Vergleich Oberklasse Wieder im Rennen

07.01.2009
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit dem komplett neu entwickelten XF besinnt sich Jaguar auf alte Tugenden und kombiniert Luxus mit Leistung. Gleichzeitig präsentiert sich der Brite im ungewohnt neuen Look. Kann er so gegen die hochkarätig besetzte Konkurrenz von BMW, Lexus und Mercedes bestehen?

Ein schickes Auto – war sicher teuer. Welche Marke ist das eigentlich? So oder so ähnlich sind wir mehrfach von neugierigen Passanten angesprochen worden, die bewundernd und ein wenig ratlos vor dem neuen Jaguar XF gestanden haben.

Vorbei die Zeiten barocker Linienführung, wie sie der Vorgänger S-Type noch zelebrierte. Dafür reanimierten die Entwickler jenen Mix aus Luxus und Leistung, der Autos wie den E-Type und den XJ der ersten Generation zu Legenden werden ließ.

Doch Noblesse und Power – 416 Kompressor-PS sind es genau – allein genügen nicht, um sich mit Rivalen vom Schlag eines BMW 550i (367 PS) und Mercedes E 500 (388 PS) messen zu können. Zudem offeriert Lexus mit dem 345 PS starken GS 450h einen Hybrid-Antrieb im eleganten Gewand. Hat der lifestylige Jaguar-Hoffnungsträger das Zeug, der deutschen Oberklasse-Kompetenz und dem Hightech-Knowhow aus Japan die Stirn zu bieten?

 

Karosserie

In der rund 120-jährigen Geschichte des Automobils haben sich einige Lösungen herauskristallisiert, die kaum noch zu verbessern sind. Diejenige etwa, dass die Wahl des gerade passenden Vorwärts- oder Rückwärtsgangs am besten und einfachsten mithilfe eines simplen Hebels erfolgt. Es mangelt dennoch nicht an Versuchen, das anerkannt Gute noch ein wenig zu verbessern. Der neueste kommt im Jaguar XF. Dessen Sechsgang-Automatikgetriebe wird über einen Drehknopf befehligt, der in Form und Bedienlogik irgendwie an Waschmaschinen und Elektroherde erinnert. Er funktioniert einwandfrei, und man hat sich schnell daran gewöhnt.

Das subtile Gefühl des Schaltens, des Ingangsetzens komplexer Zahnradkombinationen, kommt hier allerdings etwas zu kurz. BMW, Lexus und Mercedes haben dem feinsinnigen Automobilisten da mehr zu bieten.
Das ist aber schon fast alles, was dem XF vorzuwerfen ist. Material- und Verarbeitungsqualität sind allererste Sahne und fühlbar besser als bei der Oberklasse-Konkurrenz aus Süddeutschland und Japan. Feines Leder, blankes Metall, kühle Farben und edles Holz zaubern ein hochwertiges, stylisches Ambiente ins XF-Interieur, das so gar nicht mehr an den verzopften Kaminzimmer-Look vergangener Jaguar-Tage erinnert.

Allerdings sollten XF-Interessenten keinen allzu großen Wert auf opulente Innenraum-Maße legen. Trotz seiner beachtlichen Außenlänge – der Jaguar ist elf Zentimeter länger als eine E-Klasse – ist vor allem im Fond das Raumangebot eher knapp. Zumal das coupéhaft tiefgezogene Dach für wenig Kopffreiheit auf den hinteren Plätzen sorgt. Das gilt auch für den GS 450h, der dafür jedoch mehr Knieraum zu bieten hat.

Im Übrigen müssen Hybrid-Kunden beim Lexus GS mit einem geradezu jämmerlich kleinen Kofferraum leben. Durch die Platzraubenden Batterien bleiben gerade mal 280 Liter Laderaumvolumen übrig. Das ist Kleinwagen-Niveau. Eine Durchreiche und eine umklappbare Rücksitzlehne fehlen aus gleichem Grund. Immerhin verfügt der GS über die höchste Zuladung (401 Kilo), während es speziell bei BMW (348 Kilo) und Jaguar (332 Kilo) mit vier Personen und Reisegepäck knapp wird. Außerdem punktet der Japaner mit seiner umfangreichen Sicherheitsausstattung, der es an fast nichts Wichtigem fehlt. Wermutstropfen dabei: Das Unfallfrüherkennungssystem PCS und die aktive Abstandsregelung gibt es nur optional in der teuren Luxury-Line-Ausstattung (Aufpreis insgesamt: 10250 Euro). Ebenfalls erstaunlich: Selbst beim über 65000 Euro teuren Mercedes kosten Isofix-Befestigungen 60 Euro extra.

