Vergleichstest Kompaktklasse Megane, Octavia, Auris, Golf Französische Revolution

15.01.2009
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit


Der fünftürige Renault Mégane ist da. Im Vergleichstest gegen den VW Golf, den frisch überarbeiteten Skoda Octavia und den Toyota Auris muss er zeigen, was er kann

Der neue Golf schwimmt auf der Erfolgswelle. Denn auch gegen die sechste Auflage des Wolfsburger Allroundtalents scheint kein Kraut gewachsen zu sein. So konnte der VW in den ersten beiden Vergleichstests der AUTO ZEITUNG seine Konkurrenz auf die Plätze verweisen.

Jetzt schickt Renault den brandneuen Mégane ins Rennen. Die dritte Kompakt-Ausgabe der Franzosen kann vieles besser als die alte. Darüber hinaus möchte man mit einer deutlich besseren Qualität und weniger polarisierender Designphilosophie auftrumpfen.

Doch die Konkurrenz schläft nicht, wie der jüngst renovierte Skoda Octavia beweist. Mit geschärftem Profil und viel Feinschliff unter dem Blech hält der VW-Konzernpartner das Erfolgsmodell aus Tschechien up to date. Auris heißt der japanische Golf-Gegner von Toyota. Der Nachfolger des über 40 Jahre lang gebauten Corolla kam im März 2007 bei uns auf den Markt.Für das erste Kräftemessen mit dem fünftürigen Mégane testeten wir die wirtschaftlichen Turbodieselversionen mit einer Leistung von 126 bis 140 PS.

 

Karosserie

Im Vergleich zu seinem avantgardistischen Vorgänger wirkt der neue Renault Mégane geradezu  brav. Die Front orientiert sich an der des größeren Laguna, und am Heck scheint die Designer etwas der Mut verlassen zu haben. Dafür gefällt der Fünftürer mit einer coupéhaften Dachlinie, die allerdings gleichzeitig seine Achilles-Ferse ist: Das Platzangebot auf der Rücksitzbank fällt für einen Kompaktwagen eine Nummer zu klein aus. Zwar ist die Rücksitzbank durchaus bequem, doch die Beinfreiheit lässt – ebenso wie die durch den seitlichen Dacheinzug eingeschränkte Kopffreiheit – zu wünschen übrig. Vorn werden die Passagiere mit einer angenehm tiefen Sitzposition sowie weichen Kunststoffen mit hoher Anfassqualität rund ums Cockpit entschädigt.

Hier legt der ebenfalls gerade neu aufgelegte VW Golf jedoch noch eine Schippe drauf. Die verwendeten Materialien wirken hochwertig und sind penibel verarbeitet. Die zahlreichen Chrom-Applikationen zeugen von einer bemerkenswerten Detailverliebtheit der Wolfsburger Designer. Und auch in der sechsten Generation lässt sich der Deutschen liebster Wagen trotz der gestiegenen Anzahl an Funktionen intuitiv bedienen, die Instrumente sind hervorragend ablesbar.

Beim Platzangebot bewegt sich der Golf auf Augenhöhe mit dem Skoda Octavia, der den Rest des Feldes mit seinem riesigen Kofferraum und der höchsten Zuladung weit hinter sich lässt. Die Bedienung erfolgt im Octavia ebenso problemlos wie im VW – kein Wunder, immerhin sind sowohl die Bedieneinheit für die Klimatisierung als auch das Infotainmentsystem identisch.

Hinsichtlich der Bedienung besteht beim Toyota Auris noch Verbesserungspotenzial. So ist der Bordcomputer nur umständlich erreichbar, da die Taste ungünstig am Instrumententräger positioniert ist, und auch das Navigationssystem bedarf einer Eingewöhnungszeit. Das Raumangebot liegt – ebenso wie das Kofferraumvolumen – auf gutem Niveau. Auf den Vordersitzen wirkt der Auris dank seiner vanartig weit vorgesetzten Windschutzscheibe recht luftig. Bei der Auswahl der im Innenraum verbauten Kunststoffe gerät der Japaner aber deutlich ins Hintertreffen. Den Fingerkuppen schmeichelnde  Oberflächen sucht man hier vergebens – immerhin sind die verwendeten Materialien routiniert verarbeitet.

Somit geht der Sieg in diesem Kapitel mit großem Abstand an den Skoda Octavia. Die rote Laterne trägt der Toyota Auris, der aber immerhin – wie der Golf – bei der Sicherheitsausstattung mit einem serienmäßigem Knieairbag für den Fahrer punktet.

