Vergleichstest BMW M3 und Mercedes C63 AMG Doppel-Achter

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Zwei Höchstsportler als Limousinen getarnt, gehen mit hochdrehenden Achtzylindermotoren an den Start. Der BMW M3 und Mercedes C63 AMG kmämpfen um die Vorherrschaft auf der Straße. Wer ist der bessere von den beiden?

Erstmals treffen sie sich auf Augenhöhe: Der ganz neue Mercedes C 63 AMG soll dem BMW M3 Paroli bieten – auf der Straße und auf dem Rennkurs. Den M3 in die Schranken zu weisen, war das erklärte Ziel der AMG-Entwickler.

Weg vom Kompressor-V8, hin zum hochdrehenden Sauger, dazu die stark modifizierte, breite Vorderachse für ein messerscharfes Handling und die Neuabstimmung des ESP sollen die Basis für den Erfolg darstellen. Der neue M3 kontert ebenfalls mit V8-Power, elektronisch geregeltem Fahrwerk und einem ausgeklügelten Leichtbaukonzept. Das riecht nach einer Patt-Situation, zumal sich die Grundpreise von 66650 Euro (BMW) und 67235 Euro (Mercedes) kaum unterscheiden.

 

Karosserie

Der zweitürige M3 trumpft mit einem gewichtssparenden Materialmix im Karosseriebau auf. Hochfeste Stähle der Kernstruktur werden ergänzt durch Aluminium (Motorhaube), Kunststoff (Kotflügel) und sogar Kohlefaser (Dach). Das Leergewicht liegt so bei nur 1640 Kilogramm, 900 Kilo belasten dabei die Vorderachse. Der BMW kann 440 Kilo zuladen. Der viertürige Mercedes wiegt dagegen über 1,8 Tonnen, seine Zuladung beträgt sogar nur 350 Kilo – zu wenig für eine vollwertige Limousine.

Dem großzügigen Raumangebot der C-Klasse hat der BMW wenig entgegen zu setzen. Während der Unterschied im Ellenbogenbereich gering ausfällt, kann der Mercedes bei der Kopffreiheit und im Fond deutliche Vorteile für sich verbuchen. Bei der Sicherheitsausstattung hat er ebenfalls die Nase vorn: Der C 63 AMG ist auf Wunsch mit Presafe, Bi-Xenonlicht und Seiten-Airbags hinten ausrüstbar. Der BMW wiederum bietet viele wichtige Sicherheitsdetails serienmäßig. Auch der Bedienkomfort im 3er-BMW kann eher überzeugen als der im Mercedes. Und den Qualitätseindruck im C 63 AMG schmälern die harten, teilweise kratzempfindlichen Oberflächen. BMW beweist bei der Materialauswahl eine glücklichere Hand.

KarosserieMax. PunkteMercedes C 63 AMGBMW M3
Raumangebot vorn1007469
Raumangebot hinten1006526
Übersichtlichkeit704236
Bedienung/ Funktion1008185
Kofferraumvolumen1003833
Variabilität100103
Zuladung/ Anhängelast801421
Sicherheit15010091
Qualität/ Verarbeitung200178186
Kapitelbewertung1000602550

 

Fahrkomfort

Eine Überraschung bietet das zwar aufpreispflichtige, aber wirkungsvolle EDC-Fahrwerk (1900 Euro) im BMW M3. In drei Stufen lässt sich die Dämpfer-Kennlinie per Knopfdruck einstellen – das Coupé rollt auf Wunsch harmonisch über Unebenheiten oder räubert mit kaum wahrnehmbarer Seitenneigung über die Handlingstrecke. Das straffe, konventionelle Fahrwerk des AMG-Mercedes wirkt dagegen auf Bodenwellen stuckerig und wird erst bei Beladung nachgiebiger.

Unangefochtene Spitze sind die Sportsitze mit integrierten Kopfstützen im C 63. Die großen, einstellbaren Seitenwangen erinnern an Rennschalensitze. Das M3-Gestühl mit ausziehbarer Schenkelauflage ist etwas weicher gepolstert und nicht ganz so stark ausgeformt.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes C 63 AMGBMW M3
Sitzkomfort vorn150141138
Sitzkomfort hinten1006229
Ergonomie150125134
Innengeräusche502822
Geräuscheindruck1008990
Klimatisierung503835
Federung leer200130139
Federung beladen200136138
Kapitelbewertung1000749725

 

