Suzuki Swift GTi (Bj. 1983 - 89): Fahrbericht, Bilder & Daten Flinker Segler

25.02.2014

Swift ist englisch und heißt sowohl „flink“ als auch „Mauersegler“. Suzukis gleichnamiger Kleinwagen wird jetzt ein Oldtimer – einer mit „Will-haben“-Faktor? Fahrbericht

Niedlich ist er ja schon, der Suzuki Swift. In unschuldigem Weiß parkt ein 1988 gebautes Exemplar mit einem knappen Liter Hubraum und drei Zylindern vor der Tür. Der Wagen gehört Suzuki Deutschland. Sehr lange hat der japanische Hersteller nach einem überlebenden Fahrzeug in gutem Zustand gesucht. Man war froh, dann doch noch eine Facelift-Version des Urtyps ergattert zu haben. Einen ganz frühen Swift in Top-Zustand finden? Fast unmöglich. Niemand hat daran gedacht, so einen Kleinwagen aufzuheben. Und die Abwrackprämie tat ihr Übriges, um die Bestände nahe gegen Null sinken zu lassen.

Einsteigen. Der Schlüssel knirscht ein wenig im Schloss. Mit einem „Plöng“ öffnet sich die Tür, die blechern leicht aufschwingt. Ein wenig Kunststoff-Duft dringt nach außen. Sitzprobe. Das recht knappe Gestühl dürfte Großgewachsenen kaum reichen, doch das Raumgefühl ist luftig, das spindeldürre Lenkrad sieht noch aus wie neu. Andere Kunststoffteile (Türgriffe, Luftdüsen) sind vom UV-Licht ein wenig verfärbt. Der Drehzahlmesser fällt ins Auge: Er ist ein Statussymbol für die höherwertige Ausstattung GLS und kostete im GL Aufpreis. Links neben dem Lenkrad finden sich griffgünstig zwei Knöpfe: Lock und Unlock.

Damit kann man die Heckklappe fernentriegeln. Der Elektroschalter, der das erledigt, klingt, als wiege er einen Zentner. Unwillkürlich blickt man sich zu ihm um und sieht eine geteilt umklappbare Rückbank, die – wenn die Lehne nach vorn geklappt ist – eine ebene Fläche mit dem Kofferraumboden bildet. Das ist auch heute noch ein wichtiges Kriterium in jedem Autotest und ein Pluspunkt. Niedrige Ladekante, abschließbarer Tankdeckel, gut ausgeformte Sitze, klar und deutlich ablesbare Instrumente, Uhr – da fehlt nichts zum Kleinwagenglück.

 

Suzuki Swift: DREI ZYLINDER BLASEN ZUM KONZERT

Witzig sind die Bediensatelliten links und rechts am Cockpit für Licht und Scheibenwischer. Erst muss man sich ein wenig umgewöhnen, doch schnell merkt man: Die haben mitgedacht, denn viel griffgünstiger kann man sowas kaum unterbringen. Doch es gibt auch  Schattenseiten: etwa kein Radio. In der kleinen Mittelkonsole ist bei diesem Swift noch die Radioblende mit herausschneidbaren Plastikelementen Herr über die Stille. Wie viele solcher Blenden dürften noch überlebt haben? Wahrscheinlich keine fünf Stück. Trotzdem: Musik wäre gut.

Vielleicht macht der Motor wenigstens einen schönen Sound. Nach kurzem Dreh am Zündschlüssel erwacht der Dreizylinder zum Leben und fällt sofort in ein ruhiges Standgas. Die Geräuschkulisse ist typisch für einen kleinen Motor. Ein wenig fühlt man sich an Hochdruck-Kaffeemaschinen erinnert, doch fließt kein koffeinhaltiges Heißgetränk aus dem Auspuff. Der Suzuki entlässt nur ein paar Gase in die Umwelt: „bedingt schadstoffarm“ merkt der Fahrzeugschein an. Mit gutem grünen Gewissen schnalzt der Automatikwählhebel von P nach D. Ab geht die wilde Fahrt. Ganz ehrlich: Bei 50 PS und einer Dreistufen-Automatik erwartet man in puncto Vortrieb eigentlich nichts. Umso überraschender ist der Antritt des kleinen Japaners: Flink wie ein Vogel fliegt er auf den ersten Metern davon, wechselt dann allerdings reichlich gemächlich die Fahrstufe und verfällt mit voranschreitender Stundenkilometerzahl in den Trott einer Brieftaube nach langer  Reise. 

Eher gemütlich knackt der Swift GTi die 100-km/h-Marke und zeigt auf der Autobahn akustisch an, dass er sich bei 120 eigentlich am wohlsten fühlt. 140 km/h sind drin, aber dann dröhnt der Suzuki ziemlich, der Motor klingt angestrengt. Das wollen wir ihm nicht zumuten. Abseits der Autobahn zeigt der weiße Blitz auf  der  Landstraße durchaus Kurventalent. Der Swift geht schnell gefahrene Kurven leicht untersteuernd an, um dann mit dem Heck sanft einzudrehen.

