Vergleichstest kompakte SUV Die Verfolger

15.04.2008
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

VW Tiguan und Mitsubishi Outlander sind dem erfolgsverwöhnten BMW X3 dicht auf den Fersen. Wie gut ist der 150-PS-Benziner im X3 im Vergleich mit den Basismotorisierungen der Konkurrenz?

Der Erfolg gibt oder zumindest gab BMW recht. Mit dem X3 haben die Münchner ins Schwarze getroffen. Das kompakte SUV ist beliebt und der Top-Seller seiner Klasse. 2007 verkaufte BMW 22197 X3-Modelle in Deutschland und ist damit Spitzenreiter.

Allerdings haben auch andere Hersteller ihre Hausaufgaben gemacht und räubern sehr erfolgreich im X3-Revier. Vor allem Volkswagen rückt BMW dicht auf die Pelle: Der neue Tiguan macht Druck auf den X3. Obwohl er erst seit November 2007 im Handel ist, haben sich bereits 3725 deutsche SUV-Fans für den Wolfsburger entschieden. Im Januar lag er bereits auf Platz eins der Marktstatistik.

Die Aufholjagd hat also begonnen. Und VW hat gute Aussichten, Spitzenreiter bei den Soft-Offroadern zu bleiben. Ein Grund ist der Preis. Die von uns getesteten Basismotorisierungen mit 150 PS liegen hier über 8000 Euro auseinander. Und nicht nur VW verschärft den Wettbewerb. Auch Mitsubishi ist gerüstet – der 170 PS starke Outlander ist günstig und groß. Welche der drei Einstiegsvarianten hat die besten Talente?

 

Karosserie

Überzeugende Argumente liefert der BMW schon auf den ersten Metern. Qualität und Verarbeitung gefallen, die einzelnen Elemente im Innenraum und außen an der Karosserie sind penibel zusammengesetzt. Die Steifigkeit der Karosserie ist vorbildlich. Es scheint, als würde BMW ein paar Euro mehr in zusätzliche Versteifungen und Schweißpunkte investieren. Auch der VW rückt sich hier ins rechte Licht. Lediglich die Materialien unterhalb des Armaturenträgers sind etwas einfacher gewählt als beim BMW. Mitsubishi geht hier den günstigeren Weg. Weder die üppigen Hartplastikflächen noch deren Verarbeitung können im Vergleich mit dem BMW und dem VW mithalten.

Dennoch hat auch der Japaner seine Qualitäten. Er bietet bis zu sieben Personen Platz und erweist sich im Alltag als praktischer Kleintransporter mit einer möglichen Zuladung von bis zu 710 Kilogramm. Und dank des nach unten klappenden Stoßfängers und der damit verbundenen niedrigen Ladekante fällt das Be- und Entladen schwerer Gegenstände dann auch recht leicht.

Deutlich kleiner fallen die höher liegenden Gepäckabteile der beiden deutschen Konkurrenten aus. Zudem kostet der ebene Ladeboden beim Tiguan 160 Euro Aufpreis. Dennoch zeigt sich auch der Wolfsburger in der Variabilität als durchdacht. Ein Handgriff genügt, und die Rückbank faltet sich flach zusammen. Für mehr Kofferraum oder für mehr Beinfreiheit der Fondpassagiere lässt sich die Rückbank zusätzlich in Längsrichtung verschieben.

Insbesondere die Insassen profitieren von dieser Möglichkeit. Weder im engeren und auf Grund seiner lediglich asymmetrisch vorklappbaren Rückenlehne recht unpraktischen BMW, noch im zwar durchaus großen, aber recht flachen Fondbereich des Outlander sitzt man so luftig wie im VW. Hier ist der Dachhimmel weit vom Scheitel entfernt, die Füße finden reichlich Platz, und die Türen engen nicht ein. Auch die hohe Anhängelast von satten 2000 Kilogramm spricht für den VW. Und daher sichert sich der Tiguan den ersten Kapitelsieg, obwohl VW bei der Sicherheitsausstattung auf ein paar wichtige Details wie aktive Kopfstützen, abblendbare Außenspiegel und die Notrufmöglichkeit verzichtet.

