Vergleichstest Kompakt-Kombis Kombi-Quartett

26.06.2007
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Lange haben die erfolgreichen Kompaktklasse-Kombis von Ford, Opel und Skoda auf ihren vierten Mitstreiter warten müssen. Mit dem neuen Golf Variant werden die Karten neu gemischt. Wer hat die meisten Trümpfe für dieses heiß umkämpfte Marktsegment?

Wenn es darum geht, Formulierungen zur möglichst präzisen Beschreibung von Sachverhalten zu finden, laufen Mitarbeiter in deutschen Amtsstuben mitunter zur Höchstform auf: Dass "Begleitgrün" alles meint, was entlang der Fahrbahn wächst, die "Lichtsignalanlage" für die Ampel steht oder die "Querungshilfe für Amphibien" nichts anderes als den Krötentunnel meint, weiß der Beamte – der Bürger eher nicht. Auch heißt es "Schutzplanke" statt Leitplanke, weil, so viel Präzision muss sein, die breiten Alu-Schienen entlang der Autobahn eine Schutz- und keine Leitwirkung haben. Den Eintrag "Kombi-Limousine" unter Ziffer Fünf im deutschen Fahrzeugschein wissen hingegen Bürger und Beamte gleichermaßen zu schätzen, vor allem wenn ein kräftiger Diesel unter der Haube steckt. Es ist dann die Kombination aus Kubikmeter großen Laderäumen, Kraft aus dem Drehzahlkeller und moderatem Kraftstoffkonsum – für viele offenkundig die perfekte Mischung. Der neue Golf Variant schickt sich nun an, gegen das kompakte Kombi-Establishment vom Schlage eines Ford Focus Turnier, eines Opel Astra Caravan oder eines Skoda Octavia Combi zu bestehen.

 

Karosserie

Wie viel passt hinein? Diese Frage bewegt Kombi-Käufer am meisten. Bei umgeklappter Rückbank sind es beim Skoda, der auf der gleichen technischen Basis wie der Golf steht, maximal 1620 Liter Ladevolumen. Der Wolfsburger Neuling bietet mit maximal 1495 Litern das geringste Maximalvolumen; Ford (1525 Liter) und Opel (1590 Liter) rangieren dazwischen. Positiv: Alle Kandidaten bieten nach dem Umlegen ihrer Sitzflächen und der asymmetrisch geteilten Rückenlehnen ebene Ladeflächen. Skoda und VW halten zudem zusätzliche praktische Staufächer unterhalb des Laderaumbodens bereit, wo Kleingepäck vor fremden Blicken geschützt deponiert werden kann. Opel liefert auf Wunsch gar eine dreigeteilt klappbare Rückenlehne (185 Euro), während VW dem Golf Variant serienmäßig einen klappbaren Beifahrersitz mit auf den Weg gibt (Opel: 145 Euro). Was den Platz für die Passagiere angeht, bieten Ford, Skoda und VW geringfügig mehr als der Opel. Der Rüsselsheimer verfügt nach wie vor über eine gewöhnungsbedürftige Blinkerbetätigung, und seine Klimaanlage muss etwas umständlich über ein Klima-Menü ein- und ausgeschaltet werden. Skoda und VW bieten technisch den gewohnt hohen Standard. Der schwarze Ölpeilstab reizt manchen jedoch bei der nächtlichen Ölstandskontrolle an mäßig beleuchteten Tankstellen zu wenig druckfähigen Bemerkungen. Wie es besser geht, zeigt Ford mit einem knallgelben Peilstab. Allerdings muss beim Kölner die Motorhaube umständlich mit dem Zündschlüssel geöffnet werden. In Sachen der Sicherheitsausstattung liegen Opel und VW einsam an der Spitze. Nur sie bieten etwa auf Wunsch Notlaufreifen (Astra, 310 Euro, ab "Sport") oder hintere Seiten-Airbags (Golf). Unverständlich bleibt, warum sich beim Ford das Kurvenlicht nicht mit den Bi-Xenon-Scheinwerfern kombinieren lässt. Qualitativ hinterlässt der Golf zweifellos den hochwertigsten Eindruck. An Materialien und Passungen gibt es wenig auszusetzen. Das gilt fast ebenso für den Skoda, sieht man einmal von dessen billigen und verschleißfreudigen Fußmatten ab. Auch der Opel ist ordentlich verarbeitet. Beim Ford stören die teils billig wirkenden Kunststoffe und teilweise großzügige Spaltmaße. Dennoch ist auch er auf schlechten Straßen frei von Knister- und Klappergeräuschen.

