Vergleich: Audi A4, BMW 318i, Mercedes C180 Grundlagen-Forschung

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Die deutsche Mittelklasse-Premium-Liga mit den neuen Einstiegs-Benzinern im Vergleich. Automobile Vollwert-Kost oder doch nur ein fades Spar-Menü? Der Vergleich klärt die Frage

Basis-Modell: Das klingt beim Autokauf nach begrenzten Mitteln und unfreiwilligem Verzicht auf all das, was das Autofahren angenehm macht – eine ordentliche, aber entsprechend teurere Motorisierung etwa, die für souveränes Fortkommen sorgt. Die mitleidigen Blicke in der Nachbarschaft und am Stammtisch gibt es für Besitzer von Basismodellen dagegen gratis. Soweit das Klischee.

In den Basismodellen von Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse arbeiten Vierzylinder-Benziner, die technisch auf der Höhe der Zeit sind. Der neue A4 wird von einem 160 PS starken 1,8-Liter-Turbo-Direkteinspritzer angetrieben. Beim 318i kommt ein Zweiliter-Saugmotor, ebenfalls direkteinspritzend und mit 143 PS, zum Einsatz, dem die Münchner dank efficient dynamics das Sparen beigebracht haben wollen. Und Mercedes setzt bei der neuen C-Klasse auf einen Kompressor, mit dessen Hilfe das 1,8-Liter-Aggregat auf 156 PS kommt, allerdings mit klassischer Saugrohreinspritzung. Alle drei Kandidaten versprechen schon auf dem Papier Fahrleistungen, die sowohl im Verkehrsalltag als auch beim Blick auf die zu erwartenden Unterhaltskosten Lust auf mehr machen. Soweit die Wirklichkeit.

 

Karosserie

Derlei Technik wird in den Karosserien ansprechend verpackt. Dennoch gibt es beträchtliche Differenzen. So bietet der Audi vorn wie hinten das beste Raumgefühl. Insbesondere im Fond fühlen sich die Insassen in BMW und Mercedes beengter untergebracht. Beim Kofferraumvolumen sind die Unterschiede weniger ausgeprägt: Der BMW fasst 460 Liter, während der Audi mit 480 Litern das obere Ende markiert. Die Zuladung fällt beim Münchner mit 360 Kilo am geringsten aus. Besetzt mit vier Erwachsenen, bleibt nicht viel Platz fürs Gepäck. Demgegenüber können sich Mercedes-Eigner über 470 Kilogramm Zuladung freuen.

Unabhängig von der Motorisierung sollten Mittelklässler von Premium-Herstellern auch einen gehobenen Qualitätsanspruch erfüllen. Diese Forderung erfüllt der Audi am besten. Er wirkt dank hochwertiger Materialien und einer guten Verarbeitung solide wie ein Panzerschrank. Hier kommen sowohl der BMW als auch der Mercedes nicht ganz heran.

Fortschritt zeigen alle drei in puncto Sicherheit. So hat die C-Klasse einen Fahrerknieairbag serienmäßig an Bord. Gegen Aufpreis (393 Euro) gibt es darüber hinaus das Presafe-System, das kritische Fahrsituationen erkennt und vorsichtshalber beispielsweise Gurte strafft und Fenster schließt, um die Folgen eines eventuellen Unfalls abzuschwächen. Beim BMW sind Reifen mit Notlaufeigenschaften Serie, Front- und Rückfahrkamera auf Wunsch erhältlich (720/498 Euro). Gegen 550 Euro Aufpreis liefert Audi den side assist, der bei einem beabsichtigten Spurwechsel mit einem Blinksignal im Außenspiegel vor Fahrzeugen im toten Winkel warnt.

KarosserieMax. PunkteAudi A4 1.8 TFSIMercedes C-Klasse C180 KompressorBMW 3er 318i
Raumangebot vorn100797472
Raumangebot hinten100706559
Übersichtlichkeit70414242
Bedienung/ Funktion100858383
Kofferraumvolumen100393836
Variabilität100101010
Zuladung/ Anhängelast80333625
Sicherheit1509410593
Qualität/ Verarbeitung200185178181
Kapitelbewertung1000636631601

 

Fahrkomfort

Die erste Sitzprobe lässt die Frontpassagiere spontan Gefallen an den optionalen Sportsitzen (595 Euro) des Audi finden, die Körper und Beinen einen perfekten Seitenhalt bieten. Das gilt auch für das BMW-Gestühl (Sportsitze, 620 Euro), das sogar mit elektrisch einstellbaren Wangen an den Lehnen ausgerüstet ist. Dennoch ist die Schulterabstützung im Audi besser als im BMW. Die straffen, beim Testwagen mit Leder bezogenen Mercedes-Polster sind ebenfalls langstreckentauglich, geben aber weniger Seitenhalt.

