Vergleich Kleinwagen Kleine Größen

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mini-Kombis liegen im Trend, vor allem wenn sparsame Diesel unter der Haube werkeln. Nachdem Peugeot den 207 und Skoda den Fabia mit mehr Laderaum versehen haben, liefert jetzt Renault die verlängerte Ausgabe des Clio. Welcher Kleinwagen taugt auch für größere Aufgaben?

Was hören wir nicht alles von Marktanalysten und Trendforschern: Die klassischen Fahrzeugsegmente hätten keine Zukunft. Die läge in Crossover-Konzepten, orakeln die Experten. Die Techniker folgen und besetzen jede noch so kleine Nischen-Nische mit neuen Fahrzeugen. So gibt es Sports-Tourer, Sport Utility Vehicles oder Sport Activity Vehicles, sogar Kompakte Crossovers. Doch nicht immer können sich die Kunden dafür auch erwärmen.

Während wir wohl noch eine Weile auf das allradgetriebene Van-Roadster-Coupé warten müssen, lohnt der Blick auf die klassischen Segmente. Ja, es gibt sie noch – beispielsweise das Kombi-Segment, welches sogar wieder Zuwachs verzeichnet. Nachdem Peugeot den 206 SW durch den 207 SW ersetzt hatte, konterte Skoda mit dem neuen Fabia Combi. Nun startet Renault mit der Kombi-Version des Clio, genannt Grandtour, zur Käuferjagd. Und die Chancen stehen gut. Denn hier, wie bei den Konkurrenten, paart sich hoher Nutzwert mit günstigen Unterhaltskosten. Eben Autos für Menschen, deren Kaufentscheidungen eher von der Lebenswirklichkeit als vom Lifestyle geprägt sind.

 

Karosserie

Beim Platzangebot vorn wirkt der 207 SW am großzügigsten geschnitten, während hier Clio Grandtour und Fabia Combi etwas schmaler sind. Im Fond verhält es sich ähnlich. Dennoch: Klaustrophobie-Attacken bleiben bei allen dreien aus. Bei Kombis richten sich die meisten Blicke ohnehin auf das Ladeabteil. Dort hält der Renault ein Volumen zwischen 439 und – nach Umlegen der wie bei den Konkurrenten geteilt klappbaren Rücksitze – 1277 Litern bereit.

Damit übertrifft er zwar den Peugeot (337 bis 1258 Liter), unterliegt aber dem Skoda (480 bis 1460 Liter). Praktisch sind die doppelten Ladeböden in Renault und Peugeot. In den unteren Fächern findet all das Platz, was man beim Parken nicht sichtbar im Auto liegen lassen sollte. Auch der Skoda bietet zusätzliche seitliche Staufächer, hat aber im Gegensatz zu Renault und Peugeot keine durchgängig ebene Ladefläche. Der Peugeot führt darüber hinaus noch ein separat zu öffnendes Heckfenster ins Feld. Er ist es auch, der mit 378 Kilo die höchste Zuladung ermöglicht (Renault: 355 Kilogramm, Skoda: 365 Kilogramm).

Bei der Sicherheitsausstattung verlangt Peugeot für das ESP 460 Euro Aufpreis (Serie erst ab Ausstattung Sport). In Anbetracht der Tatsache, dass die Konkurrenz diese wichtige Sicherheitseinrichtung serienmäßig besitzt, ist dies nicht gerade ein Zeichen von Fortschritt. Erfreulich: Alle drei bieten Kurvenlicht an. Nur der Newcomer von Renault liefert die mitschwenkenden Frontscheinwerfer als einziger serienmäßig (Peugeot: statisches Kurvenlicht ab Sport, 150 Euro; Skoda: dynamisches Kurvenlicht, 470 Euro).

Was die Materialanmutung angeht, wirken alle drei erwachsen. Dennoch macht sich der Peugeot auf schlechten Straßen mit Klappergeräuschen bemerkbar. Beim Clio zeigen eine nicht lackierte Spritzwand im Motorraum, eine Heckklappe, deren Innenseite der Klarlack fehlt, sowie ein labberiges Laderaumrolo, wo gespart wurde. Der Skoda hinterlässt den solidesten Eindruck.

