Toyota Yaris, Seat Ibiza und Mazda 2 im Kleinwagen-Vergleich Toyota Yaris | Seat Ibiza | Mazda 2

30.12.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Kleinwagen der Ratio-Klasse mögen nichts für Autoverrückte sein – Toyota Yaris & Co. sind aber Helden des Alltags. Der neue Kompakt-Japaner im Vergleich mit Mazda 2 und Seat Ibiza

Kleinwagen sind wie Kurzgeschichten: Der Inhalt eines ganzen Romans kurz und knapp erzählt, kein Platz für Sentimentalitäten, aber am Ende muss die Pointe eben doch stimmen. Das mag in den seltensten Fällen zum großen Literaturpreis reichen – oder in unserem Fall zum Helden-Status auf Postern und im Auto-Quartett.

Wenn so ein Kleinwagen aber gut gemacht ist, kommt beim Betrachter dennoch stille Freude auf. Wirkliche Langweiler gibt es auch in der Klasse zwischen 15.000 und 20.000 Euro schon lange nicht mehr, die Ingenieure stecken außer einer Menge Herzblut zunehmend spannende Technologien aus den größeren Auto-Klassen in die praktischen Alltagskisten. Im Vergleich mit dem feurigen Spanier Seat Ibiza und dem sportlichen Mazda 2 Sport vs. Seat Ibiza SC will der neue Toyota Yaris Unterhaltungswert und Praxistauglichkeit gleichermaßen unter Beweis stellen.

 

Karosserie

Beim Blick in den Kofferraum des Ibiza wird deutlich: Für diese Fahrzeuggröße viel Platz für Gepäck und Einkäufe – das muss irgendwo auch negativ zu Buche schlagen. Und schon eine Tür weiter vorn zeigt sich wo: Der Fond des Spaniers ist eng, große Mitfahrer sitzen mit schief gelegtem Kopf unter dem niedrigen Dach. Die flache Silhouette bedingt zudem vergleichsweise kleine Fenster und damit eine eingeschränkte Sicht nach hinten. Die Funktionalität des Seat Ibiza SportCoupe ist prima, einen Punktabzug gibt es aber für das gewöhnungsbedürftig zu bedienende Audio-System und die Klima-Einheit mit kleinen Knöpfen – im Dunkeln und auf schlechter Fahrbahn sind sichere Treffer am richtigen Knopf eher schwer.

Auch der Mazda 2 gibt sich sportlich und könnte übersichtlicher sein. Sein Kofferraum ist schmal, dafür bietet er aber deutlich mehr Platz im Fond als der Seat Ibiza. In Sachen Funktionalität und Qualität liegt er auf Augenhöhe mit dem Spanier, ansonsten herrscht in allen Konkurrenten ein ehrlicher Plastik-Look vor. Nicht gerade Premium, aber wirklich billig wirkt keiner der drei Kleinen. Gut gefällt uns die Bedienung des Mazda 2: Mit großen Tasten und Klima-Drehreglern sowie simpler Bedienlogik gibt es hier kaum etwas auszusetzen. Ideal gelöst sind übrigens bei allen Autos im Test die runden Luft-Ausströmer, die sich sekundenschnell öffnen, schließen oder einstellen lassen und darüber hinaus sofort klar machen, wie sie stehen. Der sportlichreduzierte Look ist da ein schöner Nebeneffekt.

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Im Toyota herrscht eine etwas andere Atmosphäre als in den beiden sportiven Konkurrenten: Man sitzt höher, der Armaturenträger ist nicht ganz so wuchtig, und die großen Fenster lassen mehr Licht hinein. Zusammengenommen ist der Yaris also einfach übersichtlicher und damit ein echtes Stadtauto, außerdem gibt es für ihn auf Wunsch eine Rückfahrkamera, die über das ab der Ausstattungsvariante Life serienmäßige Touchscreen-Bediensystem mit großem Monitor angezeigt wird.

Schlanke 550 Euro mehr machen aus dem System ein Touch&Go mit Navigation – und das ist eine wirklich positive Erscheinung. Unkomplizierte Bedienung, topmoderne Features und ein selbst im Vergleich mit Nachrüst-Lösungen konkurrenzfähiger Preis machen das System zur echten Empfehlung. Eine zweite Spezialität des Toyota Yaris ist der zweite Ladeboden, dank dem im Fond bei umgelegten Sitzlehnen eine ebene Ladefläche entsteht. In Sachen Platz und Kofferraum bietet der Toyota gutes Klassen-Mittelmaß.

