Vergleichstest: Kompaktsportler Kraftpakete unter sich

03.05.2007
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der Honda Civic Type R war schon immer ein besonders sportlicher Ableger der Civic-Baureihe. Mit der jetzt wesentlich futuristischer gestylten Neuauflage greifen die Japaner erneut nach der Krone der Kompaktsportler. Die zu schlagenden Gegner heißen: Ford Focus ST und VW Golf GTI

GTI, ST, Type R – die sportliche Kompaktklasse wird mit vielen wohlklingenden Kürzeln bedacht. Als Klassiker gelten aber immer noch die drei Buchstaben GTI, die das Heck des VW Golf zieren. Wer ihm ans Blech will, muss schon mit einigen Wassern gewaschen und gut vorbereitet sein. Sound, Optik, Leistung und Dynamik sollten bei den diversen Kandidaten begeistern. Dies gilt für den hartnäckigen Herausforderer des Golf, den Ford Focus ST, der mit seinem 225 PS starken Fünfzylinder-Turbomotor ordentlich für den Kampf gegen den Wolfsburger gerüstet ist, ebenso wie für den nagelneuen Honda Civic Type R. Dieser hat 201 PS, die nach wie vor über hohe Drehzahlen aktiviert werden. So ausgestattet will er den beiden Turbo-Jüngern von Ford und VW zeigen, wo die Messlatte in puncto Fahrdynamik liegt.

 

Karosserie

In Länge, Höhe und Breite überragt der Focus sowohl den Civic als auch den Golf deutlich. Seine üppigen Maße bescheren den Passagieren ein in dieser Klasse überdurchschnittlich großes Raumangebot. Der Wolfsburger ist zwar der Kürzeste und Schmalste des Trios, seine geschickte Raumausnutzung bewahrt ihn aber vor einem allzu großen Punkteabstand zum Focus. Selbst in der zweiten Reihe bietet der Golf GTI für Langstrecken ausreichende Bein- und Kopffreiheit. Hinten anstellen muss sich der Honda Civic, der den Fond-Passagieren zwar genügend Beinfreiheit offeriert, durch seine eingezogenen Seiten und die hohe Seitenlinie im Heckbereich aber beengend wirkt. Und vorn nehmen das voluminöse Armaturenbrett und die breite Mittelkonsole viel Platz weg. Während sich bei Ford und VW die Bedienung sofort und einfach erschließt, darf sich der Honda-Fahrer erstmal mit den gewöhnungsbedürftigen Bedienungselementen des Cockpits vertraut machen. Leuchtdisplays auf mehreren Ebenen sorgen zunächst für ungläubiges Kopfschütteln. Beim Kofferraumvolumen kann der Japaner wiederum punkten. Er markiert klar die Bestwerte – sowohl bei normaler Konstellation als auch mit umgeklappten Rücksitzen. Diesen Punktevorteil verspielt er aber mit der geringsten Zuladung von nur 310 Kilogramm schnell wieder. Hier fehlen immerhin über 100 Kilogramm zu den Konkurrenten. Aber neben den rein praktischen Dingen interessiert auch die gebotene Verarbeitungsqualität. Schließlich verlangen Ford und VW hier über 25000 Euro, und der Honda kostet sogar 26900 Euro. In diesem Punkt kommt keiner an der Golf GTI heran. Alles wirkt überaus solide und ist passgenau. Da knistert nichts und knarzt auch nichts. Diese hohe Materialgüte haben die Kölner beim Focus nicht erreicht. Vieles, was wertig glänzt, ist nur verchromter Kunststoff. Der Honda liegt auf einem ähnlichen Niveau wie der Ford – der massive Kunststoffeinsatz am Instrumententräger stört erheblich. Das holen auch die zünftigen Sportsitze mit Alcantarabezug nicht auf. Etwas mehr Aluminium, wie zum Beispiel am Schalthebel und bei der Pedalerie, hätten das Ganze aufgewertet. Schlussendlich sichert sich der Golf den Kapitelsieg – nicht zuletzt durch die kompletteste Sicherheitsausstattung.