KarosserieMax. PunkteRenault Clio Grandt. 1.5 dCiSkoda Fabia Combi 1.9 TDIPeugeot 207 SW HDi FAP 110
Raumangebot vorn100605963
Raumangebot hinten100404142
Übersichtlichkeit70585962
Bedienung/ Funktion100828582
Kofferraumvolumen100404728
Variabilität100402540
Zuladung/ Anhängelast80222323
Sicherheit150757266
Qualität/ Verarbeitung200134145134
Kapitelbewertung1000551556540

 

Fahrkomfort

Schon auf den ersten Kilometern fällt auf, dass es den Clio-Sitzen deutlich an Seitenhalt fehlt. Das gleiche gilt für den Skoda, während die Sportsitze des Peugeot Fahrer und Beifahrer optimalen Halt geben, aber eine Lehne aufweisen, die nur in Stufen einstellbar ist. Das erschwert manchen Zeitgenossen das Finden einer optimalen Sitzposition. Damit müssen sich auch Clio-Fahrer abfinden, denn der Renault hat keine axiale Lenkradeinstellung. Hinten sitzt es sich im Renault eine Spur bequemer als in den Fond-Abteilen der Konkurrenz. Apropos Rücksitz: Hier gefällt der Peugeot mit einem mustergültig einfach zu bedienenden Umklappmechanismus: Hebel ziehen, Lehne nach vorn drücken, und schon schwenkt die Sitzfläche vor, während die Lehne in die Waagerechte sinkt. Beim Skoda müssen erst die Kopfstützen demontiert werden.

Der Skoda ist unterwegs der Lauteste. Das angenehmste Klangbild hält der Clio bereit: mit geringen Abrollgeräuschen und einem gut gedämmten, ruhig laufenden Motor. Für den angenehmen Aufenthalt an Bord kann der Peugeot als einziger mit einer Zweizonen-Klimaautomatik aufwarten (510 Euro). Hier patzt der Renault, denn der Luftaustrittsschacht an der Windschutzscheibe ist zu schmal. So dauert es im Winter relativ lang, bis beschlagene Scheiben wieder klare Sicht gewähren.
Auf schlechten Straßen hinterlässt der neue Clio den besten Eindruck. Leer wie beladen verarbeitet er Bodenunebenheiten relativ geschmeidig. Da kommen sowohl der Skoda mit seiner leicht überdämpft wirkenden Hinterachse als auch der Peugeot, dessen Federung speziell auf den Betonwellen der AUTO ZEITUNG-Teststrecke spürbar an ihre Grenzen gelangte, nicht mit.

FahrkomfortMax. PunkteRenault Clio Grandt. 1.5 dCiSkoda Fabia Combi 1.9 TDIPeugeot 207 SW HDi FAP 110
Sitzkomfort vorn150818185
Sitzkomfort hinten100525051
Ergonomie150117115120
Innengeräusche50321832
Geräuscheindruck100585154
Klimatisierung50282932
Federung leer200125110108
Federung beladen20012010098
Kapitelbewertung1000613554580

 

Motor und Getriebe

Der Clio-Motor ist den Renault-Technikern durchaus gelungen. Abgesehen von einer Anfahrschwäche, entpuppt sich der 103 PS starke 1,5-Liter-Common-Rail-Diesel als ausgesprochen angenehmer Begleiter. Gleichmäßige Leistungsentfaltung, ordentlich Drehfreude und vibrationsarmer Lauf sind Kennzeichen des Zweiventilers. Dem Hubraumdefizit gegenüber der Konkurrenz begegnen die Konstrukteure erfolgreich mit einem eng gestuften, aber etwas knochig zu schaltenden Sechsganggetriebe.

Beim Sprint von null auf 100 km/h liegt der Clio mit 11,3 Sekunden einen Hauch vor dem Peugeot (11,5 Sekunden), bis 140 km/h nimmt er ihm 0,7 Sekunden ab. So wirkt er im Verkehrsalltag etwas agiler als der 207 mit seinem 109 PS starken 1,6-Liter-Aggregat, das lediglich mit einem leidlich präzisen Fünfganggetriebe gekoppelt ist und auch in der Laufruhe etwas hinter dem Renault zurückbleibt. Bei der Höchstgeschwindigkeit übertrifft der Peugeot mit 193 km/h den Clio um sieben km/h. Der Testverbrauch des 207 liegt mit 6,9 Liter Diesel auf 100 Kilometern ebenfalls über dem des Clio (6,5 Liter).

Aus ganz anderem Holz ist der 1,9-Liter-Pumpe-Düse-TDI des Fabia Combi geschnitzt. Dröhnig, laut und rau verrichtet er seinen Dienst und wirkt mit diesen Manieren alles andere als zeitgemäß. Sein nutzbares Drehzahlband ist weitaus schmaler als das von Clio Grandtour und 207 SW, denn kurz vor 4000/min wird er spürbar zäh. Unterhalb von 2000/min tut sich, ähnlich wie bei Konkurrenz, nicht viel. Voll auf der Höhe der Zeit sind dagegen die Fahrleistungen und der mit Abstand niedrigste Testverbrauch von 5,9 Liter Diesel auf 100 km. Das Getriebe lässt sich zwar gut schalten, könnte aber einen sechsten Gang vertragen.

