Vergleichstest - Günstige Kleinwagen Durchgestartet

30.11.2006
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Sie zählen zwar zur Kategorie der Kleinwagen, doch was Citroën Picanto, Hyundai Getz und Kia Picanto aus 1,1 Liter Hubraum zaubern, ist beachtlich. Mit gut 60 PS und preisen um 10000 Euro sind die City-Flitzer von der früheren Minimallösung zur ernsten Alternative geworden

Früher galten sie als Arme-Leute-Autos, als belächelte Studentenkisten oder erste Orientierungshilfe für Führerscheinneubesitzer. Doch das war früher, und das ist lange her. Heute tragen Kleinwagen nur noch ihrer äußeren Abmessungen wegen diesen Titel, sind aber längst zu vollwertigen Automobilen herangereift. Wers nicht recht glaubt, wirft einen Blick in die aktuellen Zulassungszahlen und erkennt, dass sich alle Teilnehmer dieses Tests, Citroën C2, Hyundai Getz und Kia Picanto, bestens verkaufen. Es hat sich wohl herumgesprochen, dass billig nicht spartanisch bedeutet und sich niemand mehr schämen muss, ein solches Gefährt sein eigen zu nennen. In nahezu allen technischen und optischen Kriterien haben die rund 3,50 Meter langen und gut anderthalb Meter hohen Automobile den Anschluss zu den höheren Fahrzeugklassen gefunden - nur alles eben kompakter, konzentrierter, überschaubarer. Günstiger sowieso: Mit Grundpreisen von deutlich unter 9000 (Kia) bis knapp 11000 Euro (Citroën) sind zwar auch diese nicht umsonst zu bekommen, belasten das Budget aber geringer als so mancher kaum besser ausgestattete Vertreter der Kompaktklasse.

 

Karosserie

Wer in Fahrzeugen dieser Klasse nur auf den vorderen Sitzen Platz nimmt, der erlebt ein durchaus überzeugendes, wenngleich nicht verschwenderisches Raumgefühl. Ellbogen-, Schulter- und vor allem Kopffreiheit bieten wenig Anlass zur Klage, selbst größer geratene Zeitgenossen scheuen nicht vor Fahrten auch jenseits des Stadtbezirks. Vor allem der C2 verwöhnt mit luftiger Weite, gepaart mit guter Übersichtlichkeit und problemloser Bedienbarkeit der Schalter und Tasten. Gewöhnungsbedürftig bleibt hingegen das an ein Mäusekino erinnernde Kombiinstrument aus Digitaltacho und Balken-Tankanzeige. Die klar geschnittenen und einwandfrei ablesbaren Rundinstrumente der beiden Südkoreaner sind da klar überlegen. Wer als Mitreisender mit einem der hinteren Plätze vorlieb nehmen muss, kann naturgemäß nicht den Sitz- und Raumkomfort einer Oberklasselimousine erwarten. Kurztrips stellen aber für nicht zu groß geratene Erwachsene kein Problem dar, besonders dann nicht, wenn der Zustieg wie beim Kia über serienmäßige hintere Türen erfolgt. Beim Hyundai kosten diese 500 Euro extra, der Citroën bietet dieses Extra gar nicht. Dafür trumpft der C2 mit der im Vergleich besten Sicherheitsausstattung auf und fährt den anderen mit serienmäßigem Bremsassistent und optionalen Kopf-Airbags (wenn auch mit 900 Euro sehr teuer, da paket-gebunden) davon. ESP ist wie bei den Mitstreitern nicht zu bekommen - das alte Vorurteil des Sicherheitsmankos kleiner Fahrzeuge findet hier letzte, aber reichhaltige Nahrung. Gehts um Variabilität, kann der Franzose mit der Besonderheit zweier in Längsrichtung verschiebbarer Einzelsitze hinten aufwarten und stellt so bei Bedarf einen größeren Kofferraum zur Verfügung - die geteilte und sowohl nach unten als auch oben aufklappende Heckklappe empfinden wir allerdings eher als umständlich, da der untere Teil beim Beladen stört. Wie bei den asymmetrisch geteilten Rückbänken der fernöstlichen Konkurrenten lassen sich im C2 zudem die Lehnen vorklappen, beim Kia wandert zur Volumenerweiterung auch die Sitzfläche nach vorn unten und offeriert dadurch eine ebene, durchgängige Ladefläche.

