Vergleichstest Mittelklasse Kraftprobe

23.07.2009
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der neue Reihensechszylinder mit 197 PS im BMW 325d schließt die Lücke zwischen dem vierzylindrigen 320d und dem Powerdiesel 330d. Wie gut schlägt sich der Münchner gegen den Alfa 159 2.4 JTDM mit 200 PS starkem Reihenfünfzylinder und den Audi A4 2.7 TDI mit 180-PS-V6?

Dass kräftige Motoren in kompakten Karosserien ein probates Rezept für viel Fahrspaß bei moderaten Kosten sein können, wissen Alfa- und BMW-Entwickler seit den Zeiten einer Giulia Super oder eines 2000 Tii Ende der 60er-Jahre. Und bei Audi hatte man bereits Mitte der 70er einen 80 GT/E im Programm. Die angesagten Power-Limousinen von heute werden von Selbstzündern angetrieben. Bis zu 200 PS und 400 Nm Drehmoment sind in der Mittelklasse längst üblich. Der neue BMW 325d passt mit 197 PS hervorragend in dieses Segment, in welchem der Alfa 159 2.4 JTDM und der Audi A4 2.7 TDI schon länger vertreten sind. Der BMW ist auch das teuerste Auto in diesem Vergleich. Mit einem Preis von 34 982 Euro unterbietet er die 35 000er-Grenze denkbar knapp. Etwas günstiger ist der Audi, den es ab 33 550 Euro zu kaufen gibt. Der Alfa kostet mit 32 750 Euro kaum weniger.

 

Karosserie

Als Nachfolger des zierlichen, hübschen 156 hat es der 159 nicht leicht, die Zuneigung der Alfa- Fans zu erringen. Dabei hat er durchaus handfeste Vorzüge. So ist das Raumangebot eine ganze Klasse besser als im 156 und nicht schlechter als in den etablierten deutschen Mittelklasse-Limousinen. Sowohl vorn als auch hinten fühlt sich die Alfa-Besatzung bestens aufgehoben. Störend wirken nur die zu straffe Polsterung der Vordersitze und der nicht vorhandene Seitenhalt des Alfa-Gestühls. Wie das den entscheidenden Hauch besser geht, zeigen die Sitzgelegenheiten in Audi und BMW, wobei im 325d die aufpreispflichtigen Sportsitze verbaut waren (615 Euro). Viele Punkte sichert sich der BMW auch mit seiner überlegenen Sicherheitsausstattung, die optionale Details wie etwa Abstandsradar mit Bremseingriff und Front- sowie Heckkamera umfasst, die es weder bei Alfa noch bei Audi gibt. Die etwas bessere Material- und Verarbeitungsqualität gibt letztlich den Ausschlag zu Gunsten des Audi, der die Karosseriewertung mit dem Minimalvorsprung von einem Punkt gewinnt. Den Alfa-Freund verdrießen Kleinigkeiten wie das Fehlen eines Öffners an der Kofferraumklappe oder das ebenso penetrante wie laute Fiepen der Fernentriegelung. Zusammen mit der nicht ganz perfekten Verarbeitung und der nicht optimalen Bedienbarkeit bringt ihm das nur den dritten Platz im Karosseriekapitel ein.

KarosserieMax. PunkteAudi A4 2.7 TDIBMW 325 dAlfa Romeo 159 2.4 JTD
Raumangebot vorn100707271
Raumangebot hinten100645962
Übersichtlichkeit70384236
Bedienung/ Funktion100858372
Kofferraumvolumen100545447
Variabilität100101013
Zuladung/ Anhängelast80332927
Sicherheit150879684
Qualität/ Verarbeitung200183178168
Kapitelbewertung1000624623580

 

Fahrkomfort

Seit Mittelklasse-Limousinen mit Dieselmotoren weit über 200 km/h schnell rennen, sehen sich die Fahrwerksentwickler vor schier unlösbare Probleme gestellt. Einerseits sollen die Familien- und Businessliner bei Topspeed satt auf der Bahn liegen, andrerseits annehmbaren Komfort bieten. Kein Wunder also, dass sich keiner der drei Dieselrenner als Sänfte qualifiziert. Bei allen drei Limousinen sprechen die Federelemente – zumal ohne Beladung – eher unwillig an. Dem Audi gelingt es noch am besten, während vor allem der Alfa sehr steifbeinig über kurze Unebenheiten holpert. Sind die drei mit zulässigem Gesamtgewicht unterwegs, federn sie deutlich williger. Der Alfa fällt dabei durch laute Fahrwerksgeräusche auf. Knistern und Knacken aus diversen Ecken der Karosse deuten zudem an, dass die Alfa-Hülle nicht ganz so steif ist wie die der deutschen Konkurrenten. Beim BMW missfallen im Vergleich zum Audi der bescheidene Sitzkomfort hinten und der überraschend kernige Sound des Motors. Eine Eigenart des 325d scheint auch die sich vor allem bei schneller Fahrt sehr stark aufheizende Mittelkonsole zu sein. So gewinnt der Audi A4 die Komfortwertung deutlich vor dem BMW 325d und dem Alfa 159.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A4 2.7 TDIBMW 325 dAlfa Romeo 159 2.4 JTD
Sitzkomfort vorn15010610387
Sitzkomfort hinten100706262
Ergonomie150124121103
Innengeräusche50302822
Geräuscheindruck100817871
Klimatisierung50383635
Federung leer200136135127
Federung beladen200139137129
Kapitelbewertung1000724700636

 