KarosserieMax. PunkteMercedes E-Klasse 500Jaguar XF SV8BMW 5er 550iLexus GS 450h
Raumangebot vorn10080787972
Raumangebot hinten10079718570
Übersichtlichkeit7039353737
Bedienung/ Funktion10074687261
Kofferraumvolumen10044414315
Variabilität100101510
Zuladung/ Anhängelast8031273033
Sicherheit15011397108118
Qualität/ Verarbeitung200170180170165
Kapitelbewertung1000640612634571

 

Fahrkomfort

Klassische Jaguar-Limousinen, etwa die legendären Baureihen MK 2 und XJ, wurden unter anderem für ihren katzenartig geschmeidigen, aber nicht übertrieben entkoppelten Fahrkomfort gerühmt. Gut, dass man diese schöne Tradition in Gaydon nicht vergessen hat. Der XF gleitet fließend über Unebenheiten, verliert auch bei derben Stößen nicht die Contenance, bleibt aber stets so mitteilsam, dass am Kommandostand keine Zweifel über den Straßenzustand aufkommen. Besser kann das auch der Mercedes nicht, bei dem zur Grundausstattung die Luftfederung mit adaptiven Dämpfern (Airmatic) gehört. Das Fahrwerk filtert zwar Fugen feiner als das des Jaguar, lässt jedoch stärkere Karosseriebewegung zu.

Im 550i und im GS 450h muss man schon mit lästigeren Mitteilungen von der Straßenoberfläche rechnen, wobei vor allem der Lexus mit seiner etwas unsensibel ansprechenden Federung, Fahrwerkspoltern und Ächzgeräuschen aus dem Armaturenbereich enttäuscht.
Dafür kann der BMW mit seinen – allerdings aufpreispflichtigen – Komfortsitzen (910 Euro) punkten. Sie zählen in Sachen Passform und Seitenhalt zum Besten, was es derzeit in dieser Klasse gibt. Dem ebenfalls nicht billigen Mercedes-Gestühl (1357 Euro) mangelt es im direkten Vergleich an Seitenhalt. Das gilt noch vielmehr für die klimatisierten Fauteuils im Lexus, die noch weniger Halt bieten und zudem mit rutschigem Leder bezogen sind. Die Sitze gehören übrigens zusammen mit dem DVD-Navi-Multimediasystem zum 6750 Euro teuren Luxury Line-Paket. Besser sitzt es sich vorn im Jaguar, dessen Sitze angenehm straff und bestens konturiert sind und keinen Cent Aufpreis kosten. Nervig ist da nur, dass sich die Heizung und die Belüftung der Sessel ausschließlich über den zentralen Touchscreen einstellen lassen.

Zu den wenigen ebenfalls lästigen Eigenheiten des XF gehören die deutlichen Windgeräusche ab etwa 180 km/h. Das hörbare Zischeln des Kompressors und der satte Achtzylinder-Sound aus den dicken Endrohren werden die meisten Kunden dagegen eher als Ohrenschmaus denn als Belästigung wahrnehmen. Wer es besonders leise mag, ist im GS 450h gut aufgehoben – erstmal, denn wenn der Lexus nur mit Elektroantrieb oder wenig Last unterwegs ist, läuft er mustergültig leise. Bei Vollgas jedoch heult der V6-Motor laut auf und täuscht mit seiner konstanten Geräuschkulisse ein stufenloses Getriebe vor. Die deutschen Achtzylinder geben sich viel zurückhaltender, wobei der BMW den kernigen Part spielt und der Mercedes in allen Lebenslagen diskret im Hintergrund bleibt. So landet der XF in der Komfortwertung unerwartet knapp hinter dem E 500. Der Lexus bleibt auch in dieser Disziplin hinter seinen europäischen Konkurrenten zurück.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes E-Klasse 500Jaguar XF SV8BMW 5er 550iLexus GS 450h
Sitzkomfort vorn150140134145130
Sitzkomfort hinten10075738077
Ergonomie150112109110109
Innengeräusche5041463949
Geräuscheindruck10086858484
Klimatisierung5040404039
Federung leer200178178163160
Federung beladen200180175157158
Kapitelbewertung1000852840818806

