Honda Civic/Seat Leon/VW Golf GTI TCR: Tracktest Drei TCR-Renner im Tracktest

11.01.2017

Seat Leon, VW Golf GTI und Honda Civic sind die Protagonisten der Kompaktklasse, die in der neuen Tourenwagen-Rennserie TCR am Start stehen. Unser Redakteur Gregor Messer bat zum Tracktest.

Das Rezept scheint ganz einfach zu sein: Man nehme sportliche Vertreter der Kompaktklasse, verändere Motorleistung und Fahrwerkstechnik nur rudimentär, verpacke alles in ein großzügiges Sicherheitspaket plus ein optisch attraktives Kleid, und fertig ist der Renner. Mit der Touring Car Racing-Serie (TCR) kommt im Rahmen des ADAC Masters Neuland auf den deutschen Motorsport-Fan zu. International läuft die Serie bereits seit vergangenem Jahr, nun etabliert sich die Kategorie auch in nationalen Rennsport-Veranstaltungen. Das technische Reglement ist simpel. Zweiliter-Reihenvierzylinder mit Turbolader sind Pflicht. Nur viertürige Autos mit Frontantrieb dürfen an den Start. Seriennähe wird groß geschrieben. Anders wäre auch der Kaufpreis der neuen Renntourenwagen nicht zu halten: um die 100.000 Euro, mehr nicht. Vorläufig drei Modelle treten hierzulande an: VW Golf, Seat Leon und Honda Civic. Der Opel Astra kommt später dazu. Andere womöglich auch: Alfa Romeo Giulietta, Subaru STI, Kia cee’d, Peugeot 308 GTi sind international zum Teil schon im Einsatz. Und Mercedes denkt an ein Konzept mit der A-Klasse.

 

Die Hinterachse des VW Golf TCR muss zunächst Grip aufbauen

Also los: Als erstes ist der VW Golf GTI TCR dran. Bullig in der Erscheinung mit weit ausgestellten Kotflügeln und mit einer um 40 Zentimeter breiteren Spur verspricht er schon äußerlich größte Lust auf echtes Racing. Das gilt für seine beiden Kontrahenten natürlich ganz genauso. Das abnehmbare Lenkrad arretiert, die Gurte straff gezogen, die Bordelektrik hochgefahren und die Zündung angestellt: Jetzt muss ich nur noch den roten Knopf unten rechts auf dem Multifunktions-Lenkrad drücken. Sofort feuert der Golf auf allen vier Zylindern, sonor brabbelnd fährt der kompakte Wolfsburger aus der Boxengasse – schon mal ein gutes Rennwagen-Feeling, zumal auch der Innenraum mit Überrollkäfig und Multifunktions-Display dem hohen Konstruktionsstand der TCR-Autos entspricht. Erst mal richtig auf der Piste, spürt man schnell: Gar nicht so einfach zu fahren, so eine TCR-Kiste. Es ist das leidige Konzept eines frontgetriebenen Renntourenwagens, das fordert – das Sportgerät immer bei Laune halten, sprich: Stets schön am Gas bleiben, weil die instabile, zunächst Grip-arme Hinterachse erst mal die nötige Reifentemperatur entwickeln muss, um ein gewisses Maß an Vertrauen in das Auto zu bekommen.