Motor und GetriebeMax. PunkteRenault Clio Grandt. 1.5 dCiSkoda Fabia Combi 1.9 TDIPeugeot 207 SW HDi FAP 110
Beschleunigung150122129120
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150566163
Getriebeabstufung100818177
Kraftentfaltung50272726
Laufkultur100674865
Verbrauch325206214201
Reichweite25161413
Kapitelbewertung1000575574565

 

Fahrdynamik

Dank Bremswegen um 37 Meter sowohl mit kalter als auch mit warmer Bremse lassen Peugeot und Skoda keine Wünsche offen. Der Renault, von allen dreien mit der schmalsten Bereifung ausgerüstet, braucht für die gleiche Übung eineinhalb bis zwei Meter mehr. Auch ist sein Pedalgefühl etwas teigig. Dafür bringt er seine Motorkraft deutlich schlupfärmer auf die Straße als beispielsweise der Skoda. Wenn der Tscheche kräftig aus engen Kurven herausbeschleunigt, wird die im ESP integrierte Anriebsschlupfregelung (ASR) aktiv oder die Leistung verraucht bei deaktiviertem Schleuderschutz buchstäblich.

Die Clio-Lenkung spricht aus der Mittellage relativ träge an, und bei größeren Lenkwinkeln steht es um die Rückmeldung nicht zum besten. Da fühlt sich die Skoda- Lenkung exakter an. Noch besser kann es allerdings der Peugeot, der zudem deutlich spontaner auf Lenkbefehle reagiert und deshalb besonders lebhaft wirkt. Davon abgesehen operiert er mit der geringsten Seitenneigung und verhält sich im Grenzbereich etwas weniger untersteuernd als seine Rivalen. So zackig, wie er ums Eck biegt, so ruppig pfeift ihn das ESP im Ernstfall zurück.

FahrdynamikMax. PunkteRenault Clio Grandt. 1.5 dCiSkoda Fabia Combi 1.9 TDIPeugeot 207 SW HDi FAP 110
Handling150293539
Slalom100566465
Lenkung100526566
Geradeauslauf50343534
Bremsdosierung30192019
Bremsweg kalt150797779
Bremsweg warm150777877
Traktion100282428
Fahrsicherheit150110110110
Wendekreis20141614
Kapitelbewertung1000498524531

 

Umwelt und Kosten

Bei Anschaffung, Wertverlust, Kraftstoff- und Werkstattkosten fahren Skoda-Fahrer am günstigsten. Hinzu kommt das umfangreichste Garantiepaket. Auch wenn die Kfz-Steuer für den 1,9-Liter-Motor etwas höher ist als bei Peugeot und Renault, kann das nichts am Sieg des Tschechen in diesem Kapitel ändern.

Der Peugeot lässt sich am günstigsten versichern. Gemessen am Skoda berechnet etwa die HUK-Coburg Allgemeine in unserer Modellrechnung (Fahrer: Versicherungsnehmer und Lebenspartner, 20000 Kilometer pro Jahr, Zulassungsbezirk Köln Stadt, Garagenparker, 100 Prozent Prämie) knapp 120 Euro weniger pro Jahr. Dafür ist der Peugeot aber über 250 Euro im Jahr teurer in den Werkstattkosten. Sein Verbrauch verursacht schließlich die höchsten Kraftstoffkosten des Test-Trios.

Dass der Renault sich in diesem Kapitel nicht besser platzieren kann, liegt in erster Linie am höchsten Grundpreis und an dem größten Wertverlust.

Kosten/UmweltMax. PunkteRenault Clio Grandt. 1.5 dCiSkoda Fabia Combi 1.9 TDIPeugeot 207 SW HDi FAP 110
Bewerteter Preis675260275272
Wertverlust50283130
Ausstattung2515176
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50272819
Werkstattkosten20141613
Steuer10878
Versicherung40343335
Kraftstoff55454644
Emissionswerte25828386
Kapitelbewertung1000513536513

 

Fazit

Dem neuen Renault Clio Grandtour gelingt es nicht, den Rivalen davonzufahren. Zwar glänzt er innerhalb des Trios mit bestem Komfort und höchster Laufkultur, in der Fahrdynamik und bei den Anschaffungskosten enteilt ihm jedoch die Konkurrenz.

Knapp vor ihm landet mit dem deutlich agileren Peugeot 207 SW der zweite Franzose, der allerdings bei Federungskomfort und Verbrauch Verbesserungspotenzial zeigt. Im Ergebnis siegt der Skoda mit dem größten Kofferraum, dem sparsamsten Motor und dem günstigsten Preis.

Gesamtbewertung

Max. PunkteRenault Clio Grandt. 1.5 dCiSkoda Fabia Combi 1.9 TDIPeugeot 207 SW HDi FAP 110
Summe5000275027442729
Platzierung123

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