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Ford Focus ST Facelift als Kombi und Limousine mit Benziner und Diesel gefahren

So fährt die Sportfamilie

Der Ford Focus ST Facelift 2015 stellt sich für den Kampf unter den sportlichen Kompakten neu auf. Es gibt ihn als Limousine und Kombi mit 250 PS starkem Turbo-Benziner und erstmals auch mit einem Power-Diesel - wir sind sie alle gefahren...

Ford Focus ST Facelift
Technische Daten

Motor4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel
Hubraum1.997 cm³
Leistung136 kW / 185 PS bei 3.500/min
Max. Drehmoment4.000 Nm bei 2.000/min
Getriebe6-Gang, manuell
AntriebVorderrad
L / B / H4.563 / 1.823 / 1.486 mm
Radstand2.648 mm
Leergewicht1.413 kg
Kofferraumvolumen476 - 1.516 l
Tankinhalt60 l
Fahrleistungen0-100 km/h in 8,0 s
Höchstgeschwindigkeit217 km/h
EU-Verbrauch4,0 l/100 km
CO2-Ausstoß110 g/km
Grundpreis30 €

Was will der Ford Focus ST Facelift sein?
Der Focus ST will ein Sportler für den Alltag sein. Schnell, gut ausbalanciert und präzise im Handling, gleichzeitig komfortabel, mit viel Platz sowie effizient.

Das gilt nicht nur für den ST mit bekanntem Zweiliter-Turbo-Motor und 250 PS, sondern auch für die neue, 185 PS starke Variante mit Selbstzünder. Einen Diesel gab es von Ford Performance, die für die Entwicklung aller ST- und RS-Modelle verantwortlich sind, bis jetzt noch nicht. Höchste Zeit also, dachten sich die Ingenieure, denn der VW-Konzern macht es mit den RS-, Cupra- und GTD-Modellen seit Jahren vor.

Ford Focus ST 2015: Diesel und Benziner im Fahrbericht

Was ist der Ford Focus ST Facelift wirklich?

Ja, der ST ist alltagstauglich und sportlich zugleich – egal ob als Limousine mit 5-Türen oder als Kombi. Mit der 18-Zoll-Standard-Bereifung (Goodyear Eagle F1 Asymmetric 2, 235/40 R18 Y) ist man recht komfortabel unterwegs, obwohl die Hinterachs-Abstimmung für das Facelift leicht nachgestrafft wurde. Spürbar bockiger reagieren die Feder-Dämpfer-Elemente mit 19-Zoll-Rädern rundum (Preis steht noch nicht fest, wird aber im Fahrbericht in der nächsten Ausgabe der AUTO ZEITUNG veröffentlicht). Rückenschmerzen bekommt man im ST aber nicht.

Und Platz hat er auch - als Kombi sogar richtig viel. Weit über 500 Kilogramm kann man zuladen, der Kofferraum bietet 363-1262 Liter (Limousine) bzw. 476-1516 Liter Stauvolumen. So kann man mit der ganzen Familie verreisen und am Wochenende trotzdem Spaß beim Asphalt-Carven in den Bergen haben.

Die Stühle passen wir angegossen, der Seitenhalt ist klasse. Allerdings sollte man dafür die richtige Figur mitbringen, denn sonst engen die serienmäßigen Sportsitze etwas ein. Um die Sportbesessenen unter den Familienvätern vollends zu überzeugen, wäre eine um wenige Zentimeter tiefere Sitzposition ein gutes Argument.

Der Diesel im ST ist neu, basiert auf dem 2.0 TDCi mit 150 PS und leistet nun 35 Pferdestärken mehr. Beim Start knurrt er kurz, fällt dann aber in einen ruhigen Lauf und bleibt unter 2500 Touren akustisch zurückhaltend. Erst darüber klingt er wieder kerniger, erinnert fast ein bisschen an sein Benziner-Pendant. Sein Lauf ist recht kultiviert und er kann drehen, bei Bedarf bis 4500 Umdrehungen ohne spürbaren Leistungseinbruch. Doch wenn man ihn immer zwischen 1500 und 2500/min hält, kann man bequem dahingleiten und bei Bedarf schnell mal den Drehmoment-Hammer schwingen. 400 Nm sind die Maximalausbeute zwischen 2000 und 2750 Touren. Egal ob Limousine oder Turnier (Kombi): Der ST rennt als Diesel maximal 217 km/h schnell und sprintet in 8,1 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h.

