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Audi A6 Antriebskonzepte: Hybrid, Diesel und Benziner im Vergleich

Audi A6 hybrid | Audi A6 3.0 TDI Diesel | Audi A6 2.8 FSI Benziner

Der Audi A6 Hybrid soll so leistungsstark sein wie ein Sechszylinder-Benziner, gleichzeitig aber sparen wie ein Diesel. Vergleich der drei Konzepte

Die Idee ist so simpel wie genial. Man nehme einen downgesizten Benziner, der – unterstützt von einem Elektromotor – wie ein größerer Benziner sprintet und gleichzeitig mit dem Sprit knausert, wie es nur ein Diesel kann. Klingt toll – zumindest theoretisch. Doch kann das Konzept des Hybrids auch in der Praxis bestehen? Wir lassen drei Audi A6 – Hybrid, Diesel und Benziner – gegeneinander antreten.

Der 53.300 Euro teure Hybrid bringt es auf eine Systemleistung von 245 PS, bei Diesel (45.850 Euro) und Benziner (42.550 Euro) kommt jeweils ein 204-PS-Sechszylinder zum Einsatz. Die Prestige-Wertung geht somit schon einmal an die Modelle mit dem TDI- beziehungsweise FSI-Kürzel am Heck. Denn während sie den Ohren mit wohlklingendem Sechszylinder-Timbre schmeicheln, ist im Hybrid nur ein Vierzylinder-Benziner zu hören.

Das stört zwar nicht weiter, beim Ausdrehen klingt der Zweiliter-TFSI-Motor aber recht angestrengt und versprüht wenig Oberklasse-Flair. Kann er seinen Leistungsvorteil von 41 PS in bessere Fahrleistungen ummünzen? Jein. Bis Tempo 100 hat er dank der für einige Sekunden mit bis zu 210 Nm boostenden E-Maschine, die anstelle eines Wandlers im Gehäuse der Achtgang-Automatik Platz findet, die Nase mit 7,5 Sekunden knapp vorn.

Danach zieht ihm aber der Diesel allmählich davon (0-160 km/h: 18,5 zu 19,3 s). Der freisaugende Benziner wirkt nicht nur etwas blutleer, auch die gemessenen Fahrleistungen weisen ihn beim Beschleunigen als das langsamste Fahrzeug aus. Einigkeit herrscht wiederum in puncto Höchstgeschwindigkeit, erst bei 240 km/h behalten die Fahrwiderstände die Oberhand.

THEORETISCH SPARSAM
Wichtiger als die reinen Fahrleistungen sind aber die versprochenen Verbrauchswerte, die sich dank des raffinierten Zusammenspiels der zwei Motoren im A6 Hybrid erzielen lassen sollen. Gespart wird dabei folgendermaßen: Der Benziner wird bei niedrigen Touren stärker belastet, als es zum Antrieb nötig wäre. Dadurch wird der Lastpunkt angehoben, da der Wirkungsgrad steigt.

Mit dem überschüssigen Drehmoment lädt die zum Generator umfunktionierte E-Maschine nun den Akku. Abgesehen davon wird die 1,3 kWh fassende Batterie natürlich auch beim Dahinrollen oder Verzögern geladen. Nebenbei bemerkt: Die Dosierbarkeit des kombinierten Bremssystems (E-Motor und Hydraulikbremse) ist recht gut gelungen, auch wenn sich der Diesel und der Benziner mit ihren konventionellen Bremssystemen noch eine ganze Spur präziser verzögern lassen.

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An der Tankstelle schlägt jedoch die Stunde der Wahrheit. Auf der AUTO ZEITUNG-Normrunde fällt das Ergebnis für den A6 Hybrid enttäuschend aus. Mit 9,1 Litern im Schnitt liegt er nicht nur um knapp drei Liter über der Herstellerangabe, er unterbietet damit auch den A6 2.8 FSI um gerade einmal 0,6 Liter. Wie es besser geht, zeigt der 3.0 TDI – 7,0 Liter Diesel pro 100 Kilometer sind für eine ausgewachsene Oberklasse-Limousine ein hervorragender Wert.

Auf der anschließenden Minimal-Verbrauchsfahrt kann sich der Hybrid besser in Szene setzen. Während der gemächlichen Überlandfahrt mit 90 km/h sorgt der fremderregte E-Motor – sofern die Akkus ausreichend geladen sind – des Öfteren für den alleinigen Antrieb. Am Ende stehen 6,1 l/100 km auf der Uhr – damit unterbietet er den Normverbrauch um 0,1 Liter.

Laut Audi fährt der A6 Hybrid im Elektrobetrieb maximal 100 km/h schnell, bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h sollen bis zu drei Kilometer möglich sein. Gemächliches Dahingleiten schafft er tatsächlich oftmals nur mit der Kraft der E-Maschine, beim Anfahren springt ihm allerdings nach kurzer Zeit der Benziner zur Seite und übernimmt den Vortrieb.

Das Starten des Motors erfolgt unauffällig und fix, das Zuschalten des Benziners mithilfe der Lamellenkupplung, die den TFSI- und den E-Motor jeweils vom Anrieb trennt beziehungsweise verbindet, geht jedoch bei niedrigem Tempo mit einem spür- und hörbaren Ruck einher. Der V6-Benziner begnügt sich mit 7,2 l/100 km und unterbietet damit knapp den angegebenen EU-Normverbrauch.

