Vergleich Sport-Cabrios Sturmwarnung

14.05.2008
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Obacht! Diese Cabrios sind eine ernste Gefahr für jede Dauerwelle. Mit Motorleistungen weit jenseits der 400 PS und bei Bedarf hart zuschlagenden Hightech-V8-Motoren machen das neue BMW M3 Cabrio mit Doppelkupplungsgetriebe und das Mercedes CLK 63 AMG Cabrio viel Wind

Eine abgesperrte Strecke irgendwo in der Eifel. Vergleichstest zwischen dem neuen BMW M3 Cabrio mit M-Doppelkupplungsgetriebe und dem Mercedes CLK 63 AMG. Irgendwann sieht Fotograf Willy Bister nicht mehr durch die blauen Reifenrauchwolken, die ihm die Linse des Teleobjektivs vernebeln. Willy stoppt das quere Treiben: Jungs, das sind doch Cabrios. Da muss man doch nun wirklich nicht ständig quer fahren! Lieber Willy: Müssen tut man das freilich nicht. Aber 420 oder gar 481 PS in einem Cabrio sind eh ein recht sinnfreier Beitrag zum automobilen Heute. Einziger Zweck dieser donnernden Windmaschinen: Party machen! Und insofern führen wir die Wagen gerade einer völlig artgerechten Boden-Freilandhaltung zu. Wohlgemerkt: Um eine Dauerwelle lustvoll zu verunstalten, genügen auch die braven Diesel-Versionen am anderen Ende der Preislisten. Das BMW-3er-Cabrio gibt es ja inzwischen gar mit Vierzylindern samt automatischem Ampel-Motor-Stopp – dezenter Cabrio fahren geht dann wirklich nicht, Willy!

 

Karosserie

Mit mehr Platz und Steifigkeit punktet die BMW-Karosse

Zum Thema dezent: Hat sich AMG bei der Gestaltung des CLK-Bodykits nun tatsächlich zurückgehalten, oder liegt es nur am Brachial-Format des M3, dass der CLK einen so schlanken Fuß macht? Er ist eindeutig in die Jahre gekommen, der elegante CLK, es darf aber mit Wohlwollen konstatiert werden, dass da ein weiterer Mercedes auf dem Weg zum reifen Klassiker ist.

Diesen Weg hat der aktuelle M3 erst noch vor sich, er ist ganz ein Kind seiner Zeit: aggressiv, volle Punktzahl im Ausdruck, maximale Drohgebärde. Auch seine Funktionalität, Variabilität und Qualität wirken mehr up to date. Das viel gescholtene iDrive kann sich in seiner aktuellen Evolutionsstufe inzwischen vor das Comand-System des CLK setzen – mit nur einem Hauch Übung zum Einstieg funktioniert iDrive definitiv flüssiger und wesentlich ablenkungsärmer als das zu Beginn selbsterklärendere, dann aber stets sperrigere Comand-System. Fahrer mit langen Beinen verstellen im CLK überdies mit dem linken Knie schnell mal Außenspiegel und elektrische Sitze.

Das Raumangebot des M3 ist vor allem auf den Fondsitzen etwas besser, obendrein hat der BMW mit der optionalen XXL-Durchlademöglichkeit vom Kofferraum bis zu den umlegbaren Fondsitzlehnen ein echtes Alltagsplus. Allerdings ist der Kofferraum des CLK bei geöffnetem Verdeck größer, seine 390 Liter schlucken dann mit etwas Entsagung auch das Reisegepäck von vier Frischluft-Fans. Im BMW reisen vier Freunde ausnahmslos hochgeschlossen zum Urlaubshotel. Den Sieg im Karosseriekapitel fährt der BMW aber nicht zuletzt durch seine spürbar steifere Karosserie ein. Der CLK gerät auf schlechter Fahrbahnoberfläche oder welligen Autobahnen spürbar ins Zittern – kleinere Knarzgeräusche untermauern dies akustisch.

KarosserieMax. PunkteBMW M3 CabrioMercedes CLK 63 AMG
Raumangebot vorn1007270
Raumangebot hinten1006255
Übersichtlichkeit704145
Bedienung/ Funktion1008380
Kofferraumvolumen1001824
Variabilität10013
Zuladung/ Anhängelast801312
Sicherheit1509485
Qualität/ Verarbeitung200180173
Kapitelbewertung1000576544

 

Fahrkomfort

Der BMW M3 ist ein erstaunlich kultiviertes Auto

Komfort sollte ja eine Domäne des Mercedes sein, im AMG-Trimm muss sich der CLK allerdings dem erstaunlich zivilen BMW M3 geschlagen geben. Der M3 profitiert von seiner elektronischen Dämpferverstellung, mit der er auf Knopfdruck von sanft-satt auf knochentrocken gedreht werden kann. Die Sportsitze des M3 sind deutlich komfortabler als die vor allem in der Sitzlänge etwas knappen Möbel des CLK, im Fond zwickt und zwackt der Mercedes durch räumliche Enge.
Bemerkenswert: Obwohl der Stuttgarter – vermutlich durch eine Betonung vom menschlichen Ohr stark wahrgenommener Frequenzen – subjektiv etwas lauter wirkt, können die Messwerte das nicht bestätigen. Sein exzellentes Stoffverdeck ist sogar ein Quentchen leiser als das Hardtop des M3.