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Des Öfteren keilt der VW Golf TCR aus – so ein Sidekick ist nur bedingt lustig, etwa nach der schnellen Dreifach-Links von Oschersleben, die etwas heikel in die Hotelkurve mündet: Hier muss ich das Auto blitzschnell gerade stellen, denn der Lastwechsel in die folgende enge Rechts will kontrolliert angegangen sein. Die TCR-Renner fordern von mir archaische Talente: Eine Traktionskontrolle gibt es ebenso wenig wie ein Anti-Blockier-System. Also ist Feeling gefragt. Bei der Gangwahl setzt VW auf ein Getriebe des französischen Herstellers Sadev. Die sequenzielle Sechsgang-Box kostet um die 15.000 Euro und wird samt elektromechanischem Schaltblock und Schaltwippen geliefert. Ich gewöhne mich schnell an sie, auch weil es richtig Spaß macht. Noch ein Wort zu den Bremsen: Ich hätte doch glatt etwas später bremsen können. Aber nur nicht übertreiben! Der Motor hat in jeder Lebenslage eine wunderbare, spritzige Elastizität. Kein Wunder bei einem Drehmoment von 410 Newtonmetern. In Oschersleben jedoch ist der sechste Gang obsolet, auch wenn die Schaltlampen auf dem Dashbord im fünften Gang schon rot flackern – die Gerade ist zu kurz. Was am Golf stört: Mit ihm ist es schwierig, das Limit auszuloten. Irgendwie traue ich mich da nicht so richtig ran. Zu allgegenwärtig sind die Kiesbetten.

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Seat Leon TCR überrascht im Tracktest mit eigenem Charakter

Und der Seat Leon TCR? Keine große Überraschung hier. Oder? Doch: Der Leon Cup Racer ist mit einem verstärkten, aber ansonsten serienmäßigen DSG-Getriebe ausgestattet. Ganz ehrlich: Das Bauteil arbeitet geradezu im Faultier-Modus, verglichen mit dem extrem präzisen Sadev-Aggregat seines Konzernbruders. Der Unterschied beim Schalten fällt derart krass aus, dass ich jede Chancengleichheit vermisse. Doch die Reglementmacher haben mitgedacht: Um den Nachteil wett zu machen, darf der Seat statt 1280 Kilogramm 35 Kilogramm weniger auf die Waage bringen – es sei denn, man bestellt sich den Leon Cup Racer (heißt so, weil das Auto ursprünglich dem Seat-Markenpokal entstammt) mit Sadev-Getriebe. Der Seat war sogar etwas giftiger abgestimmt als der Golf, aber ansonsten identisch aufgebaut; schließlich entstammt er ebenso dem Modularen Querbaukasten (MBQ) des VW-Konzerns.

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Der Honda Civic TCR ist besonders agil und extrem direkt

Zum guten Schluss: der Honda Civic TCR. Er mag den ruppigen Umgang, bettelt geradezu darum, macht einen auf Sparringspartner und lässt mich offen mit dem Limit kämpfen. Noch später bremsen, jede Kurve ist Laune pur. Und den ganzen Fahrspaß gibt es für nur 98.000 Euro, sensationell. Eine wilde Windsbraut, die das knifflige Limit deutlich lustvoller preisgibt als ihre Konkurrenten aus dem VW-Konzern. Die Bremsen beißen aggressiver, die Lenkung agiert agiler, direkter. Auch im Honda ist das schnell schaltbare und präzise Sadev-Getriebe verbaut. Und auch hier überzeugt das Auto mit grandiosem Finish – auf den ersten Blick ist die Qualitätsarbeit der italienischen JAS-Schmiede zu erkennen, die seit 1998 mit Honda kooperiert. Das Gefühl für den Grip-Level der Hankook-Slicks erlebe ich spontaner als beim Golf oder beim Seat. Und auch der Honda wird mit dem linken Fuß gebremst, darin unterscheidet er sich nicht von den Rivalen. Der Sitz ist bei ihm deutlich höher positioniert. Und tiefer lässt sich der Sessel nicht platzieren: Unter dem Fahrer ist der Tank verbaut.

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Unser Fazit

Die TCR-Renner sind prädestiniert für spektakulären Sport. Überzeugend sind die günstigen Kosten. "Es ist das richtige Konzept zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Partner", lobt Teamchef Franz Engstler, der die TCR-Serie in Kooperation mit dem ADAC organisiert. Die TCR-Szene boomt: Weltweit kommen in dieser Saison rund 200 Autos zum Einsatz.

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