Tracktest Corvette Z06 gegen Porsche 911 GT3 RS Power and Glory

10.01.2007

Beide stellen die Basis für einen Rennwagen, und doch trennen die Corvette Z06 und den neuen Porsche 911 GT3 RS Welten. Rennprofi Kurt Thiim testet beide auf dem Formel-1-Kurs in Hockenheim

Das rot-grüne Pärchen zieht im fast menschenleeren Fahrerlager des Hockenheimrings jede Aufmerksamkeit auf sich. "Das wird die härteste Prüfung für die Corvette", prophezeit Ex-DTM-Profi Kurt Thiim. Und er hat Recht.

» ...Bilder und technische Daten der Corvette Z06
» ...Bilder und technische Daten des Porsche 911 GT3 RS
Der potente US-Hammer ist kompromisslos gebaut: geringes Gewicht dank einem Chassis aus Aluminium und Kohlefaser-Verbundwerkstoffen, bärenstark dank des größten Small-Block-V8, den General Motors je gebaut hat, und drehzahlfest dank Titanpleuel, Natrium-gefüllten Titan-Einlassventilen und Alu-Flachkolben. Nur die Ventilsteuerung erfolgt immer noch über eine zentral angeordnete Nockenwelle. 512 PS sowie 637 Newtonmeter Drehmoment sprechen eine deutliche Sprache, die Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h ebenfalls. Zum Schluss noch das Sahnehäubchen: Das Leistungsgewicht der Z06 liegt bei nur 2,8 kg/PS. Das sollte reichen, um jeden Porsche zu erschrecken, oder?

Aber: Über eine gute Rundenzeit entscheiden auch Dinge wie Bremsleistung und Fahrstabilität im Grenzbereich. Und hier setzt der im Vergleich zur flachen, breiten Corvette fast zierliche 911 GT3 RS an, Leistungsgewicht: 3,3 kg/PS. Und die RS-Modelle zeigen schon seit 1972, was in puncto Fahrdy-namik mit einem straßenzugelas-senen Auto möglich ist.

Der neueste RS ist da keine Ausnahme. Nochmals 20 Kilo leichter als der normale GT3 und mit einem einstellbaren Fahrwerk, optimierter Aerodynamik sowie feinsten Racing-Attributen ausgestattet, tritt er an, um die Sportwagenwelt zu beherrschen.

Der heiser bellende 3,6-Liter-Boxer im Heck verfügt nicht nur über ebenso exklusive Innereien wie der GM-V8, sondern jetzt auch über ein Einmassenschwungrad, das gegenüber dem herkömmlichen Schwungrad acht Kilo einspart. "Der Motor reagiert dadurch sehr spritzig, dreht phänomenal schnell hoch", schildert Thiim die Auswirkungen, "Überhaupt, der Porsche ist eigentlich ein Rennwagen, du merkst es sofort am Kupplungsgegendruck oder auch an den hohen Schaltkräften. Und wenn du morgens losfährst, knackt es hier und da, Laufgeräusche kommen aus dem Antriebsstrang. Das Gleiche erlebst du, wenn du mit einem kalten Rennwagen aus der Boxengasse auf die Piste rollst - herrlich."

Den Leistungsnachteil gegenüber der Corvette - 415 zu 512 PS - will der GT3 RS mit seinem Fahrwerk und den serienmäßigen Michelin-Semi-Slicks mehr als nur kompensieren. Die Goodyear-Runflatreifen des Ami sind da eher eine alltagstaugliche Lösung.

Thiim entscheidet sich nach zwei Proberunden mit den beiden Autos als erstes für die Z06: "Die Umstellung zwischen den beiden Autos ist riesengroß, so herum fällt es aber etwas leichter." Der Däne verzichtet auf jegliche elektronische Unterstützung. Also wählt er die Einstellung "ASR und aktives Handling aus" im Cockpit-Display. Nach kurzem Anlauf bollert der V8 über die Start/Zielgerade. Bei 204 km/h wirft Thiim den Anker vor der Nordkurve und schaltet runter.

