier kommen den deutschen Konkurrenten auch die adaptiven Dämpfersysteme (Opel: 930 Euro, VW: 1025 Euro) zugute. So fährt der VW in diesem Kapitel ganz knapp vor den Opel.

FahrkomfortMax. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIOpel Insignia Sports Tourer 1.6 TurboMazda 6 Sport Kombi 2.5
Sitzkomfort vorn1509810094
Sitzkomfort hinten100666564
Ergonomie150121118118
Innengeräusche50373238
Geräuscheindruck100777474
Klimatisierung50333840
Federung leer200137136125
Federung beladen200138136124
Kapitelbewertung1000707699677

 

Motor und Getriebe

Während der Mazda seine 170 PS aus 2,5 Liter Hubraum schöpft, bauen die deutschen Konkurrenten auf Turboaufladung. Dem Opel reichen 1,6 Liter Hubvolumen für 180 PS, während der VW 160 PS aus seinem 1,8-Liter-Direkteinspritzer holt. Ein großer Motor muss nicht von Nachteil sein, wie der Mazda mit einem Testverbrauch von 9,9 l/100 km beweist. Da können die beiden Turbos
nicht ganz mithalten: Der VW bringt es auf 10,1, der Opel auf 10,5 Liter Super pro 100 km.

In den Fahrleistungen liegen alle drei auf ähnlichem Niveau – bei unterschiedlicher Kraftentfaltung. Der Mazda schiebt lässig und kultiviert von unten heraus, beim knurrigen Opel-Vierzylinder regt sich unterhalb von 3000 Touren nicht allzu viel. Erst bei höheren Drehzahlen macht der Insignia mächtig Druck. Mustergültig dagegen der Passat: Sein kultivierter Motor liefert bei jeder Drehzahl genügend Kraft, sodass nur selten zum leichtgängigen Sechsganghebel gegriffen werden muss. Gerade dies ist im Opel häufiger vonnöten.

Da würde sich der Insignia-Fahrer sehr über eine so knackig-präzise Schaltung wie die des Mazda freuen. Stattdessen muss der Opel-Freund mit einem zwar leichtgängigen, aber etwas schwammig geführten Schalthebel leben. Nicht nur deshalb landet der Insignia im Antriebskapitel klar hinter Passat und Mazda 6.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIOpel Insignia Sports Tourer 1.6 TurboMazda 6 Sport Kombi 2.5
Beschleunigung150110110110
Elastizität100717073
Höchstgeschwindigkeit150666866
Getriebeabstufung100828084
Kraftentfaltung50343031
Laufkultur100746568
Verbrauch325190182193
Reichweite25121211
Kapitelbewertung1000639617636

 

Fahrdynamik

Die schnellen Richtungswechsel beim Slalom und das Verhalten auf dem Handlingkurs geben klare Hinweise auf die Fahrsicherheit im Alltag. Der Mazda 6 überzeugt zwar mit seiner präzisen, sehr direkten Lenkung, reagiert bei schnellen Lastwechseln aber mit einem unruhigen Heck. Opel (ESP nicht deaktivierbar) und VW sind solche Reaktionen fremd. Der ausgewogene Passat Variant holt sich sogar den Doppelsieg in Slalom und Handling. Absetzen können sich die beiden Deutschen auch bei den Bremsentests. Hier beeindruckt der vergleichsweise schmal bereifte Insignia mit einem Topwert bei der Erstbremsung aus 100 km/h. Negativ: Schneller als seine Konkurrenten kämpft der Opel mit Schlupf an der Antriebsachse.

FahrdynamikMax. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIOpel Insignia Sports Tourer 1.6 TurboMazda 6 Sport Kombi 2.5
Handling150726868
Slalom100726466
Lenkung100717074
Geradeauslauf50434338
Bremsdosierung30171817
Bremsweg kalt1508810695
Bremsweg warm1501029389
Traktion100454042
Fahrsicherheit150125130110
Wendekreis2012128
Kapitelbewertung1000647644607

 

Umwelt und Kosten

Mazda macht es sich und den Kunden bei der Preisdiskussion einfach: Den 170-PS-Benziner gibt es nur in den beiden nahezu komplett ausgestatteten Varianten Dynamic (im Test, 30900 Euro) und Top. Der Passat Variant ist ab 28550 Euro zu haben, die umfangreiche Aufpreisliste katapultiert den VW bei Bedarf aber schnell bis an die 40000-Euro-Marke. Weder CD-Radio, Alu-Räder noch Klimaautomatik sind hier Serie. Die Edition-Ausstattung des Insignia hält da schon mehr bereit. Clou ist die serienmäßige DVD-Navigation. Die vielen Paketlösungen in der Opel-Preisliste verlangen aber nach einem ausführlichen Studium oder guter Beratung.

Überraschend hoch fällt die Teilkasko-Einstufung des Sport Tourer aus, Mazda und VW kommen dabei günstiger weg. Die umfangreiche sechsjährige Technik-Garantie spricht wiederum für den Opel Insignia.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIOpel Insignia Sports Tourer 1.6 TurboMazda 6 Sport Kombi 2.5
Bewerteter Preis675195181182
Wertverlust50201918
Ausstattung2591620
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50283833
Werkstattkosten20161515
Steuer10998
Versicherung40353433
Kraftstoff55323032
Emissionswerte25858386
Kapitelbewertung1000429425427

 

Fazit

Am VW Passat Variant führt auch diesmal kein Weg vorbei. Der harmonische Antrieb, die ausreichende Agilität, der hohe Qualitätsstandard und eine große Funktionalität zeichnen ihn in der Summe aus. Aber: Der neue Opel Insignia Sports Tourer folgt auf dem Fuß. Die große Fahrsicherheit, das passende Raumangebot und der gute Komfort sprechen für ihn. Sein unharmonischer Motor und Einschnitte beim Laderaumkonzept lassen ihn Punkte verlieren. Der gut ausgestattete Mazda 6 zeigt sich als sportliche Alternative und liegt am Ende nur knapp geschlagen auf Platz drei.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIOpel Insignia Sports Tourer 1.6 TurboMazda 6 Sport Kombi 2.5
Summe5000312730633027
Platzierung123

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