KarosserieMax. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDISkoda Octavia Combi 2.0 TDIOpel Astra Caravan 1.9 CDTIFord Focus Turnier 2.0 TDCi
Raumangebot vorn10070716870
Raumangebot hinten10067666567
Übersichtlichkeit7044464246
Bedienung/ Funktion10090908490
Kofferraumvolumen10051615148
Variabilität10048434640
Zuladung/ Anhängelast8037373634
Sicherheit15088788876
Qualität/ Verarbeitung200185180179170
Kapitelbewertung1000680672659641

 

Fahrkomfort

Auf seinen Sportsitzen (2103 Euro inklusive Leder) bietet der Golf Variant den besten Seitenhalt. Die Schulterabstützung könnte allerdings etwas besser ausfallen. Letzteres gilt auch für den Skoda. Da bieten die Opel-Sitze mehr, können aber beim Seitenhalt, ebenso wie die des Ford, nicht ganz mithalten. Im Fond hält der Rüsselsheimer hingegen die angenehmsten Plätze bereit. So weit, so gut. Will man in Opel und Ford jedoch Kleinkram unterbringen, stellt sich heraus, dass es mit deren Ablagen-Angebot nicht zum Besten steht. Da sind Skoda- und VW-Fahrer weitaus besser dran. Hier fassen die Türablagen gar große Mineralwasser-Flaschen oder Straßenatlanten. Opel und Ford haben dafür die niedrigsten Gepäckraum-Ladekanten. Einmal in Fahrt, freut man sich im Ford über die serienmäßige und leistungsfähige Zwei-Zonen-Klimaanlage. Die getrennte Regelung für Fahrer und Beifahrer gibt es bei Opel gar nicht und im VW-Konzern-Duo nur gegen Aufpreis (Skoda: 400 Euro, VW: 313 Euro). Zwar macht der Pumpe-Düse-Diesel im Golf durch einen relativ rauen Lauf auf sich aufmerksam, dank geringer Wind- und Abrollgeräusche vermittelt der neue Variant aber in der Summe den leisesten Eindruck. Im Ford Focus Turnier sind die Abrollgeräusche etwas deutlicher zu hören. Opel und Skoda wiederum lassen auf unebenen Pisten mitunter deutliche Fahrwerksgeräusche zu den Insassen-Ohren dringen. Caravan und Combi bleiben auch beim Federungskomfort hinter ihren Konkurrenten zurück. Der Skoda rollt recht steifbeinig ab und reicht kleine Unebenheiten wie etwa Fahrbahnkanten relativ ungefiltert an die Insassen weiter. Der Opel hingegen scheint etwas unterdämpft. Wenn er etwa Fahrbahnabsätze passiert, zittert die Karosserie stets etwas nach. Auch neigt seine Vorderachse ein wenig zum Stuckern. Der Ford wirkt relativ straff, ist aber sehr souverän, wenn es darum geht, straßenbauliche Nachlässigkeiten von den Insassen fernzuhalten. Nahezu mustergültig ist dagegen der Golf: Er überzeugt satt abrollend mit sensiblem Ansprechverhalten und beträchtlichem Schluckvermögen seiner Federung.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDISkoda Octavia Combi 2.0 TDIOpel Astra Caravan 1.9 CDTIFord Focus Turnier 2.0 TDCi
Sitzkomfort vorn150135124125115
Sitzkomfort hinten10074747675
Ergonomie150132132120130
Innengeräusche5032282331
Geräuscheindruck10057555656
Klimatisierung5032323337
Federung leer200136130130135
Federung beladen200134130130134
Kapitelbewertung1000732705693713

 

