Mitfahrt mit der Skateboard-Ikone Titus Dittmann im Ford Mustang Grande Keep on rollin'

11.08.2014

Titus Dittmann, Gründer des Skateboard-Unternehmens „titus”, steht nicht nur auf den Brettern, die vielen die Welt bedeuten. Bei einer Ausfahrt im 69er Ford Mustang Grande erzählt der „Lord of the Board” von seinen Vorlieben für Enten-Schreddern und Pony-Reiten

„Jungs, stört es euch, wenn ich die Schuhe ausziehe? Ist so warm hier drin,” sagt Titus Dittmann, verstaut seine Sneaker unter dem Sitz und rückt die weiße Sonnenbrille mit blauspiegelnden Gläsern wieder zurecht. Mit einem beherzten Tritt lässt der 65-jährige Skateboard-Pionier den amerikanischen Hengst die Kraft seiner Socken spüren. Der Ford Mustang Grande dankt es ihm mit grollendem V8-Blubbern.

 

Mitfahrt im Mustang mit dem Skate-Guru Titus Dittmann

Vor einer halben Stunde haben wir an diesem Samstagmorgen gemeinsam mit dem Mustang-Club aus Köln die Pferde gesattelt. Startpunkt: die heilige Ford-Klassikerhalle auf dem Werksgelände in Köln. Ziel: Die Classic Days auf Schloss Dyck vor den Toren Mönchengladbachs, an diesem Wochenende das Mekka für rund 30.000 Oldtimer-Verrückte. 

Wir bilden das Schlusslicht in der Reit-Kolonne. Es geht über verschlungene Landstraßen und durch kleine, verschlafene Dörfchen. Im Grunde die perfekten Rahmenbedingungen für chilliges Cruisen, doch einen juckt es heute ganz besonders in den Füßen. "Habt ihr'n Problem damit, wenn ich die überhole. Ich fahre nicht gerne hinterher. Micha, Du kennst dich hier doch aus. Mit mir am Steuer und dir als Local sind wir schneller da." Höflich wartet Titus auf Zustimmung, schert dann nach links aus und prügelt den 69er Mustang an seinen Artgenossen vorbei.

Titus: Vom Lehrer zum Skateboard-Pionier

So ist Titus Dittmann: Unruhig, umtriebig, nonkonformistisch - ein Querdenker auf der Überholspur. Ohne diese Tugenden wäre er wohl nie diese Skateboard-Ikone geworden. Ende der 1970er unterrichtete ein junger Sport und Geographie-Lehrer Schüler des Hittorfer Gymnasiums in Münster im Skateboarding und verkaufte die rollenden Bretter an die Pennäler zum Selbstkostenpreis.

Die Nachricht von den günstigen Titus-Boards machte auch bald jenseits der Schulmauern die Runde. Die Nachfrage stieg, Titus gab seinen Lehrer-Beruf auf, gründete das gleichnamige Skateboard-Unternehmen und schuf zugleich in Deutschland eine Skate-Bewegung.

Die Kids mit rollenden Brettern aus den USA zu versorgen, war für den Selfmade-Man kein großes Problem. Weitaus schwieriger war es, sein eigenes Verlangen nach rollendem Ami-Blech zu stillen. Bis zu seinem ersten eigenen US-Car musste er mächtig Überzeugungsarbeit leisten: „Schon früh hatten meine Frau und ich ein gemeinsames Konto. Da fällt es schwer mal eben so einen Ami-Schlitten zu kaufen.” Ihre Bedingung: Wenn du einen Ami kaufst, dann kauf ich einen Alpine A110. Was machte das Schlitzohr? Zum Geburtstag der Dame stellt er ihr eine blaue Flunder mit rosa Schleife vor's Haus. Danach war der Weg frei.

 

Heute US-Car-Liebhaber, damals Enten-Schrauber

Daran, dass seine Frau überhaupt auf französische Autos abfuhr, war er selbst schuld. Während seines Lehramtstudiums fuhr er wie etliche Studenten in den Siebzigern einen Citroen 2CV und war ständig knapp bei Kasse. „Die Reparaturkosten konntest du einfach nicht bezahlen. Da hab ich mir das selber beigebracht.“ Schnell ist der angehende Lehrer in Münster als günstiger Entenschrauber bekannt. „Ich hatte bald mehr Aufträge als ich händeln konnte. Bei mir zahlten die Leute auch nur ein Drittel der regulären Preise. Wir hatten also alle was davon.“

Von dem ersparten Geld finanzierte sich Titus Dittmann sein Studium, kaufte sich bald ein abgerocktes Citroen DS 21 Cabrio „für ein paar hundert Mark” sowie eine nagelneue Ente. Die DS fährt Titus heute noch (Schätzpreis: fast 100.000 Euro), die Ente stellte er weg und verkaufte sie vor einigen Jahren im Auslieferungszustand für 10.000 Euro. „Das war so dämlich. Da hab ich die Ente so lange aufgehoben, weil mir einfach klar war, dass die Ente Kultstatus kriegt und dann verkauf’ ich die zu einem Spottpreis. Ich war so ein Idiot."

