Wohnwagen und Wohnmobile im Visier : Oft zu viel Gewicht Gewichts-Leichtsinn

15.07.2013

Weil viele Wohnwagen und Wohnmobile überladen sind, kontrolliert die Polizei in der Urlaubs-Saison gezielt das Gewicht

Eigentlich soll die Fahrt in den Urlaub Entspannung pur sein, doch die langen Autofahrten sind auch mit Risiken verbunden. Viele Autofahrer schätzen ihre eigene Ausdauer, ihr Auto oder auch die im Alltag nicht genutzten Gegenstände wie Dachbox, Fahrradträger oder Wohn-Anhänger falsch ein. Wenn Wohnwagen zu Schwergewichten werden, ist das ein typischer Fall für Hauptkommissar Peter Veeser und seine Kollegen.

 

Wohnwagen und Wohnmobile: Oft zu viel Gewicht

Pünktlich zum Beginn der Haupturlaubszeit verstärkt die Polizei die Kontrolle von Reisemobilen. Denn überladene Wohnwagen und Wohnmobile sind mit einem hohen Unfallrisiko unterwegs. Die Polizei will deshalb gegensteuern, unter anderem mit Großkontrollen wie am Montag auf der Autobahn bei Freiburg. Schwerpunkt der Aktionen ist die A5 (Karlsruhe-Basel), die Hauptreiseroute in Richtung Süden.

"Wir wiegen die Reisenden in Sicherheit", sagt Veeser. 16 Polizisten haben sich auf einem Autobahnparkplatz bei Neuenburg, südlich von Freiburg, postiert. Sie haben mobile Wiegestationen aufgebaut. Mit den Waagen können sie innerhalb von Sekunden das Gewicht der Fahrzeuge überprüfen, die an diesem Morgen anrollen. Die Waagen sind geeicht und liefern exakte Werte. Sie sind gleichbedeutend mit einem Sachverständigengutachten.

Es herrscht dichter Verkehr auf der A5. "Es ist die Straße in den Urlaub", sagt Veeser. Wer zu den Reisezielen im Süden möchte, muss hier vorbei. Im Minutentakt winken Polizeibeamte Wohnwagen und Reisemobile von der Autobahn auf den Parkplatz. Die Urlauber kommen aus ganz Europa. Viele Niederländer und Belgier, aber auch zahlreiche Norddeutsche. Mancher Fahrer schaut freiwillig vorbei. Er will sich vergewissern, dass alles in Ordnung und sicher ist.

"Unsere Erfahrung zeigt: Jeder dritte Wohnwagen ist überladen", sagt Veeser. "Das ist gefährlich." Denn ist das Gefährt zu schwer, verschlechtern sich Bremsverhalten und Fahrstabilität dramatisch. Die Folge ist ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko. Hinzu kommt oft fehlende Gepäcksicherung. Koffer und andere Utensilien, die im Fahrzeug nicht ordentlich verstaut sind, können verrutschen und das Fahrzeug zum Schleudern oder Kippen bringen. Oder für Passagiere zu gefährlichen Geschossen werden.

"Es ist die schönste Zeit des Jahres. Doch nur wenige bereiten sich richtig darauf vor", sagt Polizeiobermeister Michael Clemens. Der Wohnwagen oder das Wohnmobil stehe die meiste Zeit des Jahres ungenutzt auf der Straße oder in der Garage. So könne es zu Defekten kommen. Ein Blick auf die Technik und die maximal mögliche Zuladung sollten daher vor dem Reiseantritt selbstverständlich sein.

Das Ehepaar aus der Schweiz hat das nicht bedacht. Die Rentner aus dem Berner Oberland waren mit ihrem Wohnmobil am Nürburgring, nun sind sie auf der Fahrt nach Hause. Doch die Waage der Polizei meldet: mehr als 300 Kilogramm zu schwer. Zudem ist das gesamte Gepäck im Heck verstaut. "Wenn der Fahrer stark bremsen muss, hat er den Wagen nicht mehr unter Kontrolle", sagt Clemens. Die zwei Schweizer laden um und leeren ihre Wassertanks, die sie ohnehin nicht mehr benötigen.

"Wir haben verstanden", sagt der Fahrer. Und der Polizist freut sich. "Es zeigt sich, dass wir mit solchen Kontrollen etwas bewirken." Die 30 Euro Bußgeld zahlt der Schweizer ohne Murren.

Nur wenige Minuten später: Zwei Niederländer haben es schon 800 Kilometer weit im Familienauto und mit dem Wohnwagen im Schlepptau geschafft, dann kommen sie in die Polizeikontrolle und werden ausgebremst. Weil der 40 Jahre alte Fahrer für einen Wohnwagen keinen passenden Führerschein hat, kann es nicht weitergehen. Schließlich setzt sich die Freundin ans Steuer. Der 40-Jährige ist um eine Erfahrung reicher - und um 500 Euro Strafe ärmer.

"Wir raten dringend, sich rechtzeitig vor dem Beginn der Reise über die gesetzlichen Bestimmungen zu informieren und das Fahrzeug gründlich zu überprüfen", sagt Rainer Hillgärtner vom Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart. Prüforganisationen und Werkstätten seien die richtige Adresse. "Wenn dem Fahrer erst in der Polizeikontrolle die Augen geöffnet werden, ist es meist zu spät."

AUTO ZEITUNG

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