Vergleichstest Kompakt-SUV Klassen-Fahrt

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der neue Opel Antara soll sich an der Spitze der SUV etablieren. Doch um dieses Ziel zu erreichen, muss sich der Antara erst einmal den Bestsellern BMW X3 und Toyota RAV4 stellen

Auch 2006 war ein erfolgreiches Jahr für das SUV-Segment. Ein Absatz-Wachstum in Deutschland von 16,5 Prozent und ein Marktanteil von mittlerweile 6,5 Prozent zeigen, wie beliebt die hochbeinigen Geländewagen sind. Luxusklasse, Oberklasse und Cabriolets wurden von den SUV bereits überholt. Das ruft die Hersteller auf den Plan, die sich vor Jahren mal aus diesem Segment verabschiedet hatten. Opel ist mit dem Antara zurückgekehrt. Und die ersten Zulassungszahlen im Januar klingen viel versprechend. Mit hierzulande 846 Einheiten reiht sich der Antara direkt hinter den beiden Topsellern BMW X3 (1322 Exemplare, 2006 insgesamt 23256 Einheiten) und Toyota RAV4 (1475 Exemplare, 2006 insgesamt 20429) ein. Der erste Vergleichstest mit dem Antara 2.0 CDTI gegen BMW X3 2.0d und Toyota RAV4 2.2 D-CAT klärt, ob der neue Opel vielleicht sogar das Zeug zum Klassenprimus hat.

 

Karosserie

Schon auf den ersten Blick sammelt der Opel Punkte. Die bullige Front und die schwungvolle Linienführung machen Eindruck. Innen geht es für die Passagiere geräumig zu. Sowohl vorn als auch hinten herrschen ordentliche Platzverhältnisse. So auch im BMW, der lediglich etwas schmaler geschnitten ist. Ganz im Gegensatz dazu der Toyota: Zwar findet man auch im schicken Japaner vorn wie hinten ausreichend Platz, aber insgesamt ist der Toyota RAV4 einfach etwas kleiner. Allerdings trifft das nicht auf den Gepäckraum zu. Sein Ladevolumen beträgt maximal 1752 Liter und liegt damit deutlich über dem des BMW (1560 Liter) und des Opel (1420 Liter). Hinzu kommt, dass der RAV4 mit 550 Kilogramm ausreichend Last tragen und wie der Antara einen zwei Tonnen schweren Anhänger ziehen darf. Wer noch mehr Last transportieren möchte, sollte den Opel Antara nehmen. Er bietet mit 665 Kilo die höchste Zuladung. Beim BMW sind es nur 425 Kilo, und auch die Anhängelast fällt mit maximal 1700 Kilo bescheidener aus. Obendrein lässt sich der Laderaumboden im BMW X3 nicht in eine ebene Fläche verwandeln. Auch hier bieten sowohl Antara als auch RAV4 die pfiffigeren Umlege- und Vorklappmechanismen. Dennoch entscheidet der Bayer dieses Kapitel souverän für sich. Er bietet nicht nur die umfangreichste Sicherheitsausstattung – allerdings gegen hohe Aufpreise –, sondern glänzt auch mit der besten Materialauswahl und Verarbeitung. Hier fällt vor allem der Opel Antara zurück. Der anfänglich gute Verarbeitungs-Eindruck relativiert sich, sobald der Opel mit Knister- und Poltergeräuschen über schlechtere Farbahnoberflächen holpert.