KarosserieMax. PunkteVW Golf 2.0 TDISkoda Octavia 2.0 TDIRenault Mégane dCi 130 FAPToyota Auris 2.0 D-4D
Raumangebot vorn10070706967
Raumangebot hinten10057585356
Übersichtlichkeit7038373636
Bedienung/ Funktion10090908378
Kofferraumvolumen10030563531
Variabilität10020252520
Zuladung/ Anhängelast8039433136
Sicherheit15085847772
Qualität/ Verarbeitung200185182182168
Kapitelbewertung1000614645591564

 

Fahrkomfort

Hier schlägt die Stunde des Golf. Ausgerüstet mit der adaptiven Fahrwerksregelung DCC (925 Euro) bügelt der Wolfsburger in der Komfort-Stellung der drei wählbaren Dämpferhärten sowohl leer als auch beladen die meisten Fahrbahnschäden gekonnt aus. Lediglich Querfugen dringen mitunter zu den Passagieren durch. Aber auch der Skoda kann überzeugen. Selbst vollbeladen gerät er nicht ins Taumeln und glänzt dabei mit den geringsten Karosseriebewegungen. Während der Mégane im leeren Zustand über Unebenheiten noch etwas hölzern hinweggeht, bessert sich das Ansprechverhalten mit zunehmender Beladung deutlich. Bei Toyotas Kompaktem verhält sich es sich genau umgekehrt.

Der Golf erweist sich als ideales Reiseauto mit hohem Langstreckenkomfort. Vorn wie hinten sitzt man im VW, der mit den 2125 Euro teuren Sportsitzen inklusive Leder ausstaffiert war, am bequemsten. Zudem erzeugt er – gemeinsam mit dem Renault – die angenehmste Geräuschkulisse. Der Octavia muss – wie der Auris – aufgrund seines kernigen Motorgeräuschs Federn lassen.

Geht es um das Wohlbefinden an Bord, verliert der Toyota wertvolle Punkte wegen seiner aufpreispflichtigen Klimaanlage beim Basismodell. Zudem erreichen auch die Sitze nicht die Güte der Konkurrenten. Besonders ärgerlich: Die ungepolsterte Mittelarmlehne sitzt so tief, dass sie ihre eigentliche Funktion nicht erfüllt. Ohnehin greift die rechte Hand lieber zum griffgünstig positionierten Schalthebel, der hoch auf der Mittelkonsole thront.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf 2.0 TDISkoda Octavia 2.0 TDIRenault Mégane dCi 130 FAPToyota Auris 2.0 D-4D
Sitzkomfort vorn150130115118105
Sitzkomfort hinten10070686460
Ergonomie150132132115121
Innengeräusche5028272727
Geräuscheindruck10060566056
Klimatisierung5033333322
Federung leer200134132128130
Federung beladen200133133130126
Kapitelbewertung1000720696675647

 

Motor und Getriebe

Während VW beim Zweiliter-TDI auf die laufruhigere Common-Rail-Einspritztechnik setzt, arbeitet der in den Grundzügen technisch identische Turbodiesel im Skoda noch mit Pumpe-Düse-Einspritzung. Die Unterschiede liegen in der Leistungsentfaltung. Die erfolgt im Golf schön gleichmäßig, während der Skoda ab 1500 Umdrehungen pro Minute vehement antritt, aber obenherum recht zugeschnürt ist. Das sind die einzigen Kritikpunkte. Denn obwohl der Pumpe-Düse-Turbodiesel von seinem knurrigen Verbrennungsprinzip Gebrauch macht, liegt der Octavia von den Fahrleistungen her mit dem Golf auf Augenhöhe. Und mit einem Verbrauch von nur 6,2 Liter Diesel im Schnitt ist er der Genügsamste.

Einen äußerst harmonischen Eindruck hinterlässt der 1,9-Liter-dCi im Renault. Mit 130 PS ist er exakt zehn PS schwächer, doch glänzt der Zweiventiler neben seiner hohen Laufruhe (wie auch der Golf) mit einer sehr harmonischen Kraftentfaltung. Was weniger gefällt, sind der im Vergleich zur Konkurrenz etwas unpräziser geführte Schalthebel seines Sechsganggetriebes und der mit 6,5 Litern – gleichauf liegend mit dem VW – höchste Verbrauch.

Mit nur 126 PS ist der Zweiliter-D-4D im Toyota der Schwächste im Vergleich. Logisch, dass der Auris in den Fahrleistungen hinterherhinkt. Wie der Renault und der VW entfaltet der Japaner seine Leistung zwar ebenfalls homogen, doch missfällt er mit präsent nagelndem Klangbild.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf 2.0 TDISkoda Octavia 2.0 TDIRenault Mégane dCi 130 FAPToyota Auris 2.0 D-4D
Beschleunigung150112106106101
Elastizität10068716964
Höchstgeschwindigkeit15060595749
Getriebeabstufung10085838183
Kraftentfaltung5030273029
Laufkultur10051455147
Verbrauch325258264258260
Reichweite2516171816
Kapitelbewertung1000680672670649

 

Fahrdynamik

Die bereits im Kapitel Fahrkomfort erwähnte adaptive Dämpferregelung verwandelt den Golf zu einem fahrdynamischen Alleskönner. Die Lenkung arbeitet zielgenau, Kurven umrundet der Wolfsburger nur minimal untersteuernd. Etwas zu schnell angegangene Biegungen werden von seinem nicht komplett abschaltbaren ESP sehr sanft und für die Insassen kaum wahrnehmbar eingebremst. Leichte Lastwechselreaktionen wie in Skoda, Renault und Toyota sind dem VW nahezu fremd. Und mit Bremswerten von knapp über 36 Metern hängt er die Messlatte ziemlich hoch.