KarosserieMax. PunkteToyota Yaris 1.33 Dual-VVT-iMazda 2 1.5Seat Ibiza 1.2 TSI Ecomotive
Raumangebot vorn100606163
Raumangebot hinten100404139
Übersichtlichkeit70434140
Bedienung/ Funktion100858281
Kofferraumvolumen100161219
Variabilität100252020
Zuladung/ Anhängelast80222625
Sicherheit150716874
Qualität/ Verarbeitung200132132132
Kapitelbewertung1000494483493

 

Fahrkomfort

Ruhig zieht der Toyota Yaris seine Bahn, er hat besonders im Fond ein beinahe gemütliches Plätzchen zu bieten. Und so robbt er sich mit ordentlicher Ergonomie und selbst auf großer Autobahnfahrt erfreulich komfortabler Geräuschkulisse langsam wieder an die beiden stürmischen Kontrahenten heran. Den Sieg im Komfortkapitel holt der Yaris dann zu guter Letzt sehr souverän durch seinen wirklich ansprechenden Federungskomfort. Sanft auf langen Bodenwellen, mit großzügigem Schluckvermögen über kurze Fahrbahnschläge: Manchmal macht ein sauberer Federungskomfort fast so viel Spaß wie Kurvenräubern – und hält sogar noch länger an.

Der Seat Ibiza ist hiervon nicht zu überzeugen, er kopiert die Asphalt-Topographie recht plastisch und gibt sie dann mit Unschuldsmiene an die Insassen weiter. Auf langen Wellen mag das noch oberflächlich dynamisch wirken, harte, kurze Bodenwellen oder schlechter Fahrbahnbelag treten allerdings als kräftige Vibrationen oder deutliche Schläge auf. Hinzu kommt der kernige Motorlauf des kleinen Turbo-Vierzylinders, der besonders unter Last recht präsent auftritt.

Der Mazda ist etwas komfortabler als der Seat, sieht sich aber prinzipiell ebenfalls der direkten Verbindung zwischen Straße und Insassen verpflichtet. Sein großer Pluspunkt ist das sanft schnurrende Motorgeräusch, mit dem er sogar den Toyota düpieren kann.

FahrkomfortMax. PunkteToyota Yaris 1.33 Dual-VVT-iMazda 2 1.5Seat Ibiza 1.2 TSI Ecomotive
Sitzkomfort vorn150797982
Sitzkomfort hinten100544245
Ergonomie150118120116
Innengeräusche50292824
Geräuscheindruck100566054
Klimatisierung50193119
Federung leer200111106102
Federung beladen20012010698
Kapitelbewertung1000586572540

 

Motor und Getriebe

Ein Leistungs-Niveau – und drei unterschiedliche Möglichkeiten, es zu erreichen. Während der Mazda 2 aus der mit 1,5 Liter Hubraum hubraumstärksten Maschine 102 PS gewinnt, hält der Seat Ibiza mit einem kleinvolumigen 1,2-Liter aus der aktuellen Downsizing-Reihe des VW-Konzerns dagegen: 105 PS schafft der Winzling dank Benzin-Direkteinspritzung und Turbolader, darüber hinaus versprechen ein serienmäßiges Start-Stopp-System sowie pfiffiges Generatormanagement (Bremsenergie-Rückgewinnung) zeitgemäße Kraftstoff-Effizienz.

Start-Stopp bietet der Toyota Yaris nur als Option, sein kleiner 99-PS-Vierzylinder mit aufwändiger variabler Ventilsteuerung kooperiert als Einziger im Vergleich mit einem eng gestuften Sechsgang-Getriebe. Bereits auf den ersten Metern sind die Unterschiede zwischen den Motoren bemerkbar: Der Mazda tritt kräftig an und hat keine allzu große Mühe mit dem geringen Fahrzeuggewicht. Der beinahe linearen Kraftentfaltung des Mazda 2 setzt der Seat Ibiza ein spürbares Turboloch entgegen, das er dann aber mit steigender Drehzahl schnell vergessen lässt. Einmal in Fahrt wirkt der kleine Spanier sehr spritzig und durch den etwas kernigen Motorlauf auch wie ein echter Anpacker.

Flüssig drehend und mit schöner Laufkultur holt sich der Mazda aber trotzdem das blaue Fahrleistungsband. Und der Toyota? Der bleibt nur in Sichtweite seiner Rivalen, wenn alle sechs Gänge konsequent durchbeschleunigt werden. Für sich allein betrachtet animiert der Toyota Yaris eher dazu, eine gedämpftere Gangart vorzulegen und wirkt dann mit seinem angenehm leisen und kultivierten Motor ganz in seiner Mitte.

Größter Pluspunkt des Yaris ist sein geringer Verbrauch. Auf der AUTO ZEITUNG-Testrunde schluckt er beinahe 1,5 Liter weniger als der Seat Ibiza – obwohl er nicht einmal mit dem optionalen Start-Stopp-System zum Test angetreten war. So ganz hat der Ibiza den Sparsamkeit suggerierenden Namenszusatz „Ecomotive“ also nicht verdient, selbst der dynamischere Mazda 2 verbraucht 0,7 Liter pro 100 km weniger.