 

Motor und Getriebe

Auch bei den Fahrleistungen hat der GS mit Hybrid-Technik das Nachsehen. Trotz zweier Motoren (V6 und E-Motor) hat er 71 PS weniger Leistung als der Kompressor-geladene Jaguar SV8. Zudem steigern die Akkus des Lexus das Gewicht. So muss sich der Hybrid-Antrieb mit deutlich über 1,9 Tonnen Leergewicht mühen, während der XF laut Fahrzeugschein gut 100 Kilo weniger wiegen soll. Auf unserer Waage jedoch erreichte der Jaguar beinahe die Zwei-Tonnen-Marke. Das erklärt auch, wieso ihm der BMW und der Mercedes trotz Minderleistung im Sprint die Rücklichter zeigen. Außerdem ist der seidig schnurrende Motor des Briten durstig: 15,4 Liter hat er im Test auf 100 Kilometern verfeuert. Schnelle Autobahnfahrten treiben den Wert sogar auf über 20 Liter.

Jetzt schlägt die Stunde des Lexus, der auf der Testrunde lediglich 9,7 Liter je 100 Kilometer benötigte. Hinzu kommen die konkurrenzlos sauberen Abgase und das sensationell leise Motorgeräusch bei verhaltener Fahrt. Im Teillastbetrieb muss man schon sensibel sein, um das Umschalten von reinem Elektro- auf Benzin- oder kombinierten Betrieb zu spüren. Wer indes volle Leistung fordert, wird rasch vom plärrenden Ton des angestrengt wirkenden V6 genervt, weil das Planetengetriebe, ähnlich einer stufenlosen Automatik, den Benzinmotor unter Vollgas konstant bei 6400 Umdrehungen hält.

Weit souveräner agiert der vierventilige V8 im E 500, der seine Kraft jederzeit mühelos und unauffällig bereitstellt. Die siebenstufige Automatik reagiert zwar immer noch zögerlich auf starke Beschleunigungswünsche, arbeitet aber insgesamt sanfter als in früheren Testwagen. Der 550i wiederum besitzt eine beinahe perfekt operierende Sechsstufen-Automatik, klingt jedoch bei hohen Drehzahlen kerniger und kann mit dem lässigen Durchzugsvermögen des E 500 nicht Schritt halten. Die Testverbräuche von 13,3 (Mercedes) und 13,6 Litern (BMW) sind in Anbetracht der rasanten Fahrleistungen durchaus akzeptabel.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes E-Klasse 500Jaguar XF SV8BMW 5er 550iLexus GS 450h
Beschleunigung150182180182174
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150120120120120
Getriebeabstufung10094959692
Kraftentfaltung5040414140
Laufkultur10087898789
Verbrauch32512195118166
Reichweite25106813
Kapitelbewertung1000654626652694

 

Fahrdynamik

Üblicherweise dominiert BMW das Fahrdynamik-Kapitel, aber der neue XF stiehlt dem 5er glatt die Schau: Der Jaguar bremst – nicht zuletzt dank der riesigen 20-Zoll-Reifen – deutlich besser als seine Mitstreiter. Zudem lässt sich die Bremsleistung des SV8 haargenau dosieren. Ebenfalls mustergültig exakt und mit sehr guter Rückmeldung arbeitet die Lenkung des Newcomers. Und um das Maß voll zu machen, überzeugt der noble Brite mit einer harmonischen Fahrwerksabstimmung, die selbst in Extremsituationen für berechenbare und gutmütige Reaktionen sorgt. Der Jaguar liegt jederzeit satt auf der Straße und vermittelt viel Vertrauen. Erstaunlich, dass die Dynamikregelung im Standardmodus so ruppig eingreift.

