Vergleich - Opel-Roadster Die Erben-Generation

23.09.2008

Eine Idee, zwei Wege: Der neue Opel GT und der Irmscher IS7 werden vom gleichen 265 PS starken Turbomotor angetrieben

Zum Glücklichsein braucht es wenig – und wenn man dabei zeitgleich auch noch dem Finanzamt ein Schnippchen schlagen kann, umso besser. Dachte sich der geniale Konstrukteur Colin Chapman und stellte 1957 den Lotus Seven vor. Die Geburtsstunde einer Legende: Der minimalistische Roadster, der auf einem Gitterrohrrahmen mit Aluminium-Karosserieblechen basierte und von einem 1,2-Liter-Ford-Motor angetrieben wurde, entpuppte sich als Erfolg. Denn Chapman hatte sich eine Lücke im britischen Steuerrecht zunutze gemacht: Er verkaufte seinen 40 PS starken und 445 Kilogramm leichten Zweisitzer als Bausatz – und bremste so die damals gültige Neuwagen-Steuer aus …

Frankfurt, acht Jahre später. Die Besucher der IAA rieben sich die Augen: Ausgerechnet Opel, sonst eher für unaufgeregte Automobile bekannt, enthüllte einen echten Kracher – die atemberaubende Studie eines zweisitzigen Sportwagens im sexy „Cola-Flaschen“-Design, die sich optisch an die legendäre Corvette anlehnte. Was niemand zu hoffen wagte: Drei Jahre später war der Opel GT mit seinen witzigen Klapp-Drehscheinwerfern auf dem Markt – der Verdienst eines anderen echten Auto-Manns. Bob Lutz – damals Opel-Verkaufschef, später Vorstandsmitglied von Ford – siegte gegen die Kostenrechner und setzte die sportlichere Front-Mittelmotor-Bauweise durch. Mehr als 100000 GT-Käufer danken es ihm bis heute.

Rüsselsheim, Frühjahr 2007. Nicht nur Bob Lutz, mittlerweile 75, ist wieder da und für General Motors in Detroit tätig. Auch der Opel GT gibt sein Comeback: Als schnittiger Zweisitzer, erneut mit Heckantrieb und endlich in jener Karosserieversion, die dem Ur-GT zeitlebens verwehrt geblieben ist – als Roadster. Wieder hatte der gebürtige Schweizer Lutz seine Finger im Spiel: Er kämpfte den aufregenden Sportwagen, der auf Pontiac Solstice und Saturn Sky basiert, gegen alle Widerstände im Vorstand durch. Der „car guy“ hatte wieder zugeschlagen.

Remshalden bei Stuttgart. Auch hier gibt es echte Auto-Menschen. Günther Irmscher junior zum Beispiel. Den Schuss Superplus im Blut hat der 35-Jährige von seinem Vater geerbt, dem einstmals erfolgreichen Rennfahrer und späteren Opel-Tuner. Doch Irmscher ist auch Automobilhersteller und fertigt im Kundenauftrag ganze Sonderserien auf dem eigenen Produktionsband. Das rassigste Modell von allen jedoch ist eine Eigenentwicklung: der Irmscher iS7. Bereits die Namensgebung macht klar, wessen Geistes Kind die Inspiration für den gerade mal 725 Kilogramm leichten Einbaum geliefert hat – Lotus-Gründer Colin Chapman.

Anders als das historische Vorbild setzt Irmscher allerdings nicht auf Ford-Power, sondern bleibt seinen Opel-Wurzeln treu. Genau hier kreuzen sich die Wege des neuen GT und des iS7: Unter ihren Motorhauben werkelt der gleiche Hightech-Vierzylinder, zwei Liter groß, dank Benzin-Direkteinspritzung und Twin-Scroll-Turbolader 265 PS stark. Mit einer Literleistung von 132 PS konnte zuvor noch kein Triebwerk aus Rüsselsheim aufwarten.

Auch wenn beide Athleten optisch nur wenig Gemeinsamkeiten erkennen lassen: Die spartanische Weise, mit der sich beide Hersteller dem Thema nähern, weist durchaus Parallelen auf.

Was sie eint, ist der Wille zum Verzicht. Alles, was der talentierten Fortbewegung nicht unmittelbar zuträglich ist, wurde weggelassen – im Irmscher iS7 noch fundamentalistischer als im Opel GT. Vier Räder, Motor, (Fünfgang-)Getriebe, zwei Sitze und ein Lenkrad, viel mehr braucht der Besitzer des Super-Seven-Nachbaus nicht zur Seligkeit. Und doch sind es die zahlreichen Details, die in ihrer liebevollen Ausführung sein Herz erwärmen.