KarosserieMax. PunkteKia Picanto 1.1 EXCitroën C2 1.1iHyundai Getz 1.1 GL
Raumangebot vorn100375041
Raumangebot hinten100302528
Übersichtlichkeit70686866
Bedienung/ Funktion100747074
Kofferraumvolumen100182334
Variabilität100303230
Zuladung/ Anhängelast80211416
Sicherheit150355335
Qualität/ Verarbeitung200115115120
Kapitelbewertung1000428450444

 

Fahrkomfort

Bleiben wir noch etwas bei den orthopädisch relevanten Betrachtungen und inspizieren das Gestühl eingehender. Um es kurz zu machen: Es gibt schlechtere, aber auch erheblich bessere Sitze als die der Kandidaten. Die Sitzflächen könnten länger ausfallen, der Seitenhalt in Kurven an Präsenz zulegen. Mal stört die viel zu weiche Polsterung wie im C2, mal der Falten werfende Bezug des Picanto. Am besten gefällt noch der Getz, dessen Sitze angenehm straff geraten sind und sich per Rändelräder in Höhe und Sitzneigung justieren lassen. Allen dreien fehlts allerdings an nennenswerter Lendenwirbelunterstützung und damit an ausgeglichener Langstreckentauglichkeit. Noch ein Vorurteil, bitte? Nach landläufiger Meinung gelten französische Autos als kurvenscheue Straßensänften. Der C2 überrascht vielmehr mit straffer Federung, die langwellige Anregungen zwar ordentlich wegfiltert, gelegentlich aber zu stößigem Ansprechverhalten und Karosseriegeräuschen neigt. Wirklich unangenehm ist das allerdings nie. Im direkten Vergleich fallen Hyundai und Kia etwas ab, die von Unebenheiten zum Teil zum Karosseriezittern animiert werden. Dagegen stellen wir auf Autobahnen bei Richtgeschwindigkeit bei unserem Trio ein akzeptables Geräuschniveau sowie hohe Fahrwerksruhe fest.

FahrkomfortMax. PunkteKia Picanto 1.1 EXCitroën C2 1.1iHyundai Getz 1.1 GL
Sitzkomfort vorn150688084
Sitzkomfort hinten100353134
Ergonomie150848084
Innengeräusche50312427
Geräuscheindruck100404544
Klimatisierung50201818
Federung leer200708072
Federung beladen200535052
Kapitelbewertung1000401408415

 

Motor und Getriebe

60 (Citroën) bis 65 PS (Kia) taugen zum Bäume ausreißen nur bedingt. Und dennoch wirkt keiner der Probanden untermotorisiert. Im Gegenteil: Von der leichten Anfahrschwäche des C2 abgesehen, ziehen diese vom Start weg gut davon und wissen mit Beschleunigungswerten von rund 15 Sekunden auf Tempo 100 zu überzeugen. Das zählt nicht zu den Qualitäten für Kavalierstarts oder gewagte Überholmanöver, reicht aber in nahezu allen Verkehrssituationen völlig aus. Allerdings sollte die Pariser Zentrale der Schaltung des C2 mehr Exaktheit und kürzere Wege spendieren, um noch mehr Quirligkeit zu erzeugen. Auffallend spritzig setzt sich hingegen der Kia in Szene: Dank seines passend abgestuften Getriebes und des auffallend gut am Gas hängenden Motors ist der Wieselcharakter des Picanto besonders ausgeprägt. Mit dem im Vergleich günstigsten Verbrauch von 6,3 Liter Normal auf 100 Kilometern unterbietet er die Konkurrenten zudem deutlich. Mit 8,2 Litern fällt hingegen der Getz negativ aus dem Rahmen. Dass der Hyundai zudem in puncto Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit das Schlusslicht markiert, sollte die Hyundai-Strategen über eine gründliche Antriebsrenovierung nachdenken lassen.

