Test-Highlights der AUTO ZEITUNG Das Beste vom Test

14.02.2012

3500 Tests, Härteprüfungen vom Nordkap bis Marokko und Gewalttouren bis nach Japan – ein spannender Rückblick auf außergewöhnliche Testerfahrungen

Vom Start weg respektlos, objektiv, unabhängig
"Straßenschneck“, „Meister Proper“, „Bürgermeister“ oder „Zentralheizung“ – Testkandidaten wie der Citroën 2 CV, der Audi 100, der Peugeot 504 oder der Mittelmotor-VW Porsche 914-6 wurden von den Redakteuren so charakterisiert, wie die 1969 als Deutsche Auto Zeitung (kurz DAZ) gegründete AUTO ZEITUNG vom Start weg war: frech, respektlos, objektiv und unabhängig.

TESTS ALS MARKENZEICHEN
Fundierte, aktuelle Tests, aufwändige Fahrversuche und gnadenlose Härteprüfungen wurden zum Markenzeichen der AUTO ZEITUNG und sind es heute mehr denn je. 1969 kam aus Italien parallel zum Vergleich des VW Käfer 1500 mit dem Herausforderer Fiat 128 die Kampfansage: „Der Käfer soll sterben.“ Der Vergleichstest ging damals positiv für den konzeptionell gelungenen Fiat aus. Doch der Fortgang der Geschichte ist schon Historie: Der Käfer lebte viele Jahre weiter und bekam mit dem Golf ab 1974 einen erfolgreichen Nachfolger. Die Fiat 128-Baureihe wurde vom Rost hinweggerafft. Wie sich die Fahrdynamik in vier Jahrzehnten gewandelt hat, zeigt der Test des Porsche 911 T. Jürgen Stockmar schrieb Ende 1969 über den 911 (125 PS, 204 km/h, null bis 100 km/h in 9,0 s): „Ein Renner für Kenner und Könner.“  Diese Fahrleistungen schafft heute schon ein Fiat 500C Abarth.

Besondere Ereignisse machen so manchen Test unvergesslich. Einer davon ist der Vergleich der Mittelmotor-Sportwagen Lotus Europa, Matra 530 LX und VW Porsche 914-4. Das damals als Messgerät verwendete Peiseler-Rad, das in der Regel an der Stoßstange befestigt wurde, flog beim Bremsen des extrem ausfedernden Matra einfach ab. Dem Lotus wiederum wurde es bei Testfahrten auf dem Nürburgring zu heiß: Wasser aus einem Bach im legendären Streckenteil „Brünnchen“ half dem Briten bis ins Ziel. Diagnose: Das Relais des Kühlerlüfters war defekt. Abhilfe: Mit stets üppig mitgeführtem Werkzeug klemmte das Testteam den Kühlerlüfter an den Schalter des Heizlüfters an, die Motorkühlung erfolgte manuell.

Auch schon passiert: Opel siegt gegen BMW
Ebenso unvergesslich: Während das Team samstags noch Fotos des Sportler-Trios schoss, kam die Meldung, dass Formel-1-Rennfahrer Jochen Rindt in Monza im Training tödlich verunglückt war – in einem Lotus. Zeichen setzte Opel 1970 mit den verwandten Modellen Manta und Ascona. Das erste Duell (Opel) Manta gegen (Ford) Capri war der Auftakt zahlreicher Vergleichstests dieser Erzrivalen. Überraschend war der Sieg des Ascona 19S über den BMW 1600-2: In Rüsselsheim brachen Festwochen an.

VW K 70, Chrysler 160, Ford Taunus, Fiat 125S, Opel Ascona – in der populären Mittelklasse häuften sich die Neuheiten. Ein Vergleichstest musste her. Mit sechs Autos und jeder Menge Gepäck zog das Testteam am Karnevalsdienstag 1971 Richtung Südfrankreich los. Doch gegen Mittag war an der Raststätte Mahlberg erst einmal Pause: Wasserpumpenschaden am Opel Ascona. Anruf in der Werkstatt: Ja, Wasserpumpe da, aber kein Monteur. „Wir feiern jetzt Fasenacht.“ Wasserpumpen geholt (gleich zwei, man weiß ja nie), an der Raststätte selbst montiert – nach zwei Stunden ging es weiter. Testfahrten auf dem Circuit Paul Ricard, Fotos im Hafen von Bandol, abends Bouillabaisse: Der Test bleibt auch in Erinnerung, weil wir ihn gleichzeitig für die damals noch existierende Illustrierte Quick produzierten. Den Vergleichstest gewann übrigens der neue VW K 70.

