VERGLEICHSTEST - Mittelklasse-Kombis Frontal-Angriff

05.11.2007
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Die dritte Auflage des C-Klasse T-Modells bläst zur Attacke auf die Konkurrenz. Im ersten Vergleichstest trifft der Stuttgarter auf das Lifestyle-Mobil von BMW und die Lademeister von Toyota und VW. Wie hell strahlt der neue Schwaben-Stern am Kombi-Himmel?

Gut sieben Monate nach dem Marktstart ist die Mercedes C-Klasse nun als T-Modell bestellbar. Ausgeliefert werden die ersten Exemplare aber erst im Dezember. Zu selbstbewussten Preisen verspricht der T nicht nur jenes behutsam auf modern gebürstete Ambiente, das Stammkunden so an ihrem Daimler schätzen, sondern darüber hinaus auch mehr Sinn für Transportaufgaben als das bisherige Modell. Im Vergleichstest muss der populäre C 220 CDI T nun zeigen, wie sehr er dem eigenen Anspruch genügt, das Beste zweier Welten zu vereinigen.

 

Karosserie

Mit 4,60 Metern ist der Mercedes nur acht Zentimeter länger als der BMW 320d Touring. Beim Kofferraumvolumen sticht er den sehr flach bauenden Bayern aber deutlich aus. Während es bei aufrecht stehenden Rücksitzlehnen 485 zu 460 Liter für das T-Modell ausgeht, bietet der BMW bei umgeklappten Lehnen mit 1385 Litern nicht einmal das Niveau kürzerer Kompaktklasse-Kombis. Der Mercedes kommt auf 1500 Liter.

Ein solches Maximalvolumen erreicht auch der Toyota – kein Ruhmesblatt für ein so großes und hohes Auto, zumal das Normalvolumen mit 520 Litern sehr stattlich ist. Doch andererseits: Was sollte man großartig einladen? Gerade mal 355 Kilogramm Zuladung sind erlaubt. Mit 405 Kilogramm ist allerdings auch der BMW nicht deutlich besser gerüstet für die Aufgaben, deretwegen man klassischerweise einen Kombi kauft.

Der Mercedes verkraftet gut einen Zentner mehr, doch auch er verfehlt das Passat-Format: Mit 520 Kilogramm effektiver Zuladung markiert der VW souverän die Spitze und lässt auch beim schieren Volumen nichts anbrennen: 603 bis 1731 Liter – das ist das Rundum-Sorglos-Paket für alle Gelegenheiten. Obendrein lässt sich die Lehne des Beifahrersitzes im VW gegen 86 Euro Aufpreis für Langholztransporte aller Art flachlegen.

Wie beim Toyota müssen aber auch bei ihm die Fondkopfstützen demontiert werden, um die Rücksitzlehnen umklappen zu können. BMW und Mercedes ersparen dem Fahrer diese Mühe und warten mit weiteren netten Schmankerln auf: Dass die Heckscheibe des BMW sich separat öffnen lässt, während das Laderaumrollo automatisch hochgleitet, ist praktisch. Auch das Gepäckraumrollo des Mercedes zeigt Detailliebe in Perfektion: Ein Fingerdruck genügt, und es schnurrt zurück. Ebenso leicht schließt es sich dank einer perfekten Führung in den Seitenwänden auch wieder. Ärgerlich beim Toyota: Das Rollo ist labberig, und das Gepäckraumtrennnetz lässt sich nicht hinter den Vordersitzen aufspannen. Dafür gefällt der Avensis mit einem Innenraum, der wie der des Passat vier Erwachsenen Platz bietet, ohne dass die Hinterbänkler die Beine stark anwinkeln müssen. Ballsaalatmosphäre gewissermaßen, die sowohl BMW als auch Mercedes vermissen lassen.

KarosserieMax. PunkteVW Passat Variant 2.0 TDIBMW 320 d TouringMercedes C 220 CDI TToyota Avensis Combi 2.2 D-CAT
Raumangebot vorn10084727474
Raumangebot hinten10076656773
Übersichtlichkeit7059666860
Bedienung/ Funktion10085808580
Kofferraumvolumen10065444853
Variabilität10046434040
Zuladung/ Anhängelast8040303623
Sicherheit150959310779
Qualität/ Verarbeitung200182187184182
Kapitelbewertung1000732680709664

 

Fahrkomfort

Hat man sich mit der eigentümlich hohen Sitzposition im Avensis arrangiert, entpuppt sich der Toyota als rollende Wellness-Oase. Wind, Reifen und Motor lassen erfreulich wenig von sich hören, und die Federung verrichtet ihren Dienst geschmeidig. Der Mercedes und der VW bügeln Straßenunebenheiten fast ebenso sanft aus – nur der BMW zollt mit steiferem Abrollen und stößigerem Anfedern seinen Runflat-Reifen Tribut.

