Reportage: Qualitätssicherung bei Audi 2012

Schnelle Eingreiftruppe

Penibel überwacht Audi die Entwicklung seiner Modelle – AUTO ZEITUNG begleitete die Qualitätssicherer bei einer Abnahmefahrt in den USA

Der tiefschwarze Lack des Audi R8 glänzt in der flirrenden Mittagssonne. Das Thermometer zeigt 33 Grad Celsius. Es ist High Noon irgendwo im US Bundesstaat Colorado. Der neue R8, der demnächst auf den Markt kommt, stammt noch aus der Vorserie und ist leicht getarnt. Obwohl die Sonne lacht, strahlt Werner Zimmermann, Leiter der Qualitätssicherung bei Audi, nicht.

Nach der ausgiebigen Probefahrt mir dem neuen Auto stehen wir nun auf einem Parkplatz auf fast 2.000 Meter Höhe in den Rocky Mountains, sein Kollege aus der Qualitätssicherung schreibt die Punkte seines Chefs minutiös fürs Protokoll mit. Die Verkleidungen an der A-Säule sind leicht verzogen und lose, die Getriebeabstimmung ist unbefriedigend und der Teppich nicht gut verlegt. „Das Auto ist insgesamt lieblos aufgebaut“, so das gnadenlose Urteil von Zimmermann.

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Es sind oftmals Kleinigkeiten, und die meisten Kunden würden sie nicht bemerken. Doch Kleinigkeiten gibt es für Werner Zimmermann nicht. Die sprichwörtliche Verarbeitungsqualität von Audi lässt keine Kompromisse zu, deshalb unternimmt die Marke mit den vier Ringen alles, um weiter Benchmark zu sein und die Kunden zufrieden zu stellen. „Das Auto braucht Zuwendung bis zum Ende der Produktion“, sagt der gebürtige Bad Tölzer mit Nachdruck in der Stimme.

VIELE LEUTE BRÄUCHTEN EINE LUPE

Für die Qualität wird deshalb bei Audi viel getan. Alles beginnt mit der internen Marken-Abnahmefahrt, bei der relevante Wettbewerber im Vergleich bewertet werden. Dann folgt die Konzern-Abnahmefahrt, an der alle Markenvorstände, selbstverständlich auch VW-Boss Martin Winterkorn, teilnehmen. Kommen die Autos dann schließlich auf den Markt, geht es weiter mit der Breitenabsicherung. Hierbei werden die Infotainment-Systeme, also Telefon, Navigation und iPhone-Verbindungen, maximal belastet.

Auch die Mitarbeiter- und die Dienstwagen-Flotten geben wertvolle Rückschlüsse über Praxistauglichkeit und Qualität der Autos. Doch das reicht den Ingolstädtern noch lang nicht. Zwei Jahre lang werden verschiedene Modelle unter dem Begriff der „Freibewitterung“ den härtesten Klimabedingungen in Südafrika, Texas und dem Nahen Osten unterzogen. Dabei stehen alle Materialien auf dem Prüfstand: Korrodieren die Bleche, bleichen die Farben aus, welche Ausdünstungen haben die Kunststoffe?