Motor und Getriebe

Mit Leistungen zwischen 136 (Ford) und 150 PS (Opel) garantieren alle Autos ordentliche Reiseschnitte. Dafür sorgen Höchstgeschwindigkeiten von knapp über 200 km/h. Die Beschleunigungswerte liegen durchweg bei unter zehn Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h. Dank eines maximalen Drehmoments von 320 Nm bei allen vier Motoren und der daraus resultierenden Durchzugskraft lassen sich die Kilometer sehr entspannt abspulen. Dennoch sind antriebsseitig verschiedene Charaktere auszumachen. Im Ford verrichtet der bekannte 2,0-Liter-Common-Rail-Diesel seinen Dienst, der in Kooperation mit PSA (Peugeot/Citroën) entstand. Im Opel arbeitet ein 1,9-Liter-Motor mit dem gleichen Einspritzprinzip. Das Aggregat entstammt der ehemaligen Powertrain-Allianz zwischen GM und Fiat. Beide Vierventiler sind serienmäßig mit einem Rußpartikelfilter bestückt. Bei dem 140 PS starken 2,0-Liter-Zweiventiler, der sowohl den Skoda als auch den Golf antreibt, muss der Rußpartikelfilter mit 600 Euro (Skoda) beziehungsweise 590 Euro (VW) extra bezahlt werden. Das Pumpe-Düse-Aggregat kann nicht mit der Laufruhe der beiden Common-Rail-Diesel mithalten. Es arbeitet sowohl nach dem morgendlichen Kaltstart als auch in hohen Drehzahlbereichen rauer als die Konkurrenz. Im Golf scheint der Motor etwas besser entkoppelt zu sein als im Skoda, denn die störenden Dröhnfrequenzen treten bei ihm weniger ausgeprägt auf. Die Nachteile bei der Laufkultur kompensiert das Pumpe-Düse- Triebwerk mit spontaneren Reaktionen auf Gaspedalbewegungen als die Common-Rail-Motoren. Speziell in höheren Geschwindigkeitsbereichen geht aber dem Golf, gemessen an seinen Kontrahenten, etwas die Puste aus. Wenn zum Beispiel auf freien Autobahnabschnitten ausbeschleunigt wird, fällt der VW etwas zurück. Dafür hat der Golf beim Verbrauch die Nase klar vorn: 6,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer schafft keiner der Konkurrenten (Skoda: 7,3 Liter, Ford 7,6 Liter, Opel 7,9 Liter Testverbrauch). Um die Kraftübertragung kümmern sich durchweg SechsgangGetriebe. Deren hohe Präzision macht erforderliche Gangwechsel zum Vergnügen. Speziell im kalten Zustand verlangen aber das Skoda- und das Golf-Getriebe nach weniger Kraftaufwand beim Schalten.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDISkoda Octavia Combi 2.0 TDIOpel Astra Caravan 1.9 CDTIFord Focus Turnier 2.0 TDCi
Beschleunigung150136140142142
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15075777773
Getriebeabstufung10085858282
Kraftentfaltung5029323130
Laufkultur10050495153
Verbrauch325206196189193
Reichweite2516141112
Kapitelbewertung1000597593583585

 

Fahrdynamik

Was der Golf beim Komfort gewinnt, verliert er beim Handling. Gemessen an der Konkurrenz wirkt er schwerfälliger, lenkt träger ein, und seine Karosserie neigt überdies zu kräftigen Wankbewegungen. Im Grenzbereich untersteuert er. Wer dann vom Gas geht, spürt ein sanft eindrehendes Heck. In Wechselkurven liegt der Skoda weit stabiler als der Golf. An der Reifenhaftgrenze schiebt er etwas weniger über die Vorderräder. Dafür dreht sein Heck beim Gaslupfen etwas stärker ein. Zusammen mit der ebenso zielgenauen Lenkung wie im Golf wirkt er spürbar handlicher als jener. Auch der Opel Astra gibt sich agiler als der Golf. Mit dem elektronisch geregelten IDS-Plus-Fahrwerk (635 Euro Aufpreis, aktivierbar über die Sporttaste im Armaturenbrett) wird die Lenkung noch eine Spur direkter und die Dämpfung straffer. Damit lässt sich der Caravan noch präziser um die Kurven scheuchen, ohne im Grenzbereich mit bösen Überraschungen aufzuwarten. Die Lenkung vermittelt dagegen ein etwas synthetisches Gefühl und sollte mehr Rückmeldung bieten. Beim Bremsen ist der Opel einsame Spitze: Er steht aus 100 km/h nach nur 36,4 Metern, mit warmer Bremse gar nach nur 35,3 Metern. Dass moderne Kombis mehr sind als bloße Nutzfahrzeuge, zeigt am eindrucksvollsten der Ford. Sein leichtfüßiges Fahrverhalten sucht in der Kompaktklasse seinesgleichen. Mit der mustergültig präzisen Lenkung und dem weitgehend neutralen Eigenlenkverhalten sowie geringen Aufbaubewegungen vermittelt er ein Höchstmaß an Handlichkeit. Zwar sind seine Lastwechselreaktionen stärker ausgeprägt als bei der Konkurrenz; sie werden aber vom ESP wirkungsvoll im Zaum gehalten. Mit etwas kürzeren Bremswegen hätte der Focus problemlos das Fahrdynamik-Kapitel gewonnen.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDISkoda Octavia Combi 2.0 TDIOpel Astra Caravan 1.9 CDTIFord Focus Turnier 2.0 TDCi
Handling15047534755
Slalom10054585161
Lenkung10081818082
Geradeauslauf5041414443
Bremsdosierung3018181819
Bremsweg kalt15065738663
Bremsweg warm15070719768
Traktion10035353835
Fahrsicherheit150135137138135
Wendekreis201414911
Kapitelbewertung1000560581608572