KarosserieMax. PunkteBMW X3 2.0dToyota RAV4 2.2 D-CATOpel Antara 2.0 CDTI
Raumangebot vorn100736975
Raumangebot hinten100676267
Übersichtlichkeit70534850
Bedienung/ Funktion100908785
Kofferraumvolumen100494834
Variabilität100284543
Zuladung/ Anhängelast80324452
Sicherheit150987882
Qualität/ Verarbeitung200175161156
Kapitelbewertung1000665642644

 

Fahrkomfort

Je schlechter die Piste, umso besser federt und dämpft der BMW X3. Zwar gehört auch er zu den sportlich-straffen Ablegern im SUV-Segment, aber die derben Stöße, die Opel und Toyota ihren Passagieren zumuten, bleiben aus. Der BMW wirkt ausgeglichener. Er bleibt auf langen Bodenwellen gelassen und lässt sich von kleinen, harten Querfugen nicht aus der Ruhe bringen. Opel und Toyota zeigen vor allem an der Hinterachse deutlich weniger Feingefühl. Auch beim Sitzkomfort punktet der X3. Obwohl man im BMW auf Sportsitzen Platz nimmt, bieten sie deutlich mehr Komfort als die stellenweise schlecht konturierten Fauteuils des Opel oder die im Vergleich kleinen Sitze des Toyota. Dafür entschädigt zumindest die gelungene Polsterung des RAV4 im Gegensatz zu den harten Stühlen des Antara. Klar überzeugen kann der Toyota bei den Innengeräuschen und beim Geräuschniveau. Knattert der 2.2 D-CAT im kalten Zustand genau so unverkennbar als Selbstzünder wie die beiden anderen Diesel, so weich und rund läuft er, wenn er seine Betriebstemperatur erreicht hat. Deutlich rauer und mit teilweise nervigen Vibrationen geht der BMW-Vierzylinder zu Werke. Anders sieht es bei Wind-, Abroll- und Fahrwerksgeräuschen aus. In diesem Punkt ist der X3 seinen Rivalen überlegen und verbucht bereits den zweiten Kapitelsieg auf seinem Konto.

FahrkomfortMax. PunkteBMW X3 2.0dToyota RAV4 2.2 D-CATOpel Antara 2.0 CDTI
Sitzkomfort vorn1501008787
Sitzkomfort hinten100747865
Ergonomie150133129127
Innengeräusche50301814
Geräuscheindruck100707267
Klimatisierung50343837
Federung leer200133126126
Federung beladen200130122120
Kapitelbewertung1000704670643

 

Motor und Getriebe

Der Toyota RAV4 stapelt bei seiner Typenbezeichnung tief. Denn der 2.2 D-CAT verfügt über 2231 Kubikzentimeter Hubraum. Damit überbietet er die Hubräume von BMW und Opel, die beide 150 PS aus knapp zwei Liter Hubraum schöpfen. 177 PS kommen beim Toyota 2.2 D-CAT zusammen. Dank Mehrleistung und des niedrigsten Gewichts dominiert der spritzige RAV4 die Motor/Getriebe-Wertung. Angenehm kultiviert setzt sich der 2.2 D-CAT in Szene und wandelt Gasbefehle ausreichend spontan in Vortrieb um. Der RAV4 sprintet als einziger in unter zehn Sekunden auf Tempo 100 und baut seinen Vorsprung bei hohen Geschwindigkeiten beruhigend aus. Seine Tachonadel überschreitet schon nach 19,3 Sekunden die 140-km/h-Markierung, rund vier Sekunden früher als der brummige X3 und der drehfreudige Antara. Eine wirkliche Schwäche leistet sich der neue Rüsselsheimer bei der Getriebeabstufung. Er hat nur fünf sehr kurz übersetzte Gänge. Das führt dazu, dass der 2.2 CDTI bei 180 km/h bereits im roten Bereich (4500 Umdrehungen) arbeitet.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW X3 2.0dToyota RAV4 2.2 D-CATOpel Antara 2.0 CDTI
Beschleunigung150122140126
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150687050
Getriebeabstufung100787260
Kraftentfaltung50323425
Laufkultur100657067
Verbrauch325138175168
Reichweite25151212
Kapitelbewertung1000518573508

 