Die verchromten Lenker der Radaufhängungen etwa oder die kunstvoll gestalteten Halterungen für die klassisch geformten Außenspiegel. Oder die schlichte Eleganz des Cockpits mit seiner schnörkellosen Aneinanderreihung wunderschöner Instrumente und die außergewöhnliche Verarbeitungsqualität, mit der Irmscher ein beeindruckendes Beispiel schwäbischer Handwerkskunst abgeliefert hat.

Ganz so karg ist der Opel GT nicht ausgestattet. Den Verzicht auf Klimaanlage, Airbags, CD-Radio und elektrische Fensterheber wollten die Hessen ihren Kunden doch nicht zumuten. So bringt der Zweisitzer eben rund 1,3 Tonnen auf die Waage. Damit wiegt er fast das Doppelte des Irmscher, erfüllt aber auch alle Ansprüche, die an die passive Sicherheit eines modernen Automobils gestellt werden. Und bietet etwas, das Super-Seven-Fans nur als das Schimpfwort kennen: Komfort.

In der Tat ist der GT durchaus langstrecken-tauglich, seine Federung bügelt die schlimmsten Fahrbahn-Anomalien aus und lässt Bodenwellen nur selten bis ins Kreuz seiner Passagiere durchschlagen. Das Stoffverdeck, im Idealfall hinter den Vordersitzen versteckt, ist schnell geschlossen und hält sogar in Waschanlagen dicht. Bemützt reduziert sich auch der Geräuschpegel im Innenraum auf ein erträgliches Niveau. Bis Tempo 160 sind sogar Telefongespräche möglich.

Von alldem kann im Irmscher iS7 keine Rede sein. Sein Fahrwerkskomfort konkurriert in etwa mit dem eines Skateboards, die Montage des Faltverdecks sollte von langer Hand geplant werden. Und spätestens wenn die Geschwindigkeit dreistellig wird, sorgt der Fahrtwind für Orkan-Alarm hinter der aufrechten Frontscheibe.

Wahre Roadster-Freunde nehmen dies gern in Kauf, sie werden nachhaltig entschädigt – mit brachialer Fortbewegung in ihrer urigsten Form. Jeder Tritt aufs Gas löst Beschleunigungs-Urgewalten aus, die Umwelt wird nur noch verzerrt als grüner Tunnel wahrgenommen, g-Kräfte martern die Halsmuskulatur. In hektischer Folge wollen die Vorwärtsgänge mit dem knackigen Schaltknubbel durchsortiert werden. Das Adrenalin brodelt, der Turbomotor brüllt, der Wind pfeift dem Piloten um die Ohren – das ist Autofahren in seiner reinsten Form, pur und unverwässert. Null auf 100 in 4,7 Sekunden. 232 km/h Spitze, wer sich traut. Toll.

Langeweile kommt auch im deutlich kultivierteren Opel GT nicht auf, auch wenn seine Fahrleistungen nicht ganz so explosiv sind. Doch der kraftvolle Turbomotor hat in nahezu jedem der fünf Gänge leichtes Spiel. Nur 6,3 Sekunden vergehen, bis die 100-km/h-Marke geknackt ist, auf der Autobahn ist Tempo 229 möglich. Dass der Rüsselsheimer sehr agil, aber nicht ganz so wieselflink einlenkt wie der iS7, erscheint logisch. Dafür ist er auch alltagstauglich und mit 30675 Euro deutlich preiswerter als der handgefertigte Irmscher, der ab 58900 Euro in der Liste steht.

Wobei noch angemerkt sei: Es geht auch preiswerter. Denn wie einst Colin Chapman den Lotus Seven bietet auch Irmscher den iS7 für diejenigen, die selbst tätig werden wollen, als Bausatz an. Das spart zwar keine Steuern, aber rund 9000 Euro.
Klaus-Achim Peitzmeier

Fazit


Technische Daten
Motor 
Zylinder4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbolader
Hubraum1998
Leistung
kW/PS
1/Min

194/264
5300 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
353
2000 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe5 Gang manuell
AntriebHinterrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Scheiben
h: Scheiben
Bereifungv: 245/45 R 18
h: 245/45 R 18
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1331
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)6.3
Höchstgeschwindigkeit (km/h)229
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch9.2l/100km (Super)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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