Motor und GetriebeMax. PunkteToyota Yaris 1.33 Dual-VVT-iMazda 2 1.5Seat Ibiza 1.2 TSI Ecomotive
Beschleunigung15096104101
Elastizität100527068
Höchstgeschwindigkeit150344446
Getriebeabstufung100878385
Kraftentfaltung50253232
Laufkultur100636460
Verbrauch325264251237
Reichweite25121110
Kapitelbewertung1000633659639

 

Fahrdynamik

Ungerührt zieht der Seat Ibiza aber gleich noch einmal die sportive Karte. In Sachen Fahrdynamik macht ihm in diesem Vergleich keiner etwas vor: Beinahe sprudelnd vor Eifer stürmt er um den Handling-Kurs, mit knackiger Lenkung und willigem Einlenkverhalten legt er die Grundlage für gute Rundenzeiten. Das bei Lastwechseln – etwa bei plötzlichem Gaswegnehmen bei Kurvenfahrt wegen zuziehenden Radius – gut kontrollierbar eindrehende Chassis macht Könnern Freude und lässt Normalfahrer auch beim Untersteuern im Grenzbereich nicht im Stich.

Beinahe auf demselben Niveau schlägt sich der Mazda BT-50. Auch er bereitet viel Freude, muss sich dem Seat dann aber doch geschlagen geben, weil er im Grenzbereich einfach zickiger agiert und dann zu plötzlichen Heckschwenks neigt, die das DSC (ESP) zum Eingreifen veranlassen, wenn der Fahrer nicht reagiert. Dazu die etwas gefühllosere Lenkung und eine Bremse, die nicht ganz auf dem Niveau der Konkurrenz arbeitet – und schon schiebt sich der Seat am Mazda vorbei.

Der Toyota Yaris hat sich, ganz seinem eher gedämpften Motorcharakter folgend, erst gar nicht in das wirbelnde Handling-Duell eingemischt. Er bleibt mit seinem nicht deaktivierbaren ESP und den ausgewogen untersteuernden Fahreigenschaften ein recht fahrsicherer, aber uninspiriert wirkender Teilnehmer. Durch seine besonders in kaltem Zustand hervorragend wirkende Bremse – also perfekt für die plötzliche Notbremsung – lässt er die beiden Fahrdynamiker dann aber doch nicht entschwinden.

FahrdynamikMax. PunkteToyota Yaris 1.33 Dual-VVT-iMazda 2 1.5Seat Ibiza 1.2 TSI Ecomotive
Handling150545865
Slalom100596570
Lenkung100546466
Geradeauslauf50353635
Bremsdosierung30202020
Bremsweg kalt1501008088
Bremsweg warm1509097104
Traktion100303230
Fahrsicherheit150115110120
Wendekreis2071816
Kapitelbewertung1000564580614

 

Umwelt und Kosten

Kurzer Hänger beim Berechnen der AUTO ZEITUNG-Normausstattung: Die wiederverkaufsrelevanten Leichtmetall-Räder des Toyota Yaris sind erst ab der Ausstattung Club zu haben – ein eventuell unnötiger Luxus. Wir verrechnen also die passenden 16-Zoll-Räder aus der Zubehörpreisliste, bestimmt wird ein Händler mit sich über die Montage reden lassen.

Trotzdem kann sich der neue Toyota seinen spürbaren Preisvorsprung gegenüber der Konkurrenz bewahren und heimst hier den Kapitelsieg ein. Der Tokio Motor Show 2011: Mazda-Weltpremiereüberzeugt mit üppigen Garantieleistungen und der günstigsten AUTO ZEITUNG-Normausstattung, während sich der Seat nur bei den Werkstattkosten hervortun kann.

Kosten/UmweltMax. PunkteToyota Yaris 1.33 Dual-VVT-iMazda 2 1.5Seat Ibiza 1.2 TSI Ecomotive
Bewerteter Preis675318293295
Wertverlust50342930
Ausstattung25132115
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50253319
Werkstattkosten20151517
Steuer1010910
Versicherung40333232
Kraftstoff55434139
Emissionswerte25908785
Kapitelbewertung1000581560542

 

Fazit

Es muss nicht immer zeitgeistige Sportlichkeit sein, um einen Vergleichstest-Sieg einzuheimsen. Der neue Toyota Yaris 1.33 Dual VVT-i punktet zuverlässig in bodenständigen Kriterien, hat darüber hinaus den sparsamsten Motor und wird zu einem fairen Preis angeboten.

Allerdings folgt ihm der spritzige Mazda 2 1.5 quasi auf dem Fuß, Kleinwagen-Interessenten, die für eine ordentliche Dosis Fahrspaß etwas mehr Geld ausgeben können, sollten sich den knackigen „Zweier“ also genauer ansehen. Trotz einer überzeugenden Vorstellung im Handling und seines energiegeladenen Turbo-Motörchens muss sich der Seat Ibiza 1.2 TSI Ecomotive mit Platz drei zufrieden geben: Er ist hinten eng, unübersichtlich, eher unkomfortabel und ein – wenn auch sympathischer – Schluckspecht.

Gesamtbewertung

Max. PunkteToyota Yaris 1.33 Dual-VVT-iMazda 2 1.5Seat Ibiza 1.2 TSI Ecomotive
Summe5000285828542828
Platzierung123

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