Überhaupt: Abseits aller Punktewertungen hat auch der AMG-CLK eine wesentliche Komforteigenschaft, die Mercedes-Fans so lieben: Unaufgeregtes, entspanntes Dahinschnüren, lässiges Powerboat-Fahren auf Asphalt – das liegt irgendwo in den Genen, irgendwo zwischen Lenkgefühl, Sitzposition, Fahrverhalten. Der BMW springt dich an, brüllt: Lass uns spielen. Der Mercedes meint nur leise: Willkommen zu Hause

FahrkomfortMax. PunkteBMW M3 CabrioMercedes CLK 63 AMG
Sitzkomfort vorn150110101
Sitzkomfort hinten1004843
Ergonomie150121124
Innengeräusche503235
Geräuscheindruck1009087
Klimatisierung503641
Federung leer200140130
Federung beladen200138135
Kapitelbewertung1000715696

 

Motor und Getriebe

Brutale Power von AMG, Hightech-Feuerwerk von der M GmbH

Die AMG-Maschine ist der Hammer. Der Wahnwitz, mit dem der Mercedes Autobahngeraden inhaliert oder aus verträumtem Dahinbummeln plötzlich in eine erdnahe Umlaufbahn explodiert, grenzt ans Unglaubliche. Gegen diesen 6,2-Liter-Kracher muss der hochdrehende BMW-V8 gleich zwei Gänge zurückschalten und hat in den Fahrleistungen trotzdem das Nachsehen. Aber: Auch der M3 hat vier Liter Hubraum, auch er schiebt mit bestialischer Wucht an. Das M-Doppelkupplungsgetriebe (MDKG) unterstützt ihn dabei hervorragend: Nonplusultra-Abstufung, blitzschnelle Schaltzeiten, Alltags-Komfort und böses Racetrack-Rocken in einer Einheit – besser als das neue MDKG kann ein Getriebe nicht schalten. Im Endeffekt läuft also alles auf einen Charaktervergleich hinaus: Der AMG-Mercedes überzeugt durch schiere hemdsärmelige Leistung und überlegene Fahrbarkeit – ein Kernreaktor für die Garage. Der heiser krähende, bei höheren Drehzahlen aggressiv lospeitschende M3-Antrieb ist mit seinen zig Regelmöglichkeiten und dem feueratmenden Charakter ein echter Aufreger – Sekt, Red Bull, Koffein, alles in einem Drink und nicht mal verschreibungspflichtig.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW M3 CabrioMercedes CLK 63 AMG
Beschleunigung150184191
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150120120
Getriebeabstufung10010092
Kraftentfaltung504648
Laufkultur1009392
Verbrauch3259868
Reichweite2554
Kapitelbewertung1000646615

 

Fahrdynamik

BMW gleich Querdynamik, Mercedes gleich Längsdynamik

Hier lässt das BMW M3 Cabrio keine Chance aus, dem Mercedes CLK 63 AMG Cabriolet zu zeigen, wo der Hammer hängt: Superhandlich und gleichzeitig stabil brennt es über die Handlingstrecke, fegt durch den Slalom, bremst mit fein dosierbarer Macht und läuft bombenstabil geradeaus. Dagegen kommt der Mercedes wie ein recht engagierter Power-Cruiser daher. Er macht nichts wirklich schlecht, hat sich aber eindeutig auf Längsdynamik spezialisiert.

FahrdynamikMax. PunkteBMW M3 CabrioMercedes CLK 63 AMG
Handling15010698
Slalom1007461
Lenkung1009590
Geradeauslauf503935
Bremsdosierung302420
Bremsweg kalt15011189
Bremsweg warm150115102
Traktion1005650
Fahrsicherheit150120118
Wendekreis20814
Kapitelbewertung1000748677

 

Umwelt und Kosten

Der CLK ist ein teures Auto, egal ob im Preis oder im Unterhalt

18789 Euro Differenz beim Einstiegspreis – zu Gunsten des BMW. Und auch Wertverlust, Werkstattkosten und Unterhaltskosten bringen den BMW nach vorn. Lediglich in Sachen Garantie präsentiert sich der Mercedes zuvorkommender. Man muss den recht teuren Mercedes CLK also wirklich wollen. Freunde im ökologisch sensiblen Lager macht man sich damit kaum, der Testschnitt von 17,6 Liter Super Plus ist bei aller Leistung schmerzhaft viel.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW M3 CabrioMercedes CLK 63 AMG
Bewerteter Preis6756646
Wertverlust5064
Ausstattung251716
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502327
Werkstattkosten20107
Steuer1076
Versicherung402016
Kraftstoff551711
Emissionswerte258080
Kapitelbewertung1000246213

 

Fazit

Eigentlich unfair: Der Mercedes CLK steht kurz vor seiner Ablösung, das BMW M3 Cabrio ist brandneu. Und diesen Altersunterschied merkt man den beiden Premium-Cabrios deutlich an: Der CLK ist beengter, unfunktionaler, weniger variabel. Sein großer Reiz ist der unverschämt gut gehende 6,2-Liter-V8. Der BMW M3 ist dagegen das wesentlich fahrschärfere Automobil, er fordert vom Fahrer große Hingabe, um die verborgenen M-Perlen heben zu können. Dann ist Langeweile ein Fremdwort. Und: Das M Doppelkupplungsgetriebe ist im M3 ab sofort ein Muss!

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW M3 CabrioMercedes CLK 63 AMG
Summe500029312745
Platzierung12

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