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Vergleich: VW Scirocco und Opel Astra GTC

Rivalen der Rennbahn

Das gab es schon mal: Zwei Coupés von Opel und VW als Rivalen der Rennbahn. Vergleich von Scirocco und Astra GTC

Was 2006 mit der gift-grün-bösen Studie Iroc anfing, mündet am 29. August in ein massentauglich-gezähmtes Ende: Dann nämlich beginnt der Verkauf des Scirocco, mit dem VW nicht nur einen alten Namen, sondern auch eine alte Idee wieder aufleben lässt.

Wie die ersten zwei Generationen des Scirocco (1976 bis 1981 und 1981 bis 1992) und dessen Nachfolger Corrado (1988 bis 1995) ist dieses Coupé kein elitärer Sportwagen für Besserverdiener, sondern ein volksnaher 2+2-Sitzer. Der Griff in die wohlgefüllten Konzernregale macht es möglich, die 122 PS und 200 km/h schnelle starke Basisversion für schlanke 21.750 Euro anzubieten – Klimaanlage und andere Basics inklusive. Das nächststärkere Modell, der hier gezeigte 1.4 TSI mit 160 PS, wird etwa 1500 bis 2000 Euro mehr kosten und auf Augenhöhe mit dem Opel Astra GTC 1.6 Turbo liegen. Dessen preisgünstigste Ausstattungslinie heißt Sport und ist für 23.745 Euro zu haben.

Mit 180 PS leistet dieser Astra einiges mehr als der Scirocco und fügt dem Blick zurück in die wilden 70er eine weitere Parallele hinzu. Denn damals trat der Scirocco GTI mit 110 PS gegen das Kadett GTE Coupé an, das mit 115 PS auf dem Papier die Nase vorn hatte. Dazu tobten wahre Glaubenskriege zwischen den Fans der jeweiligen Marke. Schließlich versprühte der heckgetriebene Kadett in Kurven auf Wunsch gern etwas Drift, während der Fronttriebler-VW nur beim beherzten Lupfen des Gaspedals querkam.

Eigenständige Linie
Angesichts des hier wie da serienmäßigen ESP ist das heute Folklo-re, zumal auch der Astra GTC zu den Fronttrieblern zählt. Doch die sportliche Grundeinstellung verdeutlichen die zwei Rivalen so wie ihre Vorfahren: Der GTC duckt sich zweieinhalb Zentimeter tiefer auf die Straße als der Fünftürer-Astra, der Scirocco ist gar sechs Zentimeter flacher als der Golf. Vorteil VW: Während der GTC auf Anhieb als Mitglied der mittlerweile in die Jahre gekommenen Astra-Familie zu erkennen ist, steht der Scirocco sehr eigenständig und neu auf der Straße. Das langgezogene Dach mit dem auf Wunsch von VW-Chef Winterkorn gestutzten Dachspoiler, die ausmodellierten Türen und vor allem die unter den flachen hinteren Seitenfenstern betonte Schulterlinie wirken schlicht spannender. Die Bugpartie wurde zwar gegenüber der Studie Iroc deutlich entschärft und ist sehr schmallippig. Doch mit dem großen Kühllufteinlass unter der Stoßstange und den maximal nach außen gerückten Scheinwerfern ist sie noch immer gut für jede Menge Überholprestige.

Dem optischen Auftritt tun die serienmäßigen 17-Zöller im Format 225/45 sichtlich gut (Astra: 205/ 55 R 16); die 400 Euro teuren 18-Zöller des gezeigten Scirocco sind natürlich noch einmal einen Tick eindrucksvoller. Diese Rädergröße bietet auch Opel an (770 Euro), wobei die Reifen im Format 225/45 eine Nummer kleiner ausfallen als beim Scirocco (235/40).

Im direkten Vergleich wirkt der rund sechs Zentimeter schmalere Astra GTC relativ unscheinbar. Dafür punktet er mit einer vor allem nachts eindrucksvollen Panorama-Windschutzscheibe (1095 Euro Aufpreis) und mitlenkendem Bi-Xenon-Kurvenlicht für 1180 Euro) – beide Extras kann VW nicht bieten. Hinzu kommen der praktische Vorteil des größeren Kofferraums (340 bis 1070 Liter gegenüber 292 bis 755 Liter) sowie der Fünfsitzigkeit. Der Scirocco ist als Viersitzer ausgelegt.

Dafür hinterlässt der Innenraum des VW den hochwertigeren Eindruck. Das liegt weniger am trüffelfarbenen Leder unseres Modells, sondern eher am reichhaltig bestückten, aus dem Coupé-Cabrio Eos bekannten Cockpit und den aufwendig gemachten Türtafeln.

Für beide Volkssportler gibt es gegen Aufpreis Fahrwerke mit verstellbaren Dämpfern. VW hätte zwar das schon bei Audi eingesetzte System nutzen können, das die Dämpferkraft durch die Magnetisierung von Metallteilchen im Öl variiert. Doch man entschied sich für Stoßdämpfer mit elektrisch verstellbaren Durchflussventilen, wie sie auch Opel beim IDSplus-Fahrwerk des Astra verbaut.

Beim Motorenspektrum hat der Astra GTC noch die Nase vorn. Während die Direkteinspritzer-Benziner-Range des Scirocco fürs Erste nur von 122 (Turbo) über 160 (Turbo und Kompressor) bis 200 PS (Turbo) reicht und lediglich ein 140-PS-Diesel angeboten wird, decken die GTC-Benziner den Bereich von 90 bis 240 PS und die Diesel den von 90 bis 150 PS ab. Doch der Scirocco steht ja erst am Beginn seiner Karriere. Da wird sich im Bereich über 200 PS noch einiges tun, wobei Wolfsburg auch an einem mechanischen Sperrdifferenzial arbeitet, das dem Flachmann zu herausragender Fahrdynamik verhelfen soll. Mehr als vier Zylinder soll es allerdings mittelfristig nicht geben.

Vielleicht kommt der Power-Scirocco ja rechtzeitig zum Modellwechsel beim Astra, der für 2010 erwartet wird. Dann will Opel auch Ernst machen beim Thema Coupé und einen formal eigenständigen 2+2 anbieten – als Manta oder Calibra. Wenn dann noch Ford die Pläne zur Wiedererweckung des Capri realisiert, sind sie wieder alle beisammen – die alten Rivalen der Rennbahn.
Michael Harnischfeger

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Opel Astra GTC 1.6 Turbo

PS/KW 179/132

0-100 km/h in 8.20s

Frontantrieb, 6 Gang manuell

Spitze 223 km/h

Preis 23.745,00 €

VW Scirocco 1.4 TSI

PS/KW 160/118

0-100 km/h in 8.00s

Frontantrieb, 5 Gang manuell

Spitze 217 km/h

Preis 23.500,00 €