Toyota Prius 2014: Vergleich des Standard-Hybrids mit dem Plug-in-Hybrid Energie-Gipfel

03.06.2014

Mit dem auch an der Steckdose aufladbaren Toyota Prius Plug-in-Hybrid fährt man noch günstiger als mit dem Standard-Prius – allerdings nicht bei der Anschaffung. Antriebsvergleich

Während im Bund Industrie, Energieversorger und Politik heiß über die Energiewende diskutieren, grübelt zu Hause der Familienrat über das wohl ökonomisch-ökologisch sinnvollste Auto. In beiden Fällen geht es am Ende – wie fast immer – um die Kosten. Und eines ist sicher: Die  Energiewende wird teuer. Zumindest wenn es um die Hybridisierung des häuslichen Fuhrparks geht, hat Toyota derzeit das reichhaltigste Angebot. Als Mutter aller Hybrid-Pkw ist der Prius mittlerweile in der dritten Generation unterwegs und hat zumindest antriebstechnisch einen hohen Perfektionsgrad erreicht.

 

Toyota Prius Plug-in vs. Hybrid: voll alltagstauglich

Ab 26.800 Euro bekommt man dafür auch ein paar Schrulligkeiten mitgeliefert, wie etwa das nur unzureichend einstellbare Lenkrad sowie ein zwar spaciges Cockpit, dessen Wertigkeit aber unter der minderwertigen Hartplastik-Einkleidung leidet. Sportlich-dynamische Ambitionen verkneift sich der Prius zudem komplett mit seiner wenig präzisen Lenkung und dem doch eher träge untersteuernden Kurvenverhalten.

Klar, wer Prius kauft, möchte keine Rennen gewinnen – und so bekommt er ein rundum alltagstaugliches Auto mit genügend Platz zum Transport von Mensch und  Gepäck. Und natürlich ein Ruhekissen für das Öko-Gewissen dank moderner Hybridtechnik wie dem stufenlosen Hybridgetriebe, das Elektro- und Vierzylindermotor  besonders  effektiv  und  voll variabel  kombiniert,  oder  dem leistungsfähigen  Bremsenergie-Rückgewinnungssystem (Rekuperation), das das dahinrollende Auto abbremst, sobald der Fahrer vom Gas geht und die dabei anfallende Energie als Strom in der bewährten Nickel-Cadmium-Batterie speichert. Wozu? Um kurz darauf eventuell laut- und emissionslos zwei bis drei Kilometer durch den Stadtverkehr zu gleiten bei maximal 50 km/h – und mit ganz, ganz behutsamer Gaspedalbetätigung, versteht sich.

Damit hat der Prius bereits seine Bestimmung gefunden, denn das koordinierte Spiel der Kräfte funktioniert nur wirklich spritsparendan der Haushaltssteckdose laden kann. Bis zur vollen Ladung dauert es 1,5 bis zwei Stunden, was einer Energieaufnahme aus dem Netz von 2,9 Kilowattstunden entspricht. Und damit kann man den Prius tatsächlich als Elektroauto bewegen. Zumindest in der Stadt, wenn nur moderate Beschleunigung und Geschwindigkeiten um die 50 km/h auf dem Programm stehen. Im Gegensatz zum Normal-Prius funktioniert das aber über eine wesentlich weitere Strecke. Bei entsprechender Zurückhaltung sind im Test etwa 17 Kilometer rein elektrisch möglich.

Bei höherem Tempo und entsprechendem Leistungsbedarf fährt sich der Plug-in-Toyota genau wie ein Standard Prius. Auch der Innenraum und die Bedienung fallen nahezu identisch aus. Lediglich in der Wahl der Antriebsart eröffnet der Plug-in mehr Möglichkeiten. So kann man etwa mit seinem voll aufgeladenen Prius morgens auf Knopfdruck  im  reinen  Hybrid-Modus  losdüsen, um auf der Landstraße erst mal die Batterieladung unangetastet zu lassen. In der Stadt angekommen, fährt man dann wieder per Knopfdruck rein elektrisch – laut - und emissionslos. Erstaunlich auch, dass sich das Mehrgewicht des Plug-in-Hybrid bei unseren beiden Testwagen auf lediglich 32 kg beläuft.

Die Stunde der Wahrheit schlägt für den Plug-in dann bei der Verbrauchsfahrt. Geht der Prius mit voll  geladener Batterie in den Verbrauchszyklus, benötigt er im Schnitt nur 4,0 Liter Super auf 100 km und knapp drei kWh Strom. Die gleiche Übung mit ungeladener Batterie absolviert er mit 6,4 Litern und liegt damit auf ähnlichem Niveau wie der Standard-Prius.

Schnell wächst die Erkenntnis, dass dieser Plug-in-Hybrid eigentlich nur dann sinnvoll ist, wenn man ihn im reinen Elektrobetrieb bewegt. Da dies aber nur begrenzt gelingt, sind die Mehrkosten von strammen 9750 Euro gegenüber dem Standard-Prius praktisch nicht wieder reinzuholen. Da hilft es auch nicht, dass der Plug-in etwas besser ausgestattet ist und minimal flottere  Fahrleistungen erzielt. Wenn’s ums Verzögern geht, hat dann sogar der Normal-Prius wieder die Nase vorn mit seinen kürzeren Bremswegen aus Tempo 100 bis zum Stillstand.

Unser Fazit

Die kühlen Kostenrechner erkennen sofort: Der Prius Plug-in-Hybrid ist nur etwas für Idealisten und kann den immensen Mehrpreis gegenüber dem Standard-Prius niemals wieder reinholen. Dennoch hat der Plug-in seinen Charme, wenn man allmorgendlich nahezu lautlos durch die City zur Arbeit gleitet, am besten mit Strom aus der eigenen Solartankstelle

Jürgen Voigt

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