Ganzjahresreifentest 205/55 R 16 H: Sechs Profile im Test Allwetter-Haft

30.09.2011

Jetzt ist es an der Zeit, auf Sommerreifen zu wechseln oder einen der sechs Ganzjahresreifen aus diesem Testfeld zu montieren. Aber welchen?

Ein Ganzjahresreifen soll bei klirrendem Frost ebenso gut und sicher funktionieren wie bei brütender Hitze oder nasskaltem Schmuddelwetter. Ob das wirklich der Fall ist, haben wir mit sechs brandaktuellen Allseason-Pneus untersucht, die sich einem wahren Testmarathon stellen mussten.

Dabei haben wir die Neukonstruktionen Barum Quartaris, Goodyear Vector 4Seasons und Vredestein Quatrac 3 gegen die frisch überarbeiteten Wettbewerber Kumho Solus Vier und Pirelli P2500 Euro sowie den 2008 eingeführten Hankook Optimo 4S antretenlassen. Begonnen hat der lange Leidensweg der Pneus mit Messfahrten und Testprozeduren im hochsommerlichen Texas bei gut 30 Grad Außentemperatur. Danach haben wir die Testkandidaten ins winterlich-feuchte Rom geschickt.

Mehr Reifentests: Sommerreifen & Winterrreifen im Test

Hier zeigte das Thermometer in der Regel rund zehn Grad plus. Von dort aus ging’s in den tiefverschneiten hohen Norden. Auf einem abgesperrten Testareal nahe des finnischen Inari-Sees haben wir die Profile auf ihre Schneegriffigkeit hin geprüft – bei zehn Grad minus. Abschließend zogen wir im März zu ergänzenden Fahrversuchen ins Contidrom nahe Hannover; wiederum bei etwa fünf bis zehn Grad plus. Nur so konnten wir die Reifen tatsächlich bei sommerlichen wie winterlichen Bedingungen in allen Details beurteilen. Alle Fakten und Messwerte zu diesem aufwendigen Testvergleich haben wir für Sie in einer Tabelle auf den Seiten 86 und 87 zusammengestellt.

Um die Ergebnisse in die richtige Relation setzen zu können, haben wir neben den sechs Prüflingen noch jeweils einen klassischen Sommer- und Winterreifen eines renommierten Herstellers mitlaufen lassen – allerdings außer Konkurrenz. Nach Auswertung aller Daten hat dieser Test erneut bewiesen, dass die maximale Sicherheit und Leistungsfähigkeit nur mit dem Wechsel von Sommer- und Winterspezialisten gewährleistet ist. Die Bremspower eines guten Sommerreifens auf griffiger Straße erreicht keiner der Allwetterrreifen. Dazu sind die meisten Gummis zu sehr auf Wintertauglichkeit getrimmt .

Während sich ein Sommerreifen über relativ große und formstabile Profilblöcke abstützt, weisen die Ganzjahresreifen kleinere, lamellierte Profilblöcke auf. Das bringt Grip auf Schnee, aber auf trockenem Asphalt kippen die Profilblöcke bei harscher Fahrweise oder während einer Vollbremsung stärker ab. Darunter leiden Spurstabilität und Lenkpräzision ebenso wie der Bremsweg. Ein konventioneller Winterreifen ist aber noch schlechter.

Andererseits ist ein Sommer-Pneu bei winterlichen Bedingungen fast unfahrbar. Er baut lediglich einen Bruchteil der Traktion auf und benötigt einen vielfach längeren Bremsweg. Während die Allseason-Profile bei einer Vollbremsung aus 50 km/h auf Schnee nach rund 28 Metern zum Stillstand kommen, stoppt der Sommerreifen erst nach 70 Metern. Dies entspricht einer Restgeschwindigkeit von fast 40 km/h. Hinzu kommt ein beinahe kriminelles Fahrverhalten des Sommer-Profils auf Schnee und Eis. Zitat aus dem Testprotokoll: „Bremse arbeitet rudimentär, Vortrieb marginal, Seitenführung annähernd null.“

Nur mit Schneeflockensymbol winterfest
Die Ganzjahres-Gummis wühlen sich hingegen recht wacker durch den Schnee. Allerdings haben wir bei der Auswahl der Testkandidaten auch darauf geachtet, nur solche Profile auszusuchen, die mit Vor jeder Messfahrt müssen die Reifen kontrolliert und montiert werden. Im Laufe des Tests wurden die Räder über 200mal gewechselt dem Schneeflocken-Symbol gekennzeichnet sind. Das M+S-Logo ist veraltet und sagt nichts über die wahren Wintereigenschaften aus.