KarosserieMax. PunkteVW Golf GTIFord Focus STHonda Civic Type R
Raumangebot vorn100677066
Raumangebot hinten100565853
Übersichtlichkeit70525440
Bedienung/ Funktion100909084
Kofferraumvolumen100303443
Variabilität100202025
Zuladung/ Anhängelast80332111
Sicherheit150857673
Qualität/ Verarbeitung200181177175
Kapitelbewertung1000614600570

 

Fahrkomfort

Ohne Zweifel legen Käufer dieser Autos besonderen Wert auf die Leistung und die daraus resultierende Fahrdynamik. Auf Komfort verzichtet aber trotzdem niemand gern. Am puristischsten gibt sich der Honda, seine Feder-Dämpfer- abstimmung verschreibt sich dem Motto "hart, aber herzlich". Tuningsfans werden deshalb am ehesten am Type R Gefallen finden, der auf Grund seiner hohen Drehzahlen für ein recht hohes Geräuschniveau sorgt. Am ruhigsten ist es im Ford, der seinen satten Sound nur durch die Auspuffrohre in die Umgebung trompetet. Bemerkenswert gedämpft leiten der Ford und der VW Bodenwellen an die Insassen weiter, während das straffe Honda-Fahrwerk ziemlich stuckerig wirkt. Nahezu Gleichstand herrscht bei den sportlich ausgeprägten Sitzen, die bei allen Kandidaten sehr guten Seitenhalt bieten.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf GTIFord Focus STHonda Civic Type R
Sitzkomfort vorn150141141140
Sitzkomfort hinten100727564
Ergonomie150129125119
Innengeräusche50212120
Geräuscheindruck100687061
Klimatisierung50322929
Federung leer200130129121
Federung beladen200121120119
Kapitelbewertung1000714710673

 

Motor und Getriebe

Auf dem Papier kann es hier eigentlich nur einen Sieger geben – und der heißt Ford Focus. Sein Fünfzylinder-Turbotriebwerk hat mit 225 PS die höchste Leistung und mit 320 Newtonmetern das satteste Drehmoment. Doch in der Praxis können die schwächeren Kontrahenten gut mithalten. Der Vierzylinder-Turbo des GTI mit 200 PS und 280 Newtonmetern gibt sich ebenso wenig eine Blöße wie der Vierzylinder-Sauger des Honda mit 201 PS und lediglich 193 Newtonmeter Drehmoment. Bei allen dreien bleiben die Uhren für den Sprint von null auf 100 km/h bei 6,9 Sekunden stehen. Und auch bis 180 km/h kann lediglich der Civic eine Zehntelsekunde gewinnen. Während der Golf diesen Gleichstand mit seinem Direkteinspritzer-Triebwerk gelassen und durch ein fantastisches Ansprechverhalten erreicht, muss der Honda ganz schön an seine Reserven gehen und das hohe Lied der Drehzahlen spielen – es geht immerhin bis 7800 Touren. Um sich in diesen Regionen aufhalten zu können, ist kräftige Schaltarbeit am Ganghebel gefragt. Die Anschlüsse passen bei emsiger Arbeit perfekt, und die Gänge lassen sich auch knackig einlegen, langweilig wird es dem Type R-Fahrer also nie. Diese Aufgabe kann der Golf-Pilot wesentlich gelassener angehen. Er darf auch schon mal vergessen zu schalten. Das Focus-Getriebe wirkt dagegen etwas hakeliger, und die kurzen Turbo-Pausen bei jedem Gangwechsel sind auch nicht jedermanns Sache. Erst wenn es um die Höchstgeschwindigkeit geht, kann der Focus seine Mehrleistung ausspielen und mit 241 km/h den Bestwert markieren. Bei Honda und VW endet der Vortrieb bei jeweils 235 km/h. In puncto Laufkultur ist der GTI das Maß der Dinge. Sein maximales Drehmoment reicht von 1800 bis 5000 Umdrehungen. Der Focus startet in dieser Disziplin zwar bei 1600 Umdrehungen, kann seine Leistung aber nur bis 4000 Touren halten. Und der Honda steigt mit 5600 Umdrehungen erst da ein, wo den anderen schon der Saft ausgeht. Apropos Saft: Den geringsten Durst verspürt der GTI, der im Test exakt zwölf Liter je 100 Kilometer verbrauchte. 12,1 Liter genehmigte sich der Honda für die gleiche Distanz, 12,7 Liter der Ford. Allerdings benötigt der GTI das teure Super Plus.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf GTIFord Focus STHonda Civic Type R
Beschleunigung150166166166
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150105111105
Getriebeabstufung100918985
Kraftentfaltung50413835
Laufkultur100706858
Verbrauch325138129136
Reichweite25665
Kapitelbewertung1000617607590

 