Fahrdynamik

Seit seinem Erscheinen gilt der X3 in seiner Klasse als Maßstab beim Handling. Und das zu Recht, denn er überzeugt nicht nur mit dem agilsten Fahrverhalten, sondern auch mit einer beeindruckenden Fahrsicherheit. Dort, wo sowohl Opel Antara als auch der Toyota RAV4 stoisch über die Vorderräder schieben und damit die elektronischen Stabilitätsprogramme und Traktionskontrollen zur Arbeit auffordern, bleibt der BMW gelassen. Selbst dann lässt sich der X3 noch völlig frei von Hektik souverän um Hindernisse dirigieren – ein Sicherheitspolster, dass nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Auf der anderen Seite steht der Fahrspaß, den der X3 offeriert. Seine Lenkung antwortet so gleichmäßig und präzise auf die Richtungsbefehle, dass der Fahrer gern auch mal etwas länger auf kurvigen Landstraßen verweilt als die Piloten von Antara oder RAV4. Insbesondere auf feuchter Piste begeistert der Allradantrieb des BMW. Blitzschnell erteilt das System die Kraft und sorgt für optimalen Grip. Gerade aus engen Kehren heraus zuckt es da schon mal in den Antriebssträngen seiner beiden Mitstreiter. Nur bei der Verzögerung mit warmen Bremsen stiehlt der Opel Antara dem BMW X3 die Show. Der Rüsselsheimer Offroader gibt sich auch nach der zehnten Vollbremsung aus 100 km/h keine Blöße. Mit 37,8 Metern markiert er den Bestwert. Nur das Pedalgefühl könnte ein wenig fester sein. Der Toyota hingegen kann den Gewichtsvorteil (200 Kilogramm leichter als BMW und Opel) nicht nutzen und enttäuscht insbesondere mit kalten Bremsen (42,1 Meter). Auch die 39,6 Meter bei warmer Bremsanlage bleiben hinter den Erwartungen zurück.

FahrdynamikMax. PunkteBMW X3 2.0dToyota RAV4 2.2 D-CATOpel Antara 2.0 CDTI
Handling150454130
Slalom100474134
Lenkung100867671
Geradeauslauf50393935
Bremsdosierung30201817
Bremsweg kalt150692966
Bremsweg warm150665472
Traktion100857575
Fahrsicherheit150140120120
Wendekreis207102
Kapitelbewertung1000604503522

 

Umwelt und Kosten

Dass der Toyota die beste Umwelt/Kosten-Bilanz vorweist, liegt in erster Linie an seinen guten Abgaswerten und seinem niedrigen Grundpreis. Toyota verlangt mit 31699 Euro für den RAV4 D-CAT lediglich ein paar Euro mehr als Opel für den Antara 2.0 CDTI (31561 Euro) und fast 6000 Euro weniger als BMW für den X3 (37400 Euro). Beim Wertverlust zeigt der Japaner klar, dass ihn die Kunden schätzen. Hier rangiert er mit dem BMW, der unter seinem hohen Grundpreis leidet, auf einem Niveau. Der Opel markiert in diesem Kapitel das Schlusslicht – nicht zuletzt wegen seines zu hohen Kraftstoffverbrauchs.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW X3 2.0dToyota RAV4 2.2 D-CATOpel Antara 2.0 CDTI
Bewerteter Preis675154178179
Wertverlust50202118
Ausstattung25171920
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50202527
Werkstattkosten20151612
Steuer10767
Versicherung40292930
Kraftstoff55413938
Emissionswerte25828577
Kapitelbewertung1000385418408

 

Fazit

Ob der Opel Antara in der Zulassungsstatistik die beiden Verkaufsschlager BMW X3 und Toyota RAV4 überholt, entscheidet der Kunde. In unserem Vergleichstest muss er sich jedenfalls geschlagen geben. BMW und Toyota bieten das bessere Paket. Der attraktive Opel Antara benötigt noch etwas Feinschliff, um seinen Konkurrenten gefährlich zu werden. Wie das geht, zeigt der BMW, der nach seinem Facelift 2006 besser denn je auftritt. Für den ausgewogenen Toyota spricht besonders der kräftige Motor, gegen den selbst der des BMW keine Chance hat.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW X3 2.0dToyota RAV4 2.2 D-CATOpel Antara 2.0 CDTI
Summe5000287628062725
Platzierung123

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