Doch lassen wir die Kirche im Dorf: BMW und seine Reifenpartner haben diese Technologie in den letzten Jahren zunehmend besser unter Kontrolle. Unkomfortabel ist der 3er nicht; mit wachsender Zuladung federt er, wie der ohnehin gute Passat, sogar besser.
Beim Sitzkomfort zeigt sich der BMW als Auto mit zwei Gesichtern: Vorn in den optionalen Sportsitzen (ab 620 Euro) kann man gar trefflich leben. Hinten allerdings reicht er, wie auch der Mercedes, nicht an Toyota und VW heran, die den Rücken der Reisenden mit weichen Polstern und großzügig dimensionierten Rückbänken schmeicheln.

Der Klimakomfort ist bei allen Kandidaten prinzipiell gut. Extrapunkte sammeln Mercedes und Toyota wegen ihrer serienmäßigen Zwei-Zonen-Klimaautomatik. Mit einer zusätzlichen Fond-Temperatur-Regelung zeigt der Mercedes sogar Oberklasse-Niveau (696 Euro Aufpreis) und bietet damit bei häufiger Nutzung der hinteren Plätze eine sinnvolle Option.

FahrkomfortMax. PunkteVW Passat Variant 2.0 TDIBMW 320 d TouringMercedes C 220 CDI TToyota Avensis Combi 2.2 D-CAT
Sitzkomfort vorn1509810310098
Sitzkomfort hinten10081727079
Ergonomie150131122123120
Innengeräusche5028293433
Geräuscheindruck10068838282
Klimatisierung5033333937
Federung leer200140136143142
Federung beladen200145138143141
Kapitelbewertung1000724716734732

 

Motor und Getriebe

Während Mercedes mit dem T-Modell eine neue Version der C-Klasse bringt, liefern die Bayern zeitgleich für den 3er einen neuen Zweiliter-Motor mit Voll-Aluminium-Block, in dem Dieselkraftstoff in 177 PS verwandelt wird. Efficient Dynamics umfasst unter anderem eine Schaltanzeige, eine Start-Stopp-Automatik sowie die Bremsenergie-Rückgewinnung und soll beim Tanken den Scheichs ein Schnippchen schlagen.

Dass das funktioniert, beweist der sensationell günstige Testverbrauch von nur 6,3 Liter Diesel auf 100 Kilometern. So darf der Bayer angesichts seiner Leistung auch vor der Geschäftsstelle der Grünen parken. Nicht nur der Verbrauch, sondern auch Laufruhe und vor allem die Drehfreude überzeugen. Unter dem Strich liefert der 320d Touring, übrigens wie seine Konkurrenten mit serienmäßigem Rußpartikelfilter bestückt, die besten Fahrleistungen. Das knackige Sechsgang-Getriebe sorgt dafür, dass die Leistung jederzeit optimal in Vortrieb umgesetzt wird.

Voller moderner Technik steckt auch Toyotas 2,2-Liter-D-CAT-Motor (Diesel Clean Advanced Technologie). Die besonders für einen Diesel niedrige Verdichtung von 15,8 : 1 reduziert die Entstehung von Stickoxiden und minimiert Geräusche. Der bordeigene Speicherkatalysator wandelt ein Großteil der giftigen Stickoxide in harmlosen Stickstoff und in Sauerstoff um. In der Praxis bleibt der ebenfalls 177 PS starke Toyota aber hinter den Fahrleistungen des BMW zurück. Schub gibt es ab 2000/min immerzu, die Drehfreude ist aber weniger ausgeprägt als beim Münchner. Die Laufruhe zwischen 2000/min und 3500/min sucht dafür im Testquartett ihresgleichen. Beim Verbrauch werfen 8,4 Liter auf 100 Kilometern einen großen Schatten auf das Saubermann-Image des Avensis. Die bei schnellen Gangwechseln etwas hakelige Schaltung erzieht zur Gelassenheit.

Letztere ist beim Fünfstufen-Automatik-bewehrten Mercedes (Aufpreis: (2178 Euro) inbegriffen. Aufregen sollte man sich aber nicht über den mit 8,8 Litern noch höheren Verbrauch, der unter anderem auf das mit 1,7 Tonnen höchste Leergewicht zurückzuführen ist. Bei der Beschleunigung sieht der Mercedes-Fahrer in höheren Geschwindigkeitsbereichen alsbald die Rivalen nur noch von hinten. Der Mercedes-Motor gefällt aber – wie der des Toyota – mit einer besonders gleichmäßigen Leistungsentfaltung. Der brummige Pumpe-Düse-Motor im Passat dagegen reagiert beim kräftigen Tritt aufs Gas in mittleren Drehzahlbereichen geradezu mit einem Drehmoment-Überfall.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Passat Variant 2.0 TDIBMW 320 d TouringMercedes C 220 CDI TToyota Avensis Combi 2.2 D-CAT
Beschleunigung150150159148148
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15090988890
Getriebeabstufung10085865880
Kraftentfaltung5037393737
Laufkultur10062696970
Verbrauch325190209178183
Reichweite2513201413
Kapitelbewertung1000627680592621