KarosserieMax. PunkteVW Tiguan 1.4 FSIBMW X3 2.0iMitsubishi Outlander 2.4 4WD
Raumangebot vorn100737371
Raumangebot hinten100706770
Übersichtlichkeit70535353
Bedienung/ Funktion100898888
Kofferraumvolumen100474957
Variabilität100502853
Zuladung/ Anhängelast80463551
Sicherheit1509210271
Qualität/ Verarbeitung200180182160
Kapitelbewertung1000700677674

 

Fahrkomfort

Überzeugend präsentiert sich der Wolfsburger auch beim Komfort. Schon die Sitzprobe fällt positiv aus. Die bequeme Polsterung und der gute Seitenhalt machen die mit Leder bespannten Sportsitze (2655 Euro) zur Empfehlung. Auf gleichem Niveau verwöhnen die ebenfalls aufpreispflichtigen Sportsitze des BMW X3 (520 Euro). Auch hinten sitzt man sehr bequem, wenngleich der VW noch eine Spur mehr zu bieten hat. Vor allem im Vergleich mit dem Mitsubishi, dessen Rückbank sehr tief montiert ist, muss man die Knie nicht so stark anwinkeln, wodurch die Oberschenkel mehr Auflage bekommen. Auch der Komfort und der Seitenhalt der beiden vorderen Outlander-Sitze könnten etwas besser sein. Die Möglichkeit, Sport- oder Komfortsitze zu installieren, sieht Mitsubishi nicht vor.

Wie die Bestuhlung des Japaners liegt auch die Abstimmung des Fahrwerks nicht ganz auf dem Niveau von BMW und VW. Und das, obwohl sich der Münchner und der Wolfsburger dem Federungskomfort von der straffen Seite nähern – mit deutlichen Vorteilen für den VW. Er meistert selbst schlechteste Pisten mit gelassener Ruhe, bügelt Asphaltfalten flach und zeigt auf Bodenwellen große Federungsreserven.

Sogar unter Ausnutzung der maximalen Zuladung bleiben die Feder-/Dämpfer-einheiten des VW unbeeindruckt. Etwas härter rollt der BMW über Unebenheiten. Als sehr angenehm – trotz der sportlichen Abstimmung – empfindet man dabei, dass sich der Aufbau nach Wellen und Kanten schnell wieder beruhigt.

Ganz im Gegenteil der Mitsubishi, der sich von kleinen Stößen jederzeit anregen lässt und dadurch den Aufbau stets in Bewegung hält. Zudem fehlt ihm das sanfte Ansprechen, das BMW und VW auszeichnet. Nicht nur das, sondern auch die mitunter lauten Wind- und Abrollgeräusch kosten ihn in der Endabrechnung gegenüber seinen beiden sehr leisen Mitstreitern wertvolle Punkte.

FahrkomfortMax. PunkteVW Tiguan 1.4 FSIBMW X3 2.0iMitsubishi Outlander 2.4 4WD
Sitzkomfort vorn15011511596
Sitzkomfort hinten100696864
Ergonomie150132132132
Innengeräusche50474637
Geräuscheindruck100828479
Klimatisierung50343431
Federung leer200147140138
Federung beladen200150138135
Kapitelbewertung1000776757712

 

Motor und Getriebe

Auf dem Papier sieht es in diesem Kapitel für den kleinen Tiguan gar nicht so gut aus. Lediglich 1,4 Liter Hubraum und 150 PS sollen dem 170 PS starken 2,4-Liter-Motor des Outlanders und dem Zweiliter-Vierzylinder im X3 die Stirn bieten. Aber VW hat auch hier die passende Antwort: Kompressor und Turbolader – damit ist der Vierzylinder-Direkteinspritzer des VW bestückt. Resultat: den BMW abgehängt, den Mitsubishi in Schach gehalten. Zudem macht der Motor richtig Spaß – mit kernigem Klang, williger Gasannahme und auch an starken Steigungen kraftvollem Durchzug. Zudem passt das serienmäßige Sechsganggetriebe hervorragend zur Charakteristik des aufgeladenen Triebwerks.

Auch der Hubraumriese unter der Haube des Mitsubishi gefällt. Angenehm kultiviert und eine Spur kraftvoller, bringt er den Outlander jederzeit schwungvoll in Fahrt. Dass das Getriebe dabei lediglich über fünf Zahnradpaarungen verfügt, stört keineswegs. Das wird um so deutlicher im direkten Vergleich mit dem BMW. Der verfügt zwar über einen Gang mehr, aber ohne diesen im Wettstreit mit Tiguan und Outlander gewinnbringend einsetzen zu können. Während VW und Mitsubishi die Zehn-Sekunden-Marke für den Sprint von null auf 100 km/h problemlos unterbieten, benötigt der BMW gut zwei Sekunden mehr für die gleiche Aufgabe. Bei hohen Geschwindigkeiten oder an Steigungen fällt der Münchener noch stärker ab. Zumindest beim Verbrauch hält er den Anschluss an den VW. Das Kapitel ist dennoch verloren. Der VW triumphiert abermals und gewinnt das dritte Kapitel in Folge.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Tiguan 1.4 FSIBMW X3 2.0iMitsubishi Outlander 2.4 4WD
Beschleunigung150137119141
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150626860
Getriebeabstufung100848177
Kraftentfaltung50352535
Laufkultur100767476
Verbrauch325160159148
Reichweite2511118
Kapitelbewertung1000565537545