Dass der Golf auf dem Handlingkurs dem etwas schwächer motorisierten Renault nicht davonfahren kann, liegt an seiner längeren Getriebeübersetzung. Denn auch der Franzose lässt sich überraschend handlich und sicher ums Eck dirigieren, wenn auch seine – im Vergleich zum Vorgänger – deutlich verbesserte Lenkung immer noch nicht die hohe Präzision und Rückmeldung des Wolfsburger Pendants aufweist.

Wesentlich exakter reagiert der Skoda auf Lenkbefehle, aber im Vergleich zum VW weist er einen schlechteren Geradeauslauf auf und kassiert aufgrund der dadurch erforderlichen Lenkkorrekturen einen Punktabzug.
Der Toyota kann in dieser Runde nicht ganz mithalten. Das liegt neben seiner schwächeren Motorleistung an seiner ausgeprägteren Untersteuertendenz und der wenig gefühlvoll arbeitenden Servolenkung. Dadurch vermittelt der Japaner einen unhandlichen Eindruck, obwohl er es in Wirklichkeit gar nicht ist. Zudem gewährt sein Zwangs-VSC (ESP) weniger Freiheiten als die Systeme der Konkurrenten, da es ihn spürbar früher einbremst.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf 2.0 TDISkoda Octavia 2.0 TDIRenault Mégane dCi 130 FAPToyota Auris 2.0 D-4D
Handling15064626452
Slalom10070546449
Lenkung10082797571
Geradeauslauf5040384039
Bremsdosierung3020191718
Bremsweg kalt15087766767
Bremsweg warm15084757968
Traktion10040384040
Fahrsicherheit150130128128128
Wendekreis2017151414
Kapitelbewertung1000634584588546

 

Umwelt und Kosten

Bei den Anschaffungskosten ist der Toyota das günstigste Fahrzeug im Vergleich, und nur er bietet eine dreijährige Garantie. Zudem verliert er innerhalb von vier Jahren weniger an Wert als die Konkurrenz. Allerdings ist das Basismodell ziemlich spärlich ausgestattet, und auch die Aufpreisliste gestaltet sich recht übersichtlich. Am anderen Ende der Skala rangiert der Golf, der mit einem Grundpreis von 24850 Euro schon längst nicht mehr als „Volkswagen“ durchgeht, auch wenn er alles für die automobile Grundversorgung Notwendige bereits an Bord hat. Leider gibt es bis zum Frühjahr keine Xenonscheinwerfer.

Mégane und Auris bieten derweil keine Option auf ein Automatikgetriebe, was besonders bei häufigen Stadtfahrten eine lohnende Investition darstellt. So günstig wie sein Ruf ihn gern macht, ist mittlerweile auch der Octavia nicht mehr. Beim ansonsten günstigen Renault gehen die Werkstattbesuche mit Abstand am meisten ins Geld, der Wertverlust fällt prozentual zudem am höchsten aus. Der Kapitelsieg ist dem Renault dadurch aber nicht zu nehmen.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf 2.0 TDISkoda Octavia 2.0 TDIRenault Mégane dCi 130 FAPToyota Auris 2.0 D-4D
Bewerteter Preis675219226244258
Wertverlust5024252527
Ausstattung251814121
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5028282825
Werkstattkosten2016151416
Steuer107777
Versicherung4034343234
Kraftstoff5542434243
Emissionswerte2585848470
Kapitelbewertung1000473476488481

 

Fazit

Am VW Golf kommt scheinbar keiner vorbei. Das Wolfsburger Allroundtalent gewinnt diesen Vergleichstest – wenn auch nur knapp vor dem geräumigen, praktischen Skoda Octavia.

Der agile Renault Mégane landet auf dem dritten Rang. Wertvolle Punkte verliert er vor allem beim Platzangebot im Fond. Für den Toyota Auris bleibt nur der vierte Rang. Der Japaner bietet in allen Bereichen bestenfalls Durchschnittliches.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf 2.0 TDISkoda Octavia 2.0 TDIRenault Mégane dCi 130 FAPToyota Auris 2.0 D-4D
Summe50003121307330122887
Platzierung1234

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