Lancia Delta, BMW 118i & Skoda Octavia im Vergleichstest Zurück nach vorn

01.08.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Nach neun Jahren Pause kehrt der Lancia Delta zurück. Mit der kühn gestylten Neuauflage liefern die Design-erfahrenen Italiener ein Beispiel mondänen Chics für die Kompaktklasse. Löst die Technik ein, was die Optik verspricht?

Kompaktklasse-Mobile von heute haben zwei oder vier Türen plus eine Heckklappe, wenn es hochkommt zusätzlich noch ein Stummelheck. Die Bauform kommt an, weil sie zwar wenig aufregend, dafür aber aufregend praktisch ist. In diesem Segment meldet sich Lancia nun mit dem neuen Delta zurück. Dem kantigen Design der beiden Vorgänger-Generationen haben die Italiener abgeschworen und setzen mit fließenden Linien, schildförmigem Kühlergrill, LED-Leuchten an Front und Heck, Glasdach und Zweifarbenlackierung (Serie bei der Ausstattungslinie Platino) einen beachtenswerten optischen Akzent in der Kompaktklasse.

Das Design liefert also Gesprächsstoff. Wie steht es aber um Attribute wie Fahrspaß und Praxistauglichkeit, die für die Kaufentscheidung ebenfalls von großer Bedeutung sind? Zum Vergleich stehen Konkurrenten bereit, die sich diesbezüglich bereits einen Namen gemacht haben: der BMW 118i, bekannt für sein mustergültiges Fahrwerk, sowie der Skoda Octavia, das Golftechnik-bewehrte Kofferraumwunder aus Tschechien.

 

Karosserie

Der neue Delta misst stattliche 4,52 Meter und weckt damit große Erwartungen an das Platzangebot.  Das ist verglichen mit dem Einser unvergleichlich, denn wo der Münchner ein eher kleinwagentypisches Raumgefühl vermittelt, wirkt der innen geschmackvoll gezeichnete Lancia deutlich großzügiger – vor allem wegen der großen Knie- und Ellbogenfreiheit. Für Fondpassagiere heißt es allerdings Köpfe einziehen. Insgesamt genießen die Insassen im Skoda jedoch das beste Raumgefühl.

Der Lancia wirkt auf den ersten Blick weitgehend gut verarbeitet, wenngleich die Materialien teilweise billig wirken. Eine gelegentlich klappernde Rücksitzbank, ein zuweilen hängenbleibendes Gaspedal oder laute Pfeifgeräusche aus dem Bereich der rechten A-Säule bei hohen Tempi zeigen, dass der schöne Schein manchmal trügt.

Die Sicherheitsausstattung des Delta umfasst neben einem serienmäßigen Fahrer-Knieairbag auf Wunsch sogar einen Spurassistenten (950 Euro). Warum es aber keinen Einklemmschutz am Fahrerseitenfenster gibt, bleibt ein Geheimnis. Löblich im BMW: der Fernlichtassistent (150 Euro), welcher bei Gegenverkehr im Dunkeln selbstständig ab- und wieder aufblendet. Derlei Besonderheiten kann der Skoda nicht bieten. Der Tscheche punktet dafür mit dem größten Kofferraum (560 bis 1420 Liter).

Für mehr Praxistauglichkeit liefert Lancia eine längsverschiebbare Rücksitzbank. Wie bei den Konkurrenten bleibt aber nach Umlegen der Bank eine Stufe im Ladeboden, die die Nutzung des auf diese Weise zusätzlich gewonnenen Frachtraums beeinträchtigt.

KarosserieMax. PunkteSkoda Octavia 1.8 TSIBMW 118iLancia Delta 1.4 T-Jet 16V
Raumangebot vorn100705867
Raumangebot hinten100584752
Übersichtlichkeit70384234
Bedienung/ Funktion100908275
Kofferraumvolumen100562632
Variabilität100252830
Zuladung/ Anhängelast80402527
Sicherheit150829288
Qualität/ Verarbeitung200182183175
Kapitelbewertung1000641583580

 

Fahrkomfort

Beim Blick auf das formschöne Lancia-Armaturenbrett fällt die etwas kleingeratene Tachometerskalierung ins Auge, die das Ablesen erschwert. Hinzu kommt, dass die Scheibenwischer- und Scheinwerfer-Betätigung es erforderlich macht, die Hand vom Lenkrad zu nehmen. Die manuelle Leuchtweitenregulierung mittels zweier Tasten rechts vom Radio ist aus ergonomischer Sicht nicht der Weisheit letzter Schluss.

Aber auch der BMW ist nicht frei von ergonomischen Schwächen: Dass die Kontrollleuchte für eine aktivierte Scheibenwischer-Automatik vom Lenkrad verdeckt wird, wird dem Premium-Anspruch der Münchner nicht gerecht. Nahezu perfekt erscheint in dieser Disziplin der Skoda.

