Vergleichstest: Kleinwagen Allein gegen alle

07.11.2007
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit dem Mazda2 schwimmt die japanische Marke gegen den Strom: Die Neuauflage des Kleinwagens wurde leichter und kleiner als das Vorgängermodell. Ist weniger hier mehr? Das klärt der Vergleich gegen die etablierte europäische Konkurrenz von Opel, Peugeot, Renault, Skoda und Volkswagen

Kleinwagen sind längst keine Kleinwagen mehr. Die meisten haben Radstände von rund 2,50 Metern – also mehr als ein Porsche 911 oder ein Ferrari Testarossa –, und sie wiegen mehr als vor nicht allzu langer Zeit ausgewachsene Mittelklasse-Limousinen. Wenigstens ein Hersteller wendet sich nun gegen diesen Trend: Der Mazda2 ist nicht nur kleiner, er ist auch um einiges leichter als sein kastenförmiger Vorgänger. Dennoch soll er den gewachsenen Ansprüchen an Autos dieser Klasse gerecht werden. In seiner kräftigsten Version, als 1,5-Liter-Benziner mit 103 PS, tritt er in der Preisklasse um 15000 Euro gegen die europäische Konkurrenz an: vom Opel Corsa 1.4 Twinport mit 90 PS, Peugeot 207 95 VTi mit 95 PS, Renault Clio 1.2 16V TCE mit 100 PS, Skoda Fabia 1.6 16V mit 105 PS bis zum VW Polo 1.4 mit 80 PS. Zum Verkaufsstart am 20. Oktober gibt es den Mazda nur mit drei Benzinmotoren, der Diesel folgt erst im Februar 2008.

Kann sich der leichtgewichtige Japaner gegen die durchweg schwereren Europäer durchsetzen? Eine spannende Frage, auch weil der Mazda2 einen Ausblick auf künftige Kleinwagenprojekte des Mutterkonzerns Ford gibt.

 

Karosserie

Schon beim obligatorischen Wiegen aller Kandidaten werden die unterschiedlichen Konzepte deutlich. Der kleine Mazda ist tatsächlich das Leichtgewicht in diesem Vergleich. Er bringt genau 1073 Kilogramm auf die Waage, das sind mithin rund 40 Kilogramm mehr als die Werksangabe (1035 kg). Ein respektabler Wert für den reichhaltig ausstaffierten Japaner, den es mit der kräftigen Motorisierung erst ab der Independance-Ausstattung gibt.

Nur der VW Polo in der mageren Basisausstattung kann mit 1108 Kilogramm einen ähnlich guten Wert auf die Waage bringen. Die anderen Testteilnehmer sind deutlich gewichtiger, der Peugeot als Schwerster bringt es gar auf rund 200 Kilogramm mehr. Doch die Schrumpfkur beim Mazda2 hat auch Nachteile: Das Raumangebot ist deutlich knapper als in den europäischen Rivalen. Vor allem auf den hinteren Plätzen und beim Beladen des Kofferraums fühlt man sich doch etwas an alte Kleinwagenzeiten erinnert. So muss der Mazda in diesem Kapitel richtig Federn lassen, während der Skoda und der Renault mit ihren ausgesprochen großzügig geschnittenen Innenräumen die meisten Punkte sammeln. Auch der Opel kommt mit seiner geräumigen Karosserie und der reichhaltigen Sicherheitsausstattung sehr gut weg.

Ein weiteres Manko des japanischen Newcomers ist das ausgesprochen triste Ambiente im Innenraum, das im auffallenden Gegensatz zum pfiffigen Außendesign und dem leuchtenden Lack mit dem schönen Namen Spirited Green Metallic steht. Die Konkurrenten haben da etwas mehr stilistischen Pfiff zu bieten.