Motor und GetriebeMax. PunkteKia Picanto 1.1 EXCitroën C2 1.1iHyundai Getz 1.1 GL
Beschleunigung150937969
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150242820
Getriebeabstufung100756876
Kraftentfaltung50403529
Laufkultur100575055
Verbrauch325177170158
Reichweite25181517
Kapitelbewertung1000484445424

 

Fahrdynamik

Wie schlagen sich wohl die etwas hochbeinig und dem ersten Anschein nach nur bedingt renntauglich wirkenden Kleinwagen? Klare Antwort: wacker. Wie alle übrigen Testkandidaten der AUTO ZEITUNG prüfen wir auch diese auf der Handlingstrecke und im Slalomparcours auf Herz und Nieren. Den Anfang macht der C2: In schnellen Kurven wirkt er zwar wie die anderen etwas unterbereift und kippt wie diese markant zur Seite ab, doch schränkt dies die Fahrsicherheit in keiner Weise ein. Anders als der Hyundai, der bei Gaswegnahme im Kurvenscheitelpunkt mit dem Heck leicht nachdrückt und damit bei Bedarf viel Fahrspaß vermittelt, agiert der Franzose mit stoischer Gelassenheit, schiebt klar über die Vorderräder und wirft nie Probleme auf. Im Slalom stört allenfalls die etwas verhärtende Lenkung. Letztere Prüfung darf als Sternstunde des Picanto betrachtet werden, denn wie dieser durch den rot-weißen Pylonenparcours pfeilt und exakt dem Lenkauftrag gehorcht, ist eine Klasse für sich. Diese Talente überträgt der Kia auch auf die Handlingstrecke und dominiert dort ebenfalls. Insgesamt attestieren wir dem Trio eine beachtliche Fahrstabilität, ein klar definiertes Eigenlenkverhalten und sehr guten Geradeauslauf sowie jegliches Unterbleiben des schwer zu beschreibenden, aber früher in dieser Klasse verbreiteten Unbehaglichkeitsgefühls. Allerdings ist es mit der Herrlichkeit schnell zu Ende, wenn Petrus die Pforten öffnet. Bei Nässe taugen die auf Kia und Hyundai montierten Hankook-Reifen nicht viel und mahnen zur Zurückhaltung. Wieder rufen wir ins Gewissen, dass gerade kleinere Fahrzeuge im Bedarfsfall auf ein ESP zurückgreifen können sollten.

FahrdynamikMax. PunkteKia Picanto 1.1 EXCitroën C2 1.1iHyundai Getz 1.1 GL
Handling150493734
Slalom100453728
Lenkung100484042
Geradeauslauf50404040
Bremsdosierung30273532
Bremsweg kalt15011211285
Bremsweg warm15011410088
Traktion100354038
Fahrsicherheit150889585
Wendekreis20222016
Kapitelbewertung1000580556488

 

Umwelt und Kosten

Einem Grundpreis von 8700 Euro für den fünftürigen Basis-Picanto haben die anderen preislich wenig entgegenzusetzen. Auch beim Wertverlust setzt sich der Kia von C2 und Getz ab. Als dickstes Pfund führt der rundum gelungene Fernostkandidat sicher den relativ günstigen Verbrauch ins Feld, dem mit Abstrichen nur der C2 Paroli bieten kann. Dieser spricht durch die deutlich getreckteren Ölwechsel- und Inspektionsintervalle und die sich daraus ergebenden geringeren Wartungskosten den kleineren Geldbeutel an - den er zuvor allerdings mit dem höchsten Einstandspreis in Anspruch genommen hat. Allen drei gemeinsam ist, dass zur Komplettierung der AZ-Normausstattung erst einmal kräftig nachinvestiert werden muss. Da benehmen sich die Kleinen wie so mancher Großer.

Kosten/UmweltMax. PunkteKia Picanto 1.1 EXCitroën C2 1.1iHyundai Getz 1.1 GL
Bewerteter Preis675400397400
Wertverlust50918789
Ausstattung25252427
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50222826
Werkstattkosten20424543
Steuer10484748
Versicherung40434642
Kraftstoff55424038
Emissionswerte25858488
Kapitelbewertung1000798798801

 

Fazit

Nicht zum ersten Mal entpuppt sich der Kia Picanto als Kleinwagen-Vorreiter. Er fährt sich spritzig, sparsam und mit hohem Nutz- und Spaßfaktor. Mit ganz eigenem Charme folgt der C2 dicht auf. Er ist dem Kia absolut ebenbürtig, erreicht aber nicht ganz dessen motorische und fahrdynamische Präsenz. Und der Hyundai? Für sich betrachtet ein durchaus gelungenes Auto, verliert er dennoch durch unzeitgemäßen Verbrauch und nicht ausreichend überzeugende Leistungen im Fahrdynamik- wie im Motorensektor.

Gesamtbewertung

Max. PunkteKia Picanto 1.1 EXCitroën C2 1.1iHyundai Getz 1.1 GL
Summe5000269126572572
Platzierung123

Tags:

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