Das klappt lange Zeit gut. Der Swift hebt höchstens mal ein Beinchen. Bei 50 PS und Automatik reicht dieses Fahrwerk vollkommen aus. Und bis auf die Windgeräusche auf der Autobahn und ein leichtes Fahrwerkspoltern, das wahrscheinlich von verhärteten Gummilagern herrührt, muss man dem 25 Jahre alten Kleinwagen Respekt zollen: Er hat sich gut gehalten und überzeugt mit Komfort, wirksamem Gebläse, guter Heizung und einem für zwei Personen ausrei-chenden Platzangebot. Hinten geht es freilich recht eng zu.

Doch trotz aller Vorzüge und des steigenden Alters bei höchster Seltenheit muss man sich fragen: Fühlt sich ein Suzuki Swift der ersten Serie wie ein Youngtimer an, wie ein Wagen, der bald stolz sein „H“ auf dem Kennzeichen trägt? Und an dieser Stelle sollte man dann ehrlich sein: nein. Ebenso wie einem Honda Jazz oder Daihatsu Cuore fehlt ihm das Flair eines Klassikers. Andererseits: Wer darauf warten möchte, dass dieser Wagen weiter reift, der dürfte leer aus-gehen, wenn er ihn in ein paar Jahren haben will. So sucht der Swift nach Liebhabern, die sich seiner annehmen. Wer hält zu ihm? 

 

Der heisseste Swift

750 Kilogramm bei 101 PS – das war der Suzuki Swift GTi, der 1986 an den Start ging. Der äußerst drehfreudige Motor begeisterte seinerzeit die Tester der AUTO ZEITUNG, denn das 16V-Agregat konnte nicht nur mit dem Motor eines Renault 5 Turbo in der Kraftentfaltung mithalten, es war auch noch deutlich günstiger im Verbrauch.

Nur beim Fahrwerk hatte der Franzose Vorteile gegenüber dem schnellen Japaner – der kleine, leichte Wagen konnte seine unbändige Kraft nicht auf den Asphalt bringen: Beim zu ungestümen Start rissen die Antriebsräder heillos durch, in Kurven ging das Fahrwerk zu schnell „auf Block“, sodass der Sport-Swift eher um die Ecken hüpfte als fuhr.

Dennoch: Der Swift GTi schlug sich gegen die etablierte Konkurrenz (neben dem Renault 5 Turbo trat auch noch ein Ford Fiesta XR2 an) sehr wacker – zumal er auch noch beim Preis unschlagbar günstig war. In der Classic Cars-Redaktion kann sich niemand erinnern, wann er zuletzt einen Swift GTi vom Typ AA auf der Straße gesehen hat. Hat einer überlebt?

Suzuki Swift (Bj.1983-89): Technische Daten und Fakten
Antrieb
R3-Zyl.; Hubraum: 993 cm3; Leist.: 37 kW/50 PS b. 5800/ min; max. Drehm.: 75 Nm b. 3600/min; Fünfgang-Getr. (opt. Drei-Stufen-Automatik); Vorderradantr.
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttr. Stahlkar. mit zwei Türen und Heckklappe; Radaufh. vorn: Mc-Pherson, Stabi.; hinten: Verbundlenkerachse, Schraubenf., Dämpfer, Stabi.; Bremsen: v./h. Scheiben/Trommeln; Reifen: v./h. 145 R 12
Eckdaten
L/B/H: 3670/1545/1350 mm; Radstand: 2245 mm; Leergewicht: 680 kg; Bauzeit: 1983 bis 1989; Stückz.: k. A.; Preis (1985): 10.495 Mark
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 16,6 s; Höchstgeschwindigkeit: 144 km/h; Verbrauch: 8,2 l/100km
1aus AZ 2/1985, Version vor Facelift m. Fünfgang-Getr.


MARKTLAGE

Zustand 2:    1300 Euro
Zustand 3:      700 Euro
Zustand 4:      200 Euro
Wertentwicklung: fallend
Definition der Zustandsnoten

Suzuki Swift GTi (Bj.1986-89): Technische Daten und Fakten
Antrieb
R4-Zyl.; Hubraum: 1298 cm3; Leistung: 74 kW/101 PS bei 6600/min; max. Drehm.: 113 Nm bei 5400/min; DOHC; Fünfgang-Getriebe; Vorderradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttr. Stahlkarosserie mit zwei Türen und Heckklappe; Radaufh. vorn: McPherson, Stabi.; hinten: Verbundlenkerachse, Schraubenfedern, Dämpfer, Stabi.; Bremsen: v./h. innenbel. Scheiben/Trommeln; Reifen: v./h. 165/65 HR 13
Eckdaten
L/B/H: 3670/1530/1350 mm; Radstand: 2245 mm; Leergewicht: 750 kg; Bauzeit: 1986 bis 1989; Stückzahl: k. A.; Preis (1986): 17.990 Mark
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 9,0 s; Höchstgeschwindigkeit: 183 km/h; Verbrauch: 8,0 l/100km
1aus AZ 25/1986

Thorsten Elbrigmann

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