Das gelingt dem Dreiliter-TDI nicht – mit 5,2 Litern kann er sich dennoch abermals an die Spitze setzen. Interessantes Detail: FSI und TDI setzen einheitlich auf ein stufenloses Automatik-Getriebe, das gleich lang übersetzt ist. Bei 200 km/h drehen beide Motoren etwa 3200 Touren. Doch während der Diesel unter wechselnden Lastenanforderungen aufgrund seines hohen und besonders früh anliegenden maximalen Drehmoments (400 Nm bei 1250 /min) mit niedrigen Touren flott unterwegs ist, zwingt das CVT-Getriebe den durchzugsschwächeren Benziner (280 Nm bei 3000 /min) selbst bei mäßiger Beschleunigung zu unangenehm hohen Drehzahlen.

Zudem dauert es zu lange, bis die Automatik die Übersetzung ändert und der A6 in Schwung kommt. Als dritte Runde steht der Maximalverbrauch an. Hier müssen die A6 zeigen, ob sie auch beim schnellen Ritt über die Autobahn die Contenance behalten. Um es vorwegzunehmen: In dieser Teildisziplin führt ebenfalls kein Weg am Diesel vorbei. 14,4 Liter fließen durch die sechs Piezo-Ventile, und auch der direkteinspritzende Benziner kommt mit 17,4 Litern im Schnitt mit einem blauen Auge davon.

Für den Hybrid wird die Fahrt jedoch zum Debakel: 20,6 Liter passen nach 100 gefahrenen Kilometern in den 73-Liter-Tank, der erstaunlicherweise acht Liter größer ist als bei TDI und FSI. Bei lang anhaltender Volllast muss der Turbobenziner nicht nur stark anfetten, sondern auch allein für Vortrieb sorgen. Das hohe Fahrzeuggewicht von 1.843 kg tut sein Übriges dazu. Es sorgt auch dafür, dass der Hybrid die stärkste Untersteuertendenz zeigt.

Bei provozierten Lastwechselns drängt sein Heck aufgrund der zusätzlichen Kilogramm im Heck vehementer nach außen – die langsamste Slalomzeit ist die Folge. Den agilsten Eindruck hinterlässt der Benziner, der noch etwas spontaner einlenkt als der Diesel. Selbst in puncto Federungskomfort kann der Hybrid keinen Vorteil verbuchen – TDI und FSI schlucken Unebenheiten mit ihren optionalen Luftfederungssystemen (für Hybrid nicht lieferbar) noch gekonnter.

VERBRAUCH

Auf drei Verbrauchsrunden müssen die Audi A6 ihre Sparkünste beweisen. Neben der AZ-Normrunde ermitteln wir auf einer Sparfahrt mit 90 km/h, wie weit sich der Verbrauch drücken lässt. Auf der Maximal-Runde steht eine Volllastfahrt auf dem Programm.

AUTO
ZEITUNGNORMRUNDE
Audi A6
hybrid
Audi A6
3.0 TDI
Audi A6
2.8 FSI
AUTO
ZEITUNGNORMRUNDE
9,1 l S/
100 km
7,0 l D/
100 km
9,7 l S/
100 km
MINIMAL-
VERBRAUCH
6,1 l S/
100 km
5,2 l D/
100 km
7,2 l S/
100 km
MAXIMAL-
VERBRAUCH
20,6 l S/
100 km
14,4 l D/
100 km
17,4 l S/
100 km
EU-VERBRAUCH
CO2-AUSSTOSS
6,2 l S/
100 km
145 g/km
5,1 l D/
100 km
133 g/km
7,4 l S/
100 km
172 g/km

Fazit

Selten lagen Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinander wie im Fall des Audi A6 Hybrid. Von den versprochenen Verbrauchswerten bleibt der Ingolstädter unter realistischen Bedingungen weit entfernt. Auf der Autobahn, dem bevorzugten Revier für Oberklasse-Limousinen, geht der Verbrauch durch die Decke. Der hohe Aufpreis für die Hybridtechnik, das zusätzliche Gewicht und der kleinere Kofferraum führen das Konzept ad absurdum. Wie es besser geht, zeigt der Diesel. Spritzig, schnell und sparsam führt an ihm kein Weg vorbei, während der Benziner unter seinem schwächlichen Motor leidet.

Alexander Lidl

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Audi A6 hybrid

Audi A6 hybrid

PS/KW 211/155

0-100 km/h in 7.50s

Vorderrad, 8-Stufen-Automatik

Spitze 240 km/h

Preis 53.300,00 €

Audi A6 3.0 TDI

Audi A6 3.0 TDI

PS/KW 204/150

0-100 km/h in 7.60s

Vorderrad, Stufenlose Automatik

Spitze 240 km/h

Preis 45.850,00 €

Audi A6 2.8 FSI

Audi A6 2.8 FSI

PS/KW 204/150

0-100 km/h in 8.90s

Vorderrad, Stufenlose Automatik

Spitze 240 km/h

Preis 42.550,00 €