Motor und Getriebe

420 gegen 457 PS – was sich auf dem Papier undramatisch liest, bedeutet in der Realität zwei grundverschiedene Welten. Der bis zu 8400 Touren drehende M3-Motor ist ein feinnerviges Renntriebwerk mit begeisternder Klangkulisse. Der AMG-V8 ist ein Hubraum-Monster, das ab Leerlaufdrehzahl unnachgiebig mit der Gewalt von 600 Newtonmetern ins Kreuz drückt. Der bei Vollgas dröhnende V8-Klang erinnert stark an Renner der amerikanischen NASCAR-Serie. 4,6 Sekunden vergehen im Mercedes bis 100 km/h, bis 200 sogar nur 15,3 Sekunden – angesichts des Leergewichts von 1,8 Tonnen spitze. Der BMW stellt sich trotz 180 Kilo weniger Gewicht mit 5,1 Sekunden bis 100 km/h hinten an.

Ein zweites Duell entscheidet der Mercedes ebenfalls knapp für sich: Seine speziell abgestimmte Siebengang-Automatik lässt keine Wünsche offen – butterweiches Schalten im Comfort-Programm oder 30 Prozent schnellere Schaltzeiten im S-Modus inklusive Zwischengasstößen beim Runterschalten. Sie stellt eine ernst zu nehmende Alternative zum manuellen Sechsgang-Getriebe im BMW dar. Beide haben Referenz-Charakter.

Der Testverbrauch der Rivalen liegt angesichts der hohen PS-Leistung im akzeptablen Bereich. Hier kann der M3 einen kleinen Vorteil herausfahren. Der Mercedes erreicht dank seines größeren Tankvolumens aber eine ähnliche Reichweite.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes C 63 AMGBMW M3
Beschleunigung150189184
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150135135
Getriebeabstufung1009998
Kraftentfaltung504847
Laufkultur1009694
Verbrauch325113118
Reichweite2577
Kapitelbewertung1000687683

 

Fahrdynamik

Überlegene Traktion, eine im Power-Modus extrem agile und präzise Lenkung und die auch bei Dauerbelastung standfeste Bremse zeichnen den BMW M3 aus. Selbst bei komplett deaktiviertem ESP krallen sich die Reifen verlässlich in den Asphalt. Auch im Slalom bringt ihm das entscheidende Vorteile. Die Fahrwerksauslegung ist neutral mit einer leichten Tendenz zum Untersteuern. Wenn es der Fahrer allerdings übertreibt, muss er schnell reagieren.

Beim Wedeln um die Pylonen spürt der AMG-Pilot die Last von 1000 Kilo auf der Vorderachse, etwas größere Lenkwinkel und mehr Karosserieneigung. Nur unter Volllast wechselt der gutmütig untersteuernde Mercedes ins Übersteuern. Die Bremsanlage braucht grundsätzlich höhere Arbeitstemperaturen als die des BMW und lässt auf dem Handlingkurs nach mehreren scharf gefahrenen Runden einen exakten Druckpunkt vermissen. Auch der Bremspedalweg wird dann länger.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes C 63 AMGBMW M3
Handling150111116
Slalom1005065
Lenkung1009295
Geradeauslauf504039
Bremsdosierung302124
Bremsweg kalt1508893
Bremsweg warm15096100
Traktion1005056
Fahrsicherheit150123120
Wendekreis20146
Kapitelbewertung1000685714

 

Umwelt und Kosten

Ein Punkt entscheidet diese Disziplin zu Gunsten des Mercedes. Er hat bei den Emissionswerten die Nase vorn, büßt allerdings Zähler bei den Werkstattkosten ein. Während der BMW in fünf Einzelwertungen jeweils einen Punkt gut macht, geben 30 Jahre Lackgarantie für die C-Klasse letztendlich den Ausschlag für den denkbar knappen Kapitelsieg.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes C 63 AMGBMW M3
Bewerteter Preis6758182
Wertverlust5088
Ausstattung251617
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502723
Werkstattkosten20710
Steuer1067
Versicherung401718
Kraftstoff552122
Emissionswerte258378
Kapitelbewertung1000266265

 

Fazit

Der BMW M3 ist in seiner Klasse die Referenz, die es zu schlagen gilt. Und genau dies gelingt dem neuen Mercedes C 63 AMG. Allerdings: Klammert man die zwangsläufigen Punktvorteile durch seine viertürige Karosserie aus, liefern sich beide ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen. Und bei BMW steht der viertürige M3 in den Startlöchern. Trotzdem: Der Bayer punktet in der Fahrdynamik, verliert das Motorenkapital nur hauchdünn und liegt beim Federungskomfort vorn. Gegen den agilen Dampfhammer C 63 AMG kann er aber nicht gewinnen.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes C 63 AMGBMW M3
Summe500029892937
Platzierung12

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