Seinen ersten Vergleichstest verliert der Golf
1974 sorgte dann der neue Golf für jede Menge Testarbeit. Der erste Vergleichstest hatte ein unvorgesehenes Ergebnis: Der Wolfsburger musste sich dem handlichen Alfasud ti geschlagen geben. 1975 dann die erste Härtetour in der Geschichte der AUTO ZEITUNG: VW Golf, Ford Escort und Opel Kadett wurden auf eine äußerst strapaziöse Tour ins bitterkalte Skandinavien und nach Marokko sowie in die Türkei geschickt. Für den Testfahrer, den Fotografen auf dem Beifahrersitz und den Golf hätte die 20.000-km- Tour im Südosten Europas beinahe böse geendet: Bei einem Überholversuch bog ein rechts fahrender Bau-Lkw unvermittelt nach links ab und beschädigte den Golf erheblich. Mit Bordmitteln wurde er wieder fahrtüchtig gemacht. Im Herbst 1976 dann ein weiterer Golf-Paukenschlag: Die Selbstzünder-Variante mit dem „verdieselten“ Ottomotor betrat das Spielfeld, eine neue Ära sollte beginnen.

Unsere Idee: „Wir prüfen den Golf Diesel im Rahmen eines Langstreckentests und fahren gleichzeitig Weltrekorde.“ Gedacht, getan: Im Januar 1977 begann auf der Kleber-Prüfstrecke im südfranzösischen Miramas unter Aufsicht der FIA die Hatz. 50.000 Kilometer in drei Wochen, 393 Stunden immer im Kreis herum, 14 Fahrer, 31 Weltrekorde – die Fahreindrücke sind bei den Beteiligten ebenso gegenwärtig wie die Hasen und Raubvögel an der Strecke. Der Rekord-Golf spulte anschließend noch 30.000 km durch Nordamerika ab. Die Härtetests vom Nordkap bis in die Wüste waren für viele AUTO ZEITUNG-Tester eine Erfahrung fürs Leben. 1985 absolvierten drei Redakteure mit dem Mercedes C 220 D, dem BMW 318tds und dem Audi A4 TDI die strapaziöse 9.000-km-Tour in die Sandwüsten Marokkos. Die Fahrzeuge spulten die Strecke mit Testverbräuchen zwischen 6,8 und 8,1 l/100 km erstaunlich problemlos ab.

Ein Mal Tokio - Köln und zurück – natürlich mit dem Auto
Die drei Redakteure erleben heute bei Opel und VW, was man dort unter „Härtetests“ versteht. Hieß es 1977 für das Team AUTO ZEITUNG noch Tokio – Frankfurt mit einem Mazda 323, so ging es 1990 in die andere Richtung: von Köln nach Tokio. Im Mai 1990 machte sich das erste Team mit einem VW Passat Variant Diesel (und zwei Allrad-Bullies) auf die 18.000 Kilometer lange Reise quer durch Russland nach Tokio. Von Erlebnissen im fernen Russland wie der Frage „Ist der Krieg schon aus?“ oder die Verladung auf die transsibirische Eisenbahn werden die neun Tester und Fotografen wohl noch ihren Enkeln erzählen. Eine Begegnung der besonderen Art hatte unsere Test-Crew im Hafen von Nachodka, wo sie auf die Verschiffung nach Japan wartete. Dort traf sie auf das Team eines Konkurrenzblattes, das mit Mazda die Tour von Tokio zurück nach Deutschland gerade erst in Angriff nahm.