Außerdem zeigen die Ganzjahresreifen bei niedrigen Temperaturen durchaus Talent auf feuchter und
trockener Straße. Auf Nässe etwa können Sommerreifen bei niedrigen Temperaturen keine Vorteile mehr verbuchen. Doch bei hohen Temperaturen müssen sich die Allseason-Pneus geschlagen geben. Hier offenbaren alle Kandidaten noch Entwicklungsbedarf, auch wenn sie eine deutlich bessere Figur abgeben als reinrassige Winterprofile.

So bleibt am Ende die Erkenntnis, dass die maximale Leistungsfähigkeit nach wie vor nur mit der Kombination aus Sommer- und Winterreifen gewährleistet ist. Für die Verwendung in winterlichen Gefilden sind Ganzjahresreifen aber durchaus geeignet. Zwar sind ihnen gute Winterreifen überlegen, aber es gibt auch genügend Produkte auf dem Markt, die weniger Grip bieten.

Besonders der Barum eignet sich gut für den Schneebetrieb, während der Pirelli eher als Sommerreifen taugt. Beide beweisen allerdings zu wenig Allround-Talent, weshalb sie schließlich am Ende des Testfeldes landen. Die übrigen vier Profile gefallen mit einer ausgewogeneren Balance aus Sommer- und Wintereigenschaften. Das stimmigste Bild hinterlässt der Goodyear. Wie schon die Vorgänger gilt auch der aktuelle Vector als Allseason-Referenz. Doch selbst der Goodyear kann bei hohen Außentemperaturen nicht mit guten Sommerreifen konkurrieren, was seine Eignung für alle Jahreszeiten relativiert.
Martin Urbanke

SO TESTEN WIR

1. AQUAPLANING: Sensoren ermitteln die Geschwindigkeit, bei der ein Reifen im Wasserbecken (sieben bis acht Millimeter tief) aufschwimmt. Dieser Test zeigt bei Geradeausfahrt, ab wann die angetriebenen Räder durchdrehen und macht bei Kurvenfahrt deutlich, ab wann die Seitenführung nicht mehr gewährleistet ist.

2 BREMSEN: Mit jedem Reifen wird mehrfach aus 100 km/h im Trockenen und aus 50 km/h auf Schnee bis zum Stillstand maximal verzögert. Dabei ermitteln wir jeweils den durchschnittlichen Bremsweg.

3 HANDLING: Diese gezeitete Fahrt – auf einer trockenen und auf einer bewässerten Rundstrecke sowie auf einer speziell präparierten Schneepiste – erlaubt Rückschlüsse auf die maximale Leistungsfähigkeit eines Reifens. Die Bewertung sagt jedoch noch nichts über die Beherrschbarkeit des jeweiligen Reifens aus. Hier geht es nur um die erzielte Zeit. Dies gilt auch beim Slalom und bei der Fahrt über den bewässerten Kreis.

4. FAHRSICHERHEIT: Während bei den Disziplinen Handling (nass, trocken, Schnee), Slalom und Kreisbahn absolute Werte entscheiden, zählen hierbei die in diesen Disziplinen gesammelten Eindrücke. Je gutmütiger und exakter sich das Auto mit dem jeweiligen Pneu manövrieren lässt, desto besser fällt die Bewertung aus.

5. SLALOM: Bei der gezielten Fahrt um Pylonen, die in einem Abstand von 18 Metern zueinander aufgebaut sind, ermitteln wir das durchschnittliche Tempo.

GRÖSSE: 205/55 R 16 H

Passend für

> Audi A3
> BMW 1er, 3er
> Ford Focus, Mondeo
> Mercedes b-, C-Kl.
> Opel Astra, Zafira
> VW Golf, Touran, Passat

Interview mit Reifenexperte Alexis Garcin:
» „Ganzjahresreifen sind immer ein Kompromiss“

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