KarosserieMax. PunkteSkoda Fabia 1.6 16VMazda 2 1.5 MZRRenault Clio 1.2 16V TCEVW Polo 1.4Opel Corsa 1.4 TwinportPeugeot 207 95 VTi
Raumangebot vorn100596063606263
Raumangebot hinten100413943404039
Übersichtlichkeit70635762656061
Bedienung/ Funktion100858282868382
Kofferraumvolumen100231220182016
Variabilität100352035202520
Zuladung/ Anhängelast80232324292723
Sicherheit150736869547263
Qualität/ Verarbeitung200134130134135134131
Kapitelbewertung1000536491532507523498

 

Fahrkomfort

Der Komfort zählt nicht zu den stärksten Seiten des Mazda2. Er leidet schon ein wenig unter den zu zierlich ausgefallenen Sitzen, denen es vor allem im Schulterbereich an der nötigen Abstützung fehlt. Die Sitzflächen sind ebenfalls etwas kurz geraten. Wie es besser geht, zeigt etwa der Opel, dessen Sitze man auch in einem größeren Auto nicht als Zumutung empfände. Das gilt gleichermaßen für die Sitzmöbel in VW und Skoda, die straff, aber nicht unangenehm gepolstert sind und zudem mehr Seitenhalt bieten. Bei den beiden Franzosen gibt es wenig Grund zum Mäkeln. In der zweiten Reihe geht es im Mazda2 recht beengt zu, während sich die hinteren Passagiere in Polo und Fabia am wohlsten fühlen.

Weitere Punkte büßt der kleine Japaner mit seinem hohen Innengeräuschpegel ein. Subjektiv leidet die Geräuschkulisse im Mazda unter dem Motordröhnen, das nur noch in Opel und Skoda ähnlich unangenehm auffällt. Dafür überzeugt der VW-Kollege aus Tschechien mit seinem ausgewogenen Federungskomfort, der auch unter maximal zulässiger Beladung nicht merklich nachlässt. Störend wirkt dabei nur die Hinterachse, die vor allem bei kurzen und harten Fugen derbe Stöße austeilt.

Ähnlich fällt das Urteil über den Wolfsburger aus, der sich in dieser Wertung ebenfalls vor den beiden französischen Kleinwagen platziert. Die sind längst keine Sänften mehr wie zu Zeiten des ersten Renault 5 oder des Peugeot 204. Der 207 ist dabei eine Spur verbindlicher. Bei voller Beladung liegt er mit dem Clio auf einem Niveau. Enttäuschend fällt die Bilanz nach Befahren der Komfortstrecken für den Corsa aus. Er ist deutlich straffer. Kurze Unebenheiten absorbiert er noch ganz gut, holpert aber sehr steifbeinig über gröbere Wellen. Noch etwas schlechter gelingt das dem Mazda, der mit seiner straffen Abstimmung an einen sportlichen Kompaktwagen alter Prägung erinnert.

FahrkomfortMax. PunkteSkoda Fabia 1.6 16VMazda 2 1.5 MZRRenault Clio 1.2 16V TCEVW Polo 1.4Opel Corsa 1.4 TwinportPeugeot 207 95 VTi
Sitzkomfort vorn150847880848280
Sitzkomfort hinten100564554565251
Ergonomie150123120117123121120
Innengeräusche50191124251721
Geräuscheindruck100555566685860
Klimatisierung50313321213023
Federung leer200116102108116105110
Federung beladen200110100108110105108
Kapitelbewertung1000594544578603570573

 

Motor und Getriebe

Das Leistungsspektrum der sechs kleinen Benziner reicht von 80 PS beim VW Polo bis hin zu 105 PS im Skoda Fabia. Nur unwesentlich schwächer ist der Mazda2 mit 103 PS. Zumindest auf dem Papier, denn in der Praxis zieht der nur 1073 Kilogramm leichte und recht drehfreudige Japaner dem Feld auf und davon. So sprintet er in 9,6 Sekunden von null auf Tempo 100 und verweist auch beim Zwischenspurt seine Konkurrenz ganz klar auf die Plätze.