Bereits seit 2012 bekannt ist der 250 PS starke Benziner mit Turbo – im Facelift-Modell allerdings jetzt mit Euro 6-Abgasnorm und weniger Durst. Bloß 6,8 Liter soll der 2,0-Liter-Vierzylinder auf 100 Kilomter schlucken – bei unserer ersten Ausfahrt durch die Stadt, über Land sowie die Autobahn zeigte der Bordcomputer 9,7 Liter an. Das Aggregat läuft kultiviert dreht aus beinahe jeder Drehzahllage willig hoch, der Sound ist allerdings etwas künstlich – versucht hier jemand den geliebten Fünfzylinder aus alten Tagen zu imitieren? Noch schnell ein paar Fakten für den Stammtisch: 0-100 in 6,5 Sekunden (Kombi: 6,7 s), 248 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Eine mechanisches Sperrdifferenzial fehlt dem ST und das merkt man auch. Bei hohem Leistungseinsatz hat er Mühe, seine Kraft auf den Boden zu bringen – egal ob mit Benziner oder Diesel. Besonders beim Beschleunigen mit eingeschlagenen  Rädern – wie etwa aus Kurven heraus – haben die Vorderräder oft Schlupf und die Krafteinflüsse in der Lenkung sind teilweise zu stark für unseren Geschmack.

Das Lenkrad ist griffig und sehr gut für den Sport- oder Gemütlichfahrer justierbar. Die Lenkung arbeitet präzise, allerdings leidet das Gefühl unter ihrem hohen Rückstellmoment. Etwas weniger Kraftaufwand bei flotter Kurvenfahrt wünschen wir uns. Dass dadurch die Sportlichkeit der Lenkung nicht leiden muss, zeigen andere Hersteller.

Die Schaltung ist klasse. Kurze Wege, sauber geführte Wege durch eng beieinander liegende Gassen. Hier flutscht alles und Gangwechsel geraten zur Nebensache.

Für manche ist die Bremse vielleicht etwas bissig, doch nach den ersten paar Kilometern hat man sich schnell an die prompte Reaktion des Pedals gewöhnt. Dann macht es großen Spaß, den ST bis in Kurven hinein zu verzögern – am besten mit dem linken Fuß, um den Motor mit dem Rechten schon wieder klar für die nächsten Gerade zu machen.

Die Balance ist Ford Performance gelungen, denn der ST bleibt auch dann noch ruhig, wenn man an seine physischen Grenzen geht. Vor allem, wenn man das dreistufige ESP komplett deaktiviert, spürt man das sich bei Lastwechseln in schnellen Kurvenkombinationen immer ganz sanft eindrehende Heck – das gilt für den Kombi ebenso wie für die Limousine. So kaschiert der Focus ST gekonnt seine typische Fronttriebler-Untersteuer-Tendenz und sammelt sogar noch Punkte bei sportlich versierten Fahrern. Wer denkt, das mache den ST unsicher, der irrt. Denn in der Kombination mit dem sportlich-straffen Fahrwerk und den richtig gut haftenden Goodyear-Reifen kann man ganz schön angasen, ohne sich permanent am Limit zu bewegen.

Wer sind die wichtigsten Wettbewerber?
Ford schielt mit dem Focus ST ganz klar auf Seat Leon Cupra, Renault Mégane RS, Golf GTI oder Skoda Octavia RS. Und mit dem Diesel mehr denn je, denn Seat, Skoda und VW haben auch Kompakte mit starken Selbstzündern im Angebot – die Spanier und die Tschechen sogar auch als Kombi-Varianten.

Wer soll den Ford Focus ST Facelift kaufen und was kostet er?
Der Ford Focus ST richtet sich an Personen, die ihr sportliches Fahrzeug auch im Alltag bewegen wollen – ohne größere Kompromisse. Arbeitsweg, Einkauf, Reise, Rennstrecke: All das soll der Focus ST unter einen Hut bringen und dafür verlangt Ford folgende Preise: Der 250 PS-Benziner kostet als Limousine ab 28.850 Euro; Turnier (Kombi): 29.800 Euro 184 PS-Diesel: Limousine: 29.650 Euro; Turnier (Kombi): 30.600 Euro Damit bewegt sich Ford mit dem ST etwa auf dem Preisniveau der Wettbewerber.

Wann ist der Ford Focus ST Facelift zu kaufen?
Es gibt keinen genauen Marktstart. Der neue Focus ST ist in jeder Karosserie- und Motorvariante ab sofort bestellbar, die Produktion in Saarlouis hat bereits begonnen.

Den ausführlichen Fahrbericht lesen Sie im nächsten Heft der AUTO ZEITUNG

Am Rande der Veranstaltung wurden Details zur kommenden sportlichen Speerspitze Ford Focus RS bekannt, der erstmals mit Allradantrieb an den Start geht. Die Details erfahren Sie beim Klick auf diesen Link.

Paul Englert