Szenenwechsel. „Er nimmt Passanten den Atem. Das Weiß blendet in der Sonne, das Kühlermaul frisst die Straße.“ Es gibt Testobjekte, die lassen auch sachliche Autotester ins Schwärmen geraten. Der Vergleich zwischen dem atemberaubenden Porsche 911 GT1 und dem Ferrari F50 gipfelte in der Erkenntnis: „Pure Renntechnik mit Zulassung, Le Mans lässt grüßen.“ Welche weitreichenden Konsequenzen ein intensiver Fahrzeugtest nach sich ziehen kann, erlebte 1997 Mercedes mit dem Elchtest-Debakel der A-Klasse: Nur den Steuerkünsten unseres Testers war es zu verdanken, dass der Baby-Benz nicht kippte. Mercedes verschob daraufhin den Start der A-Klasse und rüstete alle Fahrzeuge serienmäßig mit ESP aus.

Test des neuen Vergleichstest-Schemas mit Porsche, Ferrari und Lamborghini
Im Herbst 2002 führte die AUTO ZEITUNG ein aussagekräftigeres Vergleichstest-Schema ein. Der erste Test nach diesen Vorgaben hatte es in sich: Auf italienischen Pisten traten die weltbesten Sportwagen an – der Lamborghini Murciélago gegen den Ferrari F 575 M Maranello und den Porsche 911 GT2. Der Vergleichstest-Sieger hieß GT2. Bei Porsche war man heilfroh, dass der 911 nach dem Test wohlbehalten in Stuttgart ankam. Zuvor hatten Journalisten bereits fünf GT2 schrottreif gefahren. Immer mehr Autohersteller und damit neue Modelle – die AUTO ZEITUNG reagierte mit mehr Seiten, mehr Tests und noch mehr Aktualität. Ein Beispiel dafür ist der Vergleichstest von 13 Mittelklasse-Limousinen. Die illustre Diesel-Konkurrenz von Audi über Jaguar und Saab bis VW wurde 2004 vom ausgewogenen Opel Vectra knapp bezwungen.

Wenn es sein muss, reist ein kompletter Vergleichstest nach Sardinien
Zweites Beispiel: Extrem schnell war die Testtruppe im Herbst 2007: Der neue Audi A4 wurde auf Sardinien präsentiert. Also machte sich das Team mit Mann und Maus, Messgeräten und fünf Konkurrenten des A4 auf an die Costa Smeralda. Ergebnis: Der neue Audi A4 gewann diesen ersten Vergleichstest. Hybrid- und Elektroautos: Die Zukunft hat auch für die Testmannschaft längst begonnen. In einem für Hybrid-Befürworter und -Gegner aufregenden Test prüfte die AUTO ZEITUNG im Frühjahr 2007 die Trinksitten des populärsten Hybrid-Modells, des Toyota Prius – und zwar im direkten Vergleich mit dem Porsche 911, der Sportwagen-Ikone schlechthin. Fazit: Der Prius gewann im Stop-and-go-Betrieb, wo er hubraum- und PS-starken Modellen haushoch überlegen ist. Bei zügigem Tempo auf der Autobahn schrumpften die Vorteile seines gemischten Benzin- Elektroantriebs – selbst gegenüber dem PS-gewaltigen Porsche – deutlich.

Willkommen im Alltag hieß es Ende 2009 für den Mitsubishi i-MiEV, er ist das erste Serien-Elektroauto, das man (in Japan) schon kaufen kann. Fazit des Praxistests: Die Reichweite ist relativ gering, die Stromkosten liegen bei 3,90 Euro pro 100 km, und abgasfrei ist das Elektro-Auto auch nicht – bei der Stromerzeugung in den Kraftwerken werden etwa 80 g CO2 pro 100 km freigesetzt. Als Kontrastprogramm noch ein Blick auf die „Champions-League“ 2004, den Vergleichstest zwischen BMW Alpina B5 S, Audi RS4 und BMW M5, alle drei über 500 PS stark und „technische Meisterstücke“. Dass hier der Alpina die Stars aus Ingolstadt und München in die Schranken wies, war eine echte Überraschung. Unterm Strich lässt sich also sagen: Über 40 Jahre erfolgreicher Testarbeit belegen, dass die AUTO ZEITUNG auf alle neuen Anforderungen stets die passende Antwort parat hat(te).
Werner Müller

AUTO ZEITUNG

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