Fahrdynamik

Optisch unauffällig, aber mit deutlicher Seitenneigung wieselt der Golf GTI durch den Slalomparcours. Diese Disziplin verlangt vom Fahrer mehr Arbeit am Volant als im Honda oder im Ford. Tendenziell untersteuert der VW dabei, er schiebt also über die Vorderräder. Sein Heck bleibt bei diesen niedrigen Geschwindigkeiten – er umrundet die Pylonen mit einem Tempo von 63,2 km/h – völlig unempfindlich gegenüber Lastwechseln. Auf der Jagd nach schnellen Rundenzeiten kann der GTI dagegen ohne Wenn und Aber überzeugen. Die Ruhe und Exaktheit, mit der der Wolfsburger alle Gegebenheiten meistert, ist überzeugend. Zu schnell angegangene Kurven quittiert er mit einem leichten, jederzeit durch einen kleinen Gaslupfer zu korrigierenden Untersteuern. Und wie schon beim Slalom gerät der VW niemals in die Situation, dass das Heck ausbricht und der Fahrer dadurch vor einer brenzligen Situation steht – auch nicht bei deaktiviertem ESP. Geht es darum, das Tempo zu verzögern, lässt sich die Bremsanlage des GTI feinfühlig dosieren. In kaltem Zustand benötigt der Golf allerdings mit 37 Metern den – geringfügig – längsten Bremsweg. Unter Betriebstemperaturen liegen die drei Rivalen nahezu gleichauf. Etwas mehr Eingewöhnung verlangt der Focus ST von seinem Piloten. Feinfühlig und präzise sollte man zu Werk gehen. In Wechselkurven neigt das Heck bei Lastwechseln zum Ausbrechen, während die Grundtendenz untersteuernd ausgerichtet ist. Im Slalom ist er knapp schneller, auf dem Rundkurs minimal langsamer als der GTI. Überzeugend: die Bremsleistungen des Kölners. Noch mehr Gewöhnung verlangt der Honda. Er reagiert heftig mit dem Heck bei schnellen Lastwechseln und kämpft zudem mit starken Traktionsproblemen. Während die Lenkung zu indirekt agiert, gibt es an der Bremsanlage kaum etwas zu mäkeln.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf GTIFord Focus STHonda Civic Type R
Handling150767471
Slalom100666976
Lenkung100918691
Geradeauslauf50343232
Bremsdosierung30201717
Bremsweg kalt150808584
Bremsweg warm150929591
Traktion100494537
Fahrsicherheit150141135137
Wendekreis201456
Kapitelbewertung1000663643642

 

Umwelt und Kosten

Grundsätzlich sind die hier geforderten Eintrittspreise in die sportliche Kompaktwagenklasse durchaus bezahlbar. Knapp über 25000 Euro für einen VW Golf GTI oder einen Ford Focus ST sind durchaus angemessen. Die Preispolitik der Japaner, die für den Honda Civic Type R immerhin 26900 Euro verlangen, ist bei der vorhandenen Konkurrenz dagegen nicht ganz zu verstehen. Auf jeden Fall bieten alle drei nicht nur Leistung und Fahrspaß satt, sondern auch praktischen Nutzen. Die höchsten Werkstattkosten, hohe Steuern und die unfreundlichsten Garantiebestimmungen setzen den Ford auf den letzten Rang im Kostenkapitel. Der Civic Type R verliert wichtige Punkte beim Grundpreis, während der Golf GTI durchweg auf einem relativ niedrigen Preisniveau rangiert.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf GTIFord Focus STHonda Civic Type R
Bewerteter Preis675215215205
Wertverlust50222121
Ausstattung25151217
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50242025
Werkstattkosten20161214
Steuer10989
Versicherung40312828
Kraftstoff55262626
Emissionswerte25848184
Kapitelbewertung1000442423429

 

Fazit

Der VW Golf GTI besticht mit seiner präzisen Fahrdynamik, dem modernen und spontan agierenden Motor, seiner Alltagstauglichkeit und einem angemessenen Preis-/ Leistungsverhältnis. Er ist und bleibt die Ikone unter den kompakten Sportlern – auch wenn sein Design vielleicht ein wenig konservativ wirkt. Der Ford Focus ST kommt nah an den Wolfsburger heran, am Schluss fehlt es aber überall ein wenig – trotz des Fahrspaßes, den der Kölner auf jeden Fall vermittelt. Mit dem Honda Civic Type R wollen die Japaner einerseits per Hochdrehzahlkonzept besonders sportlich sein, andererseits aber auch genug Fahrkomfort bieten. Das hoch gezüchtete Triebwerk ist auf jeden Fall etwas für eingefleischte Fans und bietet viel Fahrspaß, aber die Kombination der im Lastenheft vorgegebenen Ansprüche ist nicht überzeugend gelungen.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf GTIFord Focus STHonda Civic Type R
Summe5000305029832904
Platzierung123

Tags:
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