Tesla Model S Autopilot: Unfall-Ermittlung eingestellt (Update) US-Ermittler kritisieren Teslas Autopilot

von AUTO ZEITUNG 14.09.2017

Die Untersuchungen zum Unfall eines Tesla Model S mit einem Lkw, bei dem der Fahrer ums Leben gekommen war, sind eingestellt. Trotzdem üben amerikanische Ermittler Kritik an Tesla: Sein Autopilot-Assistent habe zugelassen, dass der Fahrer sich für längere Zeit ablenkte, obwohl er die Kontrolle behalten sollte.

Zum tödlichen Crash eines autonom gesteuerten Tesla Model S im Mai 2016 haben nach Einschätzung amerikanischer Unfallermittler zu lasche Sicherheitsvorkehrungen der Software beigetragen. Teslas Autopilot hätte nicht zulassen dürfen, dass der Fahrer es nicht wie vom Hersteller vorgeschrieben nutzt, erklärte die Untersuchungsbehörde NTSB am Dienstag, 12. September 2017. Tesla verkündete, die Empfehlungen der Ermittler prüfen zu wollen. Man werde aktuelle und künftige Kunden auch weiterhin "extrem deutlich" darauf hinweisen, dass sie auch bei eingeschaltetem Fahrassistenten stets aufmerksam bleiben müssten. Bei dem Unfall war Anfang Mai 2016 ein 40-Jähriger ums Leben gekommen, als sein von Teslas Autopilot gesteuertes Auto unter einen Lastwagen-Anhänger raste, der die Straße querte. Der Lkw-Fahrer habe ihm die Vorfahrt genommen, befanden die NTSB-Ermittler. Zugleich habe sich der Tesla-Fahrer zu sehr auf den Fahrassistenten verlassen. Das Autopilot-System habe zwar wie vom Hersteller beschrieben funktioniert - sei aber für diese Situation nicht konzipiert gewesen. Zugleich habe das Tesla Model S zugelassen, dass der Fahrer nicht auf den Verkehr geachtet habe, obwohl Tesla grundsätzlich vorschreibt, dass beim Autopilot-Einsatz der Mensch stets den Überblick behalten müsse. 

Tesla-Unfall mit Autopilot im Video:

 
 

Tesla-Unfall mit Autopilot: Ermittlung eingestellt

Laut einem ersten NTSB-Bericht war der Fahrer von der Software des Tesla Model S mehrfach aufgefordert worden, die Hände aufs Steuer zu legen. Tesla verschärfte nach dem Unfall die Sicherheitsvorkehrungen und machte es unmöglich, die Hände für einen längeren Zeitraum vom Lenkrad zu nehmen. Der Konzern hatte stets betont, dass der Autopilot-Assistent einen Tesla nicht zum selbstfahrenden Auto mache. Fahrer hatten die Kontrolle jedoch immer wieder dem System überlassen, wie YouTube-Videos belegten. Die Familie des ums Leben gekommenen Tesla-Fahrers erklärte bereits vor der Veröffentlichung der NTSB-Schlussfolgerungen: "Wir haben wiederholt gehört, dass das Auto unseren Sohn getötet habe. Das ist einfach nicht der Fall." Aber sowohl Mensch als auch Technik hätten in einem kurzen Moment den Lastwagen nicht bemerkt. Ein Trost sei für die Familie, dass sein Tod dazu beitrage, die Technik für andere Fahrer sicherer zu machen. Die NTSB (National Transportation Safety Board) untersucht neben Flugzeugabstürzen relevante Unfälle im gesamten Transportwesen der USA und formuliert Empfehlungen auf dieser Basis. Dazu gehört in diesem Fall unter anderem die Entwicklung von Systemen, die besser die Aufmerksamkeit des Fahrers im Blick behalten. Außerdem sollten Daten zu Verkehrsereignissen in standardisierten Formaten gespeichert werden, hieß es.

 

KBA kritisiert Teslas Autopilot

In Deutschland war Tesla unter anderem vom Kraftfahrtbundesamt für die Bezeichnung "Autopilot" kritisiert worden, dass den Kunden ein falsches Gefühl der Sicherheit geben könnte. Zudem sieht ein Gutachten der Bundesanstalt für Straßenwesen im Autopiloten des Tesla S eine "erhebliche Verkehrsgefährdung" und fordert im gleichen Atemzug, dem Elektroauto seine Zulassung für den deutschen Straßenverkehr zu entziehen. Das für das Bundesverkehrsministerium angefertigte Gutachten setzt Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mit seiner dringlichen Forderung unter Zugzwang. 3000 Tesla-Limousinen des Model S wären in Deutschland derzeit davon betroffen. Dobrindt müsste demnach die Stilllegung des Fahrzeugtyps auf nationaler Ebene anordnen. Das Kernproblem des Tesla Model S sei der umstrittene Autopilot, der nach dem tödlichen Unfall in den USA auch in den Fokus des Bundesverkehrsministeriums gerückt war: So soll dieser laut Gutachten auf einer Autobahn-Testfahrt die gelben Hilfslinien ignoriert haben, die für gewöhnlich an Baustellen eine veränderte Streckenführung anzeigen. Stattdessen sei er weiterhin unbeirrt den darunter liegenden weißen Linien gefolgt. Fielen Markierungen auf Straßen gänzlich weg, folgte das Tesla Model S dem vorderen Auto, zog aber in Orientierung daran auch nach links und rechts und ignorierte dabei Autos, die unmittelbar neben ihm fuhren. Ohne Eingreifen der Prüfer wäre es hier zur Kollision gekommen. Des Weiteren deckten die Sensoren des Autopiloten, die die Nebenspur vor einem Überholvorgang prüfen, nur einen Bereich von 40 Meter nach hinten ab, was auf deutschen Autobahnen allerdings nicht ausreicht. Als ein Test-Tesla auf die linke Spur ziehen wollte, obwohl sich dort ein Auto näherte, habe der Prüfer der Bundesanstalt für Straßenwesen einiges an Kraft aufwenden müssen, um gegen den Computer anzusteuern.

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