 

Fahrdynamik

Der Tiguan hat eine überzeugende Karosserie, einen guten Komfort und einen spritzigen Motor. Auch in der Fahrdynamik setzt er Zeichen. Sicher und mit nur leichten Lastwechselreaktionen umrundet er den Handlingparcours sehr souverän. Selbst das stets im Hintergrund aktive ESP bleibt dabei gelassen – vorbildlich. Deutlich mehr Konzentration verlangt der Mitsubishi, will er dem Tiguan folgen. Eine ausgeprägtere Tendenz zum Übersteuern bei ausgeschaltetem ESP und leichte Wankbewegungen verlangen mehr Korrekturen am Lenkrad und Feingefühl im Gaspedal. Zudem scharren die Räder trotz Allrad in engen Kehren kurz auf dem Asphalt.

Der BMW könnte dem Tiguan folgen. Er liegt wie ein Brett auf der Straße, bietet die beste Rückmeldung in der Lenkung und baut enorme Kurvengeschwindigkeiten auf. Am Kurvenausgang mar-schiert der Tiguan aber problemlos davon. Auch wenn sich der BMW beim Einlenken und in der Kurve einen Vorsprung erfährt, zieht der VW ab Kurvenausgang wieder vorbei – dem X3 fehlt auch hier die Leistung.
Schlussendlich festigt der Tiguan seinen Anspruch des Klassenprimus mit sehr guten Verzögerungswerten und erkämpft sich auch Kapitel vier.

FahrdynamikMax. PunkteVW Tiguan 1.4 FSIBMW X3 2.0iMitsubishi Outlander 2.4 4WD
Handling150494248
Slalom100545045
Lenkung100828774
Geradeauslauf50424240
Bremsdosierung30181812
Bremsweg kalt150696766
Bremsweg warm150777170
Traktion100828277
Fahrsicherheit150138138126
Wendekreis207912
Kapitelbewertung1000618606570

 

Umwelt und Kosten

Einen BMW zu fahren, ist nicht billig. Aber dass der Preisunterschied zu vergleichbaren Modellen gut 8000 Euro ausmacht, ist unverständlich. Selbst in Anbetracht der im Vergleich recht teuren Normausstattung des Mitsubishi bleibt der X3 ein kostspieliges Vergnügen. Dass es günstiger und – betrachtet man die einzelnen Kapitelwertungen – zudem besser geht, beweist der Tiguan 1.4 TSI.

VW trifft den Nagel auf den Kopf und zeigt sich volksnah – nicht nur im Vergleich mit Outlander und X3, sondern auch mit den als günstig geltenden Koreanern. Niedrige Versicherungseinstufungen, vertretbare Werkstattkosten und günstige Kraftstoffausgaben schonen obendrein das Portemonnaie des Tiguan-Eigners. Damit fällt auch die Umwelt/Kostenbilanz unter dem Strich zugunsten des VW Tiguan 1.4 TSI aus.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Tiguan 1.4 FSIBMW X3 2.0iMitsubishi Outlander 2.4 4WD
Bewerteter Preis675206164204
Wertverlust50231922
Ausstattung251617
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282525
Werkstattkosten20161512
Steuer10998
Versicherung40343230
Kraftstoff55333230
Emissionswerte25868083
Kapitelbewertung1000451393414

 

Fazit

Mit diesem Test beweist der VW Tiguan, dass er zu Recht an der Spitze der Zulassungsstatistik steht. Er leistet sich keine wirkliche Schwäche, einmal abgesehen vom nicht sonderlich üppigen Gepäckabteil. Alle anderen Kriterien erfüllt der VW vorbildlich. Zudem beweist er, dass ein Fahrzeug eines deutschen Herstellers nicht teurer sein muss als die asiatische Konkurrenz. Daran dürfte BMW künftig schwer zu knacken haben, zumal der Motor der Basisvariante keine gute Vorstellung gibt. Wer ein praktisches Auto sucht, ist mit dem Outlander gut bedient. Über die Detailschwächen tröstet der günstige Preis hinweg.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Tiguan 1.4 FSIBMW X3 2.0iMitsubishi Outlander 2.4 4WD
Summe5000311029702915
Platzierung123

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