Schon hier wird klar: "Du musst dir Zeit lassen beim Schalten, sonst kracht es im Getriebe. Die Schaltwege sind deutlich länger und nicht so genau definiert wie im Porsche." Die zweite Eigenart der Corvette wird in der nächsten Rechtskurve vor der langen Parabolika deutlich: Von 211 km/h muss Thiim runter bis auf 58 Sachen, dabei einlenken und sich gleichzeitig auf möglichst frühes Beschleunigen konzentrieren. "Technisch alles kein Problem, doch in den Sitzen der Corvette finde ich zu wenig Halt und rutsche teilweise etwas hilflos herum", sagt Thiim später.

Doch was auf die Rutschpartie folgt, fasziniert den Dänen: "Der Drehmomentkick und diese Beschleunigungsorgie bis zur Spitzkehre stellen einfach alles in den Schatten." 251 km/h zeigt das GPS-Messgerät beim Anbremspunkt an, nur 44 km/h verträgt die enge Rechtskurve - Höchstbelastung für alle Fahrzeugkomponenten. "Das Auto bleibt sehr stabil bei diesen harten Bremsmanövern. Doch die Reifen sind auf der Rennstrecke überfordert und schmieren. Das Fahrverhalten verliert dabei an Präzision."

Wieder tritt die Z06 an, als wäre der Teufel hinter ihr her. Der große V8 hat mit dem Leergewicht von 1440 Kilogramm leichtes Spiel. Im sanften Rechtsknick vor der Mercedes-Tribüne muss Thiim kurz vom Gas und verliert Geschwindigkeit. Auch der folgende Sektor in und durch das Kurvengeschlängel des Motodrom wird wohl nie der Lieblingsspielplatz der Corvette. Thiim: "Du musst dich in Kurven immer wieder zur Ruhe zwingen, dem Auto Zeit geben, sich zu stabilisieren. Nur so kannst du die ganze Power einsetzen.

Die Karosseriebewegungen sind im Vergleich zum Porsche ausgeprägter und wollen einkalkuliert werden." Entsprechend sind die Anbremsgeschwindigkeiten sehr hoch, die Kurventempi aber eher durchschnittlich. Nur die nach außen leicht überhöhte Sachskurve erleichtert es der Corvette ein wenig. Der Drift bei 97 km/h am Eingang zur Start-/Zielgerade ist kaum zu vermeiden. Wenige Sekunden später rauscht Kurt Thiim mit 187 km/h durch die Lichtschranke. Seine Gesamtzeit: 1.57,90 Minuten.

Der Rennsportprofi steigt direkt um in den Porsche und zwängt sich in den Schalensitz. Das elektronische PASM-Fahrwerk auf hart gestellt, die Sporttaste für ein noch spontaneres Ansprechen des Motors gedrückt und die Traktionskontrolle deaktiviert - es kann losgehen. Heiser brüllend jagt der GT3 RS auf die Nordkurve zu und bremst deutlich später als die Corvette. Allerdings ist er hier auch neun km/h langsamer als die Z06.

Das gleiche Spiel vor der nächsten Kurve: sehr spätes und hartes Anbremsen bis in die Kurve hinein, dann ebenso frühes Beschleunigen. Hier zeigt sich die Klasse des Fahrwerks und der Reifen. Die Kurvengeschwindigkeit liegt zehn km/h höher als bei der Corvette. Dann folgt die Spitzkehre, Thiim bremst bei 241 km/h an, verliert also zehn km/h auf den US-Sportler. Aber: Der Bremspunkt liegt stattliche 23 Meter später, das sind fast fünf Fahrzeuglängen.

Thiim dazu: "Trotzdem, um einen Zeitvorteil mit dem Porsche zu realisieren, musst du sehr genau fahren und den Motor ausquetschen. Doch genau dafür ist dieses Auto gebaut. Einlenkverhalten und Fahrstabilität sind einfach großartig." Wo er in der Corvette vorsichtig agieren musste, kann er im Porsche nahezu Vollgas geben. Und er muss es auch, denn bis zum Anbremsen vor der Mercedes-Tribüne liegt die Corvette mit 0,87 Sekunden Vorsprung immer noch vorn. "Den Eingang ins Motodrom kannst du im Porsche fast voll nehmen. Da spielt die neue Aerodynamik des RS schon eine große Rolle", sagt Thiim.

Jetzt spielt der Rennfahrer seine jahrzehntelange Erfahrung aus und prügelt den Elfer durch die Kurven. Im letzten Sektor holt er tatsächlich einen Vorsprung von 1,23 Sekunden raus und

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