 

Umwelt und Kosten

Der Golf Variant hat den höchsten Grundpreis und die magerste Serienausstattung. So müssen etwa Leichtmetallräder und CD-Radio extra bezahlt werden. Das gilt auch für den Skoda Octavia Combi. Der Tscheche punktet jedoch mit einem um immerhin 1400 Euro günstigeren Einstiegspreis. Die genannten Extras sind bei Opel Astra Caravan und Ford Focus Turnier serienmäßig. Deshalb muss bei ihnen nur noch der jeweilige Aufpreis für den Metallic-Lack addiert werden, um die AZ-Normausstattung zu komplettieren. Damit bleiben nur diese beiden Kandidaten unter der 25000-Euro-Marke, was für so manchen Familienvorstand durchaus ein schlagendes Argument sein dürfte. Beim Wertverlust, bezogen auf eine vierjährige Haltedauer und 80000 Kilometer Laufleistung, müssen Skoda-Fahrer laut Deutscher Automobil Treuhand (DAT) mit 10961 Euro den geringsten Wertverlust in Kauf nehmen. Das andere Ende markiert der Ford, für den unter gleichen Bedingungen 12506 Euro als Verlust einkalkuliert werden müssen, gefolgt vom Golf Variant (11878 Euro). Die günstigsten Werkstattkosten ermittelte der ADAC für den Wolfsburger. Mit 371 Euro pro Jahr für Wartung und die üblichen Verschleißreparaturen muss der Variant-Besitzer rechnen (ohne Reifen). Golf und Skoda verfügen über die gleichen Versicherungseinstufungen und verursachen in dieser Beziehung die gleichen Kosten. Nur geringfügig darunter ordnet sich der Opel Astra Caravan ein, was sich bei der Punktevergabe jedoch nicht auswirkt. Anders sieht es beim Ford aus: Den Focus zu versichern, kostet pro Jahr immerhin gut 100 Euro mehr als im Falle von Skoda und VW. Die unbegrenzte Mobilitätsgarantie verschafft sowohl dem Skoda Octavia Combi als auch dem VW Golf Variant einen Punktevorsprung vor ihren beiden Kontrahenten, deren Hersteller hier lediglich zwei Jahre Garantie bieten. Im Kosten-Kapitel fährt der Tscheche der deutschen Konkurrenz schließlich auf und davon.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDISkoda Octavia Combi 2.0 TDIOpel Astra Caravan 1.9 CDTIFord Focus Turnier 2.0 TDCi
Bewerteter Preis675214224224224
Wertverlust5027292726
Ausstattung2511152020
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5028281818
Werkstattkosten2016141514
Steuer107777
Versicherung4033333332
Kraftstoff5545434242
Emissionswerte2587848584
Kapitelbewertung1000468477471467

 

Fazit

Die höchste Trumpfkarte hält der neue Golf Variant. Hohe Qualität, viel Komfort und günstiger Verbrauch bringen ihm den Sieg. Der knappe Punktabstand, mit dem der Skoda Octavia folgt, lassen die Entscheidung zur Geschmackssache werden. Der Tscheche hat seine Stärken in der Fahrdynamik und auf der Kostenseite. Der drittplatzierte Opel überzeugt mit reichhaltiger Ausstattung und den besten Bremsen. Zwar wird der Focus letzter – für fahraktive Familienväter bleibt er allerdings mit Abstand die erste Wahl, denn so viel Fahrspaß wie er bereitet sonst keiner der Kombi-Konkurrenten.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDISkoda Octavia Combi 2.0 TDIOpel Astra Caravan 1.9 CDTIFord Focus Turnier 2.0 TDCi
Summe50003037302830142978
Platzierung1234

Tags:

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