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Fiat 500 und Ford Ka im ersten Vergleich – AUTO ZEITUNG 23/2008

Das doppelte Flottchen

Der neue Ford Ka startet erst am 14. Februar 2009, wir baten ihn aber schon mal vorab zum Stelldichein mit dem Fiat 500. Beide sind  technisch nahezu identisch, trotzdem gibt es nicht nur optische Unterschiede

Was hatte der Fiat 500 für einen Einstand: Als der Kleine vergangenes Jahr auf den Markt kam, heimste er viel Beifall ein. Er war vom Start weg Kult und hat jetzt schon das Zeug zum Klassiker.

Auch der Ka hat inzwischen Legenden-Status erreicht. Das gilt zumindest für die erste Generation. Sie debütierte 1996, wurde über die Jahre behutsam aufgefrischt und ist derzeit Fords Dienstältester im Programm. Noch, denn der Nachfolger steht bereits in den Startlöchern. Und der hat bis auf den gleichen Namen und die ultrakurzen Abmessungen nichts mehr mit dem Alten gemeinsam.

Verschwunden ist der viele Plastik-Zierrat des Vorgängers, verschwunden ist auch die bauchige Außenhaut. Keilförmig-schnittig steht der Neue jetzt da. Er wirkt für einen Kleinwagen ziemlich frech. Und sein verschmitztes Lächeln rund um den trapezförmigen Kühlergrill lässt den Vorgänger ganz schnell vergessen. Selbst die Ka-Schriftzüge am Heck und im Innenraum haben eine modernere Typographie.
Man mag es kaum glauben: Obwohl man es auf den ersten Blick nicht sieht, bestehen Gemeinsamkeiten mit dem Fiat 500. Mehr noch: Mit rund 80 Prozent an Gleichteilen sind beide sozusagen eineiige Zwillinge.

Vieles kommt von Fiat

So nutzen sie die gleiche Plattform, die ursprünglich vom Fiat Panda stammt. Die Italiener liefern mit dem 1,2-Liter-Benziner mit 69 PS sowie mit dem 75 PS starken Turbodiesel auch die Motoren. Ford belässt es vorerst bei den zwei Antrieben. Zudem laufen Ford Ka und Fiat 500 im polnischen Fiat-Werk vom gleichen Band. Wir baten die italienische Knutsch-
kugel zum ersten Fahrvergleich mit dem brandneuen Ka.

Retro-Klassik trifft auf Moderne. Das wird schon beim Einstieg klar. Auf der einen Seite das trendige Interieur des Ka, auf der anderen Seite das Erbgut des alten Cinquecento, äußerst stilsicher in die Neuzeit übertragen. Überhaupt beweist der Innenraum des Fiat, dass sich die Italiener viel Zeit bei der Gestaltung genommen haben. Mit teilweise in Wagenfarbe lackiertem Armaturenbrett und den
massiven sowie verchromten Türöffnern zeigt der 500er viel Lie-
be zum Detail. Auch wenn der überfrachtete Tachometer mit integriertem Drehzahlmesser, Wasser- und Benzinuhr bis hin zum Bordcomputer mit seiner gebündelten Komplexität sehr viel Konzentration vom Fahrer verlangt.

Der Ka ist up to date
Ganz anders der Ka. Up to date und futuristisch präsentiert sich sein Cockpit mit klar gezeichneten Instrumenten, die auf Anhieb leicht ablesbar sind. Netter Gag: Vier sternförmige Lüftungsdüsen verleihen dem Ka eine ganz besondere Note. Die weit in den Innenraum ragende Mittelkonsole mit ihren Klima- und Heizungsschaltern wurde teilweise eins zu eins vom Fiat übernommen. Selbst der griffgünstig zur Hand liegende Schalthebel hat die gleiche Position wie im 500er. Schade nur, dass der Ka nicht die gleich hohe Materialanmutung wie der Fiat vorweisen kann. Dafür sind seine Sitze angenehm straff gepolstert.

Beim Platzangebot gibt es nur geringe Unterschiede. Beide Kleinwagen bieten ausreichend Platz. Weil jedoch das Dach beim Ka etwas höher verläuft, spendiert er seinen Gästen – sowohl vorn wie hinten – etwas mehr Luft über dem Scheitel. Und da das kompakte Handschuhfach tief unten angebracht wurde, kann sich der Beifahrer auch über etwas mehr Kniefreiheit freuen als im Fiat.

Auch nimmt der Ford mit 224 Liter Ladevolumen gut und gern zwei Einkaufstaschen mehr mit als der 500er, der nur 185 Liter schluckt.
Nicht mehr zeitgemäß ist jedoch der fehlende Grifföffner an der Heckklappe des Ka. Der fiel dem Rotstift zum Opfer. So muss zum Öffnen umständehalber immer der Schlüssel oder die optionale Fernbedienung bemüht werden.

Optimiertes Fahrwerk
Um den Ka zu dem zu machen, was einen Ford auszeichnet, wurden Fahrwerk und Lenkung komplett überarbeitet. Der Feinschliff – unter anderem mit einem Querstabilisator an der Verbundlenkerhinterachse und Modifikationen an der Lenkungsgeometrie sowie stärkeren Stabilisatoren an der Vorderachse – hat sich gelohnt. Insgesamt wurde die Rollsteifigkeit um beeindruckende 70 Prozent erhöht.

Über kurvige Landstraßen wedeln, Gas geben, kuppeln und schalten – der kleine Knirps lenkt zackig sowie gefühlvoll ein und macht einfach Laune. Das Schöne dabei: Er ist nicht so kompromisslos straff wie der Fiat, sondern rollt dabei noch komfortabel über Querfugen und sonstige Unebenheiten ab.

Eindeutig steifbeiniger benimmt sich der Cinquecento, der aber fast genauso flink wie der Ka durch die Wechselkurven wieselt und ebenfalls viel Spaß macht. Seine Lenkung gibt allerdings etwas weniger Fahrbahnkontakt und könnte auch mehr Rückstellmoment bieten. Und obwohl beide von einem baugleichen 1,2-Liter-Benziner mit 69 PS angetrieben werden, reagiert der Ka auf Gasbefehle einen Tick spritziger. Insgesamt sind die Fahrleistungen, die der Motor zur Verfügung stellt, in der Stadt und für die Kurzstrecke aber bei beiden vollkommen ausreichend.

Lockt beim Preis: der Ka

Unterschiede ergeben sich auch bei der Preisgestaltung. Der Ka verführt mit günstigen 9750 Euro für das Basismodell Trend. Fiat nimmt für die Grundversion Pop zwar gleich 10900 Euro, dafür ist die Ausstattung mit unter anderem CD-Radio, elektrischen Helfern für Fenster und Außenspiegel nebst einer Zentalverriegelung mit Fernbedienung wesentlich umfangreicher.

Gleiches gilt für das Thema Sicherheit. Beim 500er sind Kopfairbags ebenso Serie (Ka: 260 Euro) wie ein Fahrer-Knieairbag. Den hat Ford erst gar nicht mit ins Programm aufgenommen. ESP kostet – hier wie dort – Aufpreis: Fiat verlangt 350 Euro, beim Ka sind es 360 Euro.
Guido Borck

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Fiat 500 1.2 8V

PS/KW 69/51

0-100 km/h in 12.90s

Vorderrad, 5 Gang manuell

Spitze 160 km/h

Preis 10.900,00 €

Ford Ka 1.2

PS/KW 69/51

0-100 km/h in 13.10s

Vorderrad, 5 Gang manuell

Spitze 159 km/h

Preis 9.750,00 €