SUV Große Legende
Toyota Land Cruiser V8 D-4D
Toyota Land Cruiser V8 D-4D
Aus AUTO ZEITUNG 10 / 2008
Stärker, schneller und kompetenter ist die achte Generation des Toyota Land Cruiser geworden
Stärker, schneller kompetenter: Der Land Cruiser Nummer acht vereint Offroadtalent mit Komfort und Leistung
| Eckdaten | |
|---|---|
| PS-KW: | 286 PS (210 kW) |
| Antrieb: | Allradantrieb, permanent, 6 Gang Automatik |
| 0-100 km/h: | 9.80 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit: | 210 km/h |
| Preis: | 69900 € |
Zu den wenigen automobilen Legenden, die Japan bisher hervorgebracht hat, zählt ganz gewiss der Toyota Land Cruiser. Seit 1951 feilten sieben Modellgenerationen erfolgreich am Ruf der Unzerstörbarkeit, so dass Freunde des Landkreuzers das alte Bonmot gern komplettieren: Einen Atomschlag überstehen nicht nur Küchenschaben und der Rolling Stone Keith Richards, sondern eben auch der gute alte Land Cruiser. Nun gibt es einen neuen Land Cruiser. Einen guten?
Zunächst einmal ist der Neue gegenüber dem gewiss nicht unterdimensionierten Vorgänger in allen Dimensionen einige Zentimeter gewachsen, was angesichts 1,91 Meter Höhe und 2,85 Meter Radstand üppige Platzverhältnisse erwarten lässt.
Wer den Einstieg geschafft hat, der de facto ein Aufstieg ist in Sphären, wo normalerweise Schnelltransporter-Piloten unter sich sind, findet prompt eine Bestätigung: Vorn auf den großzügig dimensionierten, mit Seitenhalt aber geizenden Einzelsitzen lebt es sich sehr erquicklich, auch in der zweiten Reihe zwickt und kneift selbst zu dritt nichts. Nur die Sitzbank wurde so tief unten montiert, dass lange Beine stark gewinkelt werden müssen und die Schenkel kaum Kontakt zu den Polstern haben.
Zur Not gibt es im minimal 655 Liter fassenden Kofferraum noch zwei seitlich angeschlagene Klappsitze (2300 Euro), wobei die magere Zuladung von 420 Kilogramm beachtet werden sollte. Das Leben dort hinten ist weniger unbequem, als man auf Anhieb erwartet. Allerdings ist der Weg dorthin – entweder durch die Heckklappe oder vorbei an den vorgeklappten Sitzen der zweiten Reihe – eine Expedition, die man lieber der gelenkigen Jugend überlässt.
Nun kann es also losgehen – gern auch ins Gelände. Dort ist der Land Cruiser zwar wegen seiner schieren Dimensionen und des großen Wendekreises kein Naturtalent, sehr wohl aber ein begabter Kletterer: Ein neues Torsen-Differenzial verteilt die Kraft situationsgerecht zwischen den Achsen, die beim Basismodell über entkoppelbare Stabilisatoren verfügen, während im getesteten Executive-Modell (10000 Euro Aufpreis) eine Luftfederung mit Niveauregulierung die Räder am Boden halten hilft.
Natürlich sind auch Offroad-ABS, Bergabfahrhilfe und eine Geländereduktion an Bord, die das langsame Kraxeln mit ausreichend Kraft erleichtern. Und Kraft ist wirklich genügend da: Musste sich der Vorgänger noch mit sechs Zylindern begnügen, sitzen nun derer acht unter der unübersichtlichen Haube. Sie schütteln leise grollend 286 PS und 650 Newtonmeter aus dem Ärmel, was locker für 9,8 Sekunden bis 100 km/h und 210 km/h Spitze reicht.
Bei diesem Tempo liegt der Verbrauch natürlich klar über dem Testdurchschnitt von 13,9 Litern, zudem empfiehlt sich aus Gründen der Fahrstabilität der – allerdings straff-stößige – Sport-Modus des Fahrwerks. Trotzdem bleibt in schnellen Kurven nicht verborgen, welche Massen hier der Fliehkraft ausgesetzt sind. Daher genießt man das Dickschiff lieber bei weniger Tempo im geschmeidigen Komfort-Modus – oder hängt gleich auf großer Fahrt bis zu 3,5 gebremste Tonnen an den Haken.
Der ist mit einem Leiterrahmen klassischer Prägung verbunden, den Kenner gern als Indiz für die Solidität eines Offroaders nehmen. Als Arbeitstier ist der Land Cruiser dennoch nicht gedacht. Das zeigen schon die zum Großteil hochwertigen, jedoch nicht durchweg sorgfältig verarbeiteten Materialien – man möchte sie sich nicht so verschmutzt vorstellen, wie es nach Expeditionen durch unwirtliche Landstriche normal ist.
In der Regel dient der – ohne das in der Bedienung eigenwillige Navigationssystem – mindestens 69900 Euro teure Land Cruiser wohl eher als komfortabler Reise-Jumbo. In dem hätten viele sicher gern Xenonscheinwerfer. Doch da hält es Toyota wie anno 1951: Was nicht drin ist, hält ewig.
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Fazit - Michael Harnischfeger
Der neue Land Cruiser ist nicht nur ein Auto. Er ist ein Statement, denn er umgibt seinen Piloten mit der Aura des beruflich erfolgreichen Menschen, der auch in seiner Freizeit nicht nur Mikado spielt. Der letzte Wille zur Perfektion im Detail fehlt zwar, doch das Grundlayout stimmt: Der Land Cruiser ist kein modisches SUV, das sieben Fliegen mit einer Klappe erwischen will. Er bietet viel Platz und Komfort, punktet auch bei der Sicherheitsausstattung und taugt mit seinem cleveren Allradantrieb für weit mehr als nur Picknick-Touren.
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