Beim Geräuschkomfort fallen die C-Klasse und der A4 dadurch auf, dass sie nicht auffallen, denn sie sind klar leiser als der Münchner Konkurrent. Auch klingt der BMW-Motor relativ rau, während der Mercedes sein Kompressorgeräusch nicht vollständig unterdrücken kann. Der Ingolstädter hält sich akustisch selbst an der Drehzahlgrenze vornehm zurück. Zu seiner Langstreckentauglichkeit trägt auch der sehr gute Federungskomfort bei. Die Federelemente sprechen sehr feinfühlig an, sodass man mitunter Fahrbahnunebenheiten beim Überfahren zwar hört, aber nicht spürt. Auch Frostaufbrüche verarbeiten Federn und Dämpfer überraschend gut. Lediglich rasch aufeinander folgende, kurze Wellen bringen den Audi etwas aus der Fassung.

Im Grunde ist der Mercedes in dieser Disziplin mit dem Audi vergleichbar, Bodenunebenheiten versetzen seine Karosserie aber weit stärker in Bewegung. Außerdem neigt er gelegentlich zu Poltergeräuschen. Vor allem kleinere Straßenschäden werden im BMW relativ ungefiltert an die Insassen durchgereicht.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A4 1.8 TFSIMercedes C-Klasse C180 KompressorBMW 3er 318i
Sitzkomfort vorn150110100103
Sitzkomfort hinten100656262
Ergonomie150126123121
Innengeräusche50484843
Geräuscheindruck100777473
Klimatisierung50403933
Federung leer200147143142
Federung beladen200147143140
Kapitelbewertung1000760732717

 

Motor und Getriebe

Mit einem maximalen Drehmoment von 250 Nm, das zwischen 1500 /min und 4500 /min anliegt, ist Audis 160-PS-Triebwerk ein Lehrstück modernen Motorenbaus und stellt die Konkurrenz klar in den Schatten. Das Ansprechverhalten auf Gaspedalbefehle ist für einen Turbo-Benziner ohne Tadel, da das Turboloch durch Abwesenheit glänzt. Das alles wird garniert mit hoher Drehfreude und Laufruhe. Die Suche nach dem Wermutstropfen endet freilich an der Tankstelle, wo sich ein Testverbrauch von 10,3 Liter Super pro 100 Kilometer herausstellte.

Turbomotoren genehmigen sich bei Volllast eben gern einen Extra-Schluck. Versöhnlich stimmt, dass der A4 die besten Fahrleistungen in diesem Test liefert. Der 156 PS starke Mercedes stürmt nicht ganz so vehement voran, verbraucht dafür aber 0,7 Liter weniger. Auch reicht er in puncto Laufkultur nicht an den Audi heran. Wo das Getriebe des Ingolstädters Gangwechsel zur Freude macht, hadert der Mercedes-Pilot mit einer teils hakeligen Schalthebelführung.

Und der BMW? Unverkennbar holt der 143 PS starke Motor seine Leistung über die Drehzahl (maximales Drehmoment 190 Nm bei 4250/ min). Erwartungsgemäß fallen die Fahrleistungen schlechter aus als bei der stärkeren Konkurrenz. Flott voranzukommen heißt, die Drehfreude des Motors zu nutzen und die Gänge des knackig zu schaltenden Getriebes auszudrehen. Dank des efficient dynamics-Pakets, das unter anderem eine Start-Stopp-Automatik, eine Schaltanzeige und die Bremsenergie-Rückgewinnung umfasst, spielt der 3er seine Stärken aber an der Tankstelle aus. Hier zeigt der Bayer mit einem Testverbrauch von lediglich 8,6 Liter Super Plus, wie effektiv Sprit-Sparen ohne Verzicht funktionieren kann.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A4 1.8 TFSIMercedes C-Klasse C180 KompressorBMW 3er 318i
Beschleunigung150151143136
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150959380
Getriebeabstufung100867886
Kraftentfaltung50272422
Laufkultur100777373
Verbrauch325159168180
Reichweite25111213
Kapitelbewertung1000606591590

