Möchten Sie auf die mobile Seite wechseln?

JA NEIN

Irmscher Camaro i42: Muscle-Car im Test

Irmscher Camaro i42

Wo der 509 PS starke Imrscher Camaro i42 auftaucht, ist die Show für andere Boliden gelaufen. Das Muscle-Car beherrscht perfekt den großen Auftritt

Eckdaten
PS-kW508 PS (374 kW)
AntriebHinterrad, elektr. Differential, 6 Gang manuell
0-100 km/h38.80 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit275 km/h
Preis49.000,00 €

Unbeobachtet zu bleiben, ist völlig unmöglich. Der Irmscher Camaro i42 zieht die Blicke wie ein Magnet auf sich. Gut, nicht alle sind freundlich, die meisten aber schon. Die Palette reicht von vor Verzückung schon wässriger Augen bis hin zu verständnislosem Kopfschütteln. Letztere zu bekehren, ist unmöglich, der mattweiße Camaro polarisiert die Meinungen einfach zu stark. Die Begeisterten wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen, ist aber fast ebenso aussichtslos.

„KLEINES“ PONY-CAR MIT 509 KOMPRESSOR-PS
Er gilt als legitimer Nachfolger jener 1966 von Chevrolet eingeführten Baureihe, die seinerzeit zu den „Pony-Cars“ zählte – also kleinen US-Sportcoupés mit V6- oder V8- Motoren unter Haube. Den neuen Camaro, speziell diesen von Irmscher, mit rund 4,90 Meter Länge und einem Leergewicht von 1846 Kilo als „klein“ zu bezeichnen, fällt aber nicht nur nach europäischen Maßstäben schwer.

Das Coupé mit dem großen Auftritt basiert auf der SS-Version von Chevrolet. Unter der Haube tobt sich ein astreiner 6,2-Liter-Corvette-V8 mit 422 PS aus – normalerweise. Irmscher packt mit Hilfe von Partner Velocity Performance Parts einen Kompressor in das offene V des Motors und erreicht so eine Spitzenleistung von 509 PS. 780 Nm Drehmoment knechten Kardan- und Antriebswellen bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Als Konsequenz daraus stammen auch diese verstärkten Bauteile aus den USA. Ein höheneinstellbares Gewindefahrwerk und eine Sportbremsanlage mit großen Sechskolben-Sätteln vorn sollen dem  Irmscher Camaro i42 fahrdynamische Tugenden nach europäischem Geschmack anerziehen.

So weit, so gut. Die ausgestellten Kotflügel ergeben zusammen mit der schwarz-weißen Farbgebung in Matt ein außerordentlich auffälliges Auto. Den letzten optischen Schliff erhält der Hingucker durch die 22-Zoll-Giovanna-Räder, bereift mit Vredestein-Gummiwalzen vom Typ Sessanta – an der Hinterachse interessanterweise in einer SUV-Ausführung. Serienmäßig trägt der Camaro SS 20 Zoll große Räder.

Den US-Leckerbissen bestmöglich zu beschleunigen, verlangt Feingefühl. Ein bisschen zu zaghaft am Gas, und der Irmscher startet ebenso gelangweilt. Ein wenig zu viel löst dagegen eine Kettenreaktion aus, die mit weißem Gummirauch an der Hinterachse beginnt und im schlimmsten Fall mit verdrehten Antriebswellen endet. 5,7 Sekunden vergehen aus dem Stand bis Tempo 100, eine Sekunde über den Werksangaben. Für ein 1,8 Tonnen-Auto aber beachtlich. Beim Bremsen drückt das Gewicht ebenso – und zwar nach vorn. Werte von 38,9 (kalt) und 38,8 Metern (warm) für die Vollbremsung aus 100 km/h sind eher mäßig, zeigen aber eine hohe Konstanz. Die geänderte Bremsanlage macht sich hier bezahlt.

Mehr Auto-News: Der kostenlose Newsletter der AUTO ZEITUNG

Im Cockpit bleibt bis auf den rotschwarzen Lederbezug und rote Applikationen alles serienmäßig im nicht überall liebevoll ausgeführten Retro-Look. Die Sitzposition hinter dem großen Lenkrad passt nicht optimal, das niedrige Dach schränkt die Kopffreiheit ein. Das Gefühl, in diesem Camaro zu sitzen, den brabbelnden V8 zu starten und den ersten Gang einzulegen, ist jedoch phänomenal. Selbst an das Rucken im Antriebsstrang bei jedem Gangwechsel gewöhnt sich der Fahrer. Man merkt schnell, wie sich der Antrieb unter dem Einfluss der Motorkraft windet.

GENIESSEN STATT RASEN
Der unvermeidliche Ausflug auf kurvige Landstraßen wirkt sich jedoch schnell ernüchternd aus. Die riesigen Räder folgen unbeirrbar jeder Spurrille, unter Last bewegt sich das Camaro-Heck fast uneinschätzbar für den Fahrer, der nach wenigen Kilometern freiwillig in eine verhaltene Gangart verfällt. Dann lässt sich auch der tiefe V8-Sound bestens genießen. Bei kurzen Gasstößen vernimmt man zudem das Zirpen des anlaufenden Kompressors – einfach klasse. Fazit: Lasst die 22-Zöller weg, nehmt die Serienräder mit passenden Gummis. Das Fahrwerk überzeugt, die Bremse auch. Für den gestressten Antriebsstrang gibt es wohl nur aufwändige Rezepte aus den USA. Der große Auftritt des Irmscher Camaro i42 ist allerdings nahezu unschlagbar. Da können ganz andere Kaliber nur staunend hinterher blicken.
Holger Eckhardt

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Irmscher Camaro i42

PS/KW 508/374

0-100 km/h in 38.80s

Hinterrad, elektr. Differential, 6 Gang manuell

Spitze 275 km/h

Preis 49.000,00 €