Kaum minder lebendig geht der Skoda Fabia zu Werke. Allerdings neigt der 1,6-Liter-Vierzylinder zum Dröhnen, sobald er unter Last arbeitet. Wird der Tscheche dagegen mit konstantem Tempo bewegt, herrscht Ruhe.
Deutlich leiser verrichtet der Antrieb im Renault Clio seinen Dienst. Mit 1,2 Litern ist er zwar der Hubraumschwächste, aber dank Turboaufladung legt sich der kultivierte Franzose schon früh ins Zeug und verfügt über eine harmonische Kraftentfaltung. Allerdings erweist sich das Getriebe als knochig, während man sich von der Schaltung im Peugeot mehr Präzision wünscht. Zudem wirkt der 95 PS starke Motor zugeschnürt und verlangt nach Drehzahlen, will man den 1260 Kilo schweren 207 flott vorantreiben. Gemeinsamkeiten zeigen die beiden Franzosen beim Verbrauch, denn die sind mit durchschnittlich 7,8 Liter Super recht durstig.

Nur geringfügig weniger schluckt der VW Polo. Ansonsten arbeitet das Triebwerk laufruhig und spricht munter auf Gasbefehle an. Und obwohl der VW zehn PS schwächer ist als der hubraum-gleiche Motor im Opel Corsa, kann er es von den Fahrleistungen her locker mit ihm aufnehmen. Dafür zählt der Opel mit einem Testverbrauch von 7,5 Liter Super zu den Sparsamsten im Sextett – und liegt in dieser Disziplin mit Mazda und Skoda gleichauf.

Motor und GetriebeMax. PunkteSkoda Fabia 1.6 16VMazda 2 1.5 MZRRenault Clio 1.2 16V TCEVW Polo 1.4Opel Corsa 1.4 TwinportPeugeot 207 95 VTi
Beschleunigung150135139130114114119
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150605854454355
Getriebeabstufung100858581858579
Kraftentfaltung50282826232324
Laufkultur100616163656362
Verbrauch325194194190191194190
Reichweite2510913101011
Kapitelbewertung1000573574557533532540

 

Fahrdynamik

Sportlich ambitionierte Kleinwagen-Fans kommen im Mazda2 voll auf ihre Kosten: Handlich und leichtfüßig wie kein Zweiter im Vergleich durcheilt der Japaner den Slalom-Parcours und setzt auch auf dem Handlingkurs die schnellsten Zeiten. Dabei vermittelt die für einen Kleinwagen direkte Lenkung viel Freude. Das Fahrverhalten ist – selbst mit abgeschaltetem ESP (DSC) – sicher, wenn auch nicht vollkommen frei von leichten Lastwechselreaktionen. Aus diesem Grund sollte der Anti-Schleuderschutz, der übrigens nur in Mazda und Skoda serienmäßig an Bord ist, immer eingeschaltet bleiben.

Ruhiger lassen es die anderen Testwagen angehen, die übrigens alle mit aufpreispflichtigem ESP ausgestattet waren. Der elektronische Rettungsanker lässt sich beim Opel überhaupt nicht abschalten, beim Peugeot und beim Renault nur bis 50 km/h. Dennoch umrundet der Clio überraschend flott den Kurs. Erreicht der grundsätzlich brav untersteuernde Renault seine Grenzen, setzt das ESP den Riegel vor und bringt ihn sanft wieder auf den Kurs. Gleiches trifft auf Corsa und 207 zu. Weniger überzeugen können hingegen die Lenkungs-Charakteristika. Während der Opel um die Mittellage nur sehr träge anspricht, arbeitet die Lenkung im Renault insgesamt gefühllos. Einzig der mitteilsamere Peugeot kann hier punkten. Dafür verspielt der 207 die Chancen für eine bessere Platzierung bei den Bremsen und benötigt aus 100 km/h bis zum Stand 40 Meter. Deutlich besser ist der Clio, der mit sehr wirksamen Bremsen glänzt und 3,5 Meter früher zum Stehen kommt.