Motor und Getriebe

Exzellente Leistungsentfaltung bei günstigem Verbrauch: Genau dieser Wunsch der Kunden wird sowohl von BMW als auch von Audi bestens erfüllt. Gerade der Ingolstädter überzeugt mit seinem leisen und geschmeidig laufenden V6-Common-Rail-Diesel. Viel Kraft schon bei niedrigen Drehzahlen sowie souveränen Anschub auch jenseits der 180-km/h-Marke sichert der 2.7 TDI bei äußerst moderatem Verbrauch von nur 7,8 Litern pro 100 Kilometer zu – da macht es endlich einmal wieder Spaß, die Beschleunigung ohne drückendes Kostengewissen zu genießen. Auch BMW-Piloten kommen in den Genuss einer souveränen Kraftentfaltung: Schon ab 1300 Umdrehungen steht das volle Drehmoment des Dreiliter-Reihensechsers von 400 Newtonmetern zur Verfügung. Der nur 2,4 Liter Hubraum große Alfa- Fünfzylinder kann das hohe Niveau der Kontrahenten nicht ganz halten. Seine Kraft von ebenfalls 400 Newtonmetern bricht – etwas unharmonischer – erst jenseits der 2000 Umdrehungen los. Viel zu hoch ist zudem sein Dieselkonsum (10,8 Liter auf 100 km).

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A4 2.7 TDIBMW 325 dAlfa Romeo 159 2.4 JTD
Beschleunigung150148159149
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15010010598
Getriebeabstufung100848375
Kraftentfaltung50414230
Laufkultur100777565
Verbrauch325190180153
Reichweite25171311
Kapitelbewertung1000657657581

 

Fahrdynamik

Ein hohes Drehmoment und überlegene Leistung sind nicht alles. Erst das präzise Umsetzen in agiles Kurvenverhalten und traktionsstarkes Herausbeschleunigen auf winkliger Landstraße bringen den Fahrspaß. Und genau in diesen Punkten überzeugt der 325d. Seine ausgewogene Gewichtsverteilung legt den Grundstein. Präzises Einlenkverhalten, viel Rückmeldung für den Piloten durch das mitteilsame Fahrwerk und die spontane Gasannahme des Motors lassen den BMW wie aus einem Guss wirken. Seine standfeste Bremsanlage sichert ihm zudem einen großen Punktevorsprung vor der Konkurrenz: 34,4 Meter aus 100 km/h (warm) sind einfach Spitze. Im Gegensatz zum agilen BMW verleitet der Audi wesentlich weniger zum beherzten Ausloten des fahrdynamisch Möglichen. Typisch für einen Fronttriebler baut er überschüssige Kurvengeschwindigkeit über die Vorderräder schiebend ab. Auf Lastwechsel in Kurven reagiert er mit einem sanften Eindrehen des Fahrzeughecks – sicher und stets berechenbar. Ganz ähnlich reagiert der Alfa Romeo. Dank seiner lenkpräzisen Pirelli P Zero Nero lenkt er gar eine Spur präziser ein als der Audi, doch seine Lenkung ist im Vergleich weniger mitteilsam. Da ihm Lastwechselreaktionen jedoch fremd sind, wirkt er insgesamt sehr fahrsicher. Verbesserungswürdig sind allerdings die Bremsen: Im Vergleich zum BMW kommt er mit warmen Stoppern erst 3,2 Meter später zum Stillstand – oder rauscht ihm mit knapp 30 km/h Restgeschwindigkeit ins Heck.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A4 2.7 TDIBMW 325 dAlfa Romeo 159 2.4 JTD
Handling150616456
Slalom100505556
Lenkung100707668
Geradeauslauf50403636
Bremsdosierung30172016
Bremsweg kalt150958869
Bremsweg warm1508310674
Traktion100364134
Fahrsicherheit150118122121
Wendekreis20131311
Kapitelbewertung1000583621541

 

Umwelt und Kosten

Auch die Umwelt/Kosten-Wertung geht an den Audi, der mit niedrigen Emissionswerten, günstiger Versicherungseinstufung, geringem Wertverlust und großzügigen Garantieleistungen glänzt. Gerade die spärliche Gewährleistung und der Grundpreis kosten den BMW Punkte, sodass er in diesem Kapitel noch hinter dem Alfa liegt. Der wiederum muss mit hohen Kraftstoffkosten, mäßigen Emissionswerten und deftigen Versicherungsprämien Federn lassen.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A4 2.7 TDIBMW 325 dAlfa Romeo 159 2.4 JTD
Bewerteter Preis675170164173
Wertverlust50191919
Ausstattung25131718
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5028917
Werkstattkosten20151513
Steuer10666
Versicherung40323027
Kraftstoff55424035
Emissionswerte25828376
Kapitelbewertung1000407383384

 

Fazit

Audi A4 und BMW 325d liefern sich das erwartete Duell auf hohem Niveau – mit dem leicht besseren Ende für den Audi. Er profitiert vor allem von seinem vorzüglichen V6, der bei Laufkultur und Verbrauch die Maßstäbe setzt, sowie von seinem komfortablen und sicheren Fahrwerk. Der BMW glänzt mit dynamischem Fahrverhalten und dem kraftvollen Motor. Welchem der beiden deutschen Diesellimousinen man den Vorzug gibt, ist letztlich eine Frage der persönlichen Vorlieben. Der Alfa ist mit seiner sehr kopflastigen Auslegung und dem unharmonischen Fünfzylinder ein Fall für Fans der Marke. Er kann sich in keinem Testkriterium wirklich gegen die heimischen Premium-Produkte durchsetzen. Und Sympathiepunkte können leider nicht vergeben werden.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A4 2.7 TDIBMW 325 dAlfa Romeo 159 2.4 JTD
Summe5000299529842722
Platzierung123

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