 

Fahrdynamik

Dass Motorleistung nicht alles ist, zeigt sich auf dem Handlingparcours. Insbesondere beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven steht es mit der Traktion des frontgetriebenen Audi nicht zum Besten. Ganz anders dagegen der heckgetriebene BMW. Der Münchner wandelt seine Leistung deutlich schlupfärmer in Vortrieb um. Gleichzeitig zeigt keiner der Kandidaten ein solch leichtfüßiges Handling wie der schnelle 3er, woran auch die zielgenaue Lenkung einen maßgeblichen Anteil hat.

Doch auch der Audi hat gegenüber seinem Vorgänger deutlich gewonnen. Die Untersteuertendenz ist nahezu verschwunden, und auch die Lenkung arbeitet jetzt präziser. Selbst im Grenzbereich bleibt er gutmütig. Grund für das verbesserte Fahrverhalten ist die Tatsache, dass die Ingolstädter den Motor nun zum größeren Teil über der Vorderachse angeordnet haben – statt wie beim Vorgänger fast komplett davor. Die Folge: eine geringere Kopflastigkeit.

Der heckgetriebene Mercedes wirkt nicht ganz so agil und untersteuert etwas stärker. Seine Lenkung liefert weniger Rückmeldung als die des Audi. Hier fühlt sich der Fahrer vom Geschehen etwas entkoppelt. Dennoch bleibt die C-Klasse stets gutmütig und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Im Ernstfall greift das nicht vollständig abschaltbare ESP sanft, aber bestimmt ein. Einen positiven Eindruck hinterlassen alle Drei beim Bremstest. Werte zwischen 35 und 36 Metern sind vorbildlich, das teigige Pedalgefühl im Mercedes ist es dagegen nicht.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A4 1.8 TFSIMercedes C-Klasse C180 KompressorBMW 3er 318i
Handling150444248
Slalom100545357
Lenkung100867388
Geradeauslauf50404139
Bremsdosierung30181520
Bremsweg kalt150889084
Bremsweg warm150999295
Traktion100454755
Fahrsicherheit150125130125
Wendekreis2091613
Kapitelbewertung1000608599624

 

Umwelt und Kosten

Inklusive der AZ-Normausstattung überschreitet der Mercedes als einziger die 30000-Euro-Grenze. Da ist der BMW fast 3500 Euro günstiger. Auch der von der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) prognostizierte Wertverlust für eine vierjährige Haltedauer und 80000 Kilometer Fahrleistung fällt beim BMW mit 14960 Euro am geringsten aus. Das Schlusslicht markiert hier der Audi, für den in vier Jahren 16270 Euro abzuschreiben sind, immerhin 1310 Euro mehr als für den BMW.

Dafür schätzen die ADAC-Experten die jährlichen Werkstattkosten für den A4 mit 495 Euro am geringsten ein. Auch bei den Versicherungstarifen stufen die Assekuranzen den Audi etwas günstiger ein als die Konkurrenz. Zwar verursacht der BMW trotz des benötigten Super Plus die geringsten Kraftstoffkosten, wegen des geringeren Garantieumfangs zieht der A4 in diesem Kapitel aber doch noch am 3er vorbei.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A4 1.8 TFSIMercedes C-Klasse C180 KompressorBMW 3er 318i
Bewerteter Preis675193187203
Wertverlust50212122
Ausstattung2517311
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282720
Werkstattkosten20151415
Steuer10999
Versicherung40343333
Kraftstoff55323436
Emissionswerte25888585
Kapitelbewertung1000437413434

 

Fazit

Dass die Einstiegsversionen keine automobilen Sparmenüs sind, zeigt der Vergleich deutlich. Der A4 setzt sich hier am besten in Szene. Er ist komfortabel und kraftvoll und verweist die Konkurrenz auf die Plätze. Der Mercedes ist ähnlich gut, krankt aber an den hohen Kosten. Die deutlich günstigere Offerte kommt mit dem sparsamsten Motor und ausgezeichneter Fahrdynamik von BMW.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A4 1.8 TFSIMercedes C-Klasse C180 KompressorBMW 3er 318i
Summe5000304729662966
Platzierung123

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