Custom-Camping-Bus mir einer Ente auf dem Dach

Gleichfalls hart fällt das Selbsturteil aus, als wir bei den Classic Days auf Schloss Dyck an einem Citroen HY vorbeischlendern. „Mit dem Ding bin ich damals mit meiner Frau und meinem Sohn in den Urlaub gefahren. Meiner hatte zusätzlich ‘ne Ente auf’m Dach.“ Äh, wie bitte? „Ja, ehrlich. Ich hab ‘ne Ente in der Mitte durchgesägt, sie auf’s Dach gepackt, festgenietet und fertig. Oben hat mein Junge gepennt und unten meine Frau und ich. So ein Auto findest du heute nirgends. Den Camper hätte ich nie verkaufen dürfen.“

Mittlerweile sitzen wir wieder im Mustang auf dem Weg zurück nach Köln. Es fängt an zu tröpfeln. „Mir fällt gerade auf: Ich bin den Grande noch nie bei Regen gefahren,” gibt Titus kurz zu verstehen und wirft den Wagen mit hart ausbrechendem Heck über eine Ampelkreuzung in Neuss-Reuschenberg. „Sorry Jungs, das musste sein”, antwortet er mit einem spitzbübischen Grinsen auf unsere verdutzten Gesichter.


Seltene Luxusversion des Pony-Cars: Mustang Grande


Mit dem 69er Mustang Grande hat der Skate-Guru vor rund fünf Jahren eine echte Rarität geschossen. Als der Grande 1969 auf den Markt kam, trat er zwar luxuriöser und weniger puristisch auf als der Boss oder der Mach 1, doch seine Krawall-Gene kann auch dieser Mustang mit Vinyldach nicht verstecken. Als runtergerittene Rennschleuder vom Vorbesitzer übernommen, baute ihn Titus gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Claus Götte von “Die V8-GmbH” wieder auf.

Beim 302-Smallblock war eine Komplettüberholung nötig: Andere Köpfe, schärfere Nockenwelle, neue Ansaugbrücke sowie einen Holley-Vergaser plus Luftfilter spendierten die beiden Auto-Verrückten dem seltene Ami. Das eingebaute Viergang-Borgwarner-Getriebe kombinierten die beiden mit einem Hurst-Shifter, der sich kurz und knackig schalten lässt. Für deutlich bessere Fahreigenschaften sorgen ein originales Ford-Lock-Differential an der Hinterachse und ein leicht geändertes Fahrwerk, was laut Titus den Mustang zu einer echten Fahrmaschine macht: „Leute die sagen, dass der Mustang nur Geradeaus kann, haben keine Ahnung. Ein Shelby-Drop an der Vorderachse, das reicht. Außerdem sag ich immer: So ein Pferd musst du reiten, nicht fahren. Das ist reine Gewöhnungssache."

Titus Dittmann: Authentischer Querdenker

Seinen Grande hat er ganz besonders ins Herz geschlossen. „Den siehste nie. Superschön, superstylisch, der ist einfach anders als der normale Mustang. Das Weiss ist geil. Gold, Chrom, Flammen und der ganze Kram ist nicht meine Welt. Ich bin kein Originalfreak.“ Er denkt kurz nach. „Aber ein Authentizitätsfreak.“


SKATE-AID: skate to live – help across the board


2010 zog sich Titus Dittmann aus der Geschäftsführung der titus GmbH zurück und steckt seitdem seine ganze Kraft in seine Stiftung. Gemäß der Philosophie „Skateboarding kennt weder Grenzen noch Krieg, Hautfarbe oder Hass, arm oder reich: Skateboarding verbindet“ unterstützt sein Verein „skate-aid“ nationale und internationale Kinder- und Jugendprojekte. Mit der Kraft des Skateboardings geben die Projekte sogar in Afghanistan und Palästina benachteiligten Kindern und Jugendlichen ein Stück ihrer Kindheit zurück. Zu den Projekten zählen: der Bau von Sport- und Freizeitparks, die Beschaffung von Skateboards und Zubehör zur kostenlosen Weitergabe an Initiativen und das Sammeln von Spenden.

Kontakt:

Skate-aid e.V. Projektbüro
Scheibenstraße 121, 48153 Münster
Tel.: 0521/52000533
E-Mail: info@skate-aid.org
Website: www.skate-aid.org


Spendenkonto:

Kontoinhaber skate-aid e.V. München
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Kreditinstitut Sparkasse Münsterland Ost
Verwendungszweck: Spende skate-aid

Michael Gorissen

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