Beim Federungskomfort kann der BMW seine sportliche Abstimmung nicht verhehlen. Straff absolviert er holprige Passagen. Dabei ist seine Karosserie dauernd in Bewegung. Dieses Phänomen ist im beladenen Zustand weit weniger ausgeprägt. Was aber bleibt, sind heftige Ausfederbewegungen beim Durchfahren kurzer, tiefer Bodenwellen. Die Lancia-Federung spricht zunächst sensibel an, vermag die Federereignisse aber nicht optimal wegzufiltern.

Die Schwingungen lassen stattdessen die Karosserie erzittern, was sich unter Beladung noch verstärkt. Auch ist eine Tendenz zum Stuckern feststellbar. Weitaus souveräner absolviert der Skoda schlechte Asphaltdecken. Satt abrollend vermittelt er den Eindruck, als könne ihm die zunehmende Asphaltkaries auf unseren Straßen nichts anhaben. Unter Beladung schwinden seine Dämpfungsreserven jedoch spürbar

FahrkomfortMax. PunkteSkoda Octavia 1.8 TSIBMW 118iLancia Delta 1.4 T-Jet 16V
Sitzkomfort vorn150115118108
Sitzkomfort hinten100706067
Ergonomie150132115112
Innengeräusche50374036
Geräuscheindruck100727067
Klimatisierung50332430
Federung leer200144134134
Federung beladen200140136130
Kapitelbewertung1000743697684

 

Motor und Getriebe

Entgegen erster Befürchtungen ist der Delta mit turbogeladenen 1,4 Litern Hubraum keineswegs untermotorisiert. Im Gegenteil: Die daraus generierten 150 PS verhelfen dem immerhin knapp 1,5 Tonnen schweren Italiener zu munteren Fahrleistungen.

Dabei gibt sich das Aggregat putzmunter ansprechend und gefällt mit hoher Drehfreude und mit sportlich kernigem Klang. Der Testverbrauch liegt allerdings mit 9,0 Litern Super auf 100 Kilometer am oberen Ende des Testfeldes. Die Sechsgang-Schaltung funktioniert zwar leichtgängig, bei schnellen Gangwechseln aber fehlt es an der nötigen Exaktheit.

BMW, Synonym für Sportlichkeit, kann dieses Versprechen zumindest motorseitig beim 118i nicht einlösen. Der 2.0-Liter-Saugmotor mit 143 PS wirkt im unteren Drehzahlbereich eher schlapp und lebt erkennbar von der Drehzahl. Kein Wunder, liefert er sein maximales Drehmoment von 190 Nm erst bei 4250 /min ab. Im Alltag muss etwa auf Autobahnen oft zurückgeschaltet werden, um fühlbaren Vortrieb zu gewährleisten. Da erfreut zumindest das mustergültig zu schaltende Getriebe den Fahrer ebenso wie der mit 8,1 Litern Super Plus gemessene Testverbrauch.

Hier kommt das efficient dynamics-System zum Tragen, das unter anderem mit Start-Stopp-Anlage und Schaltanzeige als Appetitzügler wirkt. In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass Super Plus für das Erreichen der optimalen Fahrleistungen und des geringsten Verbrauchs benötigt wird, der Einser aber dank Klopfregelungssensor auch mit Normal- oder Superkraftstoff betankt werden darf.

Ebenfalls auf Turbotechnik setzt Skoda, in dem Fall jedoch auf 1,8 Liter Hubraum und wie BMW auf Benzindirekteinspritzung. Mit seinen 160 PS generiert er die besten Fahrleistungen innerhalb des Trios und bleibt mit 7,9 Litern gar noch zwei Zehntel unter dem BMW-Verbrauch. Beachtlich ist die souveräne, unangestrengte Kraftentfaltung, gepaart mit der guten Laufkultur. Auch das Getriebe lässt sich exakt schalten.

Motor und GetriebeMax. PunkteSkoda Octavia 1.8 TSIBMW 118iLancia Delta 1.4 T-Jet 16V
Beschleunigung150154140145
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150938080
Getriebeabstufung100838678
Kraftentfaltung50383034
Laufkultur100747072
Verbrauch325189186175
Reichweite25121111
Kapitelbewertung1000643603595

 

Fahrdynamik

Wer beim Delta die Rallye-Gene der ersten Modellgeneration vorzufinden hofft, wird enttäuscht. Spürbar untersteuernd im Kurvengrenzbereich zieht er seine Bahn und wirkt etwas schwerfälliger als seine Konkurrenten. Seiner Lenkung fehlt es bei normaler Fahrt etwas an Fahrbahnkontakt.