 

Fahrdynamik

Wie viel Spaß auch ein Kombi beim Kurvenräubern bereiten kann, zeigt vor allem der BMW. Auch mit seiner neuen, energiesparenden elektromechanischen Lenkung (ebenfalls Bestandteil von Efficient Dynamics) hat er nichts von der bekannten 3er-Agilität verloren. Im Verbund mit der geringen Seitenneigung und der ausgewogenen Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse mutiert der 320d Touring zum Kurvensuchgerät mit Ladefläche.

Etwas weniger agil zeigt sich der Mercedes. Sein serienmäßiges Agility-Control-Fahrwerk passt die Dämpfungskräfte an den jeweiligen Fahrzustand an. Das führt zu hoher Kurvenstabilität und einem sich sanft ankündigenden Grenzbereich, wo das ESP – wie beim BMW – sanft regelnd eingreift. Dennoch lenkt er etwas träger ein als der BMW. Auch könnte seine Bremse besser dosierbar sein.

Der Toyota wirkt dagegen viel handlicher, als es seine Größe vermuten lässt. Zwar mangelt es ihm etwas an Lenkpräzision, dennoch lenkt er spontan ein, vollführt aber in Wechselkurven deutlich mehr Karosseriebewegungen als etwa der Passat. Wer in schnellen Kurven vom Gas geht, spürt, wie das Toyota-Heck kräftiger eindreht und später, dafür aber ruppiger vom ESP abgefangen wird als das des VW. Der Passat erzielt auch als einziger Bremswege um die 35 Meter.

FahrdynamikMax. PunkteVW Passat Variant 2.0 TDIBMW 320 d TouringMercedes C 220 CDI TToyota Avensis Combi 2.2 D-CAT
Handling15058625153
Slalom10055605150
Lenkung10069766867
Geradeauslauf5043374141
Bremsdosierung3016201511
Bremsweg kalt15093798769
Bremsweg warm15099858775
Traktion10044504746
Fahrsicherheit150135128130123
Wendekreis201013159
Kapitelbewertung1000622610592544

 

Umwelt und Kosten

Zwischen Toyota und Mercedes liegen mehr als 9000 Euro Differenz – in der AZ-Normausstattung sogar gut 10000 Euro. Selbst ohne Automatik wäre der Unterschied noch fünfstellig. Da braucht man nicht mehr über einen halben Liter Mehr- oder Minderverbrauch zu diskutieren, zumal der C 220 CDI bei den Werkstatt- und Versicherungskosten ebenfalls die größten Löcher ins Budget reißt.

Auch der BMW bestätigt die vorherrschende Meinung, dass Premium-Fahrzeuge Premium-Kosten verursachen, wobei sein freundlicher kalkulierter Grundpreis und die geringen Kraftstoffkosten mildernd wirken. Dicht beieinander liegen Passat und Avensis. Beide bleiben in der Basis-Version unter der 30000-Euro-Schwelle. Dass der Toyota in diesem Kapitel am Ende dennoch die Nase vorn hat, verdankt er der besseren Ausstattung bei ähnlichem Grundpreis.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Passat Variant 2.0 TDIBMW 320 d TouringMercedes C 220 CDI TToyota Avensis Combi 2.2 D-CAT
Bewerteter Preis675187166151191
Wertverlust5021201822
Ausstattung251017720
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5028202725
Werkstattkosten2016151416
Steuer107776
Versicherung4032322733
Kraftstoff5542454041
Emissionswerte2584848484
Kapitelbewertung1000427406375438

 

Fazit

Lifestyle oder Laderaum? Aus diesem Test geht der geräumige Passat Variant 2.0 TDI als Sieger hervor. Relativ sparsam bei überschaubaren Anschaffungs- und Unterhaltskosten, ordentlichem Komfort und besten Bremsen – so sehen Sieger aus.

Der BMW 320d Touring als zweiter transportiert eher Fahrvergnügen als Sperrgut. Mit besseren Bremsen hätte er gar gewonnen. Demgegenüber spielt das Mercedes C 220 CDI T-Modell die Komfort-Karte, verspielt eine bessere Platzierung aber durch die extrem hohen Kosten. Da bleibt für besonders preisbewusste Kombi-Fans der Toyota Avensis Combi 2.2 D-CAT.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Passat Variant 2.0 TDIBMW 320 d TouringMercedes C 220 CDI TToyota Avensis Combi 2.2 D-CAT
Summe50003132309230022999
Platzierung1234

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