Das genaue Gegenteil verkörpert der Lexus GS, dessen komplex vernetzte Regelsysteme sehr sanft arbeiten und so ein sicheres Fahrverhalten gewährleisten. Allerdings erreicht der 450h auch nur die niedrigsten Kurvengeschwindigkeiten, vermittelt ein absolut synthetisches Fahrgefühl und entmündigt den Piloten. Die schwachen Bremsen enttäuschen ebenfalls.

Als angenehme Überraschung entpuppt sich der Mercedes: Seit dem tiefgreifenden Facelift im Sommer 2006 begeistern die Vertreter der E-Klasse trotz kräftiger Seitenneigung und mäßig direkter Lenkung mit einem ebenso sicheren wie agilen Fahrwerk. Die Leichtfüßigkeit und Präzision des Erzrivalen von BMW erreicht der E 500 aber nicht. Dazu agiert der 550i zu behände. Besonders die zielgenaue Lenkung des Münchners begeistert. Andererseits wirkt der 5er bei sehr hohen Kurventempi auch unangenehm leicht auf der Hinterachse. Wer hier das DSC komplett abschaltet, sollte wissen, was im Ernstfall zu tun ist. Doch der BMW kündigt alle Reaktionen punktgenau an und erspart seinem Fahrer dadurch unerfreuliche Überraschungen. Für sich betrachtet ein sehr fahraktives Auto – aber der Jaguar kann es besser.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes E-Klasse 500Jaguar XF SV8BMW 5er 550iLexus GS 450h
Handling15087928772
Slalom10052595943
Lenkung10079888575
Geradeauslauf5044434244
Bremsdosierung3015211911
Bremsweg kalt150811068955
Bremsweg warm150901099156
Traktion10044414246
Fahrsicherheit150122130120125
Wendekreis20118813
Kapitelbewertung1000625697642540

 

Umwelt und Kosten

Offensichtlich waren auch die Strategen bei Jaguar restlos von den Qualitäten des XF überzeugt: Der Grundpreis für das Kompressor-Modell liegt bei strammen 80820 Euro. Respekt. BMW und Mercedes kosten rund 15000 Euro weniger, der Lexus wird trotz Hybrid-Technik für gute 20000 Euro weniger verkauft.

Immerhin umfasst die XF-Ausstattungsliste so ziemlich alles, was man sich wünscht. Nur Nebelscheinwerfer gibt es nicht einmal gegen Aufpreis. Im BMW fehlt zwar auch nichts Wesentliches, aber 17-Zoll-Reifen, Halogen-Scheinwerfer und eine vergleichsweise schlichte Audioanlage fallen im Vergleich zum luxuriösen XF ab.

Auch die Preisliste des Mercedes liefert auf beinahe jeden Kundenwunsch eine Antwort. So findet sich dort auf Seite 36 zwischen den Positionen Skisack (214 Euro) und Sonnenblenden, ausziehbar (113 Euro) sogar die Option Sonderschutz-Paket (Beschussklasse 4) für 59381 Euro. Die rundum günstigste Wahl ist jedoch der Lexus.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes E-Klasse 500Jaguar XF SV8BMW 5er 550iLexus GS 450h
Bewerteter Preis67584628396
Wertverlust508689
Ausstattung2515251617
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5027222025
Werkstattkosten2012111215
Steuer106777
Versicherung4020202521
Kraftstoff5524182234
Emissionswerte2582808291
Kapitelbewertung1000278251275315

 

Fazit

Am Ende reicht es für den neuen Jaguar XF SV8 zwar nicht für den Sieg. Der geht verdient an den rundum überzeugenden Mercedes E 500. Doch der XF sichert sich den zweiten Platz.

Mit erlesenem Komfort und einem bestechend fahraktiven Handling gleicht der Brite seine horrenden Kosten und den hohen Verbrauch wieder aus. Denkbar knapp geschlagen liegt der BMW 550i in der Summe seiner Eigenschaften auf Augenhöhe mit dem XF, während der Lexus GS 450h zu wenig Platz hat und wenig dynamisch agiert.

Der günstige Verbrauch und die sauberen Abgase sprechen jedoch klar für seine Hybrid-Technik.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes E-Klasse 500Jaguar XF SV8BMW 5er 550iLexus GS 450h
Summe50003049302630212926
Platzierung1234

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