Bei sportlicher Fahrweise allerdings wird die Servounterstützung querbeschleunigungsabhängig minimiert und damit das Handling des Lancia spürbar verbessert. Beim Bremstest sind fast 40 Meter Kaltbremsweg trotz der montierten üppigen 18-Zoll-Bereifung nicht mehr zeitgemäß. Da steht der Skoda mit 16 Zoll-Rädern und 205er Reifen bereits zwei Meter eher.

Zwar reagiert der Tscheche im Grenzbereich weniger untersteuernd, missfällt aber im Vergleich zur Konkurrenz mit deutlich ausgeprägteren Wankbewegungen. Auch hat er erheblich mehr Mühe, seine Kraft möglichst schlupffrei auf den Boden zu bringen. Traktionsprobleme kennt der Einser hingegen kaum. Seine Stärken liegen im bekannt leichtfüßigen Handling, für das die mustergültige Lenkung mitverantwortlich ist, sowie in den besten Bremsen (Kalt- und Warmbremswert um 35 Meter). Im Grenzbereich weist er mit sanftem Übersteuern auf die Reifenhaftgrenze hin und ruft umgehend das DSC (ESP) auf den Plan. Auch ohne DSC bleibt er frei von tückischen Reaktionen und stets gut kontrollierbar

FahrdynamikMax. PunkteSkoda Octavia 1.8 TSIBMW 118iLancia Delta 1.4 T-Jet 16V
Handling150666564
Slalom100606960
Lenkung100798276
Geradeauslauf50394033
Bremsdosierung30192018
Bremsweg kalt150769156
Bremsweg warm150749674
Traktion100354239
Fahrsicherheit150125125123
Wendekreis2014176
Kapitelbewertung1000587647549

 

Umwelt und Kosten

Mit 21600 Euro besitzt der Lancia den niedrigsten Grundpreis. Darin enthalten ist bereits eine Klimaanlage, die sich BMW hingegen extra bezahlen lässt. Ohnehin liegt der Grundpreis des 118i bereits fast 2500 Euro über dem des Lancia. Die Extras der AZ-Normausstattung schlagen beim Bayern mit weiteren 2300 Euro zu Buche. Derart komplettiert kostet der 118i fast 3500 Euro mehr als der Lancia.

Beim Wertverlust über vier Jahre und 80000 Kilometer Laufleistung schneidet er dafür etwas besser ab als der Italiener, der über diesen Zeitraum laut DAT-Prognose satte 64,3 Prozent seines Wertes einbüßt. Beim BMW sind es 52,5 Prozent (12626 Euro). Der Skoda liegt hier nahezu gleichauf mit dem BMW (12612 Euro).

Gleichstand herrscht zwischen dem Deutschen und dem Tschechen auch, was die jährlichen Werkstattkosten angeht. Hier sind per anno jeweils um die 550 Euro zu kalkulieren. Der Lancia kostet nach Einschätzung der ADAC-Experten immerhin 100 Euro mehr pro Jahr.

Bei den Versicherungskosten sparen sowohl Skoda-Octavia- als auch BMW-118i-Fahrer noch einmal im Vergleich zum Lancia-Käufer: Für die bei Neuwagen gebräuchliche Kombination aus Haftpflichtversicherung und Vollkasko zahlen sie aufgrund der günstigeren Typklasseneinstufung 125 Euro pro Jahr weniger. Insgesamt macht der Skoda auch in diesem Kapitel das Rennen.

Kosten/UmweltMax. PunkteSkoda Octavia 1.8 TSIBMW 118iLancia Delta 1.4 T-Jet 16V
Bewerteter Preis675241224244
Wertverlust50262624
Ausstattung2515212
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282017
Werkstattkosten20141514
Steuer10999
Versicherung40333332
Kraftstoff55393736
Emissionswerte25848988
Kapitelbewertung1000489455476

 

Fazit

Schade eigentlich: Der neue Lancia Delta ist der neue Hingucker in der Kompaktklasse, leistet sich aber zu viele Schwächen, als dass es für mehr als den dritten Platz reichen würde. Überzeugen kann jedoch der Motor. Auch seine individuelle Note, die sich in einem Test jedoch nicht messen lässt, wird vielen gefallen.

Demgegenüber setzt der zweitplatzierte BMW 118i auf Sportlichkeit, begeistert mit superbem Handling, patzt aber beim Raumangebot und dem etwas schlapp wirkenden, aber dennoch sparsamen Motor sowie dem hohen Anschaffungspreis. So geht der Sieg an den Skoda Octavia. Hier passen Preis, Platzangebot und Power bestens zusammen.

Gesamtbewertung

Max. PunkteSkoda Octavia 1.8 TSIBMW 118iLancia Delta 1.4 T-Jet 16V
Summe5000310329852884
Platzierung123

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