Mit einem besonders gutmütigen Fahrverhalten und ohne heikle Reaktionen zeichnen sich der Skoda und der VW aus. Beide überzeugen mit einer präzise ansprechenden Lenkung. Dass der Polo auf dem Handlingkurs zurückfällt, ist seiner geringeren Motorleistung zuzuschreiben. Und im Gegensatz zum technisch nahezu identischen Konzernmodell aus Tschechien kostet das ESP beim Wolfsburger extra.

FahrdynamikMax. PunkteSkoda Fabia 1.6 16VMazda 2 1.5 MZRRenault Clio 1.2 16V TCEVW Polo 1.4Opel Corsa 1.4 TwinportPeugeot 207 95 VTi
Handling150374238292627
Slalom100566353545444
Lenkung100656752655660
Geradeauslauf50353234353333
Bremsdosierung30181915181717
Bremsweg kalt150818082676148
Bremsweg warm150778085856050
Traktion100292927272727
Fahrsicherheit150120118112112112110
Wendekreis20162315181715
Kapitelbewertung1000534553513510463431

 

Umwelt und Kosten

Mit exakt 15000 Euro bewegt sich der Mazda2 preislich im Mittelfeld. Seinen hohen Grundpreis relativiert der Japaner mit seiner reichhaltigen Ausstattung, während die beiden billigeren Franzosen recht mager daherkommen. Noch dürftiger ist die serienmäßige Ausstattung des VW Polo, der aber bei den Wartungskosten den Geldbeutel am meisten schont und zusammen mit dem Peugeot den geringsten nominellen Wertverlust hat.

Dafür fallen die Inspektionskosten bei 207 und Clio überdurchschnittlich hoch aus. Opel und Skoda bewegen sich in diesem Kapitel insgesamt betrachtet im Mittelfeld. Letztendlich sorgen die guten Garantieleistungen des Mazda für den Punktevorsprung und verhelfen dem Japaner so zu einem knappen Kapitelsieg.

Kosten/UmweltMax. PunkteSkoda Fabia 1.6 16VMazda 2 1.5 MZRRenault Clio 1.2 16V TCEVW Polo 1.4Opel Corsa 1.4 TwinportPeugeot 207 95 VTi
Bewerteter Preis675313319322332294339
Wertverlust50333432352936
Ausstattung25172117
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50273327281819
Werkstattkosten20161614161514
Steuer10999999
Versicherung40363433363635
Kraftstoff55404039394039
Emissionswerte25888986888885
Kapitelbewertung1000579595562583546576

 

Fazit

Die Mazda-Entscheidung zum Downsizing war sehr mutig, hier wird sie belohnt. Dass sich der kleine 2 im Vergleich mit den Konkurrenten in dieser umkämpften Klasse so gut platziert, hätte keiner erwartet. Nur der deutlich größere Skoda Fabia ist in der Endabrechnung besser, vor allem wegen des größeren Raumangebots und des feineren Komforts.

Der VW Polo büßt für seine spärliche Motorisierung, doch mit einem kräftigeren Antrieb hätte der teure Wolfsburger den Preisrahmen gesprengt. Der geräumige Corsa verliert durch seinen hohen Preis Punkte, doch den 1,4 Twinport gibt es erst ab Cosmo-Ausstattung. Überraschend ist auch der dritte Platz des Clio, der mit dem 100-PS-Benziner vor dem Polo landet. Der 207 kann in keiner Disziplin Glanzpunkte setzen und sammelt so die wenigsten Punkte.

Gesamtbewertung

Max. PunkteSkoda Fabia 1.6 16VMazda 2 1.5 MZRRenault Clio 1.2 16V TCEVW Polo 1.4Opel Corsa 1.4 TwinportPeugeot 207 95 VTi
